Schweiz
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In diesem Land wohnt nur ein einziger Schweizer. Wir haben mit ihm gesprochen

Bild: zvg

Rund 194 Staaten gibt es auf der Welt, doch nur in zweien ist genau ein Schweizer registriert: Auf Mikronesien und São Tomé und Príncipe. Letzteren haben wir aufgespürt – das ist seine Geschichte, die Geschichte von Reto Scherraus-Fenkart.



Auslandschweizer gibt es einige. 2017 waren es gemäss Bundesamt für Statistik genau 751'800. Sie verteilen sich auf fast der ganzen Welt.

Auf São Tomé und Príncipe allerdings gibt es nur einen. Reto Scherraus-Fenkart, Jahrgang 1964. 1997 ist er zum ersten Mal auf São Tomé und Príncipe gelandet. Seit 2007 ist er der einzige gemeldete Schweizer auf dem afrikanischen Inselstaat in Äquatornähe. 

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Bild: watson

Herr Scherraus-Fenkart, Sie sind der einzige auf São Tomé und Príncipe registrierte Schweizer. Wie landeten Sie auf dem kleinen Inselstaat?
Reto Scherraus-Fenkart: Ich verliess die Schweiz nicht mit dem Ziel São Tomé und Príncipe. Eigentlich war damals meine Traumdestination Brasilien. Nach der Kantonsschule reiste ich aber erst einmal nach Portugal. Meine Haare reichten bis weit über die Schultern, ich hatte einiges an Flausen im Kopf und dachte, während ich mir meinen Lebensunterhalt als Gärtnergehilfe in einem Hotelbetrieb eines Schweizers verdiente, dass ich mir später einmal als Kunstmaler ein interessantes Leben gestalten könnte.

Seither leben Sie im Ausland?
Nein. Mit meinem Vater hatte ich einen Deal: Kantonsschule abschliessen, RS absolvieren, mindestens einen Monat in einer Bank arbeiten – danach durfte ich machen, was ich wollte. Ersteres hatte ich ja bereits mit Ach und Krach bestanden. Ich schnitt mir also noch die Haare ab, absolvierte die RS und den Monat in der Bank. Aber danach, im «zarten Alter» von 20, reiste ich sofort zurück nach Portugal.

Sao Tome Scherraus-Fenkart

Reto Scherraus-Fenkart (r.) vor dem Schweizer Konsulat auf São Tomé und Príncipe mit einem polnischen Investor. bild: rsf

Wieder als Gärtnergehilfe oder als Kunstmaler?
Nun, ich malte zirka 50 Bilder und verkaufte eines – welches mir bis heute nicht bezahlt wurde. Da wusste ich: Mein Leben verläuft wohl anders als geplant.

Erzählen Sie.
Eine berufliche Neuorientierung war schon rein finanziell nötig. Ein guter Freund riet mir, dank meiner guten Sprach- und Landeskenntnisse in die Immobilienbranche einzusteigen. Ich wurde also zum jüngsten zugelassenen Makler von Portugal und hatte richtig Spass

Wie kamen Sie denn überhaupt nach São Tomé?
Das war einige Jahre später, 1997. Ich lebte noch in Portugal, als eines Tages ein guter Freund von mir erzählte, dass er auf São Tomé und Príncipe früher Land besessen hätte, dieses allerdings im Zuge der Unabhängigkeit verstaatlicht wurde. Er meinte: Du kannst es doch so gut mit den Leuten und kennst das Immobiliengeschäft. Kannst du nicht hingehen und versuchen, mein Land zurückzubekommen?

Sao Tome Scherraus-Fenkart

Reto Scherraus-Fenkart mit seiner Lebenspartnerin Olga auf São Tomé. bild: rsf

Dann machten Sie sich einfach auf?
Ja, es war für mich die ideale Mischung zwischen Freundschaftsdienst, einem möglichen Geschäft und vor allem meinem insgeheim langgehegten Wunsch, dieses Land zu sehen, von dem ich schon einiges gehört hatte, das aber so gut wie keiner wirklich kannte. Also stimmte ich zu.

«Bei der Landung war gefühlt das ganze Land da und empfing die Passagiere.»

Und reisten ins gelobte Land ...
Damals flog nur einmal alle drei Wochen ein Flugzeug von Lissabon nach São Tomé und Príncipe. «O dia do voo» (der Tag des Fluges) war das Highlight schlechthin für die lokale Bevölkerung. Nach der Zwischenlandung in Abidjan kam man im kleinen São Tomé an und wurde gleich – so schien es mir damals – vom ganzen Land empfangen (Anm. der Red.: Damals lebten rund 130'000 Menschen auf der Insel). Es ging noch jahrelang so, dass man einen Wildfremden in der Stadt fragen konnte, ob XY im Land sei und man bekam ganz natürlich eine manchmal sogar detaillierte Antwort. Das ist heute vorbei.

Was für eine Lage für einen Flughafen: Die Landebahn auf São Tomé.

«Am letzten Tag vor meinem Rückflug bekam ich die Aufenthaltsbewilligung.»

Sie hatten dann also drei Wochen Zeit, um die Sache mit dem Landstück Ihres Freundes zu klären. Wie gingen Sie vor?
Am zweiten oder dritten Tag wurde ich vom damaligen Premierminister Raul Wagner Bragança Neto empfangen. Dieser war ganz aus dem Häuschen: «Was, Sie sind Schweizer? Sie schickt der Herrgott», jubelte er, «ich wollte dringend mit einem Schweizer reden.» Ich musste innerlich schmunzeln. Wie sich herausstellte, hatte Bragança Neto eine politische Krise zu bewältigen und erhoffte sich wohl Tipps aus der Schweiz. Ich konnte seine politischen Probleme nicht wirklich lösen helfen. Aber wir verstanden uns auf Anhieb gut und blieben, bis zu seinem leider viel zu frühen Tod, Freunde. Während dieser drei Wochen verliebte ich mich in Land und Leute und fragte deshalb den Premierminister, ob es möglich wäre, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

Das klappte?
Am letzten Tag vor meinem Rückflug kam ein höherer Funktionär des zuständigen Ministeriums persönlich vorbei und überreichte mir das erwünschte Dokument. Somit stand ich praktisch in der «angenehmen Pflicht», wiederzukommen.

Sao Tome und Principe. 
Bilder: @HBD

Die Natur bietet auf São Tomé und Príncipe einzigartige Pflanzen. bild: hbd.com

Und das Land Ihres Freundes gab es auch als «Abschiedsgeschenk»? 
Nein. Da konnte ich leider nichts machen. Er erhielt es nicht mehr zurück.

Aber Sie kehrten zurück und wohnen seither auf der Insel?
Ich bin mittlerweile sogar Staatsbürger von São Tomé und Príncipe. Allerdings lebe ich nicht permanent auf der Insel. Wir haben auch Wohnsitz in Portugal und Uruguay und pendeln hin und her.

Sao Tome und Principe. 
Bilder: @HBD

Die Fischerei gehört zum Leben auf São Tomé und Príncipe.

Fühlen Sie sich manchmal einsam als einziger Schweizer in einem fernen Land?
Ich fühle mich heute fast wie ein Portugiese auf São Tomé und Príncipe, denn ich bin hier auch in der portugiesischen Gemeinschaft gut integriert. Das «Alleiniger-Schweizer-sein-Gefühl» kommt nicht auf, da es durch diese Gemeinschaft übertroffen wird. Aber natürlich: Ich freue mich immer, wenn ich zwischendurch Schweizerdeutsch höre, zum Beispiel während des Hinflugs. Da gebe ich dann gerne auch ein paar Tipps.

«Dann steht man da, staunt und kommt erst mal nicht weg.»

Wie meinen Sie das?
Nun, touristisch steckt São Tomé in den Kinderschuhen. Äs isch scho nochli andersch. Zum Beispiel stehen am Flughafen keine Taxis. Wenn man da ankommt und kein Portugiesisch spricht, steht man da, staunt und kommt erst mal nicht weg. Ich habe schon mehr als einmal Taxi gespielt und Mitreisende vom Flughafen ins Hotel gebracht.

Scherraus-Fenkart Sao Tome

Besuch im Büro von Reto Scherraus-Fenkart, hier mit dem polnischen Blockchain-Investor Maciej Ziolkowski. bild: rsf

Sie helfen mittlerweile auch von Berufs wegen Schweizern. Sie sind unser Honorarkonsul auf São Tomé und Príncipe. Wie kam es dazu?
Früher war unsere Botschaft in Kinshasa (DR Kongo) für São Tomé zuständig. 2009 wurde nach 13 Jahren die Schweizer Botschaft in Luanda (Angola) wieder eröffnet. Der Botschafter bekam São Tomé und Príncipe, welches ja ein UNO-Mitglied ist, als Seitenakkreditierung zugeteilt. Er suchte jemanden, der ihm auf der Insel zur Hand gehen könnte.

Und der kam dann auf Sie zu?
Ja, er wusste, dass ich auf der Insel lebe und kontaktierte mich. Als ich angefragt wurde, war eine Zusage meinerseits für mich selbstverständlich. Der Rote Pass hat mir schon die eine oder andere Türe geöffnet. Mit der Ausübung dieses Amts kann ich meiner Heimat etwas zurückgeben.

Eine Strassenszene auf Príncipe. Bild: hbd.com

Was macht ein Honorarkonsul eigentlich den ganzen Tag?
Vereinfacht gesagt: Ein Honorarkonsul ist wie ein Beamter  seines Landes ohne Beamtenstatus und ein bisschen «Mädchen für alles». Wenn Bern, Botschaft oder das zuständige Konsulat etwas brauchen, wenn Schweizer eine Auskunft möchten oder in Not geraten oder wenn São Toméer etwas von der Schweiz wünschen, dann bin ich für diese Anliegen zuständig. Da gab es dann auch schon mal Fragen wie, ob auf São Tomé Löwen* leben ... Natürlich habe ich geantwortet, obwohl ich dazu nicht wirklich verpflichtet gewesen wäre. (lacht)

Was sind denn Ihre Hauptaufgaben?
Die Schweiz hält mit São Tomé und Príncipe weder rege Handelsbeziehungen, noch gibt's einen grossen Tourismusstrom. So leisten wir vor allem Goodwill-Arbeit und versuchen, damit Land und Leuten die Schweiz näherzubringen und gleichzeitig zu helfen. Wir haben übrigens auch eine 24-Stunden-Notfallnummer. Zum Glück wurde diese jedoch noch nie beansprucht.

Info Notfallnummer

Die konsularische Notrufnummer (+239 999 0917) von Reto Scherraus-Fenkart ist rund um die Uhr in Betrieb, jedoch wirklich nur für Notfälle gedacht. Aber unter +41 71 SAO TOME (+41 71 726 8663) hilft das Konsulat bei Fragen zum Land gerne weiter.

Als Honorarkonsul verdienen Sie nichts. 
Das ist richtig. Die Bezeichnung «Honorar» meint nicht, dass man ein Honorar bezieht, sondern, dass einem die Ehre zuteil wird, «seinen Ländern», also dem Entsender- und dem Gaststaat, dienen zu dürfen. 

Was vermissen Sie für São Tomé aus der Schweiz am meisten?
Für das Volk und die Wirtschaft: Energie. Es gibt hier Apagões (Stromausfälle) am Laufmeter, der Strom des ganzen Landes wird immer noch mit Dieselgeneratoren gezeugt. Zudem ist auch das Gesundheitswesen ein grosses Problem. Ich stehe deshalb jederzeit Organisationen und Leuten als Verbindungsglied zu Diensten, die auf São Tomé Gutes tun wollen. Mit allem anderen komme ich eigentlich mühelos zurecht.

Was sind das für Dinge?
Die Pünktlichkeit ist so etwas. Wenn es regnet – und es regnet ja oft –, dann weiss man: Es wird später, meist sogar «sehr viel später». Und wenn man jemanden zum Mittagessen einlädt, dann können auch mal vier kommen. Das ist halt so. Wenn man das mal begriffen hat, ist das problemlos.

Haben Sie Schweizer Traditionen oder Eigenschaften bewahrt?
Ich habe ein Alphorn hier und spiele manchmal damit. Einmal reiste ich auf die kleine Insel Ilhéu das Rólas, südlich der Hauptinsel. Dort durchquert der Äquator das Land. Ich stand auf der Nordhalbkugel und pustete den Ton des Alphorns auf die Südhalbkugel, so was macht man nicht jeden Tag! Bei uns findet man übrigens fast immer Glarner Schabzieger, Bündner Fleisch und Schweizer Schoggi-Prügeli. «Old habits die hard.» Und mein Haus ist wohl der Ort, der dem Mittelpunkt der Welt am nächsten kommt, wo man ein Appenzeller Alpenbitter trinken kann. (lacht)

Sao Tome und Principe. 
Bilder: @HBD

Vieles auf São Tomé und Príncipe ist noch sehr ursprünglich. bild: hbd.com

Gibt es auch Ähnlichkeiten mit der Schweiz?
Bei meiner Ansprache zur Eröffnung unseres Konsulats 2012 habe ich gesagt: «Beide gehören auf ihre Art zu den schönsten Ländern, die ich kenne, und sind gleichzeitig Inseln. Die eine im stürmischen Atlantik, die andere im stürmischen Europa.» Das ist für mich noch immer so. Und die beiden Länder verbindet übrigens auch ihre weltberühmte Schokolade.

Wie gehen die Einheimischen mit Ausländern um?
Inselbewohner sind auf der ganzen Welt verschlossener als Menschen vom Festland. Das hat nichts mit Ausländern zu tun, man ist einfach vorsichtiger. Im Allgemeinen ist der Ausländer hier willkommen, leider aber oft auch als Geldquelle. Ich höre immer wieder die «Branco»-Rufe («Weisser») und sehe dann ausgestreckte Hände. 

Der Pico Cão Grande ragt wie ein Finger 370 Meter in die Höhe und ist einer der markantesten Orte der Insel. 

Was bringt es Ihnen, Schweizer zu sein?
Als Schweizer werden wir – und dies nicht nur hier – oft noch immer als «Ideal» betrachtet. Alleine durch das Schweizersein wird man an vielen Orten noch immer geschätzt. Wir sollten diesem Ruf auf unseren Reisen Sorge tragen und nie vergessen, dass wir alle im Ausland, ob wir nun wollen oder nicht, kleine «Botschafter» unserer Heimat sind.

Was können wir von São Tomé lernen?
Das Leben etwas nonchalanter zu nehmen und uns an dem zu freuen, was wir haben. Die einzigartige Natur und die schönen Strände können wir in der Schweiz leider nicht nachbauen. Das hat es einfach hier.

Sao Tome und Principe. 
Bilder: @HBD

Fischer und einsame Strände: Von beidem gibt es auf São Tomé und Príncipe genug.  bild: hbd.com

Womit wir beim Tourismus wären. Wie sieht es da aus?
Der steckt noch in den Kinderschuhen. Man ist sich auf São Tomé nicht ganz sicher, was zuerst kommen soll: die Touristen oder die Infrastruktur. Man hat es aber überall gut und ist sicher.

Wie sieht die Infrastruktur denn aus?
In der Hauptstadt stehen drei Hotels mit europäischem Standard. Im Norden der Insel steht ein kleines Hotel mit guter Küche, liebevoll von einem Italiener geführt, im Süden findet man die Roça São João, geführt von einem im ganzen lusophonen Raum bekannten Fernsehkoch und Künstler. Es gibt Ökolodges, zum Teil etwas einfacher, aber durchaus traumhafte Aufenthalte anbietend und ganz, ganz unten, auf dem Inselchen, durch welches der Äquator verläuft (Ilhéu das Rólas), ein weiteres Pestana Resort. Es sollte hier niemandem langweilig werden. (lacht)

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Touristisch ist das Land kaum erschlossen. Seit ein paar Jahren versucht die südafrikanische Organisation HBD Gäste mit schönen Hotels ins Land zu locken. bild: hbd.com

Wie sieht es mit der kleinen Insel Príncipe aus?
Vor allem Príncipe ist ein noch fast vergessenes Paradies. Wer sich die Mühe macht, hierhin zu kommen, findet eine wirkliche Perle. Príncipe wurde von der UNESCO als Weltnaturerbe klassifiziert. Der vermögende Südafrikaner Mark Shuttleworth betreibt dort drei Resorts, jedes einzigartig und schön, eines davon sogar ohne Zweifel mit Weltklasse-Niveau.

São Tomé – der Mittelpunkt der Welt

Du glaubst, São Tomé und Principe liegt am Ende der Welt? Du irrst. Es könnte genauso gut auch das Zentrum sein. Denn der seit 1975 unabhängige Inselstaat im Golf von Guinea, 200 Kilometer vor Gabun und Äquatorialguinea, wird auf der südlichen Mini-Insel Ilhéu das Rólas vom Äquator durchquert und liegt nur sechs Grad östlich des Nullmeridians.

Mark Shuttleworth, der im April 2002 als erster Weltraumtourist für 20 Millionen Dollar zur ISS flog?
Genau. Er möchte an Príncipe ein positives Exempel von «Nachhaltigkeit und Entwicklung» statuieren – auf die Idee kam er angeblich, als er als erster Afrikaner aus dem Weltall auf die Welt blickte und dabei das Pünktlein Príncipe sah. Bis jetzt hat er Bemerkenswertes erreicht.

«Vor allem Príncipe ist ein (noch fast) vergessenes Paradies.»

Wann würden Sie einen Besuch empfehlen?
Zu empfehlen ist vor allem die Gravana, die Trockenzeit, sie entspricht zeitlich in etwa unserem Sommer. In vielen Landesteilen regnet es zwar noch immer ab und zu, allerdings dauert dies jeweils nur 10 bis 30 Minuten, bis die Sonne wieder lacht. Die Temperatur fällt auf 22 bis 25 Grad ab, manchmal ist dann sogar der Atlantik etwas wärmer als die Lufttemperatur. Für mich persönlich ist das die schönste Zeit, die São Toméer laufen dann zum Teil in Mützen und Handschuhen rum und wir geniessen in Shorts den Strand. Ich habe aber Freunde, die kommen bewusst in der Regenzeit nach São Tomé, weil sie diese so gerne geniessen! Ist wohl Geschmacksache. Wer sich genauer informieren will: Kathleen Becker hat einen empfehlenswerten Reiseführer über das Land geschrieben.

Wie sieht es mit der Sicherheit aus?
Das ist immer wieder ein Thema. Die Kleinkriminalität nimmt zu. Bei mir wurde noch nie eingebrochen. Ein Freund meinte kürzlich: «Weisst du, was das beste an deinem Haus ist?» Er zeigte auf die Schweizer Fahne und antwortete gleich selbst: «Die hält dich sicher.»

Der einzige Schweizer auf São Tomé und Príncipe

Können Sie weitere Tipps geben?
Es ist wie überall. Man sollte das Glück nicht herausfordern. Wer sich an die elementarsten Grundregeln hält, hat keine Probleme. Einmal hatte ich nigerianische Gäste. Ich schlug ihnen nach dem Eindunkeln vor, dass wir die 500 Meter zu unserem Ziel zu Fuss zurücklegen. Sie waren völlig euphorisch, dass das geht. In Lagos wäre dies nicht möglich. Ich kann São Tomé und Príncipe jedem vernünftigen Touristen ans Herz legen – solange er nicht eine Ibiza-Stimmung sucht.

Die kleine Insel Príncipe: Ein Traum weit weg vom Massentourismus. Bild: hbd.com

São Tomé liegt in der Gegend von Gabun und Äquatorialguinea, wo sehr viel Öl gewonnen wird. Das Land wurde auch schon als «zweites Kuwait» betitelt. Warum wird das Öl nicht gefördert?
Das Öl liegt sehr tief, was seine Förderung teuer macht. Und man ist sich seiner Qualität nicht ganz sicher. Seit Jahren handeln sich die verschiedenen Firmen die Felder zu. Niemand weiss, wie sich das entwickeln wird. Aktuell melden die Medien, dass Total/Sonangol einen neuen Versuch starten und auch die Firmen Galp und Kosmos wollen in drei ihrer vier Blocks mit der Förderung angeblich bald beginnen.  

Die aktuelle Regierung wünscht sich jedoch nichts mehr, als das Land zu einem Dienstleistungsland zu machen und nicht auf das Erdöl angewiesen zu sein. Auch möchten sie die Landwirtschaft wieder vermehrt fördern, hier kann Kaffee und Kakao von allerhöchster Qualität angebaut werden und es gibt im Land bereits zwei Firmen, die eigene Schokolade produzieren.

Wie geht es mit Ihnen weiter? Kehren Sie irgendwann in die Schweiz zurück?
Ich habe noch Familie und Jugendfreunde in der Schweiz, diese Brücken wollte ich nie abbrechen. Hin und wieder besuche ich die Heimat. Kürzlich, zu meinem Geburtstag, genoss ich noch mit «friends and family» zum letzten Mal Bernhard Knechtles einzigartige Chäs-Röschti mit Spiegelei auf dem heute legendären Aescher im Appenzellerland. Aber was in Zukunft sein wird? Um Gottes Willen, nur nichts planen. Es kommt ja eh immer anders, was ab und zu gar nicht mal so schlecht ist.

* Für alle, die es wissen möchten: Es gibt keine Löwen auf São Tomé. Säugetiere fehlen sowieso fast gänzlich. Die Tierwelt besteht aus einer artenreichen Vogelwelt (u.a. Kraniche, Reiher, Marabus), diversen Schmetterlingen, Fröschen, Schlangen und Chamäleons. Dazu kommen viele endemische Pflanzen.
Das einzige giftige Tier des Landes ist die Cobra Preta («Schwarze Schlange, naja melnaoleuca), ihr Biss kann tödlich sein. Sie kommt nur auf der Insel São Tomé vor. Die wenigen Exemplare, die Scherraus-Fenkart in all den Jahren gesehen habe, seien jeweils gehäutet und gegrillt gewesen – die Cobra Preta gilt nämlich als Delikatesse, wie übrigens auch Fledermäuse.

Lebst du auch an einem speziellen Ort?

Bist du auch «der oder die Einzige» in deinem Land. Oder lebst du irgendwo, wo es sonst praktisch keine Schweizer gibt? Schreibe uns an redaktion@watson.ch.

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Muselbert Qrate 08.12.2018 12:33
    Highlight Highlight Cooler Typ, toller Bericht! 👏
    • Cheswick 09.12.2018 11:23
      Highlight Highlight Kann ich bestätigen!
  • Uli404 08.12.2018 01:11
    Highlight Highlight Ich hoffe der wird nun nicht von Watson Lesern überrannt.
  • Toerpe Zwerg 07.12.2018 19:39
    Highlight Highlight Danke Watson. Klasse.
  • MilfLover 07.12.2018 18:57
    Highlight Highlight Hatte bis kurz vor dem Ende des Story mega Lust dorthin zu reisen, bis zum Teil mit der Schlange. Fall erledigt.
    • KenGuru 08.12.2018 06:28
      Highlight Highlight Mit gesundem Menschenverstand passiert da nix ;)
    • lilie 08.12.2018 06:38
      Highlight Highlight @MilfLover: Giftige Schlangen gibts auch in der Schweiz. ;)
    • Gähn on the rocks 08.12.2018 10:05
      Highlight Highlight @milflover hat angst vor schlangen!😂
  • alex DL 07.12.2018 17:36
    Highlight Highlight Ein Hamburger für 5.40 bei 1.6k Durschnittslohn? Grob umgerechnet würde der in der Schweiz 200 Fr. kosten.
  • türülüü 07.12.2018 17:26
    Highlight Highlight Ich reiste im Jahr 2015 nach Sao Tomé & sass per Zufall neben Reto Scherraus im Flugzeug. Somit hatte ich das Privileg einer VIP-Einreise ins Land inkl. Fahrt zum Hotel & Einladung zum Nachtessen. Mehr Gastfreundschaft ist fast nicht möglich. Entdecken durfte ich eine beeindruckende Unterwasserwelt, betörende Strände u. abwechslungsreiche Landschaften bei einfachen Unterkünften und einer doch ziemlich maroden Infrastruktur. Sehr zu empfehlen ist auch die Schwesterinsel Principe, allein der Flug dorthin ist ein Abenteuer. Was im Gepäck nicht fehlen darf ist viel Geduld, Ferienmodus ist Pflicht!
  • Bean81 07.12.2018 17:24
    Highlight Highlight Hammerbericht! Vielen dank...
  • Jokaero 07.12.2018 17:23
    Highlight Highlight Das Nationalgericht Blablà macht mich besonders neugierig 😋
  • honesty_is_the_key 07.12.2018 16:50
    Highlight Highlight Vielen Dank für den sehr schönen und spannenden Bericht.
  • Raddadui 07.12.2018 16:45
    Highlight Highlight JAAAAA, das sind genau die richtigen Storys für einen Freitag Nachmittag! Mehr davon! Danke.
  • pfffffffff 07.12.2018 16:35
    Highlight Highlight Sehr schöner Bericht, liest sich wie vor 100 Jahren ein Bericht aus Malle. Hoffentlich wird die Insel nicht zu sehr vekommerzialisiert.
  • Laeddis 07.12.2018 16:21
    Highlight Highlight "...nie vergessen, dass wir alle im Ausland, ob wir nun wollen oder nicht, kleine «Botschafter» unserer Heimat sind."

    Bin bei ihm.
    • salamandre 07.12.2018 19:33
      Highlight Highlight ...und wir sind alle Ausländer, fast überall.
  • Gummibär 07.12.2018 16:20
    Highlight Highlight São Tomé war 1968/69 die Basis für die Joint Church Aid Luftbrücke nach Biafra. ("Jesus Christ Airline")
    Irgendwo im hohen Gras liegen noch zwei Super Constellations . Auch Schweizer Piloten und von der Balair gecharterte Boeing C-97 Stratofreighters flogen von
    São Tomé.
    User Image
  • Mia_san_mia 07.12.2018 15:15
    Highlight Highlight Super Bericht 👍🏻
  • Knety 07.12.2018 14:47
    Highlight Highlight Cool, der Typ hat seinen eigenen Botschafter 😜
  • NewsHunter 07.12.2018 14:45
    Highlight Highlight Fühle mich wie in einem Deja-vu, wenn ich den Artikel lese.

    Erinnert mich an die Bonvista-Insel der kapverdischen Inseln, welche aber bereits etwas weiter ist mit der Infrastruktur und dem Tourismus. Vorallem war ich nicht in einem Hotel sondern einer Wohnung. Viel näher an der Bevölkerung und dem Land. Das war einfach perfekt. ❤️
    Oh da kommt man gleich in Versuchung 😄
    Danke für diese Interview, Watson! 👍🏼
  • teha drey 07.12.2018 14:43
    Highlight Highlight Sehr toller Bericht. Nun hoffentlich hat der keine grosse Reichweite. Nicht dass aus ST&P ein zweites Gasthaus Äscher im Appenzell wird.
  • niklausb 07.12.2018 14:24
    Highlight Highlight Eine tolle, Fernweh auslösende Geschichte. DANKE.
  • Hans Jürg 07.12.2018 14:23
    Highlight Highlight Sehr interessantes und schönes Interview.

    Herr Scherraus-Fenkart scheint sein ganz persönliches Paradies gefunden zu haben.
  • Grego 07.12.2018 14:21
    Highlight Highlight Bitte mehr solche Artikel, dafür weniger Trump, Knackeboul und BuzzFeed-Zeug.
    • Blitzmagnet 07.12.2018 17:07
      Highlight Highlight Unterschreib ich so
  • Amadeus 07.12.2018 14:18
    Highlight Highlight Ein toller und sehr interessanter Artikel. Vielen Dank dafür! Als Auslandschweizer habe ich mich gleich doppelt über diesen Bericht gefreut.
  • JasonB 07.12.2018 14:17
    Highlight Highlight Sehr, sehr schöner und spannender Beitrag!
  • dany1991 07.12.2018 14:16
    Highlight Highlight Jepa, steht jetzt auf meiner To-do Liste :)
  • Ehringer 07.12.2018 14:05
    Highlight Highlight Na danke. Vor 15 Minuten noch nicht mehr gewusst, als dass ich von dem Land schon mal an der Olympiade gehört habe und jetzt will ich dort hin. Hört doch auf damit ;)
    • Gähn on the rocks 08.12.2018 10:10
      Highlight Highlight ich komme auch mit!
  • schlorziflade 07.12.2018 14:00
    Highlight Highlight Für solche Berichte lese ich watson. Gerne mehr davon. Danke!

Diese Karte zeigt, wo KEIN EINZIGER Auslandschweizer wohnt – und wo es höchstens 10 hat

Wo die meisten und wo die wenigsten Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer leben – und wo es offiziell gar keine gibt. Eine Übersicht in 4 Grafiken – und ein historischer Bonus von 1928.

751'800 Schweizerinnen und Schweizer leben im Ausland. Das ist jede zehnte Person mit Schweizer Pass. Damit wäre die so genannte Fünfte Schweiz hinter Zürich, Bern und Waadt der viertgrösste Kanton der Schweiz. Und die Frauen sind in der Überzahl: 54,5 Prozent sind Auslandschweizerinnen.

Bei den Zahlen handelt es sich um jene Personen, die konsularisch gemeldet sind. Die effektive Zahl der Auslandschweizer dürfte gegen eine Million betragen.

Wo aber leben die meisten der offiziell gemeldeten …

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