Schweiz
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epa05483434 A still image from a video taken 13 August 2016 shows members of a psychological team taking care of some passengers at the trainstation Salez - Sennwald where a train is inspected by forensic experts following an attack onboard the train, in Salez, Switzerland. According to St. Gallen Canton Police Department, a 27 year old man dispersed flammable liquid on the train and set it alight during an attack. He was also armed with at least one knife. Seven people were  injured in the attack. On 14 August one women and the suspect were reported by the police to have died.  EPA/KEYSTONE VIDEO/TVO VIDEO GRAB

Hilfskräfte kurz nach der Tat in Salez. Der Fall ist noch lange nicht abgeschlossen. Bild: EPA/KEYSTONE

Interview

«Es schien mir, als wollten die Medien mit allen Mitteln einen terroristischen Akt auf den Vorfall in Salez projizieren»

Hanspeter Krüsi, Medienchef der Kantonspolizei St. Gallen, hat die letzten Tage fast nur über den Feuer-Amoklauf von Salez informiert. Seine Arbeit ist nicht nur gelobt worden. Jetzt hat er die Hoheit über den Fall der Staatsanwaltschaft abgegeben und zieht Bilanz.  



Über die Attacke auf den Regionalzug in Salez berichteten Medien aus aller Welt. Wann hatten Sie den ersten Journalisten am Draht?
Nach den Rettungskräften wurde umgehend auch der Pikett-Mediensprecher Bruno Metzger aufgeboten. Schon während der Anfahrt Richtung Salez am Samstagnachmittag hatte er erste Journalisten am Telefon. Die ersten ausländischen Medien meldeten sich spätestens nach dem Versenden der ersten Medienmitteilung kurz vor 19 Uhr. 

Wie viele Anfragen haben Sie seither beantwortet? 
Darüber führen wir keine Statistik. Fakt ist, dass wir ständig mit Telefonanfragen oder TV-Interviews beschäftigt waren.

Hanspeter Krüsi

Hanspeter Krüsi, Medienchef der Kantonspolizei St. Gallen. bild: kapo St. Gallen

Wie viel haben Sie geschlafen in den letzten Tagen?
Sowohl Bruno Metzger als auch ich kamen in der ersten Nacht nach dem Ereignis kaum zum Schlafen. Es waren einige wenige Stunden. Klar waren wir irgendwann müde oder auch etwas ausgelaugt. Dies änderte aber nichts an der Motivation, das Ereignis bestmöglich zu bewältigen. Es ist aus unserer Sicht auch sehr wichtig, dass nur einer spricht. Nur so kann die Kontinuität des Informationsflusses gewahrt bleiben. Dabei ist man auf ein mitdenkendes Team angewiesen. Das war jederzeit der Fall.

«Mit dem Zeitpunkt, als sich ausländische Medien an die Berichterstattung angeschlossen haben, hat sich die Art und Weise der Fragen jedoch stark verändert.»

Wie muss man sich den Ablauf vorstellen? Wann entscheiden Sie, wie viele Kommunikationsleute es braucht oder ob eine Medienkonferenz nötig ist?
Aus unserer Sicht handelte es sich nicht um ein internationales Ereignis. Wie ich bereits früh gesagt hatte, stammen alle Opfer aus dem St.Galler Rheintal. Wäre nun zum Beispiel eine ausländische Touristengruppe betroffen gewesen, hätten wir anders entschieden. Wir verzichteten deshalb auf eine Medienkonferenz.

War das im Nachhinein ein Fehler?
Nein. An einer Medienkonferenz müssten Neuigkeiten verbreitet werden können. Alle uns bekannten und gesicherten Tatsachen haben wir bereits mit der ersten Medienmitteilung verbreitet. Gesicherte Informationen sind uns wirklich ein grosses Anliegen. Deshalb gibt bei uns nur ein Mediensprecher über einen Fall Auskunft. Dies garantiert, dass alle Journalisten die Information aus der jeweils am besten unterrichteten Quelle erhalten. Sie müssen sich vorstellen, dass es bei einer solchen Flut von Anfragen sehr schwierig ist, mehrere Mediensprecher auf demselben Kenntnisstand zu halten.

So verlief die Attacke in Salez:

Stellen Journalisten seit den Terror-Anschlägen im Ausland andere Fragen? 
Die Zusammenarbeit mit den lokalen und nationalen Journalisten ist gleich geblieben. Mit dem Zeitpunkt, als sich ausländische Medien an die Berichterstattung angeschlossen haben, hat sich die Art und Weise der Fragen jedoch stark verändert. Insbesondere die französischen Medien waren mitunter am stärksten auf einen Link zum Terror aus.

Wie gehen Sie damit um?
Ich finde es sehr bedenklich, dass man sich keinen Moment darüber Gedanken zu machen schien, dass von der Tat in Salez nicht nur die Täter oder die Opfer betroffen sind. Da sind noch die Angehörigen und Familien beider Seiten. Deren Leben hat sich am Samstag mit einem Schlag verändert. Stellen Sie sich vor, sie müssen vom Tod eines nahestehenden Menschen aus den Medien erfahren – noch bevor die Polizei persönlich vorbeikommen konnte. Wenn dann noch Unwahrheiten und ketzerisches Gedankengut über diese Person verbreitet wird, weiss ich nicht, wie man so etwas ertragen soll.

abspielen

«Wir haben keine Anzeichen für irgendein Motiv.» Krüsi war nach der Attacke im Dauereinsatz.  Video: watson.ch

Welche Fragen sind Ihnen denn gestellt worden?
Es schien mir, als ob die Medien mit allen Mitteln einen terroristischen Akt auf den Vorfall in Salez projizieren wollten. So wurde ich gefragt, ob der Täter einen religiösen Ausruf von sich gegeben hat oder ob die Opfer Kopftücher trugen. Es wurde an unserer sachlichen Kommunikation vorbei ein Link zum Terror gesucht.

«Wir können auch aus personeller Sicht schlichtweg nicht auf alle Gerüchte reagieren.»

Die Kantonspolizei St. Gallen ist für Ihre Informationsstrategie nicht nur gelobt worden. Dass es keine Pressekonferenz gab und sie ausschliesslich in Deutsch Auskünfte gaben, kam nicht überall gut an. Wie gehen Sie damit um? 
Wir sind nach wie vor von unserem Vorgehen überzeugt. Zudem müssen wir uns an rechtliche Grundlagen halten. Ein laufendes Strafverfahren ist geheim. Dies gilt es auch für Medienschaffende zu verstehen. Wir haben in unserem gesetzlichen Rahmen kommuniziert und sind bewusst nicht auf Spekulationen eingegangen.

Rasch gab es in den Sozialen Medien Gerüchte, die die Zugattacke mit Terror in Verbindung brachten. Beeinflusst das Ihre Arbeit?
Hauptsächlich ist es tragisch, welche Unwahrheiten über die Sozialen Medien verbreitet werden. Auch hier schien es hauptsächlich darum zu gehen, unbedingt ein Link zum Terror herzustellen. Die Leute suchten nach Erklärungen und gaben diese gleich selber von sich, bevor die Abklärungen von offizieller Seite vorangeschritten und gesichert waren. Wir können auch aus personeller Sicht schlichtweg nicht auf alle Gerüchte reagieren. Wie schon erwähnt, basiert unsere Kommunikations-Strategie darauf, dass wir gesicherte Informationen heraus geben. Wir kommunizieren nicht, was wir nicht wissen und wir kommunizieren auch keine Gerüchte-Dementi.

Wie fällt Ihre Bilanz zu Salez aus?
Wir sind grundsätzlich zufrieden mit der Bewältigung des Ereignisses. Ich war in Salez vor Ort und war beeindruckt, mit welcher Ruhe und Disziplin die Polizisten und Rettungskräfte diesen schwierigen Einsatz gemeistert haben. Ich bin ebenfalls überzeugt davon, dass wir schon sehr früh sehr umfassend über das Geschehene informieren konnten. Die anschliessende Flut von medialen Anfragen haben wir ebenfalls gut gemeistert. Mein Team und ich waren in unermüdlichem Einsatz und haben getan, wofür wir zuständig sind. Wir haben das gerne gemacht und sind von unserer guten Arbeit überzeugt.

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • URSS 17.08.2016 17:53
    Highlight Highlight Ach was, dummes Zeugs. Seit dem Amok von München warten die Menschen auf Fakten.
    Aber im Kopf denken darf man ja wohl ob es ein Terrorakt war oder doch nicht.Und kommt nicht immer mit Fox News. Diesen Sender kann nun wirklich kein normaler Mensch ernst nehmen.
    • Soufaa 17.08.2016 22:14
      Highlight Highlight Dank Twitter, FB und Liveticker hat man keine geduld mehr. Früher hat man alles erst am Abend in der Tagesschau oder am nächsten Tag in der Zeitung erfahren. Heute will man es sofort wissen.
  • Qwertz 17.08.2016 16:51
    Highlight Highlight Die gute Information scheint bei gewissen Medien trotzdem nichts genützt zu haben...

    Hier ein Artikel vom Tagi über die Berichterstattung durch Fox News:

    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/der-bizarre-tvbeitrag-ueber-salez/story/25128508
    • TanookiStormtrooper 17.08.2016 17:03
      Highlight Highlight Die überaus seriösen FOX News...
      "In the WEST of Switzerland"
      Dieser beschi***ne Kanal verbreitet seit Jahren extrem viel Schwachsinn und die Amis glauben den Bullshit noch immer.
    • Louie König 17.08.2016 17:20
      Highlight Highlight Wollte auch noch auf die Fox News hinweisen. Kam gerade auch auf Radio 24. Fox News ist eine Schande für jedes seriöse News-Netzwerk. Die geben Halbwahrheiten und blanke Lügen von sich, sehen überall eine liberale Verschwörung und machen aus jeder Mücke einen Elefanten. Und sie widersprechen sich auch selbst andauernd, Entschuldigungen für falsche Beiträge oder Aussagen gibts nie, wird aber von jedem Anderen gefordert. Und dann gäbe es natürlich noch den werten Bill O'Reilly.... aber das lass ich jetzt lieber...
    • Marcel Nandy Füllemann 17.08.2016 18:40
      Highlight Highlight Alles was auf FOX NEWS verteufelt, strahlen sie auf ihren eigenen Sendern aus *hust rtl*. Das sollte ja bereits alles über dieses Schandwerk von Network aussagen ;-)
  • wipix 17.08.2016 16:49
    Highlight Highlight Es war tatsächlich äusserst beschämend, wie nach der Tat bis heute von gewissen Gruppierungen die Tat, mit wissentlich falscher Informationen auszuschlachten versuchten! Ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Opfer und Ihr Umfeld.
    Dass es politisch motivierte charakterlise An(gst)stifter gibt ist das eine. Dass es aber dann noch Dummköpfe von Nachläufern gibt, die diesen offensichtlichen Mist für bare Müntze nehmen wirft Fragen nach der effizient unseres Schulsystems auf! Oder hatten wir soviele "Lernbehinderte" an unserer Schule die jetzt funktionale Analphabeten sind?😡
    • saugoof 17.08.2016 23:06
      Highlight Highlight Ich frage mich so was dass über die Leute aussagt die so unbedingt wollen dass dies ein Terrorakt war dass sie auch noch Falschmeldungen verbreiten. Ganz bestimmt sind das jedenfalls nicht Leute die Lösungen suchen...
    • Asmodeus 31.08.2016 11:20
      Highlight Highlight Dochdoch. Sie suchen allerdings nach der Endlösung.
  • MrJS 17.08.2016 16:45
    Highlight Highlight Absolut richtig das Vorgehen der Polizei! Wir sagen lieber nichts, bevor wir nicht wissen, was passiert ist. So mindert man nicht nur das Verbreiten von Falschinformationen, sondern es wird dem Täter auch weniger eine Bühne gegeben.
  • GeorgOrwell 1984 17.08.2016 16:33
    Highlight Highlight Top Arbeit, vorbildlich in einem demokratischen und neutralen Staat, die Informationen unverzerrt zu erhalten.
    Vielen Dank dafür, ehrlich.. (auch wenn es selbstverständlich sein sollte, ist es leider nicht).

    Wünsche allen Verletzten gute Genesung und mein Beileid an die Verwandten der Verstorbenen.
    • Hinkypunk 17.08.2016 22:41
      Highlight Highlight Meine Wurstfinger entschuldigen sich für den Blitz
    • GeorgOrwell 1984 17.08.2016 22:46
      Highlight Highlight Kenne das Problem ;) kein Problem
  • Howard271 17.08.2016 16:18
    Highlight Highlight Wichtiges Interview, dass einige Journalisten hoffentlich zum Nachdenken bringt. Herr Krüsi und die St. Galler Kantonspolizei haben meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Chapeau!
    • kiawase 17.08.2016 20:30
      Highlight Highlight dass journalisten bestimmter medien nachdenken bevor sie irgendwas publizieren ist und bleibt wohl leider eine hoffnung; auch in diesem business floriert das copy/paste prinzip
    • Phrosch 17.08.2016 20:36
      Highlight Highlight Da kann ich mich nur anschliessen. Dass nur in deutsch informiert wird, finde ich völlig in Ordnung. Amerikaner würden auch nur in englisch informieren und nichts dabei finden.

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