Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIVBILD ZUM FLUGVERBOT FUER DIE JU-52 MACHSCHIENEN DER JU-AIR, AM DIENSTAG, 20. NOVEMBER 2018 - Passagiere betreten die JU-52 der JU- AIR nach der Wiederaufnahme des Flugbetriebes in Duebendorf am Freitag, 17. August 2018. . (KEYSTONE/Walter Bieri)

Gemäss den Betreibern der Ju-Air soll der Betrieb im März wieder aufgenommen werden. Beim Bazl hingegen hat man Bedenken. Bild: KEYSTONE

Risse in Flügeln, morscher Holzboden, erhebliche Korrosion: Was der Ju-Air-Bericht zeigt

Die Betreiberin der Unglücksmaschine plant die nächsten Flüge schon im März – die Aufsichtsbehörde ist skeptisch.

Andreas Maurer / ch media



Das Oldtimerflugzeug Junkers Ju-52 mit dem Kennzeichen HB-HOT und dem Kosenamen «Tante Ju» war schon 8783-mal sicher gelandet. Als es am 4. August 2018 zum letzten Mal in Locarno abhob, waren die Sichtbedingungen gut, ein Ausläufer des Azorenhochs reichte von den Britischen Inseln bis zum Schwarzen Meer.

Doch auf dem Flug Richtung Zürich geriet die dreimotorige Maschine nach einer Linkskurve plötzlich ins Trudeln. Beinahe senkrecht krachte sie in der Nähe von Flims GR in den Boden. Die 17 Passagiere, die beiden Piloten und die Stewardess waren auf der Stelle tot. Der Absturz erschien rätselhaft.

Drei Monate später liegt nun ein Zwischenbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) vor. Die Analyse der Trümmerteile deckte Schäden auf, die schon vor dem Absturz existiert hatten. Die tragende Konstruktion der Flügel bestand aus zusammengeschraubten Rohren. Diese hatten Risse, die von blossem Auge erkennbar sind, wie die Sust in ihrem Untersuchungsbericht mit Fotos belegt. Sie beschreibt sie als «erhebliche Korrosionsschäden».

Auch Scharniere und Beschläge waren von Rissen durchzogen, die Korrosionsschutzfarbe war abgeblättert. Der Holzboden des Fliegers war sogar morsch. An Treibstoff- und Ölschläuchen fanden die Ermittler ausserdem «erhebliche Alterungsschäden», die sie mit Bildern von zerfransten Leitungen dokumentieren. Eine Nahaufnahme zeigt das Montagedatum eines Schlauches. Seit dem 11.11.1988 war er nicht ersetzt worden.

Ein Flug über die Alpen mit einer «Tante Ju»

    Video: © Leservideo

Die Fluggesellschaft Ju-Air hatte ihre Instandhaltungsarbeiten gemäss der Sust zudem mangelhaft dokumentiert. Es fehlten Angaben zu Modifikationen und Ersatzteilen.

Die gute Nachricht für die Ju-Air ist: Die Mängel waren gemäss der Sust keine Ursache für den Absturz. Dieser bleibt vorerst ein Rätsel. Es handle sich aber um Sicherheitsdefizite, von denen wahrscheinlich auch die beiden Schwesterflugzeuge der Firma betroffen seien.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat auf den Bericht sofort reagiert und der Ju-Air ein Flugverbot für die beiden verbliebenen «Tante Ju» erteilt. Die Aufsichtsbehörde findet noch deutlichere Worte als die Ermittler und schreibt von «schwerwiegenden strukturellen Schäden».

Doch die Ju-Air glaubt, das Grounding werde keine Folgen für ihren Flugbetrieb haben. Diese Woche startete die Airline ohnehin mit der Winterpause. Vergangene Woche fanden die letzten Flüge statt, jene vom Wochenende waren wegen Nebel abgesagt worden. Im März 2019 will sie den Flugbetrieb wie geplant wieder aufnehmen, wie sie mitteilt.

Die 4 schlimmsten Flugzeugabstürze und ihre Ursachen:

abspielen

Video: srf

Fliegerträume

Beim Bazl sorgt der optimistische Flugplan der Unglücks-Airline für Verwunderung. Bazl-Sprecher Christian Schubert verpackt seine Skepsis in eine diplomatische Formulierung: «Eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs im Frühling erscheint uns sehr ambitioniert.» Die Ju-Air müsse nun ein massgeschneidertes Kontrollprogramm für die Ju-52 etablieren, mit dem sie auch die bisher unzugänglichen Zonen untersuchen könne. Das werde «sicher einige Zeit» in Anspruch nehmen.

6. August: Bergungsarbeiten am Piz Segnas

Zwei Tage nach dem Absturz der Ju-52 laufen die Bergungsarbeiten an der Westflanke des Piz Segnas weiter. Beim Unglück sind 20 Menschen ums Leben gekommen. Video: © sda-Video

Ein Grund für die Unstimmigkeit zwischen dem Bund und der Airline ist eine unterschiedliche Interpretation der Schäden. Das Bazl, das die Unfallmaschine vier Monate vor dem Absturz geprüft hatte, geht davon aus, dass die Risse bei den normalen Inspektionen nicht festgestellt werden konnten.

Ju-Air-Sprecher Christian Gartmann hingegen sagt: «Unsere Techniker hätten die Risse bei der Wartung vor einem Jahr sofort entdeckt, wenn diese dann schon bestanden hätten.» Die Rohre wurden dabei mit sogenannten Boroskopen untersucht, Minikameras, die in die Hohlräume eingeführt wurden.

Christian Gartmann von der Motorfluggruppe Engadin spricht an der Medienkonferenz der Kantonspolizei Graubuenden am Flugplatz Samedan zum Absturz eines Kleinflugzeugs ueber dem Diavolezza-Gebiet am Freitag, 4. August  2017. Das Flugzeug, das am abgestuerzt ist, war im Rahmen eines Jugendlagers unterwegs. Das bestaetigte der Aero-Club der Schweiz, der das Lager durchfuehrt.
(KEYSTONE/Uwe Beierer)

Christian Gartmann Bild: KEYSTONE

Als die Ju-Air-Techniker vom vernichtenden Befund der Sust erfuhren, holten sie die Bilder ihrer letzten Wartung aus dem Archiv. «Unsere Aufnahmen belegen, dass die Rohre damals in einem einwandfreien Zustand waren», sagt Gartmann. Das würde bedeuten, dass die Schäden in der Zwischenzeit entstanden sein müssten. Doch dies wird beim Bazl angezweifelt, schliesslich handelt es sich bei Korrosion um einen langsamen Alterungsprozess.

17. August: Hier hebt «Tante Ju» wieder ab

13 Tage nach dem Absturz einer Ju-52 am Piz Segnas fliegen die verbliebenen Oldtimer der Ju-Air wieder. Um 16 Uhr hat eine Maschine ihre Reise nach Deutschland angetreten. Video: © AZ Medien Video Unit

Es ist nicht das erste Mal, dass die Oldtimer-Fans mit ihrem ungebremsten Optimismus anecken. Am Tag nach dem Absturz kündigte Ju-Air-Chef Kurt Waldmeier an, der Flugbetrieb werde eingestellt. Doch vier Tage später vollzog er eine Kehrtwende. Nur zwei Wochen nach der Tragödie herrschte wieder Business as usual. Waldmeier behauptete, die Ermittler würden ein technisches Problem als Ursache ausschliessen. Die Untersuchungsbehörde widersprach ihm darauf. Denn der Abschlussbericht liege erst 2019 vor. (aargauerzeitung.ch)

Die Geschichte der «Tante Ju»:

Mehr zum Absturz der Tante Ju:

Die 7 wichtigsten Erkenntnisse zum Flugzeugabsturz der «Tante Ju»

Link zum Artikel

Filmdrehs, Alpenflüge und eine Weltumrundung: Die bewegte Geschichte der «Tante Ju»

Link zum Artikel

Trump hat neuen Sicherheitsberater ernannt

Link zum Artikel

Absturz der «Tante Ju»: Der Liveticker zur Pressekonferenz  der Kapo Graubünden

Link zum Artikel

Der längste Linienflug:

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Willy.Hufschmid 21.11.2018 09:31
    Highlight Highlight Bin nicht unglücklich wenn diese lärmigen Vögel über den Alpen verschwinden. Wandern ist schöner, gesünder und umweltfreundlicher!
  • Nelson Muntz 21.11.2018 08:35
    Highlight Highlight Gibt es keine Routinekontrollen, wo dies aufallen kann?
  • Markus97 21.11.2018 08:27
    Highlight Highlight Ich finde es ehrlich gesagt ein wenig bedenklich, dass das erst jetzt auffällt. Was machen die Kontrollbehörden normalerweise den ganzen Tag?
    • Driver7 21.11.2018 08:43
      Highlight Highlight Sie müssen sich auf Wartungsberichte verlassen, oder sollte die "Kontrollbehörde" jedes Flugzeug in der CH regelmässig bis ins kleinste Detail analysieren? Die haben vermutlich nicht tausende Mitarbeiter..
    • Markus97 21.11.2018 08:58
      Highlight Highlight Die Wartungsberichte waren ja laut Artikel ungenügend. Das muss einfach auffallen in so einer sicherheitsrelevanten Brache.
    • 7immi 21.11.2018 13:12
      Highlight Highlight Das grosse problem bei allen oldtimern ist ja, dass die hersteller nicht mehr zuständig sind für richtlinien und zulassungen. daher werden SSID, zusätzliche inspektionsrichtlinien, erstellt und vom bundesamt bewilligt. beteiligt waren neben ju air auch namhafte hochschulen. die kontrolle dieser strukturen war wohl unterschätzt worden.
  • who cares? 21.11.2018 07:31
    Highlight Highlight Ich denke mein Leben ist mir zu viel wert, als dass ich jemals mit der Ju-Air fliegen werde...

St.Galler Kita-Betreuer wird wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen mit Kindern angeklagt

Im Juli 2018 eröffnete die Staatsanwaltschaft St. Gallen ein Verfahren gegen einen 33-jährigen Schweizer, der im Verdacht stand, sexuelle Handlungen an Knaben vorgenommen zu haben. Zudem soll er die dabei hergestellten Videos teilweise ins «Darknet» gestellt zu haben. Nach Abschluss der Untersuchungen hat die Staatsanwaltschaft St.Gallen Anklage beim Kreisgericht St. Gallen erhoben.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen eröffnete anfangs Juli 2018 eine Strafuntersuchung gegen einen 33-jährigen Schweizer wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornografie im «Darknet». Im Zuge der Ermittlungen entstand der dringende Verdacht, dass der Beschuldigte sexuelle Handlungen an mehrere Knaben unter sechs Jahren vorgenommen und dabei Videos erstellt hatte, die er zum Teil im «Darknet» verbreitete. Diese Woche hat die Staatsanwaltschaft laut Mitteilung Anklage beim …

Artikel lesen
Link zum Artikel