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Selbstjustiz mit Baseballschläger und Pistole: «Diese Kreatur hat mein Leben zerstört»

Er wollte ihm eine Abreibung verpassen. Ihn quälen. Aber nicht töten. Dass sein Opfer überlebte, ist allerdings alleine dem Zufall zu verdanken.

13.06.18, 15:31 13.06.18, 17:39

Noemi Lea Landolt / az Aargauer Zeitung



Der Angeklagte stand mitten in der Nacht mit Baseballschläger und Pistole im Haus des Opfers. Shutterstock

«Es geht mir nicht gut», sagte Stefan (alle Namen geändert) gestern vor Bezirksgericht Muri. «Also eigentlich geht es mir todverschissen.» Er könne nicht schlafen, traue sich in der Nacht nicht aufs WC und lasse in seinem Haus rund um die Uhr das Licht brennen. «Diese Kreatur hat mein Leben zerstört», sagte Stefan. «Ich hoffe, dass er heute direkt in die Kiste geht.» Während Stefan die Fragen von Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner beantwortet, sitzt Miro in einem anderen Zimmer. Stefan will ihn nie wieder sehen. Miro ist der Grund für seine Angst. Miro ist schuld, dass er nachts keine Ruhe mehr findet. Miro ist jener Mann, der im Frühling 2017 mit Baseballschläger und Pistole mitten in der Nacht in seinem Haus stand.

Er wollte Stefan eine Abreibung verpassen und ihn zu einer Entschuldigung zwingen. Einer Entschuldigung für jene «intime Nacht im Tessin», die Stefan mit Miros Geliebter verbracht haben soll, wie es in der Anklageschrift heisst. Ausserdem wollte er, dass Stefan die Betreibungen zurückzieht und die 25 000 Franken Schulden seiner Geliebten bezahlt.

Klirren reisst ihn aus dem Schlaf

In der Tatnacht schloss Miro gegen 23 Uhr sein Pub, das er von Stefan gemietet hatte. Er fährt nach Hause, steckt Kabelbinder, eine Taschenlampe, eine Pistole, einen Schlagring, Latexhandschuhe und einen Baseballschläger in eine Tasche und einen Fingerring mit aufgesetzter Klinge in seinen Hosensack. Er steigt wieder ins Auto und fährt an Stefans Wohnort, parkiert in der Nähe des Hauses, geht zu Fuss zur Gartensitzplatztüre. Mit einem Stein schlägt er die Scheibe ein und steigt ins Haus.

Stefan erwacht, weil er Scherben klirren hört. Er glaubt, sein Sohn habe etwas kaputt gemacht und stehe nun barfuss in einem Scherbenhaufen. Deshalb sei er aufgestanden, habe seinem Sohn gerufen «Philipp, ich komme!» und sei losgerannt. «Als ich um die Ecke kam, stand da jemand auf der Treppe und schlug zu. Dann weiss ich nichts mehr. Ich bin die Treppe runter gefallen.» Miro habe er erst erkannt, als dieser sagte: «Du Sauhund hast mich nicht zu betreiben.» Es kommt zum Gerangel. Laut Anklageschrift schlägt Miro mit dem Baseballschläger etwa fünfmal gegen Stefans Kopf und drei- bis viermal gegen dessen Oberkörper und Arme. «Derart stark, dass der Baseballschläger brach», heisst es in der Anklageschrift.

Warum er zugeschlagen habe, will Gerichtspräsidentin Baumgartner wissen. «Weil er laut schrie. Ich bin selber erschrocken. Ich habe nicht mit Gegenwehr gerechnet.» Er sei eigentlich ein friedlicher Typ. Wenn es im Pub zu Streitigkeiten gekommen sei, habe er immer geschlichtet. Ob er zwei Gesichter habe, will die Gerichtspräsidentin wissen. «Nein, ganz sicher nicht», sagt Miro. Er könne sich das nur mit seinem Drogenkonsum erklären. Am Tag der Tat hatte er Kokain intus.

Extrem brutales Vorgehen

Vor Gericht führte der 47-Jährige aus, dass es eigentlich sein Plan war, Stefan zu plagen. Er hätte ihn mit dem Kabelbinder gefesselt, sodass Stefan hilflos gewesen wäre. «Ich dachte, wenn er den Baseballschläger sieht, macht er keinen Mucks mehr.» Auch die Pistole und den Schlagring habe er nur dabei gehabt, um Stefan Angst zu machen.

Doch die Situation entglitt Miro. Laut Anklage kam er gar nicht mehr dazu, die 25 000 Franken zu fordern. Er verlangte lediglich, dass Stefan die Betreibungen zurückziehe, indem er ihm die Pistole an den Kopf hielt. Es sind Bilder, die Stefan bis heute verfolgen. «In diesem Moment habe ich mit meinem Leben abgeschlossen.» Für ihn gebe es nur einen Grund, warum Miro nicht abdrückte: «Er wollte mich verrecken lassen.» Miro hingegen sagte: «Ich wollte ihn sicher nie töten.»

Staatsanwalt Werner Burkart beantragte acht Jahre Gefängnis und eine Busse von 2000 Franken wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung, versuchter räuberischer Erpressung, versuchter Freiheitsberaubung sowie Widerhandlungen gegen das Waffen-, Strassen- und Betäubungsmittelgesetz. Miro sei mit einer extremen Brutalität und Entschlossenheit vorgegangen. «Er musste damit rechnen, dass er Stefan tötet oder schwer verletzt.»

Verteidiger Christoph Waller verlangte eine teilbedingte Gefängnisstrafe von 2.5 Jahren wegen einfacher Körperverletzung. Der Staatsanwaltschaft gelinge es nicht, nachzuweisen, dass sein Mandant Stefans Tod in Kauf genommen habe. «Seine Pläne der Tat zeigen, dass er ihn nicht töten oder verletzen wollte.» Ausserdem sei nicht bewiesen, dass die Verletzungen am Kopf vom Schlag mit dem Baseballschläger herrühren und er sich diese nicht zugezogen habe, als er die Treppe herunterstürzte. Weiter argumentiert Waller, der Schläger sei während des Sturzes gebrochen und nicht, weil sein Mandant so stark zugeschlagen habe. Das Gericht eröffnet das Urteil heute Mittwoch. (aargauerzeitung.ch)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gummibär 13.06.2018 19:28
    Highlight Ein gewalttätiger Erpressungsversuch ist nicht Selbstjustiz.
    Und wenn Milos Geliebte im Tessin mit Stephan ein intimes Gespräch über Stundung von Schulden zu führen beliebt ist das ebenfalls kein Grund zum Baseballschläger zu greifen.
    Hoffentlich folgt eine Zivilklage für den entstandenen Schaden.
    27 4 Melden
  • Fabio74 13.06.2018 19:15
    Highlight Warum so eine tiefe Forderung vom Staatsanwalt?
    22 4 Melden
    • raphe qwe 14.06.2018 09:38
      Highlight Weil es versuchte Tötung ist. Das Strafmass für die vorsätliche Tötung ist min. 5 Jahre (111StGB). Mit 8 Jahren ist er 3 Jahre über dem Minimum.
      1 0 Melden
  • Armend Shala 13.06.2018 17:04
    Highlight Bei FÜNF Schlägen mit einem Baseballschläger auf den Kopf, knipst der Körper das ewige Licht an, dann ist man tot.
    12 1 Melden
  • the sense of life 13.06.2018 16:44
    Highlight 8 Jahre Gefängnis und 2000.- Busse ? ...
    Mein Kumpel fuhr kürzlich auf der Autobahn etwas nahe auf (beim Überholen zu spät nach links gegangen) -> 3200 .- Busse ...

    Hmm, Ich bin mir jetzt nicht sicher was ein schlimmeres Vergehen ist - ein missglücktes Überholmanöver oder ein versuchter Mord !
    155 45 Melden
    • Qui-Gon 13.06.2018 17:21
      Highlight darum ja die 8 Jahre. Wofür die Busse noch gut sein soll, weiss ich auch nicht.
      18 0 Melden
    • Joe Smith 13.06.2018 17:49
      Highlight Darum ja auch die 8 Jahre zusätzlich zur Busse. Duh.
      14 0 Melden
    • HLeon 13.06.2018 18:06
      Highlight Die acht Jahre Gefängnis und die 2000 Fr. Busse sind die Forderungen der Staatsanwaltschaft, nicht das Urteil. Ausserdem ist hier gar nicht von versuchtem Mord die Rede. Und nicht zuletzt wäre es nachvollziehbar, im Fall deines Kumpels ebenfalls von einem Eventualvorsatz zu sprechen.
      14 1 Melden
    • Entenmann 13.06.2018 18:10
      Highlight Versuchte vorsätzliche Tötung ist schlimmer, darum die acht Jahre Freiheitsstrafe...

      Die Busse ist wohl für ein anderes Delikt gefordert worden, ist ja noch von diversen Widerhandlungen die Rede. Kommt hinzu, dass man die Bussen nur vergleichen kann, wenn die Anzahl Tagessätze bekannt ist (die Höhe der Tagessätze ist einkommensabhängig).
      10 0 Melden
    • bokl 13.06.2018 18:13
      Highlight Polemisch gesagt fehlte bei beiden nicht viel zur grossen Katastrophe.

      Wie viele Tagessätze sind den die 3200. 20*160? Acht Jahre sind fast 3000 Tagessätze...
      10 0 Melden
    • EvilBetty 13.06.2018 18:17
      Highlight Hat dein Kumpel denn auch 8 Jahre bekommen?
      13 0 Melden
    • Kimbolone 13.06.2018 18:19
      Highlight Ich würd dann lieber 1200.- mehr bezahlen als Miro und dafür 8(!) Jahre meines Lebens auf freiem Fuss verbringen... aber hey, jedem das Seine.
      17 1 Melden
    • Ichiban 13.06.2018 18:41
      Highlight Du vergisst da wohl die 8 jahre
      14 1 Melden
    • roger.schmid 13.06.2018 18:51
      Highlight Werden für deinen Kumpel auch 8 Jahre Gefängnis gefordert?
      13 1 Melden
    • Hashtag 13.06.2018 19:11
      Highlight Hmm dein Kumpel muss nicht 8 Jahre ins Gefängnis oder?
      13 1 Melden
    • Judge Dredd 13.06.2018 20:24
      Highlight Krass, dein Kumpel ist mit 8 Jahre Freiheitsentzug und 3'200.- bestraft worden für das Missachten des Sicherheitsabstandes beim Hintereinanderfahren?

      Oder hat er vielmehr einfach nur eine Geldstrafe bekommen?

      #Birnenmitaepfelnvergleichen
      20 2 Melden
    • roger.schmid 13.06.2018 23:39
      Highlight Das kommt davon, wenn die Kommentare so spät aufgeschaltet werden. 10x dasselbe.. 😀👍
      14 0 Melden
    • Alnothur 13.06.2018 23:44
      Highlight Ergänzend zu den anderen Antworten, und dass man sowas nicht gegeneinander aufwiegen soll: da ist mehr dran. Nur für "etwas zu nah auffahren" gibt es noch keine 3'200.-...
      8 1 Melden
    • the sense of life 14.06.2018 10:18
      Highlight @Alnothur, doch, ich war der Beifahrer .. ich dachte auch dies sein ein schlechter witz ...

      an alle anderen - ja klar, diese 8 Jahre Gefängnis mal abgesehen ... Trotzdem sind diese 2000.- Busse ein absoluter Witz
      2 8 Melden
    • Judge Dredd 14.06.2018 10:31
      Highlight "an alle anderen - ja klar, diese 8 Jahre Gefängnis mal abgesehen ... Trotzdem sind diese 2000.- Busse ein absoluter Witz"

      Ähm, wie willst du bei diesem Urteil von der Gefängnisstrafe absehen und nur die Geldstrafe vergleichen?

      Vielleicht ein weiterer Erklärungsversuch, jede Geldstrafe kann auch in Ersatzfreiheitstrafe umgewandelt werden. Frage einfach deinen Kumpel wieviele Tagessätze Geldstrafe er bekommen hat. Diese könnt er dann auch absitzen und müsste die Busse nicht bezahlen.
      Schon mal jetzt ein kleiner Hinweis von mir, es werden nich 2'920 (=8Jahre) Tagessätze sein.
      7 0 Melden
    • Qui-Gon 14.06.2018 11:08
      Highlight Und btw. sind Busse und Geldstrafe nicht das gleiche. Die Geldstrafe bemisst sich nach Tagessätzen und ist einkommensabhängig. Die Busse ist einfach ein fixer Betrag.
      6 1 Melden
    • zipfelgrind 15.06.2018 00:21
      Highlight Muss dein Kumpel 8 Jahre ins Gefängnis? Eher nicht denke ich, daher kruder Vergleich.
      3 0 Melden
  • Nosgar 13.06.2018 16:25
    Highlight Wieso steht da im Titel "Selbstjustiz"? Die kann ja nur Vorliegen, wenn jemand eine Straftat begangen hat. Dieser Stefan hat das aber nie getan, mit der Frau von Miro zu schlafen war ja wohl ebenso wenige illegal wie die Betreibungen.
    200 5 Melden
    • Bivio 13.06.2018 17:07
      Highlight Sehe ich genau so. Selbstjustiz wäre es gewesen, wenn jetzt Stefan Miro seinerseits mit einem Baseballschläger eine verpasst.

      Wichtiges Detail am Rande: Laut BG dürfte jedoch der betrogene Ehemann - falls inflagranti erwischt - seinen Nebenbuhler auch mit (adäquater) Gewalt aus dem Bett bzw. dem Haus jagen, da durch die Affaire eine Ehrverletzung vorliegt.
      9 1 Melden
  • BeWi 13.06.2018 15:50
    Highlight Tönt dramatisch - aber irgendwie stimmt da etwas nicht: hey 5 Schläge mit dem Baseball Schläger auf den Kopf?? Da bist du mause tot..
    131 28 Melden
    • The Origin Gra 13.06.2018 18:06
      Highlight Wenn er nicht allzuhart zuschlug schon möglich.
      Andererseits habe ich gesehen wie Menschen mit dem Kopf eine Beule in die Frontscheibe schlugen und nichts passierte.

      Es wird auch nicht berichtet welche Schäden das Opfer erlitten hat.

      By the Way, Sorry aber wer mit Baseballschläger, Schlagring, Klingenring und Knarre in ein Fremden Haus einsteigt wird mühe haben Beweisen zu können das er nur Angst machen wollte.
      Das ist Mordwerkzeug
      23 0 Melden
    • Marlon Mendieta 13.06.2018 19:37
      Highlight Kopf und Oberkörper
      Und verdammt viel Glück
      13 0 Melden

1 Hanfsamen provoziert ein Gerichtsverfahren – eine Amtsschimmel-Komödie in 3 Akten

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schreibt Rico Daniel watson. Seine Nachricht trieft vor Schadenfreude. Er hat soeben in einem Verfahren vor Obergericht gegen das Statthalteramt des Bezirks Bülach einen Sieg errungen. Gegen jene Behörde, die vor rund einem Jahr gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet hat. Wegen einem einzelnen Hanfsamen. 

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