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ARCHIV --- ZUR ABSEGNUNG DER HOOLIGAN-MASSNAHMEN DURCH DAS BUNDESGERICHT STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Le dispositif securitaire de la police observe les supporters ou hooligans, lors du Match FC Sion / FC Bale ce dimanche 22 septembre a Sion. La police Cantonale Valaisanne a presente aux medias, l'organisation et les infrastructures mises en place pour contenir les supporters lors des matchs de foot su stade aux lieux publiques. (KEYSTONE/Olivier Maire)

Ein Polizist überwacht Fans. Bild: KEYSTONE

Verdecktes Filmen von Fussballfans: Deshalb ist «Focus One» so umstritten 

Schweizer Fussballfans werden auch diese Saison ausserhalb der Stadien gefilmt. Die Swiss Football League führt ihr Pilotprojket «Focus One» weiter. Rechtlich bewegt sie sich damit auf dünnem Eis. 

Benjamin Rosch, Felix Burch


«Focus One» nennt der Fussballverband das Projekt, mit dem er «Gewalt im Umfeld von Fussballspielen bekämpfen will». Eingeführt hat es die Swiss Football League (SFL) im März, nun wird es als Pilotprojekt weitergeführt. Laut SFL-Sprecher Philippe Guggisberg sind im Rahmen von «Focus One» bisher 70 Dossiers an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet worden. Allerdings ist unklar, ob die Gerichte das Videomaterial als Beweismittel zulassen werden. Das ist nicht die einzige Unklarheit bei «Focus One». Deshalb hier die wichtigsten Antworten: 

Was ist «Focus One»?

«Seit März 2015 dokumentiert eine private Firma im Auftrag der SFL in einem befristeten Pilotversuch Straftaten von Matchbesuchern bei ausgewählten Auswärtsspielen ihres Klubs und erstellt Video- und Fotoaufnahmen.» (SFL in einer Mitteilung vom 5. Mai 2015)

Wird dieses Pilotprojekt nun zu einem offiziellen SFL-Projekt?

«Das Komitee der Swiss Football League hat entschieden, das Projekt «Focus One» im bisherigen Rahmen weiterzuführen. Die Auswertung der Pilotphase wird verlängert; noch fehlen wichtige Rückmeldungen. Zu dieser Pilotphase werden keine Zahlen und Ergebnisse veröffentlicht.» (SFL in einer Mitteilung vom 6.August 2015)

Fanmarsch der FCB-Fans zum Barfuesserplatz in Basel, am Sonntag, 18. Mai 2014. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Die SFL wird bis auf Weiteres auch Fanmärsche filmen lassen. Bild: KEYSTONE

Ist der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte (EDÖB) einbezogen worden?

«Die SFL hat dem EDÖB das Projekt vor der Einführung geschildert und um eine Stellungnahme gebeten. (EDÖB-Sprecher Francis Meier an watson)

Wo liegt das Hauptproblem?

Laut dem EDÖB ist das Filmen von Fangruppen durch Privatpersonen problematisch, weil dies unweigerlich zu einer privaten Videoüberwachung auf öffentlichem Grund führt. Dies verstösst in der Regel insbesondere gegen das Verhältnismässigkeits- und Transparenzprinzip und ist daher nicht zulässig. (Meier an watson)

Braucht es für das Filmen durch Private auf öffentlichem Grund also eine Bewilligung?

Es ist den Gemeinden und Kantonen freigestellt, ob sie das Filmen auf öffentlichem Grund von einer Bewilligungspflicht abhängig machen wollen. Es gibt verschiedene Regelungen. (Meier an watson)

Was kann die Liga tun, um kein Recht zu brechen?

Laut EDÖB müsste die SFL die Aktionen mit der Polizei absprechen und die Aktionen müssten in das Sicherheitsdispositiv der Polizei integriert werden. Die Personen, die filmen, würden so im Auftrag der Polizei eine polizeiliche Aufgabe übernehmen. Wie bereits oben erwähnt, müssen die jeweiligen Kantone und Gemeinden das Ganze bewilligen. 

Falls die Liga doch auf rein privater Basis filmen lässt, so sollte die Kamera nur im Ereignisfall eingeschaltet werden. Dies rät der EDÖB. Damit könnte wenigstens verhindert werden, dass sich korrekt verhaltende Personen gefilmt würden. 

Ist Bildmaterial, das Private filmen, vor Gericht verwertbar?

Die Gerichte haben zu prüfen, ob die Aufnahmen rechtmässig erhoben wurden oder ob die Persönlichkeit der Angeklagten widerrechtlich verletzt wurde. Ist letzteres der Fall, dürfen die Bilder nur bei besonders schwerwiegenden Straftaten als Beweismittel verwendet werden. (Meier an watson)

Was können betroffene Fans tun?

Betroffene Fans können gegen die filmende Person eine Zivilklage einreichen und dabei insbesondere das Löschen der Aufnahmen und Schadenersatz verlangen. Bisher ist noch keine Fan-Klage im Zusammenhang mit «Focus One» bekannt. 

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