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ARCHIVBILD ZUR MK DES BAG UEBER SEXUELL UEBERTRAGBARE INFEKTIONEN, AM MONTAG, 23. OKTOBER 2017 - Packing of a condom labelled

Am häufigsten wird der HI-Virus bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen.  Bild: KEYSTONE

Stehen wir vor einer neuen Aids-Epidemie? 5 Fragen und Antworten

Aids ist noch lange nicht besiegt. Jeden Tag stecken sich weltweit 5'000 Menschen mit dem HI-Virus an. Experten sprechen von alarmierenden Zeiten. Wie schlimm ist die Krise wirklich? 5 Fragen und Antworten. 



Die Welt ist «vermutlich so gefährdet wie nie zuvor, die Kontrolle über die HIV-Epidemie» zu verlieren. Diesen Satz sagte US-Aids-Experte und Diplomat Mark Dybul am Sonntag in Amsterdam. Bis Freitag findet dort eine Aids-Konferenz statt. Dybul spricht von einer alarmierenden Zahl von Neuinfektionen in besonders betroffenen Ländern. 

HI-Virus und Aids

Die Buchstaben HIV stehen für «Human Immunodeficiency Virus» – übersetzt «menschliches Immunschwäche Virus». Das HI-Virus ist ein kleiner Erreger, der sich in Wirtszellen im menschlichen Körper vermehrt und neue Zellen befällt. Übertragen wird die Krankheit, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten in Berührung mit Wunden oder Schleimhäuten kommen. Dazu gehören vor allem Blut und Sperma.  

Einmal übertragen, schwächt das Virus das Immunsystem, mit dem der Körper eigentlich Krankheiten abwehrt. Wer sich mit dem HI-Virus ansteckt und nicht rechtzeitig Medikamente nimmt, kann Aids bekommen. Aids ist die Spätfolge einer Infektion mit dem HI-Virus. Eine fortgeschrittene Immunschwäche kann zu verschiedenen schweren Erkrankungen oder gar dem Tod führen. 

quelle: aids.ch

Wie schlimm ist die Krise wirklich?

2017 steckten sich 1,8 Millionen Menschen mit dem HI-Virus an. Das sind 18 Prozent weniger als noch 2010. 

Aids
Infogram

Insgesamt nimmt die Anzahl HIV-Infizierungen folglich ab. Schaut man jedoch genauer hin, ist das nicht überall auf der Welt der Fall. In rund 50 Ländern haben sich 2017 mehr Menschen mit HIV angesteckt, als noch in den Jahren zuvor. In Osteuropa und Zentralasien ist die Anzahl Neuinfektionen um 30 Prozent gestiegen. Auch im mittleren Osten und in Nordafrika haben sich 12 Prozent mehr Menschen mit dem HI-Virus infiziert. 

Bild

grafik: lea senn/daten: unaids

Die Situation ist folglich noch lange nicht beruhigt. Laut Unaids, dem Programm der Vereinten Nationen für die Bekämpfung von HIV/Aids, stecken sich jeden Tag 5'000 Menschen mit HIV an. Besonders gefährdet sind Mädchen und junge Frauen. Drei von vier Neuinfektionen in Afrika entfallen auf Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren. Sie stecken sich an, weil sie keinen Zugang zu Aufklärung und Verhütungsmittel haben. 

Das ursprüngliche Ziel von Unaids war es, die Ausbreitung des HI-Virus bis 2030 zu stoppen. Doch dieses Ziel ist in weite Ferne gerückt. Politikern, Wissenschaftlern und Aktivisten der Welt-Aids-Konferenz zufolge, ist der Kampf gegen den HI-Virus in den letzten Jahren nachlässig geführt worden. Wenn sich das nicht bald ändere, komme es in den nächsten Jahren zu einer schleichenden Epidemie, sagen die Experten. 

Wie konnte es dazu kommen?

Die Gründe für die Zielverfehlung sind in erster Linie finanzieller Natur. Laut Unaids-Chef Michel Sidibé kommt es 2020 zu einer riesigen Finanzierungslücke. Spenden und staatliche Finanzmittel gehen zurück. 

Es fehlen rund sieben Milliarden Dollar, die den Kampf gegen Aids unterstützen sollen. «Wenn wir jetzt nicht zahlen, werden wir später mehr und mehr ausgeben müssen», warnte Sidibé.

kondome

Es fehlen finanzielle Mittel, um Kondome zu verteilen.  Bild: shutterstock

Welche Länder sind betroffen?

Sorgen bereiten vor allem Osteuropa und Zentralasien. Betroffen sind auch einige EU-Staaten, darunter Tschechien, Ungarn oder die Slowakei. In Teilen Russlands hat sich die HIV-Epidemie massiv ausgeweitet.

Ein grosses Problem ist die Politik und die gesellschaftliche Stigmatisierung von HIV-Positiven in den betroffenen Ländern. So ist in Russland der Zugang zu Opioid-Ersatztherapien oder frischen Spritzen für Süchtige extrem eingeschränkt. Auch die zunehmende Ächtung von Homosexuellen trägt dazu bei, dass kaum Aufklärung über HIV betrieben wird. 

In this picture taken Sunday, June 24, 2018, Andrei, who uses the stage name Star Vasha applies make up on before performing at a Gay club during the 2018 soccer World Cup in Yekaterinburg, Russia. The World Cup is making Russia look almost gay-friendly. Russia normally outlaws gay

Besonders in Russland, wo Homosexuelle geächtet werden, steigt die Anzahl an HIV-Neuinfizierungen. Die gesellschaftliche Tabuisierung von Homosexualität geht einher mit einem Totschweigen des HIV-Problems.  Bild: AP/AP

Unaids berichtet aber auch von Erfolgen. So sind HIV-Infektionen in Ost- und Südafrika seit 2010 um rund 30 Prozent gesunken. 

Wie sieht es in der Schweiz aus?

In der Schweiz leben rund 20'000 Personen mit dem HI-Virus. Die Situation ist aber laut Daniel Seiler, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Schweiz, stabil. «Unsere Präventionsarbeit der vergangenen Jahre zeigt Erfolge. Alarmierende Anzeichen gibt es nicht», so Seiler. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind die neu gemeldeten HIV-Fälle im letzen Jahr um knapp 20 Prozent gesunken. 

epa06905976 A banner with the slogan 'Together we can stop the virus' welcomes the participants of the 22nd International AIDS Conference 2018 at the RAI Convention Center in Amsterdam, The Netherlands, 23 July 2018. The biennial conference that runs from 23 to 27 July 2018 is organized by the International AIDS Society (IAS) and is expected to welcome around 18,000 participants - including researchers from various disciplines, medical professionals, public health and community practitioners and policy planners - from all around the world.  EPA/ROBIN VAN LONKHUIJSEN

«Zusammen können wir das Virus stoppen» heisst es auf einem Plakat, das im Rahmen der Aids-Konferenz in Amsterdam aufgehängt wurde.  Bild: EPA/ANP

Trotz der positiven Bilanz, bleibt die Aufklärung weiterhin enorm wichtig, sagt Seiler: «Damit dieser erfreuliche Trend anhält, müssen die Präventionsanstrengungen und somit auch die Finanzierungen durch öffentliche Hand sowie Private aufrecht erhalten werden.» 

Haben die Anti-Aids-Kampagnen überhaupt etwas bewirkt?

Die globalen und nationalen Aids-Kampagnen haben sehr wohl etwas bewirkt. Heute sterben nur noch halb so viele Menschen an Aids wie noch vor 15 Jahren. Aids ist zwar nicht heilbar, mithilfe von Medikamenten haben Menschen mit HIV aber eine annähernd normale Lebenserwartung- und Qualität. 

30 Jahre Aids-Prävention

21 Millionen Menschen nehmen solche Medikamente ein. Das sind 35 Mal mehr als Anfang des 21. Jahrhunderts. 

Sorge bereitet dem amerikanischen Aids-Experten Mark Dybul vor allem eines: Die Staaten schenken der Bekämpfung von HIV und Aids nicht mehr so viel Aufmerksamkeit wie in früheren Jahren. Und wenn, dann rücken vermehrt die lebensrettenden Medikamente zur Behandlung in den Vordergrund. Beispielsweise fehlt Geld für Kondomverteilungsaktionen, weil dieses für die Behandlung des HI-Virus ausgegeben wird.

Heute haben 21,7 Millionen HIV-Infizierte Zugang zu Medikamenten

Infografiken AIDS

grafik: lea senn / daten: unaids

(Mit Material von der sda)

Immer mehr Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch

abspielen

Video: srf/SDA SRF

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23
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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • brunnerf 25.07.2018 19:19
    Highlight Highlight Who cares??? Jeder kennt die Risiken und kann selber für sich entscheiden.
  • chicadeltren 24.07.2018 14:49
    Highlight Highlight Gratis Komdome bekommst du überall auf der Welt, nützt aber nix wenn sie nicht gebraucht werden...
    Daran hapert es primär und die Leute sind diesbezüglich beratungsresistent. Gibt da auch Ärzte, die prinzipiell ohne Kondom Sex haben.
  • Luzia_ 24.07.2018 12:12
    Highlight Highlight sorry für die vielleicht doofe Frage, aber weshalb steigen die HIV-Infizierten und die HIV-Neuinfizierungen nicht parallel?
    • DerSimu 24.07.2018 12:51
      Highlight Highlight @Luzia habe ich mich auch gefragt. vielleicht weil Mit Neuinfizierten die gemeint sind, die sich durch Sex angesteckt haben und die infizierten von geburt an HIV-Positiv sind, weil es dir mutter war?
    • Chris Olive 24.07.2018 13:32
      Highlight Highlight Weil Menschen an Aids sterben und die Neuansteckungen darum nicht einfach auf die Anzahl der mit HIV-lebenden Personen aufrechnen lassen.
    • chicadeltren 24.07.2018 14:50
      Highlight Highlight Weil auf Grund der besseren Behandlung weniger sterben als sich neu infizieren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DerSimu 24.07.2018 10:09
    Highlight Highlight Meine These:

    Die Leute in der "aufgeklärten" Welt haben keine Angst mehr, weil HIV und Aids jahrelang kein Thema mehr war, und die Medizin mittlerweile ein normales Leben mit dem Virus ermöglicht, ohne dass die Krankheit ausbricht.

    In den weniger aufgeklärten Ländern hat die Religion zu viel macht. Franziskus in ehren, er ist meinet Meinung nsch der beste Papst bisher, aber die religion muss ihr Konzept betreffend Sex endlich überdenken!
    • lilie 25.07.2018 17:17
      Highlight Highlight @DerSimu: Ich sehe es gleich wie du, was die westliche Welt betrifft.

      Und ich wäre auch dafür, dass die Kirche mal in der Gegenwart und in der Realität ankäme, anstatt in ihren mittelalterlichen Lösungsansätzen zu verhaften.

      Aber nur noch der Genauigkeit zuliebe: In den Gebieten, wo die HIV-Infektionen zugenommen haben (Osteuropa und Vorderer Orient), hat der Papst herzlich wenig zu sagen. Allerdings sind wohl die dort vorherrschenden Konfessionen (Orthodoxie und Islam) in diesem Punkt auch nicht viel hilfreicher...
  • zweistein 24.07.2018 09:40
    Highlight Highlight Viele Neuinfektionen in der CH betreffen Asylbewerber, die hier erstmals eine offizielle Diagnose und Therapie erhalten. Ist ein sehr gutes Geschäft für Infektiologen und Pharma.
    • chicadeltren 24.07.2018 14:53
      Highlight Highlight Asylbewerber, Homosexuelle, Prostituierte, Drogensüchtige: das sind die Hauptrisikogruppen. Beim heterosexuellen Durchschnittsschwizer stehen in der Tat andere Krankheiten im Vordergrund, über die allerdings niemand spricht...
    • nödganz.klar #161 24.07.2018 19:06
      Highlight Highlight ach zweistein... könntest du bitte für deine Behauptung eine Quelle liefern? Du möchtest doch nicht, dass man dir unterstellt, du würdest Fake News auf kosten von Asylsuchenden verbreiten?
    • Bündn0r 24.07.2018 20:49
      Highlight Highlight Bei den heterosexuell infizierten Frauen hatten 27% die Nationalität eines Landes, das nach WHO-Kriterien als HIV-Hochprävalenzland eingestuft wird. Für die Schweiz spielen hauptsächlich afrikanische Länder südlich der Sahara eine Rolle, vereinzelt aber auch Länder der Karibik. Bei den neudiagnostizierten Männern waren unabhängig vom Ansteckungsweg Nationalitäten aus Hochprävalenzländern viel seltener.
      Quelle: aids.ch
      27% ist extrem viel für eine Bevölkerungsgruppe von <1% der Gesamtbevölkerung. (BFS)
      Jedoch sind sind der Grossteil immer noch homosex. Männer. Somit Aussage teils korrekt.
  • Chris Olive 24.07.2018 08:49
    Highlight Highlight Zwei Schritte vor, einer zurück. Schade.

    Die ganzen finanziellen Mittel nützen nichts, wenn religiöse Oberhäupter vorhanden sind, welche Kondome verteufeln / verbieten.
    • lilie 24.07.2018 10:51
      Highlight Highlight Die gleichen kirchlichen Oberhäupter verteufeln ja aber auch den ausserehelichen Sex, und was nützt es? Naja, offenbar nicht gerade viel.

      Ausserdem wage ich zu bezweifeln, dass die Kirche in der Mongolei einen grossen Einfluss hat.

      In Osteuropa hingegen ist ja das Problem eher die (sehr weltliche) Unterdrückung der Homosexuellen.
    • Chris Olive 24.07.2018 13:04
      Highlight Highlight @Lilie Klar verteufeln sie ausserehelichen Sex. Aber dieser wird ausgelebt. Das weiss die Kirche, das wissen wir. Aber dann Kondome zu verteufeln, die so wichtig wären, ist absolut die falsche Richtung.

      Ich habe nicht von der Kirche gesprochen, sondern von Religionen. Auch im Buddhismus ist man sich nicht sicher "ob das Kondome (Empfängnisverhütung) sich nicht negativ auf das eigene Karma auswirkt.

      Übrigens ist der Einfluss der Kirche bei der Unterdrückung der Homosexuellen in Osteuropa nicht gerade gering.

    • lilie 25.07.2018 07:31
      Highlight Highlight @Chris: Stimmt, ich hab nicht richtig gelesen...

      Naja, die Haltung der Kirche ist zwar hoffnungslos veraltet (und realitätsfremd), aber an und für sich in sich schlüssig: kein vorehelicher Sex, Sex ist nur zum Kinder machen, ergo sind Kondome überflüssig.

      Und ich glaube jetzt nicht, dass jemand sagt, wenn er Sex zum Spass hat mit wechselnden Partner: "Ach, wenn ich schon ein schlechter Katholik/Orthodoxer/Freikirchler bin, dann verwende ich wenigstens kein Kondom!".

      Ich denke, dass diesbezüglich der Einfluss der Kirche geringer ist als der Mangel an Aufklärung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Gender Bender 24.07.2018 07:45
    Highlight Highlight Menschen sind gefährdet, nicht die Welt. Höchsten die Menschenwelt. Und das ist kein Zynismus, die gelesene Umkehrung aber schon sehr.
    • KXXY 24.07.2018 08:44
      Highlight Highlight Ach, wir Menschen sind ein zähes Wesen. Weder das HIV noch deine Zynismus kann uns ausmerzen.
    • Eskimo 24.07.2018 09:06
      Highlight Highlight Wenn wir nicht selber erwas gegen die Überbevölkerung unternehmen, wird es die Natur tun.

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