Schweiz
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ZUR MELDUNG,  DASS DIE ZAHL DER ASYLGESUCHE IN DEN VERGANGENEN MONATEN STARK ANGESTIEGEN SEI, STELLEN WIR IHNEN AM MONTAG, 20. JULI 0215, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Fluechtlinge und Personal des Grenzwachtkorps bei der Grenzkontrolle am Zoll des Bahnhofs Chiasso aufgenommen am Samstag, 20. Juni 2015.  (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Migranten am Bahnhof Chiasso werden von der Grenzwache in Empfang genommen.
Bild: TI-PRESS

Zahl der Flüchtlinge nimmt sprunghaft zu: Höchststand an Schweizer Grenzen

Letzte Woche registrierten die Grenzwächter allein im Tessin über 700 Menschen ohne Papiere – so viele wie noch nie in diesem Jahr.

Daniel Fuchs / Nordwestschweiz



Registrierte das Grenzwachtkorps (GWK) in der letzten Maiwoche in Chiasso noch 414 illegale Einreisen, waren es in der ersten Juniwoche bereits 719. Zählt man jene Menschen hinzu, die es via Simplon ins Wallis versuchten, so sind es 844 illegale Einreisen allein in der letzten Woche, die an der Südgrenze gezählt worden sind. Das ist Jahreshöchststand.

Pünktlich zum Sommerbeginn steigen die Flüchtlingszahlen. Generell herrschen in den Sommermonaten auf dem Mittelmeer sicherere Verhältnisse als in der kälteren Jahreszeit. Was jenen Hunderten Bootsflüchtlingen nichts half, die in den letzten Wochen wieder im Mittelmeer ertrunken sind.

Weil viele Flüchtlinge nicht in Italien bleiben wollen, steigen mit einer Verzögerung von ungefähr zwei Wochen auch hierzulande die Zahlen. In der vergangenen Woche massiv, wie die noch provisorische GWK-Wochenstatistik von gestern nun zeigt.

Asylbahnhof Chiasso

Rechnet man die illegalen Grenzübertritte im Norden und im Osten zu den 844 im Süden hinzu, so kommt man auf 914. Nie sind in diesem Jahr mehr Flüchtlinge in die Schweiz gekommen. Die meisten reisten im Zug an. Im Mai noch sind die Zahlen deutlich unter dem Wert des Vergleichsmonats vor einem Jahr geblieben. Doch nach der ersten Juniwoche fehlt nur wenig, bis die Verhältnisse vom letzten Herbst erreicht sind. Damals reisten die Menschen vor allem via Balkanroute. In die Schweiz gelangten sie via Ost- oder Nordgrenze.

Die Verschiebung hin zur Südgrenze in diesem Jahr zeigt, wie bedeutungslos die Balkanroute geworden ist. Und es bleiben wird, so lange der Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei hält. Die Veränderung der Routen erklärt auch, weshalb in den letzten Wochen kaum mehr Afghanen, Syrer oder Iraker an der Schweizer Grenze registriert worden sind. Für sie ist der Weg via Griechenland nach Nordeuropa nun zu. Den Umweg über Nordafrika, um von da übers zentrale Mittelmeer weiterzureisen, nehmen die wenigsten auf sich.

Spitzenreiter sind einmal mehr die Eritreer. Gemäss GWK haben die Grenzwächter in Chiasso allein letzte Woche 241 Eritreer angehalten. Dahinter folgen mit grossem Abstand die Somalier und die Gambier. Afrikanische Flüchtlinge und Migranten schlagen sich meist nach Libyen durch. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) geht von ungefähr 300'000 Menschen aus, die dort zurzeit auf eine Fahrt über das Mittelmeer warten.

Bürgerliche fordern Taten

Wie viele der aufgegriffenen Menschen tatsächlich in der Schweiz bleiben können, darüber geben die GWK-Zahlen keinen Aufschluss. Unberücksichtigt bleibt auch, dass einige der Menschen bereits in Italien registriert worden sind und als Dublinfälle zurückgeschickt werden. Entsprechende Abklärungen nimmt das SEM vor. Seine neuesten Zahlen präsentiert es Anfang nächster Woche.

Noch am Sonntag, nach Annahme der Asylgesetzrevision, haben bürgerliche Politiker den Bund angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen zum Handeln aufgefordert. Die vermehrte Rückschaffung von Eritreern, tiefere Schutzquoten oder eine breitere Übernahme der Asylkosten durch den Bund – die Palette der Vorschläge ist breit. Gerhard Pfister, Präsident der christlichen Mittepartei CVP, forderte seinerseits, die Schweiz müsse Flüchtlinge an der Grenze abweisen, wenn sie aus dem sicheren Italien kommen. Die Zahlen von letzter Woche bekräftigen Pfister in seiner Haltung. Der Bundesrat müsse das Grenzwachtkorps personell verstärken und den südlichen Nachbarn dazu bringen, die Menschen lückenlos zu registrieren. Sodass die Schweiz sie nach Italien zurückschieben kann, sagt er zur «Nordwestschweiz».

Ein sprunghafter Anstieg der Flüchtlingszahlen hin oder her – der Bund betont, die Situation im Griff zu haben. Nur «einzelne Mitarbeiter» aus anderen Regionen seien letzte Woche ins Tessin verschoben worden, schreibt das GWK. Und beim SEM heisst es, bis jetzt seien sämtliche Asylbewerber «in den Regelstrukturen des Bunds» aufgenommen und betreut worden. 

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Soli Dar 09.06.2016 01:33
    Highlight Highlight Jetzt einmal abgesehen von der "das Boot ist voll"-Disskusion, frage ich, ob wir nicht vielfach unsere Ängste auf Flüchtlinge projeziiren. Sorgen wie Abstiegsängste, Angst vor Überfremdung, Angst vor dem Verlust des Wohlstandes oder unseres Arbeitsplatztes sind natürlich ernst zu nehmen. Doch was ist eigentlich mit Menschen, welche Folter, Tod, Hunger, bitterste Armut oder Perspektivlosigkeit erlebt haben? Haben die nicht auch allen Grund zur Sorge? Handelt es sich den bei Ihnen nicht auch um gleichwertige Menschen? Oder ist es mehr als der Zufall der Geburt der uns von ihnen unterscheidet?
    • Asmodeus 09.06.2016 07:57
      Highlight Highlight Das Problem ist, daß viele Leute merken, daß es uns schlechter geht als früher, respektive weniger gut.

      Alles wird teurer, die Arbeitswelt stressiger und die Jobs immer weniger sicher.

      Die SVP und gewisse Medien haben es wunderbar geschafft den Leuten weiss zu machen, dass die Flüchtlinge, Muslime oder sonstige Ausländer dran schuld seien.


      Der Billiglohnarbeiter ist schuld, aber nicht der reiche CEO der aus Prinzip nur solche einstellt.
    • Soli Dar 09.06.2016 11:05
      Highlight Highlight Einverstanden, natürlich können wir nicht "die ganze dritte Welt, nach Europa umsiedeln". Von 60 Mio. Flüchtlinge kommt jedoch nur ein Bruchteil bis nach Europa und davon abermals nur ein Bruchteil in die Schweiz. Wobei viele wieder gehen müssen. Als eines der reichsten Länder werden wir doch wohl noch 40'000 bis 60'000 ja sogar 100'000 Asylsuchende p. J. erst einmal unterbringen und nötigenfalls Schutz bieten können, ohne dass es uns deswegen viel schlechter geht? Wenn nicht wir, wer dann? Falls nein, wie erklären wir das den Italienern, Griechen Türken, Jordaniern oder Libanesen?
    • Asmodeus 09.06.2016 11:33
      Highlight Highlight Oder, ich weiss nicht, wir hören auf Leute zu wählen die Firmen unterstützen die Kriegstreiber mit Waffen versorgen.

      Ich weiss. Unglaublich der Gedanke, dass wir uns das mit unserem Wahlverhalten eventuell selbst eingebrockt haben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • TomTurbo 08.06.2016 16:42
    Highlight Highlight Passend zum Thema. Komisch wird auf watson leider nicht berichtet.

    http://www.focus.de/politik/deutschland/brand-in-duesseldorfer-fluechtlingsunterkunft-polizei-nimmt-weitere-verdaechtige-fest_id_5609357.html

    In der Halle hätten Christen und Muslime unter einem Dach gelebt, sagte eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes. Die Stimmung sei schwierig gewesen und habe sich mit Beginn des Ramadans noch verschlechtert. Es sei zu Gewalttätigkeiten gekommen. DRK-Mitarbeiter, Wachleute und Polizisten seien bespuckt und mit Schuhen beworfen worden
    • Adrian Eng 08.06.2016 17:00
      Highlight Highlight Nein TomTurbo, darüber berichten wir nicht. Ah doch: http://www.watson.ch/!190897872
    • TomTurbo 08.06.2016 17:07
      Highlight Highlight Adrian Ja solange der Brandstifter unbekannt ist und man "rechte Kräfte" zumindest wie üblich als Anfangsverdächtige benennt. Kommt die Wahrheit raus wird es jeweils verdächtig still.
    • Soli Dar 09.06.2016 01:38
      Highlight Highlight Was macht es für einen Unterschied wer die Brandstifter sind? Ist es den schlimmer oder weniger schlimm wenn es nicht "rechte Kräfte" sind?
  • Paco69 08.06.2016 16:20
    Highlight Highlight Da weiter mit einer Zunahme der Flüchtlingszahlen zu rechnen ist, sollte man Gebäude wie z. B. die "Rote Fabrik" in Zürich oder die "Reithalle" in Bern in Flüchtlingsunterkünfte umfunktionieren. Auch die sogenannte "Kulturszene" muss/sollte ihren Beitrag zur Bewältigung der Flüchtlingskrise leisten und Räume/Finanzen zur Unterbringung und Verpflegung von Flüchtlingen bereitstellen. Mit dem Malen von "Refugees welcome"-Plakaten alleine ist es nicht mehr getan.
    • TomTurbo 08.06.2016 16:55
      Highlight Highlight Das nenne ich doch mal praktische Lösungsvorschläge!
    • Soli Dar 09.06.2016 00:37
      Highlight Highlight Ja warum nicht. Die Bereitschaft von seiten der Kulturszene und in den erwähnten Gebäuden ist jedenfalls gross. Schon heute zeigen sich sehr viele Menschen solidarisch und engagieren sich freiwillig für Geflüchtete und geben beispielsweise Deutschunterricht oder Kochen mit und für Flüchtlinge, obwohl diese Menschen selber nicht sehr viel besitzen teilen sie das Wenige was sie haben. Davor habe ich grossen Respekt. Das sind die praktischen Lösungsvorschläge im Gegensatz zur reinen Problembewirtschaftung von SVP und Konsorten.
  • Asmodeus 08.06.2016 08:25
    Highlight Highlight Nur als kleiner Statistikhinweis (der bei solchen Themen immer wichtig wäre).

    Im Jahr 2014 befanden sich 48 000 Menschen im Asylprozess. Respektive gab es 23 800 neue Asylgesuche.

    Letztes Jahr als wir, laut Politikern und Medien, von Flüchtlingen überrannt wurden, waren es 39 500 Asylgesuche.

    Als Vergleich.

    1999 gab es über 100 000 Personen im Asylprozess und rund 50 000 Asylgesuche.

    Wir befinden uns also noch ein gutes Stück von den höchsten Zahlen entfernt die wir stemmen können und das bleibt auch so wenn man durch Erdogan "praktischerweise" die Flüchtlinge ersaufen lassen kann.
    • Sanchez 08.06.2016 10:37
      Highlight Highlight Stellt sich die Frage, ob dieser "magische" Wert von 100'000 Leuten erstrebenswert ist? Ich denke nicht! Zumal jetzt fast nur noch Eritreer etc. kommen und nicht Syrer, die es dank Erdowahn gar nicht mehr hier her schaffen.
    • Asmodeus 08.06.2016 11:04
      Highlight Highlight "Zumal jetzt fast nur noch Eritreer etc. kommen "

      Wieso schreiben Blickleser hier drin eigentlich Kommentare?

      Von den 48 000 Personen im Asylprozess waren 2014 die Leute so verteilt.

      20.4 % Eritrea (effektiv am meisten)
      14.8 % Syrien
      8.5 % Afghanistan
      8.1 % Somalia
      6 % Sri Lanka
      5.4 % China (Tibet, Uiguren etc.)
      4 % Irak
      3.3 % Serbien
      2.9 % Kosovo
      2.7 % Kongo

      Die restlichen 24% sind zu stark durchmischt um sie hier aufzuzählen.

      In vielen der genannten Länder herrscht Krieg oder man muss Verfolgung fürchten.

      Und wenn die "Glücksritter" arbeiten, Geld verdienen und Steuern zahlen? GUT!
    • Asmodeus 08.06.2016 11:27
      Highlight Highlight Übrigens noch ein Nachtrag.

      Von den über 50 000 Personen die damals Asyl beantragt haben wurde nur ein Bruchteil anerkannt.

      Wir hatten 1999 nur 25'183 anerkannte Flüchtlinge in der gesamten Schweiz.

      Dieser Wert hat sich bis 2010 konstant gehalten. Erst 2011 (Arabischer Frühling und erstes offensichtliches Auftauchen von DAESH) begann diese Zahl anzusteigen.
      Aktuell leben in der Schweiz 40 000 anerkannte Flüchtlinge mit B oder C-Bewilligung.

      Das sind 0.5%. An einem Fussballspiel mit 30 000 Besuchern, wären das 150 Nasen.

      In einem überfüllten Tram mit 200 Plätzen wären das 1 Person.
    Weitere Antworten anzeigen
  • pun 08.06.2016 06:29
    Highlight Highlight Alternativer Titel und Abstract:

    Bürgerliche Fantasie am Ende

    Italien soll alle Flüchtlinge zurücknehmen, weil ja noch ein gescheitertes und unfaires Dublinabkommen im Raum steht. Derweil geht das Sterben und Verschwinden auf der Fluchtroute weiter.
    • Beobachter 08.06.2016 10:31
      Highlight Highlight In Situationen wie der Krise in Syrien geht es nur mit einer System-Umkehr: Die Menschen sollen nicht kommen, sondern wir holen sie aus den Lagern. Von mir aus jede Woche 2 Flugzeuge voll (=30000/Jahr). a) haben wir dann die "Richigen" (die, die wirklich Schutz brauchen). b) ist das Schlepper Thema erledigt (warum soll jemand in einem Flüchtlingslager weniger wert sein als jemand, der sich horrende Summen für Schlepper leisten kann?) c) ist das humaner (es stirbt niemand mehr auf gefährlichen Flüchtlingsrouten). Die Grenzen sind aber ansonsten als Notmassnahme zu.

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