Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Nichts überlegt» oder «Exekution»? Dieses Tötungsdelikt beschäftigt Luzerner Gericht



Beim Prozess vor dem Luzerner Kriminalgericht gegen einen Mann, der 2011 auf den Mitbewohner seiner Freundin geschossen und ihn dann erstickt hat, ist neben der Tat auch die lange Verfahrensdauer im Zentrum gestanden. Die Strafanträge klaffen deswegen auseinander.

Für den Staatsanwalt hat der 39-jährige Serbe als «wildgewordener Revolverheld» gehandelt, der aus Eifersucht und Geltungsdrang niederträchtig und kaltblütig sich seines Nebenbuhlers und Zuhälters seiner Freundin entledigt habe. Er forderte wegen Mordes und weiterer Delikte eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren.

Der Verteidiger plädierte auf neun Jahre und vier Monate wegen eventualvorsätzlicher Tötung. Sein Mandant habe seiner Freundin helfen wollen. Die Tötung sei nicht geplant gewesen, sondern nur in Kauf genommen worden. Der erste Schuss habe sich unbeabsichtigt gelöst und eine Panik verursacht.

Verteidiger: «Strafe um einen Drittel kürzen»

Im Strafantrag des Verteidigers ist eine Reduktion von einem Drittel eingerechnet, dies weil das Verfahren grundlos verzögert worden sei. Der Beschuldigte sitzt ohne Prozess bereits seit über sechs Jahren und sieben Monaten im Gefängnis.

Die Freundin des Beschuldigten, eine kokainabhängige Gelegenheitsprostituierte, hatte in ihrer Wohnung in Emmenbrücke einen illegal in der Schweiz lebenden Nigerianer einquartiert. Dieser lebte vom Kokainhandel und versorgte die Frau mit Stoff, für den sie mit Sex bezahlte. Um aus diesem Teufelskreis wegzukommen, wollte die Freundin ihren Mitbewohner loswerden.

In einer Novembernacht ging der Beschuldigte mit zwei Kollegen und seiner Freundin in deren Wohnung. Er weckte den Mitbewohner und hielt ihm einen Revolver in den Mund. Es fiel ein Schuss.

Staatsanwalt: «Exekution»

Das Opfer war nicht tot, sondern setzte sich auf, worauf der Beschuldigte total sieben weitere Kugeln abfeuerte, von denen nur eine das Opfer verfehlte. Der Staatsanwalt sprach von einer «Exekution». Dann drückte der Beschuldigte dem Opfer, angeblich aus Angst, ein Kissen ins Gesicht.

Der Beschuldigte sagte, er habe den Mann nicht töten, sondern nur verprügeln wollen. Er habe zwei grosse Typen, die «gut im Überzeugen» seien, mitgenommen. Mit einem Dealer und Zuhälter könne man sich nicht an einen Tisch setzen und reden.

Eine Richterin fragte den Beschuldigten, wieso er zum Prügeln eine geladene Waffe auf sich trug. Er habe damals immer eine bei sich gehabt, sagte er. Wenn er den Mann hätte umlegen wollen, hätte er nicht zwei Kollegen als Zeugen mitgenommen. So blöd sei er nicht.

Angeklagter: «Nichts überlegt»

Als der Beschuldigte den Lauf des Revolvers in den Mund steckte, spannte er den Hahn und hatte gleichzeitig den Finger im Abzug. Er hätte dies nicht tun sollen, sagte der Beschuldigte, denn es brauche so nur wenig, bis ein Schuss abgehe. Er habe «nichts überlegt».

Der Staatsanwalt deutete diesen Vorgang anders. Den Hahn spannen mache nur Sinn, wenn ein Schuss geplant sei, sagte er. Für den Verteidiger hatte sein Mandant damit aber lediglich in Kauf genommen, dass sich ein Schuss lösen könnte. Die Panikreaktion beweise, dass dieser erste Schuss nicht geplant gewesen sei.

Das Urteil wird am Freitag mündlich bekannt gegeben. (sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Nach Maurers Englisch-Desaster: Jetzt nimmt ihn Martullo in die Mangel (You Dreamer!😂)

Link zum Artikel

13 Cartoons, die unsere Gesellschaft auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Super-GAU für Huawei? Das müssen Handy- und PC-User jetzt wissen

Link zum Artikel

Perlen aus dem Archiv: So (bizarr) wurde 1991 über den Frauenstreik berichtet

Link zum Artikel

Strache-Rücktritt: Europas Nationalisten haben einen wichtigen General verloren

Link zum Artikel

Steakhouse serviert versehentlich 6000-Franken-Wein – die Reaktionen sind köstlich

Link zum Artikel

Das Huber-Quiz: Dani ist zurück aus den Ferien. Ist er? IST ER?

Link zum Artikel

Instagram vs. Realität – 14 Vorher-nachher-Bilder mit lächerlich grossem Unterschied

Link zum Artikel

8 Gerichte, die durch die Beigabe von Speck unwiderlegbar verbessert werden

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stirber 21.06.2018 16:57
    Highlight Highlight Es war sicher Mord, da ist man dich ja einig und dieser wurde auch ziemlich fahrlässig in Kauf genommen. Somit gehört der Täter sicher hinter Gitter. Was mich aber erstaunt ist die lange Dauer des Verfahrens. Hat da jemand mehr Ahnung oder Informationen weshalb dies so lange dauer kann?
    • Stirber 21.06.2018 17:44
      Highlight Highlight Ich bin weder Jurist noch sonst irgendwie mit diesen Ausdrücken vertraut 🙄 was ich eigentlich damit ausdrücken wollte: auch wenn es nicht seine absicht war ihn zu töten, ist es sehr fahrlässig mit einer geladenen Waffe auf das Opfer zu zielen. Also hat er den Mord auch irgendwie in Kauf genommen. Keine Ahnung wie man das juristisch korrekt ausdrückt.
    • Judge Dredd 21.06.2018 18:10
      Highlight Highlight @Stirber, Mord ist die qualifizierte Form der fahrlässigen Tötung. Beides bedarf zwingend eines Vorsatzes und kann so eben gerade NICHT fahrlässig ausgeführt werden, denn sonst wäre es, wie der Name schon sagt, eine fahrlässige Tötung. Bei einer übermässigen Grobfahrlässigkeit spricht man dann von einem Eventualvorsatz.
    • Judge Dredd 21.06.2018 21:45
      Highlight Highlight Ja, natürlich die qualifizierte Form der VORSÄTZLICHEN Tötung. Nochmals lesen vor dem senden würde helfen. Asche über mein Haupt
    Weitere Antworten anzeigen
  • Damo Lokmic 21.06.2018 16:51
    Highlight Highlight Mord.
  • c_meier 21.06.2018 16:01
    Highlight Highlight Der Beschuldigte sitzt ohne Prozess bereits seit über sechs Jahren und sieben Monaten im Gefängnis.....
    hallo? natürlich dauert ein Prozess lange mit Anklage vorbereiten und alles aber gleich 6 Jahre im Gefängnis und die Tat war 2011?? kann watson da mal nachfragen wieso
    • BigE 21.06.2018 20:06
      Highlight Highlight Entweder hat der Verteidiger x Beweisanträge gemacht oder es wurde von allen Beteiligten die Prozrechte geltend gemacht und Termine verzögert, oder die Staatsanwaltschaft ist mit Verfahren überladen oder aber sie (die StA) hat einfach zu langsam gearbeitet.

Das wird teuer: Kanton Luzern muss nachträglich Prämien-Verbilligungen auszahlen

Der Kanton Luzern muss rückwirkend tausenden Familien Prämienverbilligungen ausbezahlen, weil er laut Bundesgericht 2017 das anspruchsberechtigte Einkommen zu tief angesetzt hatte. Der missglückte Sparversuch kostet ihn nun 25 Millionen Franken.

Diese Mehrkosten betreffen die Rückzahlungen für die Jahre 2017, 2018 und 2019. Gemäss dem gesetzlichen Kostenteiler tragen Kanton und Gemeinden diese je hälftig, wie Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf am Donnerstag vor den Medien sagte.

Der Kanton …

Artikel lesen
Link zum Artikel