Schweiz
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ZUR MELDUNG, DASS SICH SWISS-PILOTEN GEGEN DIE ZWEIPERSONENREGEL IM COCKPIT WEHREN, STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH 17. FEBRUAR 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Pilot und Kopilot fliegen das Flugzeug, aufgenommen am 1. Mai 2013 in einem Flugzeug der Swiss. Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss fliegt von Zuerich nach Chicago und zurueck. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bild: KEYSTONE

Interview

Zwei-Personen-Regel im Cockpit schafft neue Probleme: «Über dieses Risiko reden die Airlines nicht gerne»



Die Swiss-Piloten kritisieren die neue Regel, wonach immer zwei Besatzungsmitglieder im Cockpit sitzen müssen. Eingeführt wurde sie wegen des absichtlichen Germanwings-Absturzes vor einem Jahr. Doch gemäss Aeropers, dem Pilotenverband der Swiss, führt die Regel nicht zu mehr, sondern zu weniger Sicherheit. Konkret wird bemängelt, dass durch den Abtausch die Cockpit-Tür länger geöffnet bleibe.

Auch Christoph Regli, Aviatik-Dozent der ZHAW, zieht knapp ein Jahr nach Einführung der Regel eine eher durchzogene Bilanz. Die etwas länger geöffnete Cockpit-Tür scheint dabei noch das kleineste Problem. Im Interview erklärt der Pilot und ehemalige Sicherheitsinspektor beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL), welche neuen Risiken in der Praxis entstehen können.

Bild

Christoph Regli, Aviatik-Dozent der ZHAW.
bild: zvg

Teilen Sie den Unmut Ihrer Berufskollegen über die Zwei-Personen-Regel?
Christoph Regli: Zunächst würde ich sagen, dass man eine Massnahme wie diese fast einführen musste, um allenfalls das Vertrauen verängstigter Passagiere wieder herzustellen. Damit signalisierten die Airlines, dass sie das Problem ernst nehmen. Auf der anderen Seite stellt sich in solchen Fällen immer die Frage, ob nicht auch neue Risiken ins System eingeführt werden.

An welche Risiken denken Sie?
Am wichtigsten scheint mir die Erkenntnis, dass Mitglieder des Kabinenpersonals nicht fürs Cockpit ausgebildet sind. Sie wissen nicht wie intervenieren, sollte der Pilot einen Sinkflug einleiten. Ebenso wissen sie in der Regel nicht, wann ein Sinkflug von der Flugsicherung angeordnet wurde.

Der eine oder andere verfügt wohl über Grundkenntnisse. 
Eine spontane Intervention von jemandem, der vielleicht ein bisschen über die Fliegerei Bescheid weiss, könnte gefährlich werden. Auch eine Ablenkung des Piloten ist denkbar, wenn er versucht, das Cockpit zu erklären. Daneben gibt es einen weiteren Aspekt, der gerne vergessen geht.

Welchen Aspekt meinen Sie?
​Wenn ein Mitglied der Kabinenbesatzung im Cockpit sitzt, fehlt es gleichzeitig hinten. Und zwar nicht nur im Service, sondern auch für die sicherheitsrelevanten Aufgaben. Ausserdem verursacht es einen organisatorischen Aufwand, jemanden kurzfristig ins Cockpit zu bestellen. Das Kabinenpersonal ist ein eingespieltes Team, wenn da plötzlich jemand hinausgerissen wird, ist das eine Herausforderung. 

«Auch ein anderes Risiko betrifft das Kabinenpersonal, aber darüber reden die Airlines nicht gern.»

Handelt es sich dabei immer um die Maître de Cabines?
​Das kommt auf die Airline an. Grundsätzlich ist es sinnvoll, die Person mit der grössten Erfahrung ins Cockpit zu schicken. Aber eben: Kommt es ausgerechnet in diesem Augenblick zu einer brenzligen Situation in der Kabine, dann fehlt diese Erfahrung. Auch ein anderes Risiko betrifft das Kabinenpersonal, aber darüber reden die Airlines nicht gern.

Welches Risiko?
​Die Eintrittshürde, Pilot zu werden, ist ungleich höher als für Flugbegleiter. Sollte eine terroristische Organisation versuchen, eine Person in das Aviatik-System einzuschleusen, wäre das für einen Piloten schwieriger. Die Selektion ist strenger, die Ausbildung dauert länger. Verstehen Sie mich nicht falsch, Flugbegleiter ist ein anspruchsvoller Job, aber die Eintrittshürde bei den Piloten ist höher. Ist eine Person mit terroristischen Absichten erst einmal im Cockpit, ist es ein Leichtes, den Piloten ausser Gefecht zu setzen.

Was ist Ihr Eindruck, bleibt die Zwei-Personen-Regel bestehen?
​Ich denke, vorerst schon. Die Entscheidung liegt nicht nur bei den Behörden, sondern auch bei den Airlines. Es ist nicht zuletzt eine Kulturfrage. In den USA galt die Regel schon vor der Germanwings-Tragödie. 

Gibt es überhaupt Alternativen?
Der Leiter der deutschen Flugsicherung (DFS) schlug nach der Germanwings-Tragödie vor, die Flugsicherung müsste in solchen Fällen vom Boden aus die Kontrolle über das Flugzeug übernehmen. Ohne viel Fantasie ist klar, dass Terroristen dadurch eine neue Türe aufgemacht würde. Toiletten im Cockpit sind physisch, eine Aufstockung auf drei Piloten wirtschaftlich unrealistisch. Es gibt keine einfache Lösung und in diesem Sinn leider keine hundertprozentige Sicherheit.

Was hältst du von der Zwei-Personen-Regel im Cockpit?

Der Absturz von Germanwings 4U9525 in Frankreich

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ahoy 19.02.2016 11:04
    Highlight Highlight Schade, dass mit diesem Artikel die Chance vertan wurde, Luftfahrtlaien Aufklärung und Vertrauen zu diesem Thema zu geben. Sowohl der "Experte" Hr. Regli als auch die anschliessenden Kommentatoren scheinen nicht zu wissen, worum es geht.
    1. Die Tür ist nicht länger auf! FB ins Cockpit - Tür zu - Pilot steht auf, öffnet Tür und verlässt das Cockpit - Tür zu.
    2. Der Flugbegleiter braucht keine Erfahrung in Funk/Fliegen, denn er hat in diesem Zeitraum einzig die Aufgabe die Tür manuell zu öffnen, sollte der anwesende Pilot versuchen, sie elektronisch zu blocken. Dafür ist nicht der Purser nötig!
  • ovatta 19.02.2016 10:30
    Highlight Highlight Hmm, wie wärs mit Windeln? Oder Pinkelflaschen?
  • Cardea 19.02.2016 00:26
    Highlight Highlight Wäre es nicht sinnvoller wenn die Airlines mit psychischen Problemen der Piloten anders/besser umgehen könnten? dies Wurde im Germanwings-Fall doch oft als eines der grössten Probleme bezeichnet.
    Aber ja, eine 100% Sicherheit scheint so oder so nicht möglich zu sein. Man muss sich hier wohl für das kleinste Übel entscheiden.
  • Bowell 18.02.2016 22:36
    Highlight Highlight Ich gönn den Piloten den Miniaufstand. Es ist ohnehin nur eine Frage der Zeit bis diese Berufsgattung verschwunden ist.
    • Jürg Müller - Der Katzenmann 18.02.2016 22:50
      Highlight Highlight Warum ?
  • koal 18.02.2016 17:53
    Highlight Highlight Die Regel ist doch total Schwachsinn. Dieser Aktionismus ist leider nötig, da die Medien alle mit Ihrem Berichten unter Druck setzen. Ich wage zu bezweifeln, dass die Swiss die Regelung eingeführt hat, weil Sie diese als sehr Sinnvoll erachtet. Vielmehr weil es von allen erwartet wurde um eine «Scheinsicherheit» zu gewähren. Soviel ich noch im Kopf habe, war Swiss eine der Airlines die die Regelung erst spät eingeführt haben.
    Ich gebe zu die Hemmschwelle für Selbstmörder und andere Übeltäter ist sicherlich kleiner, wenn noch jemand im Cockpit ist. Ist dies die richtige Lösung für das Problem?
  • Donald 18.02.2016 16:20
    Highlight Highlight Es soll vor allem helfen, dass der Pilot im Cockpit die Tür nicht sperren kann, so dass auch der zweite Pilot nicht ausgesperrt werden kann. Dazu muss man kein Flugzeug fliegen können. Dieser ZHAW BAZL-Inspektor soll ein Fachmann sein? Wer bezahlt den?
    • one0one 18.02.2016 16:32
      Highlight Highlight Das bestreitet ja auch niemand. Der Herr wird ja nie gefragt wofuer diese neue Regelung sein soll. In diesem Artikel werden vorallem Beispiele genannt wo diese Regelung eben nichts nuetzt, respektive sogar Gefahren birgt.
      Es ist immer dassselbe. Etwas passiert, die Leute haben Angst, es wird etwas gemacht das die Leute wieder beruhigt und dann muessen wir mit dem Dreck leben..
      Wer oft fliegt weiss ganz genau das die verschaerften Sicherheitskontrollen ein Witz sind.
      Mal finden sie die Wasserflasche und dann wieder nicht. Mal muss ich alle Elektronik aus dem Handgepäck nehmen dann wieder nicht
    • Donald 18.02.2016 17:13
      Highlight Highlight Aber er verwechselt etwas. Es geht gar nicht darum, dass der "Aufpasser" das Flugzeug übernehmen soll. Wenn einem Besatzungsmitglied nicht zu trauen ist, müssen halt zwei her. Wenn das nicht organisierbar ist, dann sind die Leute sowieso unfähig...
    • Kian 18.02.2016 17:23
      Highlight Highlight Ich kann euch versichern, dass sich die Swiss EXAKT diese Überlegungen macht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • one0one 18.02.2016 15:54
    Highlight Highlight Das ist genau so unnuetz wie die verschaerften Sicherheitskontrollen... Und das alles nur um uns Idioten den Eindruck vom sicheren Fliegen zu verschaffen...
    Moment mal... Fliegen ist ja statistisch schon sehr sicher... Hmmmmmmmmm :P

Kommentar

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