Schweiz
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Offen gesagt

«Lieber Herr Lauber, kaufen Sie doch einen Grill ...»

Nach Carla Del Ponte, Valentin Roschacher, Erwin Beyeler gereicht das Amt des Bundesanwalts auch Michael Lauber zum Skandal. Was nur einen Schluss zulässt: Es liegt am Amt, nicht an der Person.



Lieber Herr Lauber

Erst wollte ich ja der Fussball-Chefetage erklären, wie das Hooligan-Problem in den Griff zu kriegen ist. Aber das machen ja schon alle anderen.

Item. Jedenfalls schreibe ich jetzt Ihnen, weil mir das Wohlergehen meiner Seebacher Nachbarn am Herzen liegt und Ihre aktuelle Bredouille ja auch wegen so einer Fussballsache ausgelöst worden ist.

Ich kann mir vorstellen, dass Sie derzeit ein wenig mit sich hadern. Dass Sie sich überlegen, was Sie hätten anders machen können oder sollen in Zusammenhang mit den Fifa-Treffen? Was so dermassen schiefgelaufen ist, dass Sie jetzt den Anschein erwecken müssen, Sie könnten sich an Sitzungen mit einem der einflussreichsten Männer der Welt nicht erinnern?

Ich rate Ihnen, das Grübeln sein zu lassen. Wäre es nicht der Fifa-Fall gewesen, dann wären Sie über was anderes gestolpert. Es liegt an Ihrem Amt und Ihrer Funktion, dass Sie jetzt als Frühdemenz-Patient durch den Gaggo gezogen werden. Nicht an Ihnen als Menschen.

Zu Ihrer Ernennung dachte ich noch: «Wenn es einer schafft, als Bundesanwalt pensioniert zu werden, dann der!»

Vor Ihnen hatte sich Carla Del Ponte ohne jegliche Aussicht auf irgendeine Art von Erfolg mit Russlands Jelzin und Mexikos Salinas angelegt. Valentin Roschacher verwechselte sich und seine Behörde mit der CIA im Undercover-Kampf gegen südamerikanische Drogenkartelle und internationale Rockerbanden. Und Erwin Beyeler war so unbedarft – entschuldigen Sie mein Französisch – diese aufgeblasenen PR-Bullshit-Fälle Roschachers zu übernehmen, zu verlieren und abgewählt zu werden.

Dann kamen Sie.

Der oberste Finanzmarktaufseher aus dem kleinen Liechtenstein, der sich seit zehn Jahren um Bankenregulierung gekümmert hatte. Wie langweilig! Die Chancen standen wirklich gut, dass Sie einfach das tun würden, was von einer Schweizerischen Bundesanwaltschaft verlangt ist: in Geldwäscherei- und Korruptionsverfahren den internationalen Partnern den Schweizer Abschnitt illegaler Geldflüsse zu dokumentieren.

Aber auch Sie haben es nicht geschafft. Auch Sie haben über die Massen in die Öffentlichkeit gedrängt. Auch Sie bangen jetzt wegen eines Promi-Falls um Ihre bereits verschobene Wiederwahl. Aber wie gesagt, es liegt nicht an Ihnen. Es gibt zwei profanere Gründe dafür, dass Ihr Amt seinen Inhabern Probleme macht:

Einer ist der, dass Sie von der Bundesversammlung wiedergewählt werden müssen. Das ist natürlich nicht so einfach, wenn man nichts anderes tut, als die Gross- und Privatbanken mit Editions-Verfügungen von Schwarzgeldkonten hässig zu machen.

Also muss eine knackige PR-Strategie her, die den Bundesanwalt als Kämpfer gegen etwas sichtbar Böses inszeniert, das im Parlament keine Lobby hat. In Ihrem Fall waren das die Dschihadisten, von denen es gemäss Ihren Medienmitteilungen in der Schweiz plötzlich zu wimmeln schien. Bei den Gerichten verfing das Thema indes weniger als bei den Medien und es war wegen des knappen domestischen Dschihadisten-Angebots auch nicht ewig zu bewirtschaften.

Da nahte die Rettung Ihrer Wiederwahl in Form der Amerikaner, die wegen der verweigerten US-Fussball-WM die erweiterte Fifa-Chefetage so richtig vorführen wollten. Was für ein Auftritt für Sie! Der Schweizer Bundesanwalt vor den Weltmedien, Seite an Seite mit der US-Justizministerin!

Dort ist wohl der zweite Grund dafür zu suchen, dass das Amt des Bundesanwalts seinen Inhabern Probleme macht, und es ist ein allzu menschlicher: Eitelkeit. Der höchste Strafverfolger der Schweiz kann sich doch nicht ewig mit Profanitäten und Adlaten aus der zweiten Garde abgeben! Ein Bundesanwalt ist schon eher auf Level König, Papst oder Präsident. Staats-Präsident, Hells-Angels-Präsident oder eben – Fifa-Präsident.

Unter Nachbarn wäre das Letzte, was ich tun würde, Ihnen zum Verzicht auf die Wiederwahl zu raten. Es würde mich aber freuen, mal bei Ihnen an einem lauen Sommerabend zum Grillieren rüberzukommen. Dann können wir ja darüber philosophieren, wie gut ein Strafverfolger seinen Job wohl noch machen kann, wenn er Dinge «vergisst», die ihn erpressbar machen.

Lieber Gruss

Maurice Thiriet

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Typu 17.05.2019 21:22
    Highlight Highlight Wow, toll geschrieben. Danke, war ein Genuss.
  • Sandro Lightwood 16.05.2019 11:52
    Highlight Highlight Lauber ist, soweit ich weiss, eher beliebt bei den Banken. Und dass er allgemein den Drang verspührt, sich öffentlich zu inszenieren, war jetzt wirklich auch keine Überraschung.

    Bin dem Herren im Verlaufe seiner Karriere 2-3 mal über den Weg gelaufen (bevor er BA wurde), grundsätzlich sehr sympathischer und geselliger Zeitgenosse.
  • Hierundjetzt 16.05.2019 10:55
    Highlight Highlight Ein klein wenig VT? Wie praktisch doch temporäre Demenz von gleich 4 Personen ist, wenn man weiss, dass die meisten FIFA Verfahren im Frühling 2020 verjähren, wenn bis dahin kein Urteil vorliegt.

    Wie will der Lauber dies in 9 Monaten schaffen, wenn er es 10 Jahre lang nicht konnte?
    • manhunt 17.05.2019 06:48
      Highlight Highlight der lauber will überhaupt nicht.
  • Raphael Stein 16.05.2019 10:23
    Highlight Highlight Ah, diese Ratschläge immer.
    Nicht dass er den Grill vergisst und das Quarier brennt ab.
  • klugundweise 16.05.2019 09:42
    Highlight Highlight An alle die jetzt vergnügt im Chor des Lauber-Bashings mitsingen:
    Könnt Ihr beurteilen ob Herr Lauber bisher generell einen guten Job gemacht hat?
    Seid Ihr sicher dass Herr Lauber als unbequemer Kontrahent nicht einfach "abgeschossen" werden soll?
    Warum soll Herr Lauber in so einer Detailfrage lügen?
    Kann er möglicherweise in einem laufenden Verfahren einfach nicht alles ausplaudern?
    Lauter offene Fragen. Und Ihr verurteilt bereits!
    Könnte es sein, dass sich die von der BA Verfolgten darüber freuen?!
    • dan2016 16.05.2019 10:22
      Highlight Highlight vielleicht hättest Du recht. Aber für mich seit seiner eigenen Pressekonferenz nicht mehr relevant. Die Aufsichtsbehörde angreifen darf ich als Privatperson und v.a. als Zoe Jenny, schon auf dem Fussballplatz geht's nicht mehr so gut. Wenn aber ein Bundesanwalt seine Aufsicht angreift, hat er entweder wesentliche Dinge der Gewaltentrennung nicht verstanden (vergessen?) oder er ignoriert die Strukturen in Allmachtsphantasien. Und dies brauchen wir nicht.
    • RicoH 16.05.2019 10:26
      Highlight Highlight Das ist genau der Kern der Frage: Sagt Herr Lauber die Unwahrheit oder nicht. Das kann wohl nie zweifelsfrei aufgeklärt werden.
      Nun sollten sie die Parlamentarier die Frage stellen, ob ein mit Zweifel behafteter Bundesanwalt für die Schweiz tragbar ist.
    • Hierundjetzt 16.05.2019 10:44
      Highlight Highlight Könnte es sein, dass man Treffen mit dem CEO eines 80 Mrd Unternehmens eher nicht vergisst?

      Könnte es sein, dass es komplett unglaubwürdig ist, wenn *sämtliche* Teilnehmer der Sitzung nichts mehr von der Sitzung wissen

      Obwohl Kalendereinträge, SMS, Reservationsbestätigung Schweizerhof existieren

      Komm mir nicht mit der grossen Macht die den erfolgreichen Lauber ans Leder will.

      Welchen Erfolg kann Lauber schon wieder vorweisen?

      Etwa bei:
      Aeroflot, 1MDB, Petrobras, Fifa, Behring, Tamil Tiger, IS?

      Also 😑
    Weitere Antworten anzeigen
  • RicoH 16.05.2019 09:29
    Highlight Highlight Offenbar gibt es viele Parlamentarier, die der Meinung sind, dass es nicht nachvollziehbar ist, wenn sich die drei beteiligten Personen nicht mehr an besagtes Treffen erinnern. Auf der anderen Seite finden diese Parlamentarier aber auch, dass man deswegen den Stab über dem Bundesanwalt nicht brechen sollte.
    What??
    Durch das "Vergessen" steht ein Zweifel an der Integrität des Bundesanwalts im Raum. Ein Bundesanwalt muss doch zwingend über alle Zweifel erhaben sein, ansonsten ist er für dieses Amt nicht geeignet. Oder etwa doch nicht?
  • rogerty72 16.05.2019 09:20
    Highlight Highlight Toller Kommentar und entblössende Analyse - da gibt es nichts mehr zu sagen...
    Danke Maurice.
  • N. Y. P. 16.05.2019 09:10
    Highlight Highlight «Lieber Herr Lauber, kaufen Sie doch einen Grill ...»

    Ja, Herr Lauber, zur Auswahl hätten wir diesen Vorzeige - SUV - Grill. Er ist ihrem Status angemessen.
    Der Grill zeigt: Hey, hier grillt einer, der es zu was gebracht hat. Nur schon die Anzahl Knöpfe am Grill signalisiert: Leute, ich bin der Kommandant auf der Brücke.

    ;-)
    Benutzer Bild
    • dickmo 16.05.2019 10:07
      Highlight Highlight @N. Y. P.: 😂😂😂
    • dickmo 17.05.2019 08:47
      Highlight Highlight Wann waren Sie denn das letzte Mal draussen? Es gibt keine bessere Lage als Seebach!
  • {Besserwisser} 16.05.2019 08:59
    Highlight Highlight Ich rate Herrn Lauber ganz einfach diese ganze Sache zu vergessen und ein unbeschwertes Leben als Nachbarn von Herrn Thiriet zu verbringen. Das ist nämlich auch schon was.
  • Gubbe 16.05.2019 08:52
    Highlight Highlight Ein Schuss Witz mit einem guten Artikel vermengt, das sagt mir zu.
  • ralck 16.05.2019 08:40
    Highlight Highlight Der Herr Lauber hätte all das verhindern können. Er hätte einfach spätestens auf seiner Pressekonferenz die ganze Sache aufklären können. Stattdessen flunkert er anscheinend rotzfrech durch die Welt, geht unsorgfältig mit seiner Macht und seinem Amt um. Dies zeigt glasklar: An diesem Treffen müssen Sachen besprochen worden sein, welche nicht rechtlich grenzwertig und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

    Die ganze Hetze gegen seine Person hätte er verhindern können. Anscheinend muss ihm das Wohl der FIFA oder die Verdunkelung dieses Treffens wichtiger sein.
    • jinglejanglee 16.05.2019 16:17
      Highlight Highlight ...oder der gute Herr Bundesanwalt Lauber hat mehr als nur Honig um den Bart geschmiert bekommen bei den "Treffen"! Unterstellung meinerseits, aber macht das Ganze ja spannend!

      aber grundsätzlich sehe ich den Hund eher beim Thema Fussball begraben:
      Ich, selber passionierter Tschütteler, verstehe diese Entwicklung des Profi-Fussballs nicht mehr. Es geht längst nicht mehr um den Sport selber, sondern einzig um Geld (was auf jeden Fall die FIFA, UEFA und alle anderen Land- und Kontinentalverbände betrifft). Mehr Geld als gewisse EU-Länder als BIP vorweisen können. Eine grenzenlose Geldmaschine.
    • flothi 17.05.2019 08:13
      Highlight Highlight ... oder er ist einfach ehrlich. Das könnte auch sein - und ist wohl manchmal nicht hilfreich (wäre aber vorbildlich).
  • bisch debii 16.05.2019 08:33
    Highlight Highlight "Dann können wir ja darüber philosophieren, wie gut ein Strafverfolger seinen Job wohl noch machen kann, wenn er Dinge «vergisst», die ihn erpressbar machen."

    Der Kern der Sache.
  • zeusli 16.05.2019 08:19
    Highlight Highlight Genau das will der Laubbläser der Jurisprudenz nicht kapieren...
    Der Bundesanwalt darf nicht erpressbar sein!!!
    Die Parlamentarier haben das schon längst kapiert...
  • Leader 16.05.2019 07:40
    Highlight Highlight Herr Thiriet
    Ich empfehle beim Grillabend, wollen sie das wirklich ?auf alle Fälle kein Foto mit Herr Lauber zuzulassen.
    Warum: Erstens, stellen sie sich nicht auf die gleiche Stufe wie er punkto Fotos und zweitens, wollen sie wirklich eine Bilderinnerung mit dem Bundesanwalt?
    Am Schluss weiss zumindest einer nicht mehr wer sie waren!! :-)

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