Schweiz
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Islamforscher Ramadan gibt Liaison zu, entgeht aber dritter Anklage



Der von vier Frauen wegen Vergewaltigung beschuldigte Schweizer Islamforscher Tariq Ramadan hat erstmals eine «einvernehmliche» sexuelle Beziehung mit einem seiner mutmasslichen Opfer eingestanden. Die Richter verzichteten allerdings, eine Klage der Frau zuzulassen.

Nach einer mehrstündigen Anhörung vor einem Pariser Gericht am Dienstag sagte Ramadans Anwalt, die Richter hätten nach den Erklärungen seines Mandanten und der Präsentation von Dokumenten keine Notwendigkeit für eine Anklage in dem einen Fall gesehen.

Die Frau beschuldigte den heute 55-jährigen muslimischen Intellektuellen seit März. Sie behauptet, 2013 und 2014 neunmal in Frankreich, London und Brüssel von ihm vergewaltigt worden zu sein. Um die sexuelle Beziehung zu beweisen, legte sie ein mit Sperma beflecktes Kleid vor. Das Ergebnis eines DNS-Tests wird in Kürze erwartet. Das ehemalige Escort-Girl war eine der Protagonistinnen im Prozess rund um Begünstigungsvorwürfe gegen den ehemaligen IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn.

Hunderte Videos und Fotos

Die Verteidigung hatte am Montag «mehr als 300 Videos und mehr als 1000 Fotos» hinterlegt, die eine Beziehung zwischen dem Intellektuellen und der Frau bezeugen sollen. Sie hoffte darauf, die Richter von der Beziehung überzeugen zu können, damit diese auf eine Anklage in dem Fall verzichten.

Ramadan wird insgesamt von vier Frauen der Vergewaltigung beschuldigt. Er bestreitet die Vorwürfe. Vor den Richtern behauptete er, dass er mit zwei weiteren Klägerinnen nie Geschlechtsverkehr hatte. In der Schweiz reichte zudem eine vierte Frau eine Beschwerde ein. Ihre Aussage wurde von der französischen Justiz noch nicht behandelt.

epa06626714 People hold placards which read  'Free Tariq Ramadan' during a gathering in support of Islamic scholar Tariq Ramadan, in Paris, France, 24 March 2018. Tariq Ramadan is detained in France on alleged sexual harassment and rape charges. Ramadan is detained for questioning in Paris, months after women filed rape charges or sexual assault against him in France. Ramadan has denied the allegations.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Protestierende verlangten am 24. März in Paris die Freilassung von Tariq Ramadan – jedoch ohne Erfolg.  Bild: EPA/EPA

Im Spital

Ramadan, der zwischen 1984 und 2004 an mehreren Genfer Schulen unterrichtete, sitzt seit seiner Festnahme durch die französischen Strafverfolgungsbehörden Anfang Februar in Haft. Sein Gesundheitszustand soll sich laut seiner Familie seither massiv verschlechtert haben. Er leidet demnach an Multipler Sklerose. Ein Antrag auf Freilassung wurde abgelehnt. Der Beschuldigte ist in einem Gefängnisspital untergebracht.

Ramadan ist in der Schweiz geboren, seine Vorfahren stammen aus Ägypten. Sein Grossvater war Hassan al-Banna, der Gründer der konservativen Muslimbruderschaft.

Kritiker werfen Ramadan vor, für eine besonders konservative und politische Auslegung des Islam einzutreten. Er selbst weist aber jede Nähe zu extremistischen Strömungen im Islam zurück. Die USA hatten ihm zwischen 2004 und 2010 aus politischen Gründen ein Einreiseverbot erteilt. (sda/afp/vom)

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Waedliman 06.06.2018 10:49
    Highlight Highlight Einmal mehr ein zarter Hinweis darauf, wie verlogen vor allem strenggläubige Menschen sein können.
  • pun 06.06.2018 06:56
    Highlight Highlight Hä? Weil Ramadan mit der Frau eine längere Affäre hatte, hat das Gericht entschieden, dass sie dann auf keinen Fall wegen Vergewaltigung klagen dürfe? Die meisten Vergewaltigungen passieren im nahen Umfeld und nicht in einer dunklen Gasse durch einen Unbekannten.

    Zu Ramadan: Konservativer Islam und Escort Girls. Passt ja zu "unseren" Kirchenoberen.
    • Joe Smith 06.06.2018 17:08
      Highlight Highlight Naja, wenn die Frau die Affäre trotz angeblich wiederholten Vergewaltigungen während einem Jahr aufrechterhalten hat (wohlverstanden: Affäre, nicht Ehe oder Lebenspartnerschaft oder so), dann stellen sich schon ein paar Fragen bezüglich der Plausibilität. Egal, ob man diesen Mann und seine Religion nun mag oder nicht.

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