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Eric Gujer, chief editor of the Neue Zuercher Zeitung (NZZ), in the committee room at the Falkenstrasse in Zurich, Switzerland, on May 22, 2015. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Eric Gujer, Chefredaktor der Neuen Zuercher Zeitung (NZZ), am 22. Mai 2015, im Komitee Zimmer an der Falkenstrasse in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Eric Gujer, Chefredaktor der NZZ (22.05.2015). Bild: KEYSTONE

NSA hat NZZ belauscht – jetzt spricht Abhör-Opfer und Chefredaktor Eric Gujer



Die National Security Agency (NSA) hat neben dem Spiegel auch das «Handelsblatt» und die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) abgehört. Dies meldet Bild am Sonntag in ihrer aktuellen Ausgabe.

Primäres Abhörziel sei allerdings kein Journalist, sondern ein hochrangiger deutscher Regierungsbeamter gewesen: Hans-Josef Vorbeck, vormals Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) und später Leiter der Geheimdienstabteilung im Kanzleramt. Er soll Medien Dienstgeheimnisse verraten haben.

Darin erkannten die US-Geheimdienste, die ihn sowie zahlreiche andere deutsche Regierungsbeamte überwachten, offenbar eine Gefahr. Der CIA-Chef in Berlin höchstpersönlich soll Vorbecks Vorgesetzten im Sommer 2011 bei einem konspirativen Spaziergang über dessen Kontakte zu den Medien unterrichtet haben. Vorbeck wurde wenig später versetzt. 

Beim NZZ-Abhöropfer dürfte es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um keinen Geringeren als Chefredaktor Eric Gujer handeln. Dieser war von 1998 bis 2008 für die Zeitung Deutschland-Korrespondent in Berlin. «In dieser Zeit habe ich mich als Journalist mit Vertretern von Regierung und Verwaltung zu politischen Themen ausgetauscht, darunter auch mit Josef Vorbeck», erklärt Gujer gegenüber watson. Die beiden sind auch Mitglieder des Gesprächskreises Nachrichtendienste in Deutschland.

In welchen Ausmass die NSA Gespräche zwischen Vorbeck und Gujer abgehört hat, ist schwer zu eruieren. Der NZZ-Chefredaktor äussert sich zurückhaltend: 

«Bei einer ernsthaften und differenzierten Diskussion nachrichtendienstlicher Themen ist immer abzuwägen, welchen Nutzen eine Aktion etwa in der Bekämpfung des internationalen Terrorismus haben kann. Freiheitsrechte und Sicherheit stehen grundsätzlich in einem Spannungsverhältnis zueinander. Die Medienfreiheit steht in demokratischen Rechtsstaaten unter einem besonderen Schutz. Sollte die NSA tatsächlich Journalisten abgehört haben, ist dies als eine Verletzung der Medienfreiheit zu verurteilen. Ein solches Verhalten wäre eines demokratischen Staates unwürdig. Um unsere journalistische Aufgabe in einer freien Gesellschaft auszuüben, müssen wir unsere Quellen schützen können.»

Eric Gujer gilt als Befürworter einer weitreichenden Überwachung durch Nachrichtendienste. Vom Schweizerischen Nachrichtendienst des Bundes (NDB) wurde er als Strategie-Experte konsultiert. Den NSA-Whistleblower Edward Snowden hat er wiederholt als «Verräter» bezeichnet. 

Im Gegensatz zum «Spiegel» verzichtet die NZZ zum jetzigen Zeitpunkt auf juristische Schritte, «da die Faktenlage nicht hinreichend klar ist», wie Sprecherin Myriam Käser auf Anfrage von watson erklärt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 10.07.2015 00:41
    Highlight Highlight Meanwhile auf NZZ.ch: Totenstille. Ich bin enttäuscht.
  • imo 09.07.2015 17:08
    Highlight Highlight Du hast volkommen recht, die Geschichte errinert mich an das angezapfte Handy von Bundeskanzlerin Merkel. Als bekannt wurde das die NSA deutsche Bürger überwacht hat Frau Merkel nicht reagiert, erst als klar wurde das ihr eigenes Handy abgehört wird hat sie reagiert.
    Entschuldigung aber in einer "Demokratie" ist der Bürger der Chef und die Regierung hat in seinem Intresse zu arbeiten!
    Nun kommt Herr Gujer und sagt Bürger überwachen sei in Ordnung. Aber sobald sein Handy angezapft wird hat er ein Probleem damit. Das nennt sich Karma, sorry Herr Gujer!
    C'est la vie!
    "The man who trades freedom for security does not deserve nor will he ever receive either."

    "Wer seine Freiheit für Sicherheit eintauscht, verdient und erhält keines von Beidem."

    -Benjamin Franklin

    I don't want to live in a society that does these sort of things... I do not want to live in a world where everything I do and say is recorded. That is not something I am willing to support or live under.

    Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles was ich sage, was ich tue, mit wem ich rede, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichneet wird.

    -Edward Joseph Snowden
  • SVARTGARD 09.07.2015 10:26
    Highlight Highlight Der Lauscher an der Wand,hört seine eigene Schand.
  • poesie_vivante 09.07.2015 09:34
    Highlight Highlight Eric Gujer ist selbst zutiefst mit dem Nachrichtenddienst verbandelt. Er hat sogar ein Buch über den BND geschrieben: «Kampf an neuen Fronten. Wie sich der BND dem Terrorismus stellt».

    In seinen Leitartikeln für die NZZ schreibt er immer wieder, dass er aus «zuverlässigen nachrichtendienstlichen Quellen» dieses und jenes wisse (zum Beispiel zum Ukrainekonflikt). Da läufen Fäden von Gujer offensichtlich zum BND.

    Gujer hat übrigens noch ein zweites sehr umstrittenes Buch geschrieben: Safety, Liberty, and Islamist Terrorism: American and European Approaches to Domestic Counterterrorism
  • Wilhelm Dingo 09.07.2015 08:45
    Highlight Highlight Vielleicht wird ja auch Watson abgehört! Seid ihr gerüstet?
    • Olmabrotwurst vs. Schüblig 09.07.2015 09:17
      Highlight Highlight erst seit gestern haben sie günstig ein Trojaner bekommen von der Kapo zh xD
  • C0BR4.cH 09.07.2015 08:41
    Highlight Highlight Wer Snowden als Verräter bezeichnet, ist ein Feind der Menschenrechte, Privatsphäre und dem Recht auf Information (von mir aus noch mehr). Snowden sollte eher als Held gefeiert werden, denn ihm verdanken wir, dass Staatliche Überwachung nicht mehr nur als Verschwörungstheorie abgehalten wird, sondern dass darüber geredet wird und Massnahmen umgesetzt werden.

    In dem Sinne, Karma Herr Gujer? : D

    Btw.: Umso wichtiger, dass Referendum gegen das BÜPF und NDG zu unterstützen!
    • Clandy Clandestin 09.07.2015 17:25
      Highlight Highlight welche massnahmen?!??
      wo/wie kann man das referendum gegen büpf/ndg unterstützen?
    • C0BR4.cH 09.07.2015 18:50
      Highlight Highlight Leute aus allen Bereichen setzten Massnahmen um. Entwickler schreiben Software mit besserer Verschlüsslung. Mathematiker arbeiten an div. Verschlüsslungsalgorithmen. Politiker (auch wenn wenige) arbeiten sich in die Themen ein und lassen ihr wissen bei der Gesetzesgestalltung einfliessen. Firmen schützen sich auch besser (manche mehr, manche weniger) etc.

      Unterschreiben kannst du im Moment noch nicht, das ist erst in den Startlöchern. Aber falles es soweit ist, gibt es hier mehr Infos:
      http://stopbuepf.ch/
    • Alnothur 09.07.2015 21:44
      Highlight Highlight Hier ebenfalls: https://uberwachungsstaatnein.ch/
  • Amaranth17 09.07.2015 08:22
    Highlight Highlight Ziemlich kurzsichtig für einen Chefredaktor. Die Medienfreiheit steht natürlich auch in einem Spannungsverhältnis zur Sicherheit, schliesslich können Medien den Geheimdiensten weit grösseren Schaden zufügen (via Snowden z.B.) als irgend ein Bürger. Heisst dann irgendwann Informationsterrorismus.

    Man kann doch nicht die Privatssphäre der Bürger aufgeben und ernsthaft erwarten, dass die Medienfreiheit unangetastet bleibt.

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