Schweiz
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«Verstoss gegen Grundregeln»: An'nur-Moschee droht Ausschluss aus islamischem Dachverband



Am Dienstagmorgen ist es in der Winterthurer An'nur-Moschee zu einer Razzia gekommen. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen vier Personen aus dem Umfeld der An'nur-Moschee eröffnet. Eine der beschuldigten Personen, der Prediger der Moschee, soll zum Mord an Muslimen aufgerufen haben.

Vier weitere wurden von der Kantonspolizei wegen Verdacht auf Verstösse gegen das Ausländergesetz verhaftet. Wie es mit der Moschee weitergeht und wie gegen Radikalisierung vorgegangen werden soll, erklärt Muris Begovic von der Vereinigung für Islamische Organisationen in Zürich (VIOZ) im Interview

begovic

Zur Person:

Muris Begovic ist Imam und Leiter der Vereinigung für Islamische Organisationen in Zürich. Dabei handelt es sich um einen Dachverband für verschiedene Moscheevereine im Kanton Zürich. Auch die An'nur-Moschee ist Mitglied der Vereinigung. (leo)

Herr Begovic, die An'nur-Moschee ist Mitglied der VIOZ. Haben Sie von dem mutmasslichen radikalen Imam gewusst?
Muris Begovic: Nein, diese Person ist uns nicht bekannt. Ich kann allerdings nicht sagen, ob sie möglicherweise in anderen Kreisen als Bekanntheit gilt. Ich habe diesen Namen heute zum ersten Mal gehört.

Aber die Moschee ist doch in Ihrer Vereinigung, da wissen Sie doch sicher, wer dort predigt?
Wir mischen uns nicht direkt in die internen Angelegenheiten der verschiedenen Organisationen in der VIOZ ein. Wir bieten ihnen Unterstützung bei Fragen an. Wir schreiben ihnen aber nicht vor, welche Personen sie in ihren Räumlichkeiten beschäftigen dürfen und welche nicht. Die An'nur-Moschee ist Mitglied in unserem Verbund, doch sie sind uns keine Rechenschaft darüber schuldig, wen sie in ihrer Moschee anstellen.

Bei welchen Fragen unterstützen Sie die Moscheen Ihres Verbands?
Wir können den Organisationen zum Beispiel bei der Auswahl eines Imams helfen. Wir verfügen über Informationen und Kontakte ins Ausland. So können wir den zum Teil kleinen Organisationen helfen, den Hintergrund verschiedener Imame besser in Erfahrung zu bringen. Radikale Imame können dann im vornherein aussortiert werden.

Razzia in Winterthurer Moschee

Sie hätten diesen Imam, sollten die Vermutungen über seinen Mordaufruf stimmen, aussortiert?
Natürlich. Wenn es stimmt, dass der neue Imam der An'nur-Moschee zu Mord aufgerufen hat, dann verurteilen wir das. Wir sind froh in einem Rechtsstaat zu leben, indem solche Aussagen ernstgenommen werden und entsprechend gehandelt wird. Auch aus islamisch-theologischer Sicht stimmt die Aussage des Imams nicht und widerspricht unserer Grundsatzerklärung als Glaubensgemeinschaft. 

Was passiert denn nun mit der An'nur-Moschee? Werden Sie sie aus der VIOZ ausschliessen?
Das ist eine Möglichkeit, ja. Wir haben bereits bei den ersten Zwischenfällen in und um die Winterthurer Moschee den intensiveren Kontakt gesucht. Wir dachten, wir seien dabei auf gutem Weg gewesen. Die heutigen Schlagzeilen zeigen das Gegenteil. Sollten die Vorwürfe stimmen, werden wir die Moschee ausschliessen. Dies widerspricht unserer Grundsatzerklärung. Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Organisationen gegen die Verbreitung radikaler Tendenzen vorgehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Moschee im Zusammenhang mit radikalen, ausländischen Imamen auffällt. Ist es denn so schwierig, nicht-radikale Imame zu finden?
Nein, überhaupt nicht. Es handelt sich in diesen Fällen um Ausnahmen. Der Grossteil der aus- und inländischen Imame hat überhaupt nichts mit den Ansichten radikaler Gruppen zu tun. Im Gegenteil, sie verurteilen solche Strömungen. Wenn man sich über die Personen informiert und bei den zuständigen Stellen im Ausland nachfragt, findet man sehr schnell heraus, wer sich eignet und wer nicht.

Würden Sie sagen, dass man bei Imamen aus Ländern, in denen radikale Gruppen verkehren, besonders vorsichtig sein muss?
Nein, ich würde nicht sagen, dass man zum Beispiel bei syrischen Imamen besonders vorsichtig sein muss. Diese radikalen Meinungen sind wie ein Geschwür, man weiss nie genau, wohin sie sich überall ausgewachsen haben. Es gilt bei allen Personen genau hinzuschauen und Abklärungen zu treffen.

Was können Sie dabei als Dachverband tun?
Wir können und dürfen uns nicht in die Tagesgeschäfte beziehungsweise Entscheidungskompetenzen der Moscheevereine einmischen. Dafür haben wir keine Kompetenz und auch keine Ressourcen. Wir können sie aber dabei unterstützen, das Problem der Radikalisierung zu thematisieren, klare Ordnung und Regeln in und um die Moschee aufzustellen, Kontakt zu unbekannten Besuchern herzustellen und bei allfälligen Auffälligkeiten entsprechende Institutionen zu kontaktieren. Der Wille dazu muss aber von den Vereinen selbst kommen.

Wenn der Wille nicht besteht, können Sie gar nichts tun? 
Nein, solange die Muslime in der Schweiz keine öffentlich-rechtlich anerkannte Religionsgemeinschaft sind, sind die Moscheen als Vereine oder Stiftungen registriert und können nur in diesem Rahmen zur Rechenschaft gezogen werden. Auch über die Ausbildung der Imame könnte per Anerkennung Kontrolle gewonnen werden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Andreas Kyriacou 03.11.2016 08:39
    Highlight Highlight Schon etwas billig, die ganze Verantwortung auf die einzelnen Vereine abzuschieben. Eine Dachorganisation kann in ihren Statuten klare Bedingungen definieren, welche Organisationen erfüllen müssen, die bei ihnen Mitglied sein wollen. Dafür braucht es weder öffentliche Mittel noch eine staatliche Anerkennung.

    Es gibt aber in den VIOZ-Statuten nicht einen einzigen Artikel, der solche Bedingungen formuliert. Es scheint, es ist der VIOZ wichtiger, über eine lange Mitgliederliste bedeutungsvoll zu wirken als integer. Das sind keine guten Voraussetzungen, um beim Staat Forderungen zu stellen.
    • Rabbi Jussuf 03.11.2016 09:34
      Highlight Highlight Wir haben trotzdem ein Problem.
      Für eine staatliche Anerkennung braucht es weniger, als man erwarten würde, denn dahinter stehen auch die Kirchen, nicht weil sie unbedingt eine weitere Religion in der Schweiz möchten, sondern, weil sie befürchten, dass ihre eigenen Privilegien den Bach runter gingen. Denn wenn man nicht will, dass irgendwelche islamischen Religionsgemeinschaften anerkannt werden, muss man endlich ernsthaft über eine striktere Trennung von Kirche und Staat sprechen. Das fürchten die Kirchen!
  • Jazzdaughter 02.11.2016 19:57
    Highlight Highlight Man sollte den Islam endlich institutionalisieren, so wie die Kirchen in der Schweiz. So wäre bessere Kontrolle möglich und man täte einen Schritt zur Prävention der Radikalisierung.
    • Spooky 02.11.2016 20:38
      Highlight Highlight Wie willst du es anstellen, den Islam zu institutionalisieren, bei dem es heute noch offiziell gestattet ist, Frauen zu steinigen, und der es erlaubt, Ungläubige über den Haufen zu schiessen und mit Camions zu überfahren, und der heute noch behauptet, es gebe nur einen einzigen wahren Gott, und der heisse Allah?

      Keine Toleranz gegenüber den Intoleranten!
    • sambeat 02.11.2016 22:04
      Highlight Highlight Institutionalisieren? (Gibts das Wort wirklich?)
      Was denn genau institutionalisieren?
      Etwas diesen rückständigen Irrsinn? Im ernst?
      Ich finde: Nein. Ganz einfach nein!
    • Jazzdaughter 02.11.2016 22:36
      Highlight Highlight Auch die christlichen Kirchen haben früher Intoleranz ausgeübt, Ungläubige auf Scheiterhaufen verbrannt, man denke z. B. an die Auto da Fés in Spanien 16 & 17 Jh. Mit der Aufklärung, der Trennung von Kirche & Staat wurde ein langsamer Prozess eingeleitet, der den Kirchen ihre Macht nahm. In der Schweiz sind die christlichen Kirchen ofiziell anerkannt, und so zum Beispiel durch den Staat finanziert (Kirchensteuer). Bei Moscheen ist das viel weniger übersichtlich, z.T. ist nicht ganz klar woher das Geld kommt... ob die Moschee durch extreme Organisationen aus dem Ausland finanziert wird z.B.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Angelo C. 02.11.2016 19:54
    Highlight Highlight War höchste Zeit, diesen islamistischen Stall des Augias endlich gesetzeskonform auszumisten👍!

    Hätte man schon beim Vorgänger des neuen Predigers tun sollen, aber hierzulande schreckt man oft vor konkreten Massnahmen zurück, um die Gläubigen solcher Mordbotschaften nicht noch mehr aufzubauen.

    Wirksame Kontrollen sind ebenso angesagt wie Nulltoleranz gegenüber rein fremdsprachigen Predigern, bzw. solchen, die nicht in Europa ausgebildet wurden!

    Zum Glück schliesst diese äusserst suspekte Moschee Ende des Jahres. Wobei es diesen Verein auch im Untergrund aufmerksam weiter zu beobachten gilt!
  • TobiWanKenobi 02.11.2016 19:10
    Highlight Highlight "An'nur bitzli radikalisiert..."
    • Saraina 02.11.2016 20:11
      Highlight Highlight Der ist gut!
  • Michael L. 02.11.2016 18:42
    Highlight Highlight http://www.nzz.ch/zuerich/saida-keller-messahli-das-ist-nur-die-spitze-des-eisbergs-ld.125897
  • CASSIO 02.11.2016 16:52
    Highlight Highlight Erst jetzt?
    • Lord_Mort 02.11.2016 17:45
      Highlight Highlight Ich finde gut, dass als erster Schritt der Dialog gesucht wird und nicht gleich ein Ausschluss droht. So hat man die Möglichkeit auf diese Leute Einfluss zu nehmen. Ein Ausschluss führt nur dazu, dass diese Organisationen an Anonymität gewinnen, was die Einflussnahme und öffentliche Kontrolle nur noch erschwert.
    • Sapere Aude 02.11.2016 17:48
      Highlight Highlight Scheint als ob der Verstoss gegen die Grundregeln des islamischen Dachverbandes erst mit dieser Razzia nachweisbar war. Zwar wusste man bereits länger, dass dort ein Problem herrscht, weshalb ja auch ein Dialog zwischen dem Dachverband und Moschee stattfand. Ein Ausschluss aus einem Verband oder Verein muss ja auch begründbar sein und kann nicht alleine auf Vermutungen und Mutmassungen aufbauen.

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