Schweiz
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Kris Van Oojen, Mörder von Boi

Kris Van Oojen: Fahndungsbild der Kapo Aargau.

Aus dieser Klinik flüchtete der Mörder von Boi – wie er das schaffte, ist ein grosses Rätsel

Der 22-jährige Aargauer, der 2009 eine junge Vietnamesin im Tessin getötet hatte, ist aus der psychiatrischen Klinik in Windisch ausgebrochen. Die Polizei fahndet nach ihm.



Boi Ngoc Nguyen (Bild: Kantonspolizei Schwyz)

Boi Ngoc Nguyen wurde 2009 vom Flüchtigen mit einem Holzscheit erschlagen und im Wald versteckt. Bild: kapo Schwyz

Der verurteilte Mörder Kris Van Oojen ist in der Nacht auf heute aus der psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch AG ausgebrochen. Er befand sich dort im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung.

Die Klinik ist laut dem Konzept für stationäre forensische Psychiatrie der PDGAG auf einen niedrigen und mittleren Sicherheitsstandard ausgerichtet und verfügt über keine Hochsicherheitsabteilung.

«Restrisiko bleibt»

Eine Flucht aus der Forensik sei ohne Gewaltanwendung und ohne Hilfe oder Hilfsmittel nur schwer möglich, teilten die PDAG am Samstagabend mit. In der gesicherten Abteilung gebe es zum Beispiel ein Doppelschleusen-System. Ohne Batches oder Schlüssel könne ein Patient nur mit Gewaltanwendung nach aussen gelangen.

Die Fenster mit doppeltem Sicherheitsglas liessen sich in der ganzen Klinik nicht öffnen. Doch die forensische Abteilung sei nicht als Hochsicherheitssystem konzipiert worden und die Stationen seien nicht vollständig ausbruchssicher. Deshalb bestehe «trotz gesicherter Infrastruktur ein Restrisiko für einen Ausbruch».

Ausserdem hätten die Patienten sogenannte Lockerungsstufen. Diese erlaubten ihnen je nach Therapieverlauf auch einen Aufenthalt ausserhalb des gesicherten Bereiches in Betreuung einer Fachperson, in der Gruppe oder im besten Fall sogar unbegleitet. Da es sich um eine laufende Ermittlung handle, sei es den PDAG in diesem Fall nicht möglich, näher Stellung zu nehmen, heisst es in der Medienmitteilung weiter.

Polizeihunde im Einsatz

Die Kantonspolizei Aargau wurde um 3.30 Uhr über den Ausbruch orientiert. Sie leitete sofort eine intensive Fahndung nach dem Flüchtigen ein. Diese dauert an und hat bisher keine Anhaltspunkte über dessen Verbleib ergeben.

Die Polizei habe zuerst im weiteren Umfeld der Klinik gesucht, dann die Suche ausgedehnt, auch auf bekannte Aufenthaltsorte des Mannes, sagte Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. Auch Polizeihunde kamen zum Einsatz. Zu den Details des Ausbruchs oder dem Umfang des Polizeiaufgebotes will die Polizei keine Angaben machen.

Wer den Flüchtigen sieht, solle nichts auf eigene Faust unternehmen, sondern sich bei der Kantonspolizei Aargau (Notruf 117) melden.

Psychiatrischen Klinik Königsfelden

Hier ist der Mörder ausgebrochen: Die psychiatrische Klinik Königsfelden ist auf einen niedrigen bis mittleren Sicherheitsstandard ausgerichtet.  Bild: wikimediacommons

Flüchtiger leidet unter schwerer psychischer Störung

Erst im Februar hatte das Verwaltungsgericht die fürsorgerische Unterbringung von Kris Van Oojen in der psychiatrischen Klinik in Königsfelden bestätigt. 

Ein aktuelles Gutachten der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel attestiert Van Oojen eine schwere psychische Störung, die mittels intensiver, langfristiger Psychotherapie zu behandeln ist. Erst wenn der Mann im Therapieverlauf schrittweise auf ein Leben in Freiheit vorbereitet und damit auch die Rückfallgefahr verkleinert werden könne, müsse die Behandlung nicht mehr in einer psychiatrischen Klinik erfolgen.

Er kannte sein Opfer aus dem Internet

Kris Van Oojen hatte am Abend des 7. August 2009 die damals 17-jährige Lehrtochter Boi Ngoc Nguyen mit einem Holzscheit erschlagen und im Wald versteckt. Der Tatort lag in einem Waldstück in Sessa TI – in der Nähe der Ferienwohnung seiner Eltern. Täter und Opfer hatten sich im Internet kennengelernt und vorher noch nie getroffen.

Die Leiche von Nguyen wurde erst im Juni 2010 durch Zufall entdeckt. Die Kantonspolizeien Tessin, Schwyz und Aargau konnten Kris Van Oojen noch im gleichen Monat als Täter überführen. Nach fünfwöchiger U-Haft gestand er die Tat.

Gesuch um Entlassung wurde abgelehnt

Das Jugendgericht Baden verurteilte Van Oojen 2013 zur Höchststrafe im Jugendrecht. Er wurde zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren und zu einer geschlossenen Unterbringung verurteilt.

Weil die jugendstrafrechtlichen Massnahmen nur bis zum Erreichen des 22. Altersjahres befristet sind, wurde der Mann im Frühling dieses Jahres auf Antrag der Jugendanwaltschaft fürsorgerisch untergebracht. Dagegen wehrte er sich mit einer Beschwerde ans Verwaltungsgericht. Diese wurde im Februar abgelehnt.

Die fürsorgerische Unterbringung des Mannes kostet die frühere Wohnsitzgemeinde Mägenwil AG so viel Geld, dass sie vor kurzem den Gemeindesteuersatz um sechs Prozentpunkte auf 96 Prozent erhöhen musste. Mägenwil muss jährlich für die Betreuung des jungen Mannes 264'000 Franken bezahlen.

(dwi/rof/erf/az/sda)

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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • wipix 29.05.2016 09:45
    Highlight Highlight @Flunderchen & alle, die sich hier über unsere 'Kuscheljustiz" ereifern: es ist dem Inhalt eurer Komentaren vor allem zu entnehmen, dass ihr euer Wissen den schreierischen Kampfslogans der SVP und den offensichtlich oberflächlichen, boulevardblatt typischen Presseartikeln bezieht. Entsprechend angstgeprägte Äusserungen sollten, so meine ich,
    die Motivation erhöhen sich fundierter zu informieren!
    Das entspricht zwar nicht der Meinung der SVP Strategen, ist aber trotzdem nicht verboten!
    Gebt also der gesunden Neugiede eine Change und erweitert euer Wissen!
  • Martin Kündig 28.05.2016 17:51
    Highlight Highlight Ich verstehe nicht ganz warum ein Bild des Opfers von vor 4 Jahren im Artikeln gezeigt wird.
    Nach meiner Meinung ist das unnötig belastend für das Umfeld des Opfers und eröht auch nicht den Informationsgehalt des Artikels.
    • antonioni 28.05.2016 18:41
      Highlight Highlight Absolut, ein Katzenbild wäre hier besser.
  • Manuela (1) 28.05.2016 16:16
    Highlight Highlight Halleluja 264000 CHF im Jahr. Na super und das für einen brutalen Mörder. Leute wo sind wir nur hin gekommen.
    Die Steuerzahler dafür zu melken. Danke schön.
    • äti 28.05.2016 17:14
      Highlight Highlight Griffige Vorschläge?
    • panaap 28.05.2016 18:35
      Highlight Highlight @D00A viel Kraft im Kampf gegen die "kuschwljustiz!-Schreier" mein Freund! Gebe dir ❤️ aber schreiben mag ich heut nicht!
    • Manuela (1) 29.05.2016 20:20
      Highlight Highlight Ja. Todesstrafe.
  • Lopsi 28.05.2016 15:53
    Highlight Highlight Bei extrem gefährlichen Patienten müsste man die Psychiatrie vielleicht etwas besser sichern. Ich höre, es wurden zT auch schon Mitpatienten angegriffen, weil niemand aufpasste. Liest man dann natürlich nicht in den Medien.
    • Lopsi 28.05.2016 19:25
      Highlight Highlight Nein, das vertuscht die Klinikleitung, nicht die Medien.
    • Biine 29.05.2016 06:04
      Highlight Highlight Ich arbeite in der geschlossenen. Nicht im AG.
      Es ist nicht immer einfach alle gleichermassen im Griff zu haben.
      Es ist zu 90% sicher und der arbeitsalltag ist geregelt und unspektakulär. Doch immer ist es nicht so und einfach auch nicht.
      Ich würde gerne mal alle einladen bei turbulenten Zeiten dabei zu sein für eine Woche damit wir alle die selbe Sprache sprechen :-)
      Was im AG passiert ist, ist *****. Jedoch werden die Ämter darauf hingewiesen für was eine Psychistrie sorgen kann und für was nicht.
      Schönen Sonntag :-)
    • 8004 Zürich 29.05.2016 09:03
      Highlight Highlight Wie meinst Du mit "zu 90% sicher"? Einfach ein grosser Wert, wie "fast total", bzw. "praktisch ganz" oder meinst Du damit wirklich auch zu 10% unsicher und gefährlich? Das wäre dann nicht unwesentlich..
    Weitere Antworten anzeigen
  • Jannabis420 28.05.2016 15:40
    Highlight Highlight ich bin wirklich kein "law & order" fanatiker, aber bitte, 4 jahre für ein grausames tötungsdelikt sind doch einfach viel zu wenig :/
    • Flunderchen 28.05.2016 16:51
      Highlight Highlight Auch das normale Strafrecht nicht, ein Vergewaltiger kriegt weniger Strafe als ein Raubkopierer.
    • amore 28.05.2016 17:16
      Highlight Highlight Also liebe Politiker, sofort ändern!
    • olga 28.05.2016 23:04
      Highlight Highlight Flunderchen: Will nicht Schlaumaiern (ok, vielleicht ein bitzeli), aber wie kommst du denn bitte auf den Vergleich mit dem Vergewaltiger? Bei Raupkopien handelt es sich um eine Verletzung des Urheberrechts und wird nach Art. 67 I URG mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe verurteilt. Ausserdem ist es ein Antragsdelikt. Vergewaltigung ist ein Offizialdelikt und wird mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren bestraft. Nix weniger Strafe also..
    Weitere Antworten anzeigen
  • meliert 28.05.2016 14:54
    Highlight Highlight Solche Typen sind schlauer als alle (auch die Fachleute) denken - bischen das geforderte Spiel mitmachen und auf eine weitere Chance warten. Hoffentlich fasst ihn die Polizei bald, bevor er weiteren Schaden und Unheil anstellen kann.
    • Madison Pierce 28.05.2016 16:06
      Highlight Highlight Ich will, dass der Staat Leute, die er als extrem gefährlich einstuft, entsprechend sicher einsperrt.

      Dass mal ein Drogendealer beim Transport von der U-Haft zum Gericht abhaut kann ich akzeptieren, man kann nicht immer die absolute Sicherheit haben. Bei psychopathischen Mördern erwarte ich aber einen anderen Standard.
    • Madison Pierce 28.05.2016 18:30
      Highlight Highlight Eine Bekannte arbeitet in der Klinik als FaGe Psychiatrie. Sie hat immer nur von nicht extrem gefährlichen Patienten erzählt, hauptsächlich Pädophile in Abklärung. Ich war geschockt als ich gelesen habe, dass dort Leute des Kalibers von Kris leben.

      Ist wahrscheinlich eine schwierige Situation: weil das Jugendstrafrecht zu schwach ist, ist er nicht mehr in Haft, sondern in fürsorgerischer Unterbringung. Die hingegen ist nicht auf solche Leute ausgelegt. Besser wäre wohl gewesen, wenn man ihn hätte verwahren können.
  • Grundi72 28.05.2016 13:21
    Highlight Highlight Ist er auf dem Weg von der Spa zum Tenniscourt oder zwischen zwei Einzelpsychotherapie-Session abgehauen?

    Als Angehöriger des Opfers hätte ich grosse Fragezeichen! ...als Bürger eigentlich auch!
    • Lami23 28.05.2016 16:51
      Highlight Highlight Wart du schon mal in der geschlossenen? Oder plapperst du einfach Medien und Wutbuergern nach? Differenzieren waere was...
    • Leon1 28.05.2016 19:56
      Highlight Highlight Dem Blitz/Herz-Verhältnis nach ist gerade die grosse 20-min&Blick Schar unterwegs
    • Charlie Brown 29.05.2016 07:37
      Highlight Highlight @Zaafee: Es gab mal Zeiten hier, da wurde von fast allen Teilnehmern auf einem sachlichen Niveau diskutiert. Mit dem Erfolg kamen auch die schlechten Effekte. Insofern gebe ich dir bedingt Recht. Die Schar hat sich verändert. Und unterscheidet sich je länger, je weniger.
  • catgifs 28.05.2016 12:52
    Highlight Highlight Mir fehlt das Alter. Also so wie ich es verstanden habe, war er zum Zeitpunkt der Tat noch nicht volljährig. Wie alt ist er denn heute?
    Schön, zu sehen, dass der Strafvollzug so gut greift und er nach 4 Jahren nicht rausspazieren durfte.
    • ulia 28.05.2016 15:28
      Highlight Highlight Laut Polizeimeldung ist er 22 Jahre alt. Zur Tat war er 15 Jahre alt, das Opfer war 17 Jahre alt...
    • Flunderchen 28.05.2016 16:53
      Highlight Highlight Oha er sieht bedeutend älter aus, hätte ihn auf 30-40 geschätzt auf den Fotos.

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