Schweiz
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«Bestrafen sie nicht das Kind dafür» – Nationalrat für Stiefkindadoption für Homosexuelle



Homosexuelle sollen künftig Kinder ihrer Partner oder Partnerinnen adoptieren dürfen. Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat dieser Änderung des Adoptionsrechts zugestimmt.

Heute ist die Stiefkindadoption Ehepaaren vorbehalten. Künftig soll sie in allen Paarbeziehungen möglich sein, unabhängig vom Zivilstand und von der sexuellen Orientierung. Der Nationalrat hat dem am Montag zugestimmt.

Umfrage

Und jetzt du: Sollen Homosexuelle Kinder adoptieren dürfen?

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1,357 Votes zu: Und jetzt du: Sollen Homosexuelle Kinder adoptieren dürfen?

  • 15%Nein.
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  • 8%Ich will nur das Resultat dieser Umfrage sehen.

Er lehnte mit 127 zu 60 Stimmen bei 2 Enthaltungen einen Antrag aus den Reihen der SVP ab, die Stiefkindadoption für Paare in eingetragener Partnerschaft – also homosexuelle Paare – weiterhin auszuschliessen.

Nein sagte er auch zu einem Antrag, die Stiefkindadoption für faktische Lebensgemeinschaften – also Konkubinatspaare – auszuschliessen. Dieser Entscheid fiel knapper, mit 95 zu 92 Stimmen bei 2 Enthaltungen.

Zumutbar für das Paar

Gegen die Stiefkindadoption für Konkubinatspaare stellten sich neben der SVP auch die CVP und die BDP. Die Gesellschaft dürfe verlangen, dass sich ein Paar rechtlich binde, wenn es ein Kind an sich binden wolle, argumentierten sie. Das sei zumutbar. Die Mehrheit folgte aber dem Bundesrat und dem Ständerat.

Die Gesetzesrevision soll der Tatsache Rechnung tragen, dass immer mehr Kinder bei unverheirateten Paaren aufwachsen. Die Adoption fremder Kinder wird gleichgeschlechtlichen Paaren weiterhin nicht erlaubt sein. Einzelpersonen dagegen dürfen – wie bereits heute – ein Kind adoptieren.

Nicht die Kinder bestrafen

Das Zusammenleben sei vielfältiger geworden, stellte Justizministerin Simonetta Sommaruga fest. Man könne das bedauern. Aber ein liberales Familienrecht sollte das abbilden, was gelebt werde. Sonst litten die Schwächsten darunter, also die Kinder. Deren Wohl müsse im Zentrum stehen, sagte Sommaruga.

Der Rat habe zu entscheiden, wie Kinder abgesichert seien, wenn sie beispielsweise den leiblichen Elternteil verlören. Ihnen die rechtliche Absicherung zu verweigern, weil der leibliche Vater oder die leibliche Mutter nicht geheiratet hätten, sei nicht im Sinne des Kindeswohls, gab Sommaruga zu bedenken. «Wenn es Ihnen nicht passt, dass erwachsene Menschen ohne Trauschein zusammenleben, dann bestrafen sie doch nicht das Kind dafür.»

Was heisst «Kindeswohl»?

Die Gegnerinnen und Gegner zogen in Zweifel, dass die geplanten Änderungen tatsächlich im Interesse der Kinder sind. Zuerst sollte geklärt werden, was «Kindeswohl» überhaupt bedeute, sagte Pirmin Schwander (SVP/SZ). Streitfälle seien vorprogrammiert.

Es gehe nicht um die Frage, ob ein Kind bei gleichgeschlechtlichen Eltern gut aufgehoben sei oder nicht, versicherte der SVP-Nationalrat. «Selbstverständlich» könne ein Kind sich wohler fühlen bei einem gleichgeschlechtlichen Paar als in einer Familie mit Mutter und Vater, die wild zerstritten seien.

Vorwurf der «Salamitaktik»

Yves Nidegger (SVP/GE) stellte fest, die Öffnung der Adoption für Unverheiratete bedeute mehr Unsicherheit für das Kind. Das Paar könne sich trennen, ohne dass ein Richter im Spiel sei. Die Gesellschaft habe sich verändert, aber Kinder hätten, wenn sie zur Welt kämen, immer noch einen biologischen Vater und eine biologische Mutter.

Die Gegner befürchten auch, dass es sich nur um einen ersten Schritt handelt: In einem nächsten könnte gleichgeschlechtlichen Paaren auch die Adoption fremder Kinder erlaubt werden. Andreas Glarner (SVP/AG) sprach von «Salamitaktik». Sommaruga erinnerte daran, dass das Parlament die aktuelle Gesetzesrevision gefordert hatte. Über allfällige weitere Schritte werde ebenfalls das Parlament entscheiden können.

Tieferes Mindestalter

Die Stiefkindadoption ist nur ein Element der Revision. Der Nationalrat hatte am Montag noch über weitere Änderungen des Adoptionsrechts zu befinden. Das Mindestalter für die Adoption soll von 35 auf 28 Jahre gesenkt werden. Und die Dauer der Ehe soll nicht mehr ausschlaggebend sein: Das Paar muss künftig mindestens drei Jahre lang einen gemeinsamen Haushalt geführt haben, um ein Kind adoptieren zu können.

Eine Änderung will die Nationalratskommission bei den Auskunftsrechten adoptierter Kinder anbringen: Diese sollen nicht nur über ihre leiblichen Eltern Auskunft erhalten, sondern auch über ihre leiblichen Geschwister. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Anaalvik 31.05.2016 10:18
    Highlight Highlight Es fragt sich, womit das Kind bestraft wird: mit der Adaption, oder mit der Nicht-Adoption.
    Wenn es nach mir ginge, dann wäre Adoption für alle verboten, und das Erbrecht würde nimandes letzten Willen in irgend einer Weise einschränken. Ach ja, die Ehe als Zivilstand kann man auch gleich abschaffen, es gibt ja kaum noch einen Unterschied zum Konkubinat und zur Vielweiberei, -männerei und Hurerei.
    2 9 Melden
  • Romina 30.05.2016 21:31
    Highlight Highlight Und wann treten diese Änderungen in Kraft? Doch hoffentlich bald!!
    19 3 Melden
    • eldo 30.05.2016 23:29
      Highlight Highlight Es droht wahrscheinlich ein Referendum und damit eine Volksabstimmung. Damit verzögert sich eine mögliche Umsetzng.
      9 0 Melden
  • Fabio74 30.05.2016 20:13
    Highlight Highlight Guter Entscheid. Macht Freude
    36 5 Melden
  • Madison Pierce 30.05.2016 19:48
    Highlight Highlight Mir fehlt ein Passus, der die Adoption bei Leihmutterschaft verbietet. Diese wird weit häufiger sein als der Tod eines Elternteils.

    Mit dem neuen Gesetz können gleichgeschlechtliche Paare ins Ausland und sich entweder befruchten lassen oder eine Leihmutter engagieren. Da die Gesetze im Ausland anders sind als hier, wird das Kind unter Umständen nie erfahren, wer sein richtiger Vater/seine richtige Mutter ist. Das sollte man verbieten.
    9 50 Melden
    • Fabio74 30.05.2016 20:12
      Highlight Highlight man wird nie jemandem verbieten können ins Ausland zu gehen. Ob man nun dafür oder dagegen ist
      29 5 Melden
    • mxvds 30.05.2016 21:44
      Highlight Highlight Leihmutterschaft ist in der Schweiz bereits nicht erlaubt... wäre ja Irsinn ein Gesetzt für einen Gesetztesverstoss zu machen.

      Leihmutterschaft und andere Befruchtungsarten die im Ausland getätigt werden können auch in der Schweiz gefahndet werden nur ist es meistens sehr schwer bis überhaupt nicht möglich diese anzuzeigen / nachzuverfolgen. Somit wird dies immer eine gewisse Problematik bleiben. Mit oder ohne diesem neuen Adoptionsgesetzt.
      10 0 Melden
    • Madison Pierce 30.05.2016 21:52
      Highlight Highlight Es ist klar, dass wir nicht die Gesetze im Ausland machen können. Aber man hätte ins Adoptionsgesetz schreiben können, dass Kinder nicht adoptiert werden können, die im Ausland per in der Schweiz verbotenem Verfahren gezeugt oder ausgetragen wurden.

      Wie gut sich das im Einzelfall nachweisen lässt, steht auf einem anderen Blatt. Aber es wäre ein Zeichen, dass nicht einfach alles möglich sein soll.
      2 19 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Yelp 30.05.2016 19:47
    Highlight Highlight Ich finde es fehlt ein Punkt, wo das Kind mitentscheiden kann. Als ich 10 war fragte mein Vater mich und meine Schwester wie wir es fänden von unserer Stiefmutter adoptiert zu werden. Was wir beide vehement ablehnten. Zum Glück hörte er auf uns. Jetzt lassen sie sich endlich scheiden.
    11 20 Melden
  • maljian 30.05.2016 19:15
    Highlight Highlight Ich finde es gut, das es bei dem Thema endlich Fortschritte gibt.

    Ich hoffe nur, das in den nächsten Jahren auch noch der andere Punkt umgesetzt wird.
    Auch schön, wenn die SVP selbst sag, das es unter gewissen umständen für ein Kind sogar besser sein könnte.
    28 3 Melden
    • Sir Jonathan Ive 31.05.2016 08:31
      Highlight Highlight Leider sind diese Umstände die Sie erwähnen aber, dass das heterosexuelle Paar sich andauernd streitet. Also bedeutet die Aussage im Endeffekt genau das Gegenteil. Nämlich, dass es für das Kind schlechter ist.
      0 0 Melden
  • Topoisomerase 30.05.2016 19:00
    Highlight Highlight Soll ich mich ab dem jetzt freuen? Es ist ein (kleiner) Schritt in die richtige Richtung aber der Weg ist noch weit bis zur Gleichstellung.
    35 8 Melden
  • Pingupongo 30.05.2016 18:16
    Highlight Highlight Und was das Argument einer plötzlichen Trennung von nichtverheirateten Paaren angeht: Ich glaube, vor einer Adoption hat man sich wohl schon recht intensiv mit der Zukunft der Beziehung und auch der Zukunft mit Kind auseinandergesetzt. In manchen Fällen wohl mehr als manch verheiratetes Paar, das auf natürlichem Weg zu Kindern kommt.
    27 8 Melden
    • maljian 30.05.2016 19:08
      Highlight Highlight Ich kenne ein Paar, welches seit kurzem ein Kind hat, aber auch weiss das es nie heiraten möchte.
      Warum sollte dann also ein unterschied gemacht werden, wenn ein "neues" Elternteil hinzu kommt.

      Einige Parteien hätten vermutlich gerne Umstände, wie in den 50ern zurück 🙈
      19 5 Melden
    • goschi 30.05.2016 22:11
      Highlight Highlight Ich habe zwei Kinder aus einer unverheirateten Beziehung und trotz Trennung erziehen wir weiterhin gemeinsam unsere Kinder und stehen betreffend Kindern zusammen, auch wenn wir persönlich zuweilen Differenzen haben mögen.


      Man kann sich unter jedem Umstand dafür entscheiden für die Kinder zusammenzustehen, dafür braucht es keine pseudobindende traditionelle Konvention, die doch nichts garantieren.
      7 2 Melden
  • Pingupongo 30.05.2016 18:14
    Highlight Highlight Also einerseits sagt die SVP, dass sich ein Kind bei einem homosexuellen Paar "selbstverständlich" wohler fühlen kann als bei einem zerstrittenen Paar. Andererseits befürchten sie die Öffnung der Adoption fremder Kinder für Homosexuelle. Sehe nicht inwiefern das Leben in einem Pflegeheim oder der Wechsel zwischen verschiedenen Pflegefamilien besser sein soll, als bei zerstrittenen leiblichen Eltern. Das spricht also auch wieder für die Öffnung der Adoption.
    39 4 Melden
  • Miicha 30.05.2016 17:44
    Highlight Highlight Wurde endlich Zeit!!
    44 4 Melden
    • pamayer 30.05.2016 18:17
      Highlight Highlight Genau!
      19 7 Melden

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