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Interview

Art Furrer zur tödlichen Lawine: «Durch die Wärme wird aus Schnee fast Fliessbeton»

Der Walliser Art Furrer (81) ist seit 60 Jahren Bergführer. Er denkt, dass das Unglück von Crans-Montana hätte vermieden werden können.

Thomas Renggli / ch media



Art Furrer und ein Helikopter waehrend der Bergrettungsuebung mit der Air Zermatt mit dem Matterhorn im Hintergrund waehrend des 6. Gornergrat- und Bergfuehrerfestes am Freitag, 5. Juni 2015, in Zermatt. Das Gornergrat-Fest findet unter dem Motto

Art Furrer kritisiert die Verantwortlichen des Skigebiets und das Schnee- und Lawinenforschungsinstitut. Bild: KEYSTONE

Was haben Sie gedacht, als Sie vom Lawinenniedergang in Crans-Montana gehört haben?
Art Furrer: Der Unfall von Crans-Montana ist in jeder Beziehung aussergewöhnlich. Ich war nicht vor Ort und habe nur über Fernsehen, Radio und Presse vom Unglück gehört. Aber ich kenne die Natur. Wir hatten in diesem Winter sehr kalte Perioden mit sehr viel Schnee und sehr vielen Verwehungen. Von Schneeverwehungen haben die Bergerführer am meisten Angst. An einem Ort kann sich der Schnee meterhoch aufschichten, an anderen Orten sieht man die Felsen. Durch die grosse Erwärmung der letzten Wochen, als die Nullgradgrenze auf fast 3000 Meter stieg, wurde dies zur grossen Gefahr.

Das heisst, das Unglück steht auch im Zusammenhang mit der Klimaveränderung?
Ja und nein. Schon für uns war es immer oberstes Gebot, dass man auf Bergtouren spätestens am Mittag zurück in der Hütte sein muss. Unter der starken Sonneneinstrahlung und den wärmeren Temperaturen halten die Schneehänge nicht mehr. Die Gefahr von Lawinen und Steinschlag steigt markant.

Eine Walliser Legende

Art Furrer (81) war Skiakrobat, Skilehrer in den USA, Bergführer und Hotelier. Heute führt sein Sohn Andreas die vier Art Furrer Hotels auf der Riederalp und das Schlosshotel in Brig.

Also hätte man die Gefahr antizipieren müssen?
Wasser fliesst, Eis fliesst – und Schnee fliesst. Ein Kubikmeter Schnee hat ein spezifisches Gewicht von rund 300 Kilogramm. Wenn es aber warm wird, hat dieselbe Menge Schnee ein Gewicht von 600 bis 700 Kilogramm. Und dann beginnt die Schwerkraft, den Schnee talwärts zu ziehen – und wenn die Masse plötzlich in Bewegung gerät, entsteht ein Riss. Es gibt einen Knall und die Lawine wird ausgelöst.

Das Video zeigt, wie Skifahrer vor der Lawine von Crans-Montana fliehen. Die Echtheit des Videos ist noch unbestätig, aber die Bilder decken sich mit jenen der Kantonspolizei Wallis.

Video: © CH Media Video Unit

In Crans-Montana waren Menschen auf der Piste betroffen. Das macht Angst. Ist man auf der Piste nicht mehr sicher?
Ich will niemanden anklagen, aber ich denke, die Konstellation wurde auch vom Schnee- und Lawinenforschungsinstitut Weissfluhjoch in Davos falsch eingeschätzt und kommuniziert. Die allgemeine Lawinengefahr wurde als mässig eingestuft. Das trifft auf den Morgen zu, aber nicht auf den Nachmittag. Und als dann durch die steigende Temperatur und die Sonneneinwirkung ein Riss entstand, wurden grosse Mengen von Schnee in Bewegung gesetzt. Und dann wird aus Schnee fast Fliessbeton. Durch diese Kräfte und Druck können die Lawinen bis auf die Piste gelangen.

Wie geht man auf der Riederalp mit dieser Gefahr um?
Bei uns werden die exponierten Pisten am Nachmittag konsequent gesperrt. An vielen anderen Orten ist dies ein Problem der Verantwortlichkeit und der Kompetenzverteilung. Es braucht einen ortskundigen Pistenchef, der den Mut aufbringt und sagt: Ich sperre – unabhängig von kommerziellen Interessen und Kundenwünschen. Wenn dieser Pistenchef nur einen kleinen Fehler macht, kann dies eine verheerende Auswirkung haben. Nochmals: Ich will niemanden anklagen. Aber im Zweifelsfall muss man die Pisten immer sperren.

Was machen Sie für sich, um diese Gefahren zu reduzieren?
Ich bin nun 60 Jahren am Berg. Ich hatte nie einen Unfall, in dem Gäste involviert waren. Der einzige, der in eine Gletscherspalte gestürzt ist, war ich – an einem Föhn-Tag, an dem man wohl gar nicht ins Gelände hätte gehen dürfen. Man muss immer aussergewöhnlich vorsichtig sein. Und es braucht immer auch einen Schutzengel. Offenbar war der Schutzengel in Crans nicht vor Ort. Und der Verantwortliche hat die Situation falsch eingeschätzt – oder Weissfluhjoch hätte eine klarere Warnung aussprechen sollen.

Suche nach Lawinen-Verschütteten in Crans-Montana läuft

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Video: srf/SDA SRF

Die Wucht und Pracht des Schnees in 28 Bildern

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19
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • j_foo 20.02.2019 22:54
    Highlight Highlight Wieso in aller Welt befragt ihr zu diesem Thema Art Furrer???
  • tolgito 20.02.2019 19:05
    Highlight Highlight Lustig zu sehen wie viele selbsternannte Schnee- und Lawinenexperten hier anscheinend kommentieren und Art kritisieren... von wegen Sofa oder Couchexperte
  • fandustic 20.02.2019 18:30
    Highlight Highlight Jetzt hat man noch den Furrer Art aus der Mottenkiste gezaubert....die "richtigen Experten" äussern sich nicht in der Öffentlichkeit, vor allem wenn man noch nichts genaueres weiss. Aber der Furrer Art, der weiss alles. Unsäglich.
  • Snowy 20.02.2019 18:18
    Highlight Highlight Art Furrer halt einfach den Rand.

    Völlig deplatziert diese allgemeinen Bergsteigerweisheiten ("vor 12:00 wieder zurück") in diesem Zusammenhang und im jetzigen Zeitpunkt zu proklamieren.

    Er sagt, er wolle niemanden beschuldigen, tut aber genau dies im nächsten Satz.

    Wenn man ähniche Vorfälle mit Gleit/ Nasschneerutschen immer und zu 100% ausschliessen möchte, wären im Frühling jeweils die Hälfte der Pisten ab 13:00 geschlossen.
  • juergy 20.02.2019 18:14
    Highlight Highlight Art, lies bitte das Bulletin. Deine Kritik ist so was von daneben und schadet unserem Beruf. Mit 81 ist es wirklich Zeit für’s Ofabenkli !!
  • Strongman 20.02.2019 17:46
    Highlight Highlight War am Montag zum ersten Mal auf Bettmeralp und dann mit Gondelbahn zum Bettenhorn hinauf. Kanns nur empfehlen, war super . Um den Aletschgletscher zu sehen musste ich nur 3 Minuten vom Restaurant laufen.
    • nödganz.klar #161 20.02.2019 18:28
      Highlight Highlight ok cool
  • Alteresel 20.02.2019 17:28
    Highlight Highlight Hätte, sollte, müsste ..... Jetzt kommen die Sofaexperten zu Wort! Niemand kann zu irgendwelcher Zeit im die Berge und meinen, es gäbei ein Nullrisiko. Das sollte sogar ein alter Bergführer wissen.
  • Brettspiel 20.02.2019 16:57
    Highlight Highlight Ist es nicht möglich, solche Nassschneelawinen kontrolliert zu sprengen wie es sonst üblich ist?
    • juergy 20.02.2019 18:12
      Highlight Highlight Für das Sprengen von Nassschneelawinen gibt es jeweils nur ein kleines Zeitfenster. Dieses genau zu treffen ist ein äusserst schwieriges Unterfangen. Oft ist es am idealsten dieses kurz nach Sonnenuntergang zu versuchen. Aber auch dann gibt es keine Garantie, dass die Sprengung erfolgreich ist. Ich sprenge selber im Verlaufe des Winters.
    • Snowy 20.02.2019 18:20
      Highlight Highlight Nassschneelawinen lassen sich viel weniger gut durch Sprengungen auslösen.

      Ist aber prinzipiell möglich.
  • Joe Smith 20.02.2019 15:41
    Highlight Highlight «Ein Kubikmeter Schnee hat ein spezifisches Gewicht von rund 300 Kilogramm. Wenn es aber warm wird, hat dieselbe Menge Schnee ein Gewicht von 600 bis 700 Kilogramm.» Ja, schon, aber das spielt für die Lawinengefahr überhaupt keine Rolle, denn der Schnee, der im Hang liegt, vermehrt sich ja nicht auf wunderbare Weise durch die Sonneneinstrahlung. Aber seine Struktur wird verändert.
    • Gretzky 20.02.2019 16:18
      Highlight Highlight Doch spielt sehr wohl eine Rolle, da der Schnee aufgrund des höheren Gewichts und eben auch der veränderten Struktur viel leichter ins Rutschen kommt...
    • Leon1 20.02.2019 17:14
      Highlight Highlight Die selbe Menge Schnee wird nicht schwerer, sie wird bestenfalls dichter.

      Solange keine neuen Niederschläge dazukommen bleibt die Schneesäule gleich schwer, es verringert sich lediglich das Volumen
    • Hppendler 20.02.2019 17:53
      Highlight Highlight Und mit höherer dichte bzw kleinerem volumen wird der kubikmeter entsprechend schwerer
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Neue Studie zeigt: 33'000 Suizidversuche innert eines Jahres in der Schweiz

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