Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Kommen mitten in der Nacht»: Keine Strafe nach dieser Drohung gegen Arena-Projer

Vor der Abstimmung über die No-Billag-Initiative tobte ein erbitterter Streit, in dessen Zentrum sich SRF-Moderator Jonas Projer wiederfand. Dabei wurde er bedroht. Nun ist der Fall geklärt.

Fabian Fellmann / ch media



Jonas Projer
Moderator Arena
2015

Copyright: SRF/Oscar Alessio
NO SALES
NO ARCHIVES

Die Veröffentlichung im Zusammenhang mit Hinweisen auf die Programme von Schweizer Radio und Fernsehen ist honorarfrei  und muss mit dem Quellenhinweis erfolgen. Jede weitere Verwendung ist honorarpflichtig, insbesondere auch der Wiederverkauf. Das Copyright bleibt bei Media Relations SRF. Wir bitten um Belegexemplare. Bei missbräuchlicher Verwendung behält sich das Schweizer Radio und Fernsehen zivil- und strafrechtliche Schritte vor.

SRF-Moderator Jonas Projer.

Es war der gehässigste Abstimmungskampf seit langem, bevor im März die No-Billag-Initiative an der Urne scheiterte. Er gipfelte in der SRF-«Arena» vom 2. Februar, nach der es Vorwürfe gegen Jonas Projer hagelte. Der 36-jährige Moderator habe die Fernsehsendung parteiisch zugunsten der Gegner geleitet. Im Internet kochte die Empörung über. Ein Twitter-Nutzer mit dem Decknamen «Stoplügenmedien» schrieb anderntags am frühen Morgen: «Mitten in der Nacht werden wir kommen und Dich richten!»

Das ging Projer zu weit, er reichte Strafanzeige ein. Die ist inzwischen erledigt, wie die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat bestätigt. Sie hat den Twitter-Droher ausfindig gemacht – doch wurde das Strafverfahren eingestellt. Moderator Projer hat seinen Strafantrag zurückgezogen, der Droher geht straffrei aus.

Droher hat sich entschuldigt

Trotzdem sind die Verantwortlichen bei SRF zufrieden. Sprecher Stefan Wyss erklärt das so: «Auch die sozialen Medien sind kein rechtsfreier Raum. SRF toleriert keine Drohungen gegen Mitarbeitende, weshalb Jonas Projer nach dem Droh-Tweet Anzeige erstattet hat.» Stur auf Bestrafung wurde aber nicht beharrt: Der Urheber des Tweets und der SRF-Moderator trafen sich bei einer Vergleichsverhandlung bei der Staatsanwaltschaft persönlich. Projer hielt das für ausreichend, wie er sagt: «Der Urheber hat sich für seinen Tweet entschuldigt und versprochen, dass er so was auch anderen gegenüber nicht wiederholt. Damit ist die Sache für mich erledigt.»

Über Identität und Geschlecht des Drohers machen Justiz und SRF keine weiteren Angaben. Der Twitter-Nutzer hatte versucht, seine Drohung kleinzureden. Projer führe eine «Hetzkampagne», beklagte sich «Stoplügenmedien» am 4. Februar. Das Wort «richten» sei mit positiven Bedeutungen besetzt. Tempi passati? Im Oktober ging eine Botschaft an Projer: Der Moderator habe in einer Glückskette-Sendung sein wahres Herz gezeigt. Die Person will 50 Franken gespendet haben und grüsst als «Schwitzer Patriot und IDENTITÄRE Treue CH liebende Mensch». Noch im Mai war Projer daselbst ein «Lügenbaron».

Doch bleibt der Gesamteindruck des Twitter-Kontos unverändert: wilde Verschwörungstheorien, antisemitische Beiträge, Hetze gegen Ausländer, Banner der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer – alles fehlerhaft und wirr in Ausdruck und Schreibe. Ihre Gegner pflegt die Person als Marionetten des jüdischen Philanthropen George Soros zu beschimpfen. Immerhin: Nur 79 Nutzer verfolgen, was «Stop- lügenmedien» verschickt.

Der Fall zeigt, dass die Justiz die Verantwortlichen hinter anonymen Drohungen im Internet belangen kann. Ständerat und Nationalrat sehen dort ein Problem: Sie haben den Bundesrat soeben damit beauftragt, eine Gesetzesänderung vorzulegen. In Zukunft sollen soziale Netzwerke in der Schweiz eine Vertretung oder ein Zustelldomizil einrichten müssen, damit die Strafverfolger einfacheren Zugriff auf deren Daten erhalten. Schon heute schafft es die Justiz gemäss Kriminalstatistik, mehr als 90 Prozent der Fälle aufzuklären – indes nur jener, die das Opfer anzeigt.

Uiuiui! Model zeigt Beinhaar und erntet dafür einen Shitstorm

abspielen

Video: watson/Lya Saxer

Unsere «Arena»-Berichterstattung

So verbannt ein Seenotretter Andreas Glarner aus der Migrationspakt-Arena

Link zum Artikel

«99 problems but money ain't one» – SVP-Zanetti hat Mühe mit der Transparenz-Initiative

Link zum Artikel

Die Europarat-«Arena» macht auf Bildungsfernsehen – nur SVP-Heer stört die Schulstunde

Link zum Artikel

Wie Sommaruga den SVP-Professor in der Selbstbestimmungs-«Arena» vor den Richter zerrt

Link zum Artikel

Schneider-Ammann packt Capaul bei den Hörnern: So verlief die Hornkuh-«Arena»

Link zum Artikel

Glättli kriegt Püggeli und Berset verliert die Geduld – das war die Sozialdetektive-Arena

Link zum Artikel

Diese zwei jungen Frauen übernehmen in der Selbstbestimmungs-«Arena» das Zepter

Link zum Artikel

Klima-«Arena»: Wie Franz Hohler die «Füdlibürger» vor dem Weltuntergang warnt

Link zum Artikel

Dreamteam aus FDP-Müller und SP-Badran schlägt smarten Jung-SVPler in der Kuhandel-«Arena»

Link zum Artikel

«Endlich mal s'Füdle ha! » – wie ein Zuschauer in der EU-«Arena» Blocher & Co. einheizte

Link zum Artikel

SRF-«Arena»: SVP-Rösti schiesst ein Eigengoal und nur einer findet den roten Faden wieder

Link zum Artikel

In der Fair-Food-«Arena» führt Berset die Initianten mit ihrem eigenen Abstimmungstext vor

Link zum Artikel

«Es kann gar nichts passieren!» – FDP-Dittli tappt ins Minenfeld der Waffenexport-«Arena»

Link zum Artikel

Wie die Velo-«Arena» zu einem kleinen Stück TV-Geschichte kam

Link zum Artikel

Projer nimmt die Bauern in Schwitzkasten: So lief die  «Arena» zur Ernährungssouveränität

Link zum Artikel

«Fast nur positive Reaktionen» – SRF-«Arena» macht weiter mit Slam-Poetin Patti Basler

Link zum Artikel

In der Anpack-«Arena» versalzt ein angriffslustiger Rösti allen die Minestrone

Link zum Artikel

No-Billag-«Arena» 2.0 oder wenn Badran zu duzen beginnt, wird's für SVP und FDP gefährlich

Link zum Artikel

SRF-«Arena»: Warum FDP-Noser die Konzern-Initiative «dumm» findet

Link zum Artikel

Projer holt sich Verstärkung: Slam-Poetin Patti Basler mischt die «Arena» auf

Link zum Artikel

«Blödsinn!» – «Anständig bleiben!»: SVP-Rösti gegen SP-Nussbaumer in der EU-«Arena»

Link zum Artikel

Wenn sich das Kotz-Emoji gegen seine Schöpfer erhebt, ist Geldspiel-«Arena»

Link zum Artikel

Wenn 100er-Noten gezückt werden und Verwirrung herrscht, ist Vollgeld-«Arena»

Link zum Artikel

Alle gegen einen, aber gewinnen tut trotzdem keiner – die SRF-«Arena» zum Rahmenabkommen

Link zum Artikel

Stress-«Arena»: Wie FDP-Gössi den Gewerkschaftler mit Home-Office «ernsthaft erschüttert»

Link zum Artikel

Wo tut's denn weh, liebes Gesundheitssystem? – Eine Diagnose der SRF-«Arena»

Link zum Artikel

Wie ein Waffenfreund der Waffenlobby ein Bein stellte – das war die SRF-Arena

Link zum Artikel

Hässiger Auto-Fan trifft auf Vollgas-Forscher – das war die Verkehrs-«Arena»

Link zum Artikel

Projer, der Profi

Link zum Artikel

Wer wagt, verliert eben auch mal – Warum die Verwahrungs-«Arena» floppte

Link zum Artikel

Alles Blocher, oder was? Nicht in der EU-«Arena», die wir gesehen haben

Link zum Artikel

«Dann sind wir tot!» – Bauernchef fürchtet wegen argentinischer Steaks um Existenz

Link zum Artikel

Wenn zwei Frauen die Männer in den Boden debattieren – das war die Gleichstellungs-«Arena»

Link zum Artikel

Projer nimmt Kessler in die Mangel und dieser demontiert sich gleich selbst

Link zum Artikel

Das No-Billag-Bullshit-Bingo (damit die «Arena» heute Abend ein bisschen spannender wird)

Link zum Artikel

«Switzerland first» oder warum SVP-Zanetti in der SRF-«Arena» «Quatsch» erzählt 

Link zum Artikel

No-Billag-Initianten kämpfen auch für «No Steuern» – das war die «Arena»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

13
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Adam Gretener (1) 18.12.2018 14:27
    Highlight Highlight Der Typ droht weiter, so z.B. möchte er 2019 linke"Elemente" ausmerzen, was soviel heisst wie umbringen, vernichten. Ich werde morgen eine Anzeige aufgeben.
    • Fabio74 18.12.2018 16:03
      Highlight Highlight Danke
    • Adam Gretener (1) 18.12.2018 17:57
      Highlight Highlight Kein Ding, Fabio. Ich durfte eben mal Erfahrungen machen mit so einem Verfahren. Es gab eine Zeit, da kommentierte ich eifrig beim Tagi und wurde über FB und Email massiv bedroht, bis eines Tages zwei Typen mit einem Baseball-Schläger bei mir auftauchten. Blöd nur, dass die Stadtpolizei nur eine Strasse weiter ist. Habe noch nie jemanden die Augenbrauen so weit hochziehen sehen. Jedenfalls Gerichtsverhandlung, Bussen zwischen 7 und 11'000 Franken. Die beiden Köche konnten die Buse nicht bezahlen, beide mehrer Monate Haft als Umwandlung. Job und Wohnung weg, heute SH und in einer Notwohnung.
  • Heinz Dietsche (1) 18.12.2018 13:00
    Highlight Highlight Das ändert alles nichts an der Tatsache dass: Der TV Werbezwang zwar vorläufig vom Tisch ist, die Initianten aber nicht lockerlassen werden ( Ihr Gott ist das stetig an erster Stelle politisch verordnete Wachsumsdenken), trotz der abgeschmetterten No Billag Initiative
  • Imnon 18.12.2018 11:53
    Highlight Highlight Lügenmedien ...... Wenn ich das schon höre. Wie wärs denn als Konter mit Lügenbubble?
    Wenn man in einer Bubble lebt, die Lügen als Wahrheit ausgibt, muss einem die Realität natürlich wie gelogen vorkommen. Das erklärt dann auch das Entstehen von Begriffen wie "Alternative Fakten" und andere hübsche Sachen.
    • Bacchus75 18.12.2018 12:18
      Highlight Highlight Perfekt. Lügenbubble find ich super und bringt den Zustand auf den Punkt. Danke 👍
  • alter Esel 18.12.2018 11:26
    Highlight Highlight Den Rückzug der Anzeige ist problematisch. Das bedeutet letztlich auch: Ist gar nicht so schlimm. Solche Drohungen sollten als Offizialdelikt behandelt werden.
    • drüber Nachgedacht 18.12.2018 12:13
      Highlight Highlight Warum soll ein Rückzug problematisch sein?

      Wer einen solchen Account betreibt ist sicher geistig nicht auf der Höhe. Gut möglich, dass es sich um eine Person handelt, welche in einer sozial misslichen Situation lebt.

      Was bringt das, wenn man da noch eine Busse und womöglich eine Haftstrafe erzwingt. Schlussendlich müssen diese Kosten vom Steuerzahler beglichen werden...

      Vielleicht öffnet es der Person ja die Augen, dass es nicht nur schwarz und weiss gibt, sondern dass jemand der eine andere Meinung vertritt auch positive Seiten an sich hat.
    • TanookiStormtrooper 18.12.2018 12:42
      Highlight Highlight @Nachgedacht
      Unsinn! Frei nach Eric Cantona:
      "Mit Rassisten reden ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Sie wirft alle Figuren um und scheisst dir das Brett voll und stolziert danach herum als hätte sie gewonnen."
      Bei Morddrohungen hört der Spass auf und das lernen solche Typen nur auf die harte Tour.
    • Fabio74 18.12.2018 12:49
      Highlight Highlight @drüber nachgedacht Und dies rechtfertigt Drohungen? Was ist in dieser Situation auch erlaubt?
      Gesetz ist Gesetz. Drohungen gehören bestraft
  • MikoGee 18.12.2018 10:53
    Highlight Highlight Da hätte man ruhig mal eine Exempel statuieren können, der- oder diejenige scheint seine Lektion offensichtlich nicht gelernt zu haben.
  • Olmabrotwurst 18.12.2018 10:47
    Highlight Highlight Drohen im Internet ist feige.
    Projer ist aber ein Fairer Mann wenn er sich mit der Entschuldigung zufrieden gibt.

    Was ich aber noch sagen will, wenn der Schweizer ausrastet dann aber richtig und dann kommen Fuchsteufelswild manchmal Wörter raus die nicht wirklich passen. Durfte das persönlich mal in Holland erleben, als ein Kellner meiner Frau ausversehen Wein verschütette auf ihr Kleid (kann passieren^^). Nur das Hotel wollte die Reinigung nicht bezahlen da bin ich halt auch ausgerastet. Glaubt mir wenn wir Schweizer fluchen in einem Fremden Land, dann ist meist Schicht im Schacht xD
  • HGS 18.12.2018 10:46
    Highlight Highlight Ein Lob den Inputern von watson, denen es Spass macht, hassfrei mit Witz und Grips zu kommentieren. Und ein Bravo für Jonas Projer, der sich von den Irren und Wirren in den ach so sozialen Medien nicht alles gefallen lässt.

Eine Sozialhilfe-Empfängerin und ein Betreuer übertrumpfen in der «Arena» die Politiker

Eine neue Studie zeigt, dass der Grundbedarf von 986 Franken der Schweizer Sozialhilfe zu knapp berechnet ist. In der «Arena» streiten sich nun die Politiker darüber, wie die Zukunft des Schweizer Sozialstaates aussehen soll. Doch die Show wird ihnen von zwei Personen aus der Praxis gestohlen. 

Sind 986 Franken genug? Diese Frage stellt Moderator Jonas Projer seinen Studiogästen am Freitag. SVP-Nationalrat Thomas Müller steigt gleich steil ein und bezeichnet die «sogenannte Armutsdiskussion» als «politischen Kampfbegriff» der Linken.

Dem widersetzt sich auf der anderen Seite SP-Nationalrätin Mattea Meyer. Sie ist erzürnt darüber, dass Müller das Armutsproblem in der Schweiz herunterspielt. Dabei kann sie in den Startminuten mit einem Beispiel punkten. Armut wird nämlich dann zum …

Artikel lesen
Link zum Artikel