Schweiz
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ZUM PROZESS VOR DEM ZUGER OBERGERICHT ZUM DOPPELMORD IN ZUG VON 2009 STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 14. JULI 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Die Attika-Wohnung am Eschenring in Zug, aufgenommen am Samstag, 28. Februar 2009, nachdem die Bewohnerin und eine weitere Person am Vortag dem 27.Februar 2009 tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde. Im Toetungsdelikt an zwei Frauen in einer Zuger Wohnung vom Freitag tappt die Polizei weiterhin im Dunkeln. Weder konnten die Frauen bisher identifiziert noch der Tathergang geklaert werden. DNA-Analysen sollen weiter helfen.
(KEYSTONE/Urs Flueeler)

In diesem Haus wurden zwei Frauen tot aufgefunden.
Bild: KEYSTONE

Raubmord oder Tod durch Epilepsie in Zug? Verteidigung und Anklage liegen diametral auseinander



Nach Ansicht der Anklage ist der 50-Jährige, der vor dem Zuger Obergericht steht, ein gefährlicher Raubmörder, der lebenslang verwahrt gehört. Die Verteidigung beschrieb ihn am Donnerstag hingegen als vergleichsweise harmlosen Mann, der im Koks-Wahn ausgerastet ist.

ZUM PROZESS VOR DEM ZUGER OBERGERICHT ZUM DOPPELMORD IN ZUG VON 2009 STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 14. JULI 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  ZEICHNUNG - Der Angeklagte, rechts, und sein Verteidiger, links, waehrend der Urteilseroeffnung zum Doppelmord im Zuger Eschenring, im Strafgericht Zug, am Donnerstag 11. April 2013. Das Zuger Strafgericht qualifiziert die beiden Toetungsdelikte vom 17. Februar 2009 in einer Zuger Attikawohnung als mehrfachen Mord. Die Verteidigung hatte fuer das eine Totschlag geltend gemacht und im zweiten Fall einen Freispruch verlangt. Das Strafmass wird erst spaeter bestimmt. (KEYSTONE/Illustration Linda Graedel)

Der Angeklagte.
Bild: KEYSTONE

Das Obergericht befasst sich am Donnerstag und Freitag in zweiter Instanz mit den Vorgängen vom Februar 2009 in einer Zuger Attikawohnung.

Zwei tote Frauen

Klar ist: An jenem Februartag betrat der Beschuldigte die Wohnung der vermögenden 54-jährigen Frau, wo auch die 36-jährige Haushalthilfe anwesend war. Als er ging, lagen beide Frauen tot und gefesselt am Boden, ein Feuer brannte, verlöschte bald von selbst – und einige Wertsachen fehlten. Einige Wochen später wurde der Mann verhaftet; er sitzt seither in Haft.

Gemäss Staatsanwältin Gabriela Alther war der Beschuldigte mit Raubabsichten gekommen. Die Mieterin liess ihn rein, da sie ihn als Handwerker kannte. Der Schweizer strangulierte die Haushaltshilfe mit einem kräftig um den Hals gezurrten Wäschestück und tötete auch die Wohnungsmieterin.

Dann steckte er einiges an Wertgegenständen und mehrere Kreditkarten ein, legte ein Feuer um die Spuren zu verwischen, und verliess die Wohnung.

An epileptischem Anfall gestorben?

Von Raubabsichten könne keine Rede sein, konterte der Verteidiger, der nach dem erstinstanzlichen Urteil eingewechselt worden war und seinem Vorgänger kräftig an den Karren fuhr. Sein Mandant sei in die Wohnung der 54-Jährigen gekommen, um im Gespräch seine Affäre mit ihr zu beenden. Sie habe einen epileptischen Anfall erlitten und sei daran auch gestorben.

Als die Haushälterin erschrocken geschrien habe, sei er in Panik geraten und habe sie mit dem nächstbesten Gegenstand – eben dem Wäschestück – stranguliert. Dabei habe er in einer Kokain-Psychose gehandelt. Das sei zwar eine Tötung, räumte er ein, aber kein Mord.

Nachher habe er wirr und unlogisch gehandelt, als er das Ganze als Raub habe wirken lassen wollen. Das Mitlaufen-Lassen von einigen Wertgegenständen sei bloss als Diebstahl zu werten. Anwalt Daniel U. Walder forderte einen Freispruch von den Anklagepunkten mehrfacher Mord und Raub. Eine Freiheitsstrafe «deutlich unter zehn Jahren» sei angemessen. Auf eine Verwahrung sei zu verzichten.

«Zum Doppelmörder stilisiert»

Der Verteidiger kritisierte die Untersuchungsbehörden als voreingenommen. Von Anfang an habe man seinen Mandanten «zum Doppelmörder stilisiert». Er beantragte Rückweisung an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. Allenfalls müsste man das Ganze an die Staatsanwaltschaft zurückweisen mit dem Auftrag, alles neu aufzurollen – diesen Entscheid überlasse er dem Gericht.

Die Anklägerin bekräftigte ihre Forderung nach lebenslänglicher Verwahrung, bei der im Unterschied zur herkömmlichen nicht regelmässig überprüft wird, ob sie noch gerechtfertigt ist. Für die laut zwei Gutachtern dissoziale Persönlichkeitsstörung des mehrfach vorbestraften Beschuldigten gebe es keine Therapiemöglichkeiten. Die Wiederholungsgefahr sei hoch.

Die Verhandlung vor dem Obergericht wird am Freitag fortgesetzt. Ob das Urteil noch am selben Tag eröffnet wird, ist unklar.

Das Zuger Strafgericht hatte den Beschuldigten im Oktober 2013 wegen mehrfachen Mordes, Raubes, Brandstiftung und anderer Delikte zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und Verwahrung verurteilt. Beide Parteien legten Berufung ein. (whr/sda)

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