Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Slowakin nahm einsame Männer im Aargau schamlos aus – verurteilt

Eine 48-jährige Slowakin mit langer Kriminalkarriere musste sich vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten.

Michael Hunziker / az Aargauer Zeitung



ZUM THEMA GELD STELLEN WIR IHNEN HEUTE, DONNERSTAG, 1. OKTOBER 2015, FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- A waitress takes a one ten Swiss franc bill out of a her wallet, photographed in Zurich, Switzerland, on September 22, 2015. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Eine Serviceangestellte entnimmt eine Zehnernote aus ihrem Serviceportemonnaie, aufgenommen in einem Restaurant am 22. September in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Die Beschuldigte hat mehrere Männer um mehrere Tausend Franken erleichtert Bild: KEYSTONE

Die Masche war immer etwa die gleiche: Maruschka (Name geändert) hat fremde, alleinstehende Männer angesprochen, mit ihnen deren Wohnungen aufgesucht und ihnen – in mehreren Fällen – namhafte Geldbeträge abgenommen. Gestern stand die gebürtige Slowakin vor dem Bezirksgericht Brugg. Zur Last gelegt wurden ihr mehrfacher Diebstahl sowie Veruntreuung, daneben Zechprellerei, mehrfacher rechtswidriger Aufenthalt und mehrfache rechtswidrige Einreise.

Die Staatsanwaltschaft sprach von einer beachtlichen kriminellen Energie, von einem verwerflichen Vorgehen mit dem Ziel, die einsamen, gutgläubigen Männer schamlos auszunutzen und sich zu bereichern. Das Verschulden wiege schwer. Die Beschuldigte habe die zahlreichen Delikte begangen in einer kurzen Zeitdauer.

Derzeit befindet sich Maruschka in Haft, in den Gerichtssaal wurde sie von zwei Polizisten begleitet. Die 48-Jährige trug ein dunkelblaues Oberteil, die braunen Haare hatte sie zusammengebunden. Es sei nicht einfach, eingesperrt zu sein, liess sie durch ihren Dolmetscher ausrichten auf die Frage von Gerichtspräsident Sandro Rossi nach ihrem Befinden. Es tue ihr von ganzem Herzen leid, was passiert sei und sie möchte sich entschuldigen. Sie wolle nicht im Gefängnis enden und abschliessen mit ihrer kriminellen Vergangenheit.

Das Leben war schwierig

Die Beschuldigte wuchs in der Slowakei nach eigenen Angaben mit vier Schwestern und vier Brüdern auf. Die Mutter starb, als Maruschka 15 Jahre alt war. Ihr Leben sei schwierig gewesen, die Schule habe sie nicht interessiert, sie könne nicht lesen und schreiben. Sie sei allein gewesen und habe begonnen zu stehlen. Ihre eigenen Kinder leben nach ihren Ausführungen heute in einem Heim.

«Ich kann mich nicht erinnern», lautete häufig ihre Antwort auf die Fragen nach ihren diversen Vorstrafen und Verurteilungen. Sie habe Fehler gemacht, räumte sie mit gestikulierenden Händen ein, habe jetzt aber gelernt sich zurechtzufinden, ohne zu stehlen. Nach dem Strafvollzug habe sie vor, sich eine Wohnung und eine Arbeit suchen, «normal zu leben». Sie wolle weder in die Schweiz zurückkehren noch brauche sie einen Mann oder einen Liebhaber. Schliesslich hätten diese sie ins Gefängnis gebracht.

Einer der Geschädigten war als Auskunftsperson anwesend vor dem Gesamtgericht. Pierre (Name geändert) wohnt in Basel, arbeitete früher im Sicherheitsdienst, heute bezieht er eine schöne Rente. Der behäbige 66-Jährige schilderte, wie er am vergangenen ersten Weihnachtstag einen Kaffee trank und rauchte auf seiner Terrasse und Maruschka auf ihn zukam. Er sei alleine gewesen, habe sie hineingebeten. Es habe eine gute Atmosphäre geherrscht und er habe sich in sie verliebt.

Pierre ist mit Maruschka mehrmals ins Einkaufszentrum gefahren, hat ihr Kleider und Kosmetikartikel gekauft. Sie habe ihn immer wieder auch um Geld gebeten. Dieses gab er ihr – freiwillig, wie er hervorhob. Auch wenn er manchmal den Eindruck gehabt habe, dass etwas nicht stimmte: Er sei machtlos gewesen, voller Emotionen, habe sich nicht wehren können. Sie habe ihm versichert, dass sie ihm das Geld zurückgeben werde.

Im März dieses Jahres hob Pierre 16 000 Franken von seinem Bankkonto ab. Der Betrag wollte er seinem Sohn aushändigen, damit sich dieser für sein Restaurant eine Leinwand anschaffen konnte für ein Public Viewing während der Fussball-Weltmeisterschaft. Pierre legte das Geld in einem Couvert in eine Schublade. Maruschka entwendete dieses und verschwand. Das war zuviel für Pierre. «Ich habe ihr so viel gegeben und dennoch bestiehlt sie mich.» Er zeigte Maruschka an. Trotzdem: Er habe immer noch Gefühle für die Beschuldigte, betonte Pierre. Zum Geburtstag brachte er ihr eine prall gefüllte Tragtasche mit Geschenken mit in den Gerichtssaal.

Brugger Senior bestohlen

Mitte März dieses Jahres wurde Maruschka verhaftet. Vor ihrer Beziehung mit Pierre hatte sie bei einem Senior in Brugg logiert und diesen um mehrere Tausend Franken erleichtert. Geld, das für Einkäufe vorgesehen war. Ebenfalls entwendete sie zwei goldene Halsketten. Auch in Olten und Frenkendorf sprach sie Männer an, begleitete diese nach Restaurantbesuchen nach Hause, durchsuchte deren Wohnungen. In einem Fall gab die Beschuldigte den Diebstahl zu.

Wahr sei, hielt sie weiter fest, dass sie in einem Hotel in Rheinfelden übernachtete, ohne die Rechnung zu begleichen. «Ich hatte kein Geld», sagte sie. «Aber mir war kalt. Was hätte ich machen sollen?» Dass sie das Einreiseverbot missachtete, stimme ebenfalls. Sie habe allerdings gedacht, dass es kein Problem sei sich in der Schweiz aufzuhalten, wenn sie keinen Diebstahl begehe.

Während die Staatsanwaltschaft die Aussagen der Beschuldigten als nicht glaubwürdig und lebensfremd bezeichnete, wies die Verteidigerin auf deren kognitiven Einschränkungen hin. Das Gesamtgericht ging indes nicht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus und verurteilte die Beschuldigte – in einem Mehrheitsentscheid – zu einer Freiheitsstrafe von 23 Monaten, einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 30 Franken. Zudem wird sie für 15 Jahre des Landes verwiesen. Die beschlagnahmten Vermögenswerte werden eingezogen zur Kostendeckung – vor allem der Verfahrenskosten. Pierre erhält seine 16 000 Franken zurück.

Telefonbetrüge nehmen rasant zu

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

«Bei Raiffeisen tritt ein Sumpf zutage, der sich schwer austrocknen lässt»

Link zum Artikel

10 Dinge, die vor 10 Jahren cool waren (Lüg nicht, du warst auch dabei!)

Link zum Artikel

Wie Swatch die Internetzeit erfand – und damit baden ging

Link zum Artikel

Feuz und der Respekt vor der Streif: «Du musst von der ersten Sekunde bei der Sache sein»

Link zum Artikel

«Wann soll ich sagen, dass ich asexuell bin?»

Link zum Artikel

Die Geschichte zu diesem Foto mit Pogba ist wirklich unglaublich lustig

Link zum Artikel

Dieser Bündner Lokführer hat wohl gerade den besten Job der Welt

Link zum Artikel

«Der grösste Fehlentscheid der NFL-Geschichte» – und natürlich wieder Brady

Link zum Artikel

9 simple WhatsApp-Kniffe, die nicht jeder kennt

Link zum Artikel

Vor 50 Jahren: Als der Traum von der Schweizer Atombombe platzte

Link zum Artikel

Von frierenden Möpsen und fliegenden Vibratoren: Eine kleine Abrechnung mit Hollywood

Link zum Artikel

«Ken ist nur ihr schmuckes Anhängsel»: Soziologin über Geburtstagskind Barbie

Link zum Artikel

«Steigende Mieten!» – «Nur noch Beton!»: Das Streitgespräch zur Zersiedelungs-Initiative

Link zum Artikel

Ist die #10YearChallenge gefährlich? Die Fakten zum Internet-Phänomen

Link zum Artikel

Hunderte Millionen geklaute Zugangsdaten im Netz – so prüfst du, ob du gehackt wurdest

Link zum Artikel

3 Punkte: Wie Kritiker über den Reichen-Report motzen – und was davon zu halten ist

Link zum Artikel

«Das Beste im Mann» – mit diesem Anti-Sexismus-Werbespot läuft Gillette voll in den Hammer

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Granini 27.09.2018 05:37
    Highlight Highlight Unglaublich - Strafminderung weil sie "kognitiv eingeschränkt" (dumm) ist 😶 Dann ist der Stroh im Kopf doch von Nutze..
  • α Virginis 26.09.2018 19:17
    Highlight Highlight Leute, als Slowake schäme ich mich für sie...
    • Flötist 26.09.2018 21:00
      Highlight Highlight Wieso? Das hat doch nichts mit deinem Heimatland zu tun. Sie ist eine kriminelle, wie es sie in jedem Land gibt.
  • Pana 26.09.2018 18:57
    Highlight Highlight "Zum Geburtstag brachte er ihr eine prall gefüllte Tragtasche mit Geschenken mit in den Gerichtssaal."

    Scheint als hat sie ihm nicht nur Geld, sondern auch sein Herz gestohlen ;)
    • α Virginis 26.09.2018 19:18
      Highlight Highlight kann ich Dir nur Recht geben... ;((
    • Cityslicker 26.09.2018 19:26
      Highlight Highlight ...und leider wohl auch sein Hirn...

Die älteste Schweizerin feiert ihren 111. Geburtstag (ihren Mann verlor sie vor 45 Jahren)

Seit 45 Jahren kämpft sich die Aargauerin Alice Schaufelberger allein durchs Leben. Den goldenen Ehering trägt sie noch heute. Gebrechen hat sie kaum, ausser dass sie beim Spazieren im Gang zuweilen «chli gwaggle».

Alice Schaufelberger legt die Zeitung beiseite, zupft den grauen Rock zurecht und schaut hinaus in den Schneesturm vor ihrem Fenster im Winterthurer Altersheim Grünhalde. «Wie früher in Reitnau», sagt sie und streicht sich mit den Händen übers Gesicht.

«Als Primarschüler mussten wir jeweils anderthalb Stunden durch Wind und Wetter zum Zahnarzt laufen und dann brav hinhalten, wenn der uns im Mund herumgemacht hat.» Alice Schaufelberger lächelt.

Einen Arzt brauche sie heute zum Glück nicht mehr. …

Artikel lesen
Link zum Artikel