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Korruptionsskandal um Implantate: Haben Schweizer Firmen einen deutschen Arzt bestochen?



Die Osnabrücker Staatsanwaltschaft hat gegen zwei Unternehmen der Medizintechnikbranche mit Sitz in der Schweiz Anklage wegen Korruptionsverdachts erhoben. Die Firmen werden beschuldigt, dem deutschen Chirurgen Hamid Afshar-Möller Provisionen für den Einsatz ihrer Implantate gezahlt zu haben, wie der Tages-Anzeiger berichtet.

So soll Afshar-Möller von der im Kanton St.Gallen ansässigen Firma Icotec AG von 2011 bis 2016 insgesamt 128'000 Euro erhalten haben, damit er ausschliesslich deren Produkte verwendete. Auffällig: Nachdem er das Klinikum Leer in Deutschland 2016 verliess, kamen Implantate von Icotec AG dort nicht mehr zum Einsatz. 

Missstände bei Implantaten:

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Video: srf

Die Banküberweisungen an den Mediziner sollen laut der deutschen Staatsanwaltschaft unter falschem Vorwand getätigt worden sein. Diese seien mit dem Vermerkt ‹Meeting, Kongress oder Vorträge in der Schweiz› versehen worden. Ein Blick in den Terminkalender am Klinikum zeigte den Ermittlern aber, dass der Beschuldigte zu jenen Zeitpunkten nicht in der Schweiz war.

Bei der Hausdurchsuchung stiessen die Ermittler zudem auf weitere Hinweise, dass Afshar-Möller mit Icotec AG geschäftete. «Vielen herzlichen Dank für die wunderbaren Umsätze der vergangenen Zeit», hiess es in einer Email einer Mitarbeiterin der Firma. 

Ins Visier der Osnabrücker Staatsanwaltschaft geriet auch der Geschäftsführer von Arca-Medica. Afshar-Möller hat mit der Firma mit Sitz in Basel ein Implantat entwickelt und soll für dessen Verwendung eine prozentuale Umsatzbeteiligung von total 14'000 Euro erhalten haben.

Nicht die erste Anklage

Der Beschuldigte weist jegliche Anschuldigungen im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen ihn und Icotec AG von sich. Laut dem Tages-Anzeiger bezeichnet er die Vorwürfe als «aus der Luft gegriffen». Das Urteil des Gerichts ist nicht rechtskräftig – somit gilt für beide Parteien die Unschuldsvermutung.

Der Prozess gegen Arca-Medica steht allerdings noch bevor – und für Afshar-Möller ist dies nicht der erste Gang vor Gericht. Der Chirurg muss sich in einem laufenden Verfahren wegen Körperverletzung in 53 Fällen verantworten. So hat er Patienten eine künstliche Bandscheibe eingesetzt, obwohl deren Tests bei Affen scheiterten. Bei 90 Patienten in Europa hatte sich das Implantat zersetzt und musste wieder entfernt werden. (vom)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Frank_Zapper 11.12.2018 23:48
    Highlight Highlight Also ich sehe das Problem nicht. Der Arzt baut Implantate ein, der Patient kann wieder gehen und die Schweiz verdient daran gutes Geld. Win-win-win.
  • marcog 11.12.2018 07:32
    Highlight Highlight Es ist zu befürchten, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist. In der Medizinbranche geht es um viel Geld und sie ist schwer kontrollierbar. Da ist Koruption auch nicht weit.
    • Göschene-Eirolo 11.12.2018 08:05
      Highlight Highlight Korruption nennt man in der Schweiz "Umsatzbeteiligung" 😎.

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