Schweiz
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Pieter Zeilstra, Pfarrer Martin Werlen, der Rabbiner Marcel Yair Alimi, Pfarreri Somina Rauch und der Imam Bekim Alimi, von links, unterwegs zur Segnung des Gotthard Tunnels am Eroeffnungstag des Basistunnels am Mittwoch,  1. Juni 2016 im Tunnel im Zugangsstollen Amsteg. Der Gotthard Basistunnel ist mit seinen rund 57 Kilometern Laenge der laengste Eisenbahntunnel der Welt. Nach dem Anstich im November 1999 folgte der Durchstich im Oktober 2010. Nach der offiziellen Eroeffnung folgt der kommerzielle, fahrplanmaessige Betrieb ab Dezember 2016. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bekim Alimi (ganz rechts) bei der Segnung des neuen Gotthard-Basistunnels am 1. Juni 2016.  Bild: GAETAN BALLY

Einbürgerungsstreit in Wil – darf der «Vorzeige-Imam» Bekim Alimi Schweizer werden?

05.04.18, 15:15


Unter dem Tranktandum 14.3. befassen sich die 40 Mitglieder des Wiler Parlaments heute Abend mit mit einem prominenten Bewohner der Stadt: Bekim Alimi, mazedonischer Staatsangehöriger, geboren am 2. Januar 1973 in Neprostheno in der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien.

Alimi wohnt seit 20 Jahren in Wil, ist Imam der dortigen Islamischen Gemeinschaft und damit «Hausherr» in der repräsentativen neuen Moschee, die nach jahrelangen Streitigkeiten vor knapp einem Jahr ihre Tore öffnete. Der oft in den Medien und bei Podiumsdiskussionen auftretende Alimi wurde vom Tages-Anzeiger einst als «Vorzeige-Imam» bezeichnet.

Blick auf das neu gebaute Islamische Begegnungszentrum Wil, am Montag, 8. Mai 2017, in Wil. Die Moschee wird kommendes Wochenende eroeffnet, nachdem sie nach zahlreichen Einsprachen gebaut werden konnte. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die neue Moschee in Wil. Bild: KEYSTONE

In der drittgrössten Gemeinde des Kantons St. Gallen hat sich um diese Einbürgerung eine vor allem in den Medien ausgetragene Diskussion entwickelt. Beteiligt war unter anderem auch die Islam-Kritikerin Saida Keller-Messahli. Entscheiden wird das Stadtparlament am Donnerstag.

Nebst seinem Amt als Imam ist Alimi auch Präsident des Dachverbands islamischer Gemeinden der Ostschweiz und des Fürstentums Liechtenstein (DIGO). Bei der Segnung des neuen Gotthard-Tunnels vertrat er die Schweizer Muslime.

Im Juni 2015 reichte er in Wil ein Einbürgerungsgesuch ein, das im Mai 2016 bewilligt wurde. Dagegen ging eine Einsprache ein. Am kommenden Donnerstag muss deshalb das Wiler Stadtparlament über die Einbürgerung entscheiden.

Vorwürfe zurückgewiesen

In der Einsprache wurden verschiedene Vorwürfe geäussert. Unter anderem soll Alimi Kontakte zu einem radikalen Prediger gehabt haben. Weiter sei er Mitglied der Muslimbrüderschaft Schweiz. Es könne nicht restlos ausgeschlossen werden, dass der Imam keine Gefahr für die innere Sicherheit der Schweiz darstelle, heisst es.

Darauf holte der Einbürgerungsrat eine Stellungnahme bei Alimi sowie Auskünfte bei den Behörden ein, unter anderem bei der Kantonspolizei und dem Nachrichtendienst des Bundes.

Alimi wies die Vorwürfe zurück. Sie seien teilweise schon vor der Segnung des neuen Gotthardtunnels geäussert worden. Er hielt unter anderem fest, er sei dem Prediger vor rund fünf Jahren zusammen mit anderen Imamen an einem Anlass begegnet. Weiter gehöre er nicht zur Muslimbruderschaft.

Es irritiere ihn, dass das der Einsprecher ihn in einem Atemzug des salafistischen Gedankenguts und der Mitgliedschaft bei den Muslimbrüdern beschuldige. Zwischen den beiden Richtungen gebe es grundlegende Differenzen.

NDB hat keine Bedenken

Die Kantonspolizei bestätigte gegenüber dem Einbürgerungsrat, dass zu Alimi Abklärungen vorgenommen wurden. Es hätten sich keine Hinweise auf deliktische Tätigkeiten ergeben. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) stellte fest, «nach eingehender Überprüfung» lägen keine Anhaltspunkte vor, um eine Ablehnung der Einbürgerung beantragen zu können. Zum gleichen Schluss kam auch das Staatssekretariat für Migration.

Der Einbürgerungsrat hielt danach fest, die Auskünfte liessen keine Zweifel an der Eignung Alimis für eine Einbürgerung.

Die Diskussion spielte sich danach vor allem in den Medien ab. Eine Stadtparlamentarierin der Grünliberalen stellte Alimi Fragen zu seiner Gesinnung und zu seiner Einstellung zu den Rechten der Frau. Sie gab an, dafür mit der Islamkritikerin Saida Keller-Messahli zusammengearbeitet zu haben.

Alimi beantwortete die Fragen «mit einem Gefühl der Demütigung», wie er dazu festhielt. Auf die Frage: Glauben Sie, dass die Frau dem Mann untergeordnet ist?, antwortet er mit «Nein».

Keller-Messahli kritisiert Alimi

Danach war die Reihe an Saida Keller-Messahli vom «Forum für einen fortschrittlichen Islam», die sich in einem längeren Interview mit der «Ostschweiz am Sonntag» äusserte. Sie warf Alimi vor, als Präsident des DIGO lasse er radikale Prediger in der Ostschweiz auftreten.

Saida Keller Messahli

Saida Keller-Messahli Bild: watson/cbe

Am Donnerstagabend wird nun das 40-köpfige Wiler Stadtparlament entscheiden. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda bei den Fraktionschefs zeigt, dass die Meinungen mehr oder weniger gemacht sind.

Der Sprecher der FDP-Fraktion (acht Sitze) hält fest, dass basierend auf den derzeit vorliegenden Informationen die rechtlichen Einbürgerungskriterien erfüllt seien. Die CVP-EVP-Fraktion (zehn Sitze) teilt mit, es gebe keine sachlichen Gründe, die gegen eine Einbürgerung sprächen. Zustimmen werden auch die SP-Fraktion (sechs Sitze) und die Fraktion Grüne Prowil (sechs Sitze).

Die SVP-Fraktion (9 Sitze) werde sich gegen die Einbürgerung aussprechen, sagte Fraktionschef Benjamin Büsser. Es fehle eine saubere Grundlage für einen Entscheid, begründete er. (cbe/sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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    Alle Leser-Kommentare
  • kularing 06.04.2018 16:45
    Highlight "Es gibt Youtube-Videos, in denen Alimi mit den bekannten salafistischen Predigern Ferid Selimi in Göteborg sowie mit Mustafa Terniqi in Stuttgart zu sehen ist. Mir ist auch aufgefallen, dass Videos gelöscht wurden, die ich früher als Belege gegen ihn benutzt habe."

    Erschreckend, was Keller-Messahli, die eine sehr hohe Glaubwürdigkeit aufweist, zu berichten hat:

    http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/der-imam-toleriert-radikale-prediger;art509574,5255679
    3 1 Melden
  • HerrCoolS. 06.04.2018 01:11
    Highlight Einbürgerung setzt gute Integration voraus. Wenn er diese strengen Auflagen erfüllt sehe ich kein Problem
    4 1 Melden
  • Restseele 05.04.2018 18:54
    Highlight Wenn man sich als Moslem einbürgern will, muss man wohl so extrem schweizerisch sein, wie niemals ein Schweizer je sein kann. Diese Parteien die das Wort 'liberal' oder 'Volk' im Namen tragen sind weder liberal noch volksnah. Sie wollen es einfach verhindern, dass ein Imam Schweizer wird. Und dazu ist ihnen jedes Hilfsmittel recht. Auch wenn dem Einbürgerungswilligen keinerlei Schlechtigkeiten nachgewiesen werden kann, werden sie immer wieder Einspruch erheben. Das ist für mich der blanke Hass. Bitte solche Leute nicht mehr wählen. Sie entfachen überall nur Streit und Unsicherheit.
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  • Phrosch 05.04.2018 18:45
    Highlight „Es könne nicht restlos ausgeschlossen werden, dass der Imam keine Gefahr für die innere Sicherheit der Schweiz darstelle“. Wenn man Risiken für die innere Sicherheit restlos ausschliessen will, müsste man wohl auch anfangen, hie und da Einheimische auszubürgern.

    15 7 Melden
  • boeserkeinohrhase 05.04.2018 17:49
    Highlight Moment. Wir in Wil haben eine Moschee? Hab ich verpasst. Und ja der gehört eingebürgert kein Thema.
    8 10 Melden
  • α Virginis 05.04.2018 17:47
    Highlight Ich sehe absolut keinen Grund, einen ehrbaren Menschen, gleich welcher Provenienz oder Religion, nicht einzubürgern. Die einzige Problematik in diesem Fall ist die panische Angst vor allem Islamischen, in diesem Fall in Form eines Imams. Oder hat jemals ein Rabbi das CH-Bürgerrecht nicht erhalten, weil er Jude ist? Die vermeintliche Verbindung zu Extremistischen Kreisen wird als Schild gegen alle Kritik verwendet, wobei wir alle irgendwann mal irgendwie mit irgend einem Kriminellen in Kontakt gekommen sind. Sind wir deswegen Terroristen?
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  • Luca Brasi 05.04.2018 16:43
    Highlight Seine Kinder und Ehefrau sind schon eingebürgert und der Nachrichtendienst sieht keine Probleme.
    Nur eine Frau mit Unterstützung einer GLPlerin ist gegen die Einbürgerung (und natürlich die SVP), da sie glaubt zu wissen, dass er mit Radikalen zusammenarbeitet. Dann wäre es doch höchste Zeit diesen Sachverhalt zu beweisen und Informationen mit dem Nachrichtendienst zu teilen.
    9 5 Melden
  • Saraina 05.04.2018 16:32
    Highlight Frau Keller-Messahli hat einst wichtige Aufklärungsarbeit bezüglich salafistischer und islamistischer Gruppen geleistet, und verliert leider zunehmend den Boden unter den Füssen. Das tut ihrer Glaubwürdigkeit nicht gut. Die grünliberale Parlamentarierin und Frau Keller-Messahli täten gut daran, vernünftige Zeugen zu ihren Vorwürfen zu bringen, anstatt zu sagen "Frau Keller-Messahli habe gesagt, jemand hätte ihr erzählt bei einem Gespräch habe der Imam gesagt dass...". So was ist der Schweiz nicht würdig! Anonymes Denunziantentum gehört zur DDR Oder zum Kaffeeklatsch.
    15 7 Melden
  • äti 05.04.2018 16:29
    Highlight GLP-Parlamentarierin Erika Häusermann hat Imam Bekim Alimi einen Fragekatalog zugestellt, den dieser in der Tageszeitung umfänglich beantwortet hat.
    Frau Erika Häusermann würde denselben Fragekatalog niemals einem katholischen oder reformierten Pfarrer zusenden. Warum wohl? Den Antworten wegen.
    9 5 Melden
    • Saraina 06.04.2018 13:17
      Highlight Das ist eine leere Behauptung. Die Antworten wören etwa gleich ausgefallen. Der eigendliche Skandal ist, dass Frau Häusermann öffentlich mutmasste, dass die Antworten gelogen oder gar nicht von Alimi formuliert seien, weil sie in gutem Deutsch und so geschliffen formuliert seien. In der Logik ist jeder immer möglicherweise irgendwie schuldig, weil vielleicht unehrlich. Was die Formulierung der Antwort angeht ist ihr offensichtlich nicht klar, dass Alimi im Deutschen sattelfest und rhetorisch beschlagen ist. Das heisst, sie ist ihm nie begegnet, unterstellt ihm aber üble Absichten.
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  • Dinolino 05.04.2018 16:17
    Highlight Beschämend das Politik über die Einbürgerung entscheidet und nicht Eignung. Kann er eine Landessprache, zahlt er Steuern, kennt er ein paar Flüsse, Berge und Seen? Falls ja, gebt ihm den Pass!
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