Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV --  ZUR PRESSEKONFERENZ DES PRO KOMITEES DER FAIR FOOD INITIATIVE AM DONNERSTAG, 9. AUGUST 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Vegetables are on display in a branch of retailer Denner in Rueschlikon, canton of Zurich, Switzerland, on May 10, 2016. (KEYSTONE/Christian Beutler)

In der Denner-Filiale im Aarauer Telli (Symbolbild) spielte sich der groteske Fall ab. Bild: KEYSTONE

Happy End für Rentner im Reibkäse-Fall: Denner gibt Fehler zu und bezahlt Gerichtskosten

Im grotesken Fall um vermeintlich gestohlenen Reibkäse in einer Aarauer Denner-Filiale gibt der Discounter jetzt Fehler zu und übernimmt sämtliche Kosten, die der 85-jährige beschuldigte Rentner hatte. Dieser sagt: «Was glauben Sie, was meine Frau und ich gelitten haben.»

Ueli Wild und Urs Helbling / AZ



Die Wogen gingen hoch, seit die AZ am Dienstag unter dem Titel «Ein Beutel Reibkäse für 10'000 Franken» über den Fall eines Rentners aus dem Raum Aarau berichtet hatte. Karl H. (85, Name geändert) war im Gefolge eines bestrittenen Ladendiebstahls wegen Hausfriedensbruch nach einem Freispruch des Bezirksgerichts vom Obergericht schuldig gesprochen worden.

Rechtskräftig, weil der zermürbte, kranke Mann mit noch krankerer Frau auf einen Weiterzug ans Bundesgericht verzichtete und die Kosten von gegen 10'000 Franken in Kauf nahm.Die Empörung («unverhältnismässig») richtete sich im Gefolge der Berichterstattung gegen die Justiz, aber auch gegen Denner, in dessen Läden (Telli und Wynecenter) sich die bestrittenen Delikte ereignet hatten.

Am Donnerstag hat der Discounter auf den Fall reagiert. «Im Fall Aarau/Buchs sind Fehler passiert, die wir bedauern und für die wir die Verantwortung übernehmen», erklärt Denner-Sprecher Thomas Kaderli. «Es ist uns ein Anliegen, die Geschichte rasch und unbürokratisch zu einem guten Ende zu führen.» Man sei deshalb in Kontakt mit Karl H. und seiner Rechtsvertretung. «Denner erklärt sich bereit, sämtliche Kosten zu tragen», sagt Kaderli.

«Das freut mich sehr»

Die AZ hat Karl H. am Donnerstag besucht. Er bestätigte den Kontakt mit Denner, hat aber wegen seiner Schwerhörigkeit eigentlich nichts verstanden. Dennoch ist Karl H. erleichtert: «Wenn sich Denner an den Kosten, welche mir die ganze Geschichte beschert hat, beteiligt, freut mich das sehr. Sehen Sie diesen Stapel Couverts – lauter Rechnungen. Dauernd ist man am Bezahlen. Wenn Geld zurückkommt, kann ich das für unsere Gesundheit verwenden. Ich pfeife zwar nicht aus dem letzten Loch, aber – trotz Krankenversicherung – belasten die Rechnungen, insbesondere meiner schwer kranken Frau, unser Budget erheblich. Und wir haben nichts ausser der AHV, weil wir seinerzeit die Pensionskassenmittel in diese Blockwohnung gesteckt haben.»

Der ehemalige Beamte erklärt weiter: «Geld ist nicht der einzige Faktor. Was glauben Sie, was meine Frau und ich in den letzten zwei Jahren gelitten haben. Als Ladendieb hingestellt zu werden, geht an jemandem wie mir nicht spurlos vorbei. Seither bin ich, auch gesundheitlich, nicht mehr derselbe.»

«Ich bin kein Ladendieb»

Der Security-Mann hatte in der Tasche von Karl H. ein Päckchen Reibkäse entdeckt (Wert 1.95 Franken), das gemäss Kassenzettel nicht bezahlt war – bei Gesamteinkäufen von 120 Franken. Karl H. bestreitet, ein Ladendieb zu sein: «Ich hatte ausser dem Beutel Reibkäse nichts anderes in der Tasche, das ich an der Kasse nicht bezahlt hatte. Schauen Sie hier: In dieser Tasche gibt es eine herausnehmbare Bodenverstärkung. Der Käsebeutel schaute ein wenig neben der Verstärkung hervor. Eine Vorrichtung zum Klauen ist das nun wirklich nicht.»

Nachdem ihn der Security-Mann angehalten hatte, unterschrieb Karl H. ein Formular, das ein landesweites Hausverbot für alle Denner-Filialen beinhaltet. Er tat dies, weil er dringend zu seiner schwerkranken Frau musste. Später wurde er in Buchs vom gleichen Security-Mann erkannt, als er sich der Denner-Filiale näherte – und der Fall begann seinen Lauf zu nehmen. 

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Qantas will Impfpflicht für Flugreisende

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Erpressungsversuch bei Berset: Rolle der Bundesanwaltschaft wird untersucht

Der am vergangenen Samstag von der «Weltwoche» publik gemachte Erpressungsversuch gegenüber Bundesrat Alain Berset zieht weitere Kreise. Die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) hat aufsichtsrechtliche Abklärungen eingeleitet.

Diese sollen das Verhalten der Bundesanwaltschaft in dieser Sache klären. Das berichtete die Westschweizer Zeitung «24heures» am Montag auf ihrem Newsportal. Die Antwort der AB-BA liegt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor.

«Die AB-BA hat von der …

Artikel lesen
Link zum Artikel