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Mordfall Gränichen: Zu Unrecht inhaftierter Mann erhält dicke Entschädigung

03.07.18, 14:06 03.07.18, 14:54


Er sass zu Unrecht in Haft. Bild: Aargauer Zeitung

Der 47-jährige Bosnier, der 2012 in den Werkstattmord von Gränichen AG verwickelt war, erhält für seine zu Unrecht in Haft verbüsste Zeit eine Genugtuung. Das Bundesgericht hatte ihn im März vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Er sass laut dem Aargauer Obergericht fast fünf Jahre zu Unrecht im Gefängnis.

Nach dem Freispruch durch das Bundesgericht musste das Aargauer Obergericht die Strafe für die verbleibenden Schuldsprüche neu bemessen. Der Mann war nämlich ursprünglich nicht nur wegen Mordes, sondern auch wegen versuchter einfacher Körperverletzung, Nötigung, Gewalt und Drohung gegen Behörden sowie Hausfriedensbruchs verurteilt worden.

Bei dieser Berechnung ist das Gericht nun zum Schluss gekommen, dass dem Beschuldigten eine Genugtuung in der Höhe von 274'070 Franken zugesprochen werden muss. Diese ergibt sich aus 1798 Tagen, die der heute 47-Jährige nach der Auseinandersetzung in der Werkstatt zu Unrecht in Haft sass, wie das Gericht am Dienstag mitteilte.

Insgesamt sass der Bosnier 1998 Tage im Gefängnis. Für die noch nicht beurteilten Straftaten sprach das Obergericht nun einerseits eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen aus und widerrief andererseits den bedingten Strafvollzug für eine Geldstrafen von 20 Tagessätzen. Diese 200 Tagessätze zog es von der verbüssten Haftstrafe ab.

Die vom Beschuldigten geforderte Schadenersatzforderung wies das Obergericht jedoch ab, wie es weiter schreibt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Beide Beschuldigten freigesprochen

Grund für die Verurteilung war eine Auseinandersetzung am Abend des 7. Oktober 2012 in einer Mechaniker-Werkstatt in Gränichen SO. Was damals genau geschah, ist bis heute unklar. Ein 31-jähriger Mann wurde mit zwei Schüssen getötet. Neben dem Bosnier war auch der Werkstattbesitzer, ein heute 54-jähriger Schweizer, anwesend. Das Opfer war ein gemeinsamer Bekannter.

Das Bezirksgericht Aarau hatte beide Männer im Dezember 2014 des Mordes schuldig gesprochen und zu Freiheitsstrafen von je 15 Jahren verurteilt. Der Schweizer habe den Tötungsauftrag erteilt, geplant und finanziert, der Bosnier sei der Ausführende gewesen.

Der Werkstattbesitzer war dann aber im Sommer 2016 vom Aargauer Obergericht vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Es sei nichts rechtsgenügend nachzuweisen, dass er den Auftrag gegeben habe, den Bekannten zu töten, hatte der Gerichtsvorsitzende das Urteil begründet.

Das Bundesgericht erachtete die Aussagen des Schweizers, der seinen Angestellten vor Obergericht belastete, jedoch als nicht glaubhaft. Es sprach den Bosnier deshalb im vergangenen Frühling ebenfalls vom Vorwurf des Mordes frei. Zudem forderte es das Obergericht auf, ihm eine Haftentschädigung zuzusprechen. (sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bivio 04.07.2018 19:12
    Highlight Ein Witz ist nicht die Entschädigung, sondern die Tatsache, dass es keinen Täter gibt. das Bundesgericht hat hier einen totalen Quatsch entschieden.
    3 3 Melden
  • aglio e olio 03.07.2018 20:08
    Highlight Muss er dieses "Einkommen" versteuern?
    11 3 Melden
  • Kimelik 03.07.2018 18:34
    Highlight Ein Jahr ungerechtfertigter Freiheitsentzug muss eine Million Franken ergeben. Abzuziehen an den Löhnen der Richer und Staatsanwälte.
    17 14 Melden
  • Asmodeus 03.07.2018 16:59
    Highlight Blöde Frage. War es nun Totschlag und kein Mord oder konnte ihm nun gar nichts nachgewiesen werden?
    15 8 Melden
    • Joe Smith 03.07.2018 21:40
      Highlight Ich werde es wohl nicht mehr erleben, dass die Journalisten bei Berichten über Gerichtsurteile auch den Link zum Original-Urteil angeben, damit man die Antwort auf solche und andere Fragen unverfälscht im Original nachlesen kann. Es handelt sich um den BGE 6B_1072/2016, hier der Direktlink zum Urteil: https://tinyurl.com/y7akzauk

      3 0 Melden
  • Angelo C. 03.07.2018 15:32
    Highlight Eine bare Frechheit, dieser lächerlich geringfügige Betrag - und das für soviel erlittenes Unrecht, entgangene Freiheit und realer Verdienst 😠!

    Unter einer Mio. ein schlichter Witz, zumal wenn man Schmerzensgeld, Rufschädigung, entgangene existenzielle Möglichkeiten und den verlorenen Verdienst rechnerisch mit einbezieht 🙄!
    133 15 Melden
  • Joe Smith 03.07.2018 14:39
    Highlight Der Mann ist also unschuldig. Und trotzdem veröffentlich Watson sein Bild. Na toll. (Und man komme mir nicht mit dem Alibi-Augenbalken als Rechtfertigung!)
    89 6 Melden
  • Joe Smith 03.07.2018 14:36
    Highlight Knapp 55'000 Franken «Jahreslohn» für den kompletten Freiheitsentzug, den Verzicht auf jegliches Privatleben, Vergnügen, berufliche Weiterentwicklung, Familie, sind also eine «dicke Entschädigung»?
    255 8 Melden
    • DerSimu 03.07.2018 15:01
      Highlight Mal ehrlich, überrascht Dich das?
      26 12 Melden
    • Joe Smith 03.07.2018 16:19
      Highlight Simu: Soviel zum Thema Lesekompetenz. Ich habe nicht den Betrag als solches kommentiert, sondern den Titel «dicke Entschädigung».
      13 9 Melden
    • Peter Silie (1) 03.07.2018 16:53
      Highlight Moment! Ich habe gelesen er soll sogar noch einen Gutschein für den Cappuccino-Automaten und einen Tank-Bon bei der Tankstelle beim Gericht erhalten haben.
      29 3 Melden

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