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Er wollte Sex im Thermalbad: 53-jähriger Taxifahrer verurteilt

Eines ist klar: Über Sex haben die beiden im Taxi gesprochen. Worum es aber genau ging, darüber waren sie sich uneinig. Dieser Tage begegneten sich die 22-jährige Coiffeuse Samantha (Name geändert) und ein 53-jähriger Taxifahrer aus der Region vor dem Bezirksgericht Baden wieder.

Andreas Fahrländer / CH media



Zuercher Taxis am Aktionstag gegen den Dumping-Fahrdienst Uber, in Zuerich, am Dienstag, 28. Juni 2016. Die Nationale Taxiunion fordert von den Behoerden ein sofortiges, wirksames Vorgehen gegen Dumping-Uber in der ganzen Schweiz. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Swiss taxi drivers protest against Uber, in Zurich, Switzerland, on Tuesday 28 June 2016. The national taxi driver's union gathered to demand an immediate intervention against Uber. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bild: KEYSTONE

Die Geschichte hatte im vergangenen Juni begonnen, als Samantha gemeinsam mit einer Freundin zum Geburtstag einer Bekannten im Zürcher Limmattal eingeladen war. Dort hätten sie mit «Cüpli» angestossen und gefeiert, sagte sie in der Anhörung zu Einzelrichter Daniel Peyer. Nach Mitternacht habe sie aber nichts mehr getrunken. Um 4 Uhr morgens bestellten die beiden jungen Frauen ein Taxi und fuhren Richtung Wettingen. Unterwegs soll es dann passiert sein.

Samantha trat vor dem Bezirksgericht als Strafklägerin auf und erschien mit ihrer Verteidigerin. Sie beschuldigte den Taxifahrer der verbalen und physischen sexuellen Belästigung. Die junge Frau mit langen schwarzen Haaren und blonden Spitzen, mit schwarz-weisser Handtasche und schwarzem Pulli erzählte, wie sie jene Sommernacht erlebte: Bei der besagten Taxifahrt stieg zuerst die Freundin aus.

Als Samantha alleine auf dem Beifahrersitz war, habe der Taxifahrer dann höflich gefragt, ob er sie etwas fragen dürfe. Er habe sie gefragt, wie alt sie sei, wo sie wohne und ob sie schon einmal Sex gehabt hätte. «Ich sagte, dass ich einen Freund habe und schon lange mit ihm zusammenwohne. Und dass es sexuell nicht so gut laufe bei uns», erzählte Samantha freimütig. «Ich habe ihn zurückgefragt, ob er Kinder hat. Ich habe eine Vaterfigur in ihm gesehen.»

Allerlei sexuelle Eskapaden

Der Taxifahrer habe ihr dann von allerlei sexuellen Eskapaden erzählt und auch von der «Goldwand» gesprochen. «Ich wusste damals nicht, was das ist. Danach habe ich nicht mehr zugehört», sagte Samantha. Gerichtspräsident Peyer klärte sie darüber auf, dass das «Goldwand» in Rieden ein Bordell ist und merkte an, dass das für eine Taxifahrt ein ziemlich freimütiges Gespräch gewesen sei: «War Ihnen das nicht unangenehm?»

Samantha sagte, ihr sei erst unwohl geworden, nachdem der Fahrer das Taxi in Wettingen abgestellt und vorgeschlagen habe, dass sie doch im Thermalbad in Bad Zurzach «geilen Sex» im Wasser haben könnten. Das habe er auch schon gemacht. Dann habe er ihr seine Visitenkarte gegeben, sie zweimal unsittlich an der Brust berührt und ihr durch die Hose seinen erigierten Penis gezeigt. «Ich sass wie versteinert da und bin vom Schlimmsten ausgegangen», gab Samantha zu Protokoll.

Aus der Sicht des Angeklagten, der ohne Verteidiger vor Gericht erschien, hörte sich die ganze Geschichte allerdings etwas anders an. Nicht er habe das Gespräch auf das Thema Sex gelenkt, sondern Samantha. «Ich habe keinen Fehler gemacht», sagte der Kosovare auf Schweizerdeutsch mit Akzent. Der Mann mit grauem Kurzhaarschnitt erschien adrett gekleidet mit Hemd und grauem Wollpullover. «Entweder hat sie mich falsch verstanden oder sie will mich erpressen.»

Er habe die beiden jungen Frauen noch gebeten, sich im Auto nicht zu übergeben, weil sie sehr angeheitert in sein Taxi gestiegen seien. Samanthas Freundin habe nicht mehr alleine stehen können, als er sie einlud. Bis Würenlos hätten sie dann kein Wort geredet. Er erzählte vor Gericht, er habe früher in einem Industriebetrieb gearbeitet und fahre seit Jahren Taxi.

Sichtlich aufgeregt sagte der Mann, er sei ein anständiger Mensch und Familienvater. «Wir sind im Guten auseinandergegangen», erinnerte er sich. «Es hat kein schlechtes Wort gegeben, ich habe sogar noch Trinkgeld von ihr bekommen.» Er habe Samantha nur ein paar Ratschläge gegeben, wie sie ihr Liebesleben wieder in Schwung bringen könne – und da habe er eben vorgeschlagen, sie solle doch einmal mit ihrem Freund ins Thermalbad nach Bad Zurzach, das sei ein schöner Ort für Paare.

Er habe Samantha nie berührt. Da hätte er schon andere Gelegenheiten gehabt, aber er sei immer anständig geblieben. Und er sagte: «Sie stand unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.»

Glaubhafte Aussagen

Samantha sagte aber zu Gerichtspräsident Peyer: «Das stimmt nicht, mir ging es gut. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich kötzeln musste.» Er glaubte ihr. Das Urteil wurde den beiden Parteien diese Woche schriftlich eröffnet. Obwohl Aussage gegen Aussage stand, seien Samanthas Erzählungen konsistent und glaubhaft gewesen, kommt das Gericht zum Schluss.

Der Beschuldigte wurde im Sinne der Anklage zu 1500 Franken Busse verurteilt und muss die Verteidigungs- und Verfahrenskosten übernehmen. Da Samantha keine Genugtuung forderte, gebe es auch keinen Anhaltspunkt für einen Erpressungsversuch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Autoindustrie tüftelt an Lufttaxis

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Video: srf

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nelson Muntz 03.12.2018 16:34
    Highlight Highlight Besoffen aber weiss noch alles? Geht nicht ganz auf.
  • Burdleferin 03.12.2018 15:58
    Highlight Highlight Also ich glaube der Frau. Aber dass das Leben des Mannes jetzt in Scherben daliegt, ist traurig. Irgendwie nicht angemessen.
  • who cares? 03.12.2018 15:22
    Highlight Highlight Wow, wie hier alle Bescheid wissen, als wären sie dabei gewesen. Einer 22jährigen Coiffeuse kann man ja nicht glauben. Ein Familienvater der so etwas macht, das kann (darf) ja nicht sein!
    Genau wegen solchen Reaktionen, kommen viele solcher Geschichten gar nicht so weit, sondern werden einfach geschluckt.

    Nach allgemeinen Rechtsverständnis der Kommentatoren ist doch schuldig, wer verurteilt wurde? Wird zumindest bei #Metoo-Artikeln so propagiert, mit sehr tiefen Vertrauen in unser Justizsystem. Wer belästigt wird, müsse das halt anzeigen, heisst es jeweils. Man kanns nie recht machen.
    • Fabio74 03.12.2018 16:31
      Highlight Highlight Mumpitz in einem Rechtsstaat gilt jemand als unschuldig bis ein Gericht das Gegenteil bewiesen hat
      Und wenn die Indizien nicht ausreichen bzw die Aussagen sich widersprechen, keine Beweise da sind, gilt im Zweifel für den Angeklagten!
    • Mutzli 03.12.2018 18:08
      Highlight Highlight @who cares?

      Ja, diese Ausreden sind immer der gleiche Schmarrn. So wie z.B. von den gleichen #Metoo als Angriff auf alle Männer hochstilisiert wird, denen ja eh niemand glaubt und etwa den Fall von Kevin Spacey schön ausblenden. Am besten noch mit Wutbürgerexplosion, dass man heute ja gar nix mehr sagen und tun darf, ohne das sich jemand darüber aufregt und wo führt das nur hin... während sie Artikel um Artikel wutenbrannt zuspammen ohne jegliches Gespür für Ironie.
    • Mutzli 03.12.2018 19:16
      Highlight Highlight @Fabio74

      Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe, aber falls das gegen das Urteil gerichtet ist: Haben Sie den Infos die dem Gericht nicht vorlagen?
      Denn in dubio pro reo ist den Leuten vom Gericht sicherlich mehr als nur bekannt.

      Falls es sich generell gegen Urteile in Fàllen stellt, in dem Aussage gegen Aussage steht, könnte man bei zig Vergehen gar keine Urteile mehr fällen.
      Wie z.B. Prügeleien, Verleumdungen, Hassreden etc. so lange keine Drittparteien involviert waren und sich keine Spuren sichern lassen.
  • Arthur Sunil 03.12.2018 14:14
    Highlight Highlight Echt jetzt, die Zeugin ist Strafklägerin und ihre Anwältin ihre Verteidigung? Da muss wohl jemand nochmal die Strafprozessordnung büffeln...
  • Elfranone 03.12.2018 12:28
    Highlight Highlight aussage gegen aussage
    ein taxifahrer der familie und job auf dem spiel hat gegen eine fraue die nichts zu verlieren hat...
    schwierige situation ich weiss nicht wie man hier ein urteil fällen kann es können beide lügen erzählen und hier nach bauchgefühl wählen ist definitiv nicht gerecht
  • Paesq 03.12.2018 11:49
    Highlight Highlight Irgendwie komisch für mich das Ganze. Heisst es nicht im Zweifel für den Angeklagten?
    • andrew1 03.12.2018 12:04
      Highlight Highlight Ist mmn auch sehr undurchsichtig ob es strafbar war respektive ob es sich so zugetragen hat. Zudem stand die anklägerin möglicherweise unter alkoholeinfluss auf dem heimweg um 0400.
    • chnobli1896 03.12.2018 12:10
      Highlight Highlight Nicht im Jahr 2018 bei Frau gegen Mann offensichtlich.
    • dä dingsbums 03.12.2018 12:10
      Highlight Highlight Offenbar gab es für die Richter keine Zweifel.
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