Schweiz
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epa07324057 A French Police officer holds a LDB-40 flashball (non-lethal rubber bullet guns) as protesters from the 'Gilets Jaunes' (Yellow Vests) movement during the 'Act IX'  demonstration (the 11th consecutive national protest on a Saturday) in Paris, France, 26 January 2019 (issued 27 January 2019). The so-called 'gilets jaunes' (yellow vests) is a grassroots protest movement with supporters from a wide span of the political spectrum, that originally started with protest across the nation in late 2018 against high fuel prices. The movement in the meantime also protests the French government's tax reforms, the increasing costs of living and some even call for the resignation of French President Emmanuel Macron.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Die Waffen der französischen Einsatzkräfte, die bei Demonstrationen eingesetzt werden, stammen zum Teil aus der Schweiz. Bild: EPA/EPA

Tödliche Munition bei «Gelbwesten»-Demos –  Waffen stammen teilweise aus der Schweiz



Die Proteste der «Gelbwesten» halten nun schon seit Oktober 2018 an. Im ganzen Land gehen Zehntausende auf die Strassen und protestieren gegen die Politik von Staatspräsident Emmanuel Macron.

Die Bilder der Demonstrationen schockieren – immer wieder gibt es Schwerverletzte. So fürchtet Jérôme Rodrigues, einer der Anführer der Bewegung, seit dem vergangen Samstag um sein Auge. Er wurde von einem Gummischrot-Geschoss im Gesicht getroffen.

Medien und Polizei vertuschen Realität

Ein anderes Opfer ist Olivier Beziade. Der dreifache Familienvater wurde am 12. Januar ebenfalls von einem Geschoss am Kopf getroffen und liegt seither im künstlichen Koma.

Bild

Olivier Beziade rennt in eine Seitengasse – kurz darauf wird er am Kopf getroffen.  Bild: screenshot twitter/eha_deutsch

Der Fall ist deshalb brisant, weil die Polizei versucht hat, Beweise zu vernichten. Wie auf Videoaufnahmen zu hören ist, befiehlt ein Einsatzleiter seiner Truppe, die Hülsen auf dem Boden einzusammeln. 

In französischen Medien wurde bislang hauptsächlich über die Gewalt der «Gelbwesten» berichtet. Die offiziellen Opferzahlen der Polizei waren sehr gering. Laut der «NZZ am Sonntag» kommt der Verdacht auf, dass hier versucht wurde, die Realität zu vertuschen.

Das scheint sich nun geändert zu haben. Die französische Zeitung «Libération» nennt erstmals Zahlen: So sollen durch Polizeigewalt mindestens 100 Menschen ernsthaft verletzt worden sein. Gemäss der Website «Désarmons-les!» haben vier Personen eine Hand und 18 ein Auge verloren. 

Ein Demonstrant wird verarztet, nachdem er von einem Geschoss getroffen wurde. 

Schweizer Firma liefert umstrittene Waffen

Die schweren Verletzungen sind auf die umstrittene Bewaffnung der Polizei zurückzuführen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. So werden mit Sprengstoff versehene Granaten vom Typ GLI-F4 eingesetzt, die in keinem anderen EU-Land zur Anwendung kommen.

Weitaus mehr Verletzungen gibt es wegen dem Einsatz von Gummischrot. Der Granatwerfer vom Typ GL-06, von dem die vier Zentimeter grossen Geschosse abgefeuert werden, stammt aus der Schweiz

Die dafür vorgesehene Munition wird vom Thuner Waffenhersteller Brügger & Thomet als «less lethal» – also «vermindert tödlich» – bezeichnet. Konkret: Tödliche Verletzungen müssen in Kauf genommen werden. Brügger & Thomet weist jedoch die Verantwortung von sich, da die französische Polizei angeblich nicht die Originalmunition verwende.

Der Granatwerfer darf nur auf eine Distanz von mindestens 15 Metern eingesetzt werden. Ob diese Vorschrift eingehalten wird, ist allerdings fraglich. Der Ombudsmann für Bürgerrechte hat dem Parlament eine Empfehlung unterbreitet, auf den Einsatz von Gummischrot ganz zu verzichten. 

epa07290271 French Interior Minister Christophe Castaner attends a hearing at the French Senate concerning the scandal of President Macron's security chief Alexandre Benalla, in Paris, France, 16 January 2019. The hearing is in connection to the Alexandre Benalla's scandal, in order to shed more light on Benalla's responsibilities and role within the Elysee Palace. Benalla is accused of attacking protesters during street demonstrations on 01 May 2018, wearing a riot helmet and police uniform, then when he was French President Emmanuel Macron's deputy chief of staff.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Christophe Castaner Bild: EPA/EPA

Reagiert auf die happigen Vorwürfe hat indes Innenminister Christophe Castaner. Polizisten an der Front sind fortan mit einer Bodycam ausgerüstet – allerdings könne sie diese selber ein- und ausschalten. Damit will die Polizei ihre Einsätze wenn nötig rechtferigen. (vom)

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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Judge Dredd 28.01.2019 10:13
    Highlight Highlight Gemäss der Website «Désarmons-les!» sollen 22 Personen ernsthafte bleibende Schäden davongetragen haben.

    Liebes Watson-Team, wenn ihr diese Information in den Artikel mit aufnehmt:

    -Wie ist die Website «Désarmons-les!» einzuordnen bezüglich obiektivität?
    -bezieht sich die Zahl der Verletzten "nur" auf die Gilets Jaunes proteste oder im allgemeine auf den Einsatz von den erwähnten Werfern.
    -sind die Verletzten bekannt, konnte man ihre Sicht auf die Geschehnisse erfragen (wo wurden die Werfer eingesetzt, auf welche Distanz, welche Geschosse etc.)

  • olga 28.01.2019 10:01
    Highlight Highlight Und ich dachte, solche Waffen liefern wir nur an Saudiarabien...
  • Triple A 28.01.2019 09:00
    Highlight Highlight Ein solch massiver Gewalteinsatz kann eine ganze Generation traumatisieren, wie die Schweiz 1918 schmerzlich erfahren und bis heute nicht ganz bewältigt hat.
    • Leckerbissen 28.01.2019 11:59
      Highlight Highlight Du hast recht! Jedes Mal wenn ich ein Polizeiauto sehe denke ich: "Shit, weiche Knie, wo soll ich hin flüchten? Es erinnert mich an 1918"
    • Triple A 29.01.2019 09:36
      Highlight Highlight An Leckerbissen: Einigen ist es gegeben historische Ereignisse in der Gegenwart zu erkennen, anderen weniger.
  • Linus Luchs 28.01.2019 08:58
    Highlight Highlight Die Berichte über die Gilets jaunes konzentrieren sich auf vereinzelte Gewalt, die Demonstranten werden als Chaoten diskreditiert. Das ist eine Ablenkung im Sinne der Regierung in Paris. Die Gelbwesten sind Menschen wie du und ich, die zu Zehntausenden in grossen Städten wütend, aber friedlich demonstrieren, weil sie genug haben von Steuerentlastungen für die Reichen zu Lasten der Ärmsten, von der Verlegung von Arbeitsplätzen nach Asien, kurz: von Macrons neoliberaler Politik, unter welcher der Mittelstand und die Unterschicht immer mehr leidet. Das wären die Themen für die Berichterstattung!
    • Lausannois86 28.01.2019 09:28
      Highlight Highlight So friedlich, wie du dies darlegst, sind die Proteste def. Nicht. Ausserdem gibt es neben den "normalen" Leuten wie du und ich auch einen grossen Anteil an links- und rechtsextremen, denen es nur um Zerstörung und Krawall geht.
    • Dark Circle 28.01.2019 09:36
      Highlight Highlight Endlich jemand der es begreift!
      Und dass sich sogar die Gewerkschaft der Polizei den Gelbwesten angeschlossen hat, habe ich in unseren Medien auch nie gelesen...
  • Yogi Bär 28.01.2019 08:21
    Highlight Highlight Nun es liegt an der Ehrlichkeit der Politiker sowie der Firmen. Entweder nimmt man Tode in Kauf. Oder lässt die Finger davon Waffen zu exportieren! Es ist einfach nur verlogen, wenn man Waffen exportiert und ein Ettiket beilegt, dass die Waffen nur zur Verdeitigung zu gebrauchen sind und zu vermerken: "Bitte niemanden schaden zufügen". Zudem sind Waffen ein wichtiger Teil Flüchtlinge zu produzieren, demnach sollte man mindestens den Anstand besitzen, diese auch aufzunehmen.
    • ostpol76 28.01.2019 09:46
      Highlight Highlight Ich glaube nicht das Gelbwesten in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt werden.
    • Yogi Bär 28.01.2019 11:02
      Highlight Highlight Nun dies sicher nicht aber die Tendenzen unserer Waffenlobby (Aussagen) unterscheiden sich in keiner Weise ob Bürgerkriegsland, Kriegsland oder Rechtsstaat und diese sind verlogen.
  • Muselbert Qrate 28.01.2019 07:52
    Highlight Highlight Ich hoffe Macron wird dann bald von Le Pen ersetzt. Frankreich braucht wieder eine starke Person an der Spitze, der Zustand des Landes ist katastrophal.
    • grünergutmensch 28.01.2019 08:29
      Highlight Highlight was intressiert dich frankreich. leute von deinem schlag möchten doch am liebsten eine mauer um die schweiz und die EU zahlen lassen.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 28.01.2019 08:31
      Highlight Highlight Ach, du willst also effektiv eine Politikerin die auf sauber macht, aber selbst reichlich Dreck am Stecken hat?
      Sagt extrem viel über deine Denkweise aus.
      Lieber ein krimineller Politiker der auf deiner Linie ist, als ein Politiker der in keine kriminellen Machenschaften verstrickt ist, aber dir nicht passt.
    • ChlyklassSFI 28.01.2019 08:48
      Highlight Highlight Stark und was noch..?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Domino 28.01.2019 07:40
    Highlight Highlight 18 Leute haben ein Auge verloren. Da wird wohl gezielt auf den Kopf geschossen.
    • kä Luscht uf Holzchöpf 28.01.2019 09:34
      Highlight Highlight Vermutlich zielt man mit dem Gummischrot sogar gezielt aufs Auge... Du hast das Prinzip von Schrot nicht verstanden.
    • Froggr 28.01.2019 10:27
      Highlight Highlight Wenn da gezielt auf den Kopf geschossen wird, dann hätten wohl ein bischen mehr als 18 ein Auge verloren, denkst du nicht?
    • Domino 28.01.2019 11:05
      Highlight Highlight Bern war mal nach einer Demo von diesen 6-Eckigen Gummigeschossen übersät.
      Benutzer Bild
  • rolf.iller 28.01.2019 07:38
    Highlight Highlight Die Gelbwesten halten eine ganze Nation mit gewaltsamen und undemokratischen Mitteln gefangen. Da hält sich meine Mitleidsfähigkeit in Grenzen.
  • Zauggovia 28.01.2019 07:33
    Highlight Highlight Und wenn die Granatwerfer nicht aus der Schweiz stammen würden, gäbe es weniger Verletzte? Wie doof ist diese Aussage im Artikel, der Hersteller ist ja völlig irrelevant.
    • JaneSodaBorderless 28.01.2019 09:28
      Highlight Highlight Nein, aber die aktive Unterstützung fällt weg. Was ich begrüssen würde.
      Liefern/verkaufenheisst Kriegs- und Rüstungsindustrie füttern, Verletzte und Tote werden so automatisch in Kauf genommen.

  • CaptainLonestarr 28.01.2019 06:48
    Highlight Highlight Bei den Angriffen auf die Polizei werden auch Verletzte und Tote in Kauf genommen. Wenn die Polizei angegriffen wird soll sie sich wehren. Welche Waffen dazu geeignet sind muss jedesmal wieder evaluiert werden. Dies ist aber eine französidche Angelegenheit.
    • dontbelievetheirpropaganda 28.01.2019 10:25
      Highlight Highlight Hast du das in Syrien, der Ukraine usw. auch gesagt?
      Oder nur wenn in westlichen Demokratien Demonstranten kaputtgeschossen und getötet werden?
    • CaptainLonestarr 28.01.2019 16:32
      Highlight Highlight Ich gehe davon aus dass Frankreich ein Rechtsstaat ist. Die Demonstranten halten sich nicht an rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien. Sie könnten auf demokratischem Weg eine Änderung herbei führen, sie brauchen aber lieber Gewalt.
      In Syrien und der Ukraine funktioniert der Rechtsstaat nicht, das ist also eine komplett andere Situation.
  • DonTuttifrutti 28.01.2019 06:36
    Highlight Highlight Play stupid Games, win stupid Prizes.. 🤷🏼
  • El Pepedente 28.01.2019 03:58
    Highlight Highlight 100verletzte und 18 augen finde ich eine kleine zahl wenn man bedenkt wie lange der protest im gange ist und wie viele menschen daran beteiligt sind
  • Bündn0r 28.01.2019 03:02
    Highlight Highlight Als Hersteller würde ich auch nicht "nicht tödlich" auf ein Produkt schreiben. Eine blöde Verknüpfung von Ereignissen die einen Toten fordert und du wirst auf dem Rechtsweg ausgenommen.

    Die Polizei brauch Mittel um Chaoten, wie es sie unter den Gelbwesten leider auch hat, zu bekämpfen.
    Gummischrot hat sich dabei bewährt und sollte weiterhin verwendet werden dürfen. Ob der GL06 oder aber andere Waffen besser geeignet sind überlasse ich gerne den Experten.
    Wer sich gewaltsam an Demos etc verhält muss damit rechnen, dass die Polizei das Gewamtmonopol durchsetzt.
    • Snowy 28.01.2019 08:08
      Highlight Highlight Gummischrott bewährt sich nur um eine akute Situation mit grossem Gewaltpotential aufzulösen und wenn die Polizei stark in der Minderheit ist.

      Bsp.: Polizeistreife trifft auf eine Massenschlägerei

      Bei einer Grossdemo und Polizeikräften in Ordnungsdienstformation, führt Gummischrott vor allem zu noch mehr Gewalt.
      Die Demonstranten werden zwar ein paar Meter zurückgedrängt, werden dafür umso gewaltbereiter (vor allem auch der eigentlich Nicht-Militante Teil) .
    • dä dingsbums 28.01.2019 08:21
      Highlight Highlight Ich war in meiner Jugend an sehr vielen Demos und bezweifle sehr, dass Gummischrot "sich dabei bewährt hat".

      Es schmerzt und macht kurzfristig eine Strasse oder einen Platz frei, aber eine Demo wurde nach meiner Erfahrung damit nicht beendet.

      Die Mitläufer werden nach und nach vertrieben und dann jagt man den harten Kern stundenlang durch die Stadt und erwischt dabei noch unschuldige Passanten. Das habe ich mehrmals erlebt.

      Die Einkesselungen der "Demonstranten" hingegen, die waren viel effektiver. Ganz ohne Verletzte.
    • kä Luscht uf Holzchöpf 28.01.2019 09:40
      Highlight Highlight Ich stelle fest, dass man es bei watson mit der Faktenlage auch nicht so genau nimmt. Im Titel "tödliche Munition", auf die im Text zu Recht nicht eingegangen wird.

      Das einzig nachvollziehbare Beispiel der Behauptungen ist der Video vom Fall von Olivier Beziade.

      Alles andere ist nur Stimmungsmache ohne Bezug auf Fakten. Das hilft niemandem.
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