Schweiz
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Claude Longchamp, Institutsleiter des Forschungsinstitut gfs.bern., verfolgt am Samstag, 1. April 2006 im Nationalratssaal im Bundeshaus in Bern, die Fruehjahrssitzung des Auslandschweizerrates zum Thema

Claude Longchamp verliert einen Auftrag, der auch für Publizität für sein Forschungsinstitut gesorgt hat. 
Bild: KEYSTONE

Niederlage für Longchamp: Auftrag für Abstimmungs-Analysen nach 28 Jahren weg



Die Ergebnisse eidgenössischer Abstimmungen werden künftig nicht mehr von der Forschungsgemeinschaft VOX-Analysen durchgeführt. Die Bundeskanzlei hat den Auftrag für die nächsten vier Jahre im Rahmen einer Neuausschreibung an die Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften (FORS) vergeben.

Damit verliert er Schweizer Chef-Demoskop Claude Longchamp einen Grossauftrag, an dessen Kosten sich der Bund seit 1987 massgeblicherweise beteiligt hatte. Mit seinem Institut GFS hatte Longchamp jeweils nach eidgenössischen Vorlagen das Daten zum Abstimmungsverhalten der einzelnen Bevölkerungsgruppen erhoben. Wegen veralteter Methoden, die hauptsächlich auf Befragungen per Festnetz-Telefon basierten, geriet das GFS zuletzt immer mehr in die Kritik. 

Die Nachbefragungen und Analysen werden künftig vom Zentrum für Demokratie Aarau und dem Befragungsinstitut LINK durchgeführt, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Die erste Analyse wird das neue Team voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2016 vorlegen. Die Vergabe ist noch nicht rechtskräftig, sie kann innerhalb von 20 Tagen angefochten werden.

1,8 Millionen Franken weg

Das Auftragsvolumen beträgt 1.8 Millionen Franken. Darin enthalten sind die Kosten für die Analyse von 15 Abstimmungen mit insgesamt 50 Vorlagen. Pro Vorlage werden jeweils 1500 Stimmberechtigte telefonisch befragt. Mit den systematischen und repräsentativen Nachbefragungen und Analysen informiert sich der Bundesrat über die in der öffentlichen Diskussion vorgebrachten Meinungen und über die Gründe einer Stimmabgabe.

Der Bund beteiligt sich seit 1987 finanziell an den Analysen der Forschungsgemeinschaft VOX-Analysen. Bisher hat die Bundeskanzlei den Auftrag freihändig vergeben. Letztes Jahr beschloss der Bundesrat, die Abstimmungsanalysen öffentlich auszuschreiben.

Heute erhebt das Forschungsinstitut gfs.bern die Daten für die VOX-Analysen, welche im Turnus von den politikwissenschaftlichen Instituten der Universitäten Zürich, Bern und Genf ausgewertet und interpretiert werden.

VOX-Analysen nach MEI ungenau

Um die VOX-Analyse ist nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative ein Streit entbrannt. Politologen zweifelten an der angeblich ausserordentlich tiefen Stimmbeteiligung der jungen Generation. So sollen nur 17 Prozent der Befragten unter 30 Jahren im vergangenen Februar abgestimmt haben. Die drei politikwissenschaftlichen Institute nahmen die Affäre zum Anlass, künftig eine neue Methodik anzuwenden.

Die VOX-Analyse ist nicht zu verwechseln mit den Trendumfragen vor den Abstimmungen. Diese wird von gfs.bern im Auftrag der SRG durchgeführt und bietet ebenfalls regelmässig Anlass für Kontroversen. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bert der Geologe 12.11.2015 14:05
    Highlight Highlight Ich habe nichts gegen Hrn. Longchamp, aber extrem etwas gegen diese unsinnigen Umfragen. Die meisten Leute werden, wie ich, die Nummer sperren oder gleich auflegen.
    8 1 Melden
  • klugundweise 12.11.2015 13:30
    Highlight Highlight Die gleichen Politiker, welche das Bundesamt für Statistik schliessen wollen, werden wohl bald auch für die Streichung der 1,8 Mio. plädieren.
    Es braucht doch keine seriösen Institute die den Hafenkäse gewisser Politiker nachweisen. Das stellen wir doch schon mit gesundem Menschenverstand fest.
    5 6 Melden
  • Ms. Song 12.11.2015 10:57
    Highlight Highlight Und für was genau wird hier viel Geld ausgegeben um die Angerufenen zu nerven? Das LINK Institut muss ich regelmäßig in meine Sperrliste einfügen. Sie sind so aufdringlich. Generell versteh ich diese Erhebungen nicht so ganz. Was für einen Nutzen zieht man daraus? Schlussendlich zählt nur das Resultat am Wahlsonntag.
    33 19 Melden
  • Amboss 12.11.2015 10:49
    Highlight Highlight "Letztes Jahr beschloss der Bundesrat, die Abstimmungsanalysen öffentlich auszuschreiben."

    Hoffentlich tut er das. Ein 1.8 Millionen Dienstleistunsauftrag ist gemäss Beschaffungsrecht öffentlich auszuschreiben. Es gibt keinen Grund, weshalb dies hier anders sein soll.
    Das gfs-Institut hat schon viel zu lange von dieser freihändigen Vergabe mit immer neuen Folgeaufträgen profitiert.
    52 3 Melden

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