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Ilana und Chaim Lipschitz haben sich den Film «Wolkenbruch» im Kino angeschaut.  bild: keystone/watson

Kassenschlager «Wolkenbruch» erhitzt Gemüter – ein jüdisches Paar erzählt, wie sie leben

Das orthodox-jüdische Paar Ilana und Chaim Lipschitz haben sich an einem arrangierten Treffen kennengelernt. Wo der Film «Wolkenbruch» ins Schwarze getroffen hat und wie es ist, sich zwei Wochen nach dem ersten Date zu verloben, haben sie watson im Gespräch erzählt.



Der Kinofilm «Wolkenbruchs wundersame Reise in die Arme einer Schickse» ist der Kassenschlager schlechthin. Drei Wochen nach seiner Premiere haben bisher über 130'000 Zuschauer die Geschichte vom orthodoxen Juden Motti Wolkenbruch mitverfolgt, der sich in die Schickse (Nichtjüdin) Laura verliebt.

Der Film sorgt schweizweit für Gesprächsstoff. Orthodoxe Juden würden sich stören an der Aussage des Films, liest man in der «Aargauer Zeitung». «Spassiges Juden-Bashing», schreibt die NZZ. Und sogar das SRF widmete dem Werk von Regisseur Michael Steiner eine «Club»-Sendung mit dem Titel «Wolkenbruch und die Schicke: Ist Lachen über Juden harmlos?» 

watson hat ein junges, modern-orthodox lebendes jüdisches Paar getroffen, das sich bei einem Schidduch, einem arrangierten Treffen, kennen gelernt hat. Zweieinhalb Wochen nach dem ersten Treffen haben sich Ilana und Chaim Lipschitz verlobt. Fünf Monate später waren sie verheiratet. Das ist jetzt fünf Jahre her. Heute sind die beiden 26 und nicht mehr nur zu zweit. Vor vier Monaten kam ihr erster gemeinsamer Sohn Elischa zur Welt. Und «Wolkenbruch»? Den haben sie gesehen. In den Arena Cinemas im Einkaufszentrum Sihlcity. 

So haben sich Ilana und Chaim Lipschitz kennengelernt: 

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Video: watson/Angelina Graf

«Der Film hat uns wirklich gut gefallen», sagen die beiden unisono und bitten aus dem kahlen Treppenhaus in ihre gemütlich eingerichtete Wohnung im Zürcher Kreis 2. Das Museum Rietberg ist in Gehdistanz, ebenso die Synagoge der israelitischen Religionsgemeinschaft.

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Chaim und Ilana mit dem vier Monate alten Elischa Lipschitz.  bild: zvg

Mit einem Dokumentarfilm sei Wolkenbruch keineswegs zu verwechseln, zu dramaturgisch zugespitzt die Geschichte, zu übertrieben die Charaktere. «Aber man geht ja auch nicht einen James-Bond-Film schauen und hat danach das Gefühl, das sei tatsächlich das wahre Agentenleben», sagt Chaim Lipschitz nüchtern. Über viele Szenen mussten sie lachen. «Wir fahren tatsächlich alle das gleiche Auto. Früher, als ich einen Toyota Previa sah, blickte ich immer hinein, um zu sehen, ob jemand von unserer Gemeinschaft drinsitzt, den ich kenne», schmunzelt Ilana.

«Man geht ja auch nicht einen James-Bond-Film schauen und hat danach das Gefühl, das sei tatsächlich das wahre Agentenleben.»

Chaim Lipschitz

Kurz darauf wird sie ernster. Es geht um das Kennenlernen des Paars. «Unser erstes Treffen machte keinen Spass. Ein Schidduch ist immer sehr formell», erzählt Ilana Lipschitz ohne Umschweife. Die 26-Jährige wirkt sehr reif. Vielleicht liegt es daran, dass sie bereits mit 21 Jahren den Bund der Ehe schloss. In einem Alter, in dem die meisten Gleichaltrigen alles andere tun, als an die Ehe zu denken. Unter ihrer dunklen Perücke zeigt sich ein noch dunklerer Haaransatz. Behutsam drückt sie den kleinen Elischa an ihre Brust. Er wird den ganzen Abend über ruhig in ihren Armen liegen.

Verkuppelt wurden Ilana und Chaim Lipschitz, anders als im Spielfilm «Wolkenbruch», nicht von ihren Müttern, sondern von einer Matchmakerin. Die jüdische Verkupplerin kannte Ilanas und Chaims Familien – und deren unverheiratete Kinder. Mit der Verkupplungs-Idee kontaktierte sie Ilanas und Chaims Eltern. Diese begannen darauf mit ausgiebigen Nachforschungen über die Heiratswilligen. Nach Auffassung der Thora soll der Mann den Charakter der potentiellen Partnerin prüfen.  

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bild: zvg

Familiensituation, Herkunft, heutzutage auch die Blutgruppe – nichts wird dem Zufall überlassen. Erst wenn die Recherchephase durch die Eltern abgeschlossen ist, kommt es zum effektiven Treffen. Bei Ilana und Chaim war das an einem warmen Maitag in der Hotellobby des Zürcher Hyatts.

Bei der Filmfigur Motti Wolkenbruch ist dessen Nervosität und Unbehagen nur zu gut spürbar. Chaim Lipschitz lacht: «Da war der Film gar nicht so weit weg von der Realität.» Natürlich sei es auch immer eine Typfrage, wie nervös man sei. «Es ist aber schon eher ein unangenehmes Gefühl, auf dieses Treffen zu gehen. Du kennst die Person nicht, weisst nicht, was auf dich zukommt – und es geht immer um viel.» Um sehr viel sogar. Ein Schidduch ist vergleichbar mit einem Bewerbungsgespräch – einem Bewerbungsgespräch für die Ehe.

«Klar, sind die vielen Regeln und Vorschriften sehr anspruchsvoll. Aber dann erkennt man den Sinn dieses Lebens und der Religion wieder. Schliesslich möchte man sich und seine Familie nicht enttäuschen.»

Ilana Lipschitz

Zwei intensive Gesprächsstunden später kehren Ilana und Chaim zu ihren Familien zurück, um Bericht zu erstatten. Sie überlegen sich, ob ihre Zukunftspläne kompatibel sind. Ihre Entscheidungen werden der Matchmakerin mitgeteilt. Ilana und Chaim wollen weitermachen. Und treffen sich gleich am nächsten Tag wieder. Kontakt dazwischen haben sie nicht miteinander. Auch berühren dürfen sie sich nicht. Kein Handschlag, keine Umarmung zur Begrüssung.

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bild: zvg

Zu etwas gezwungen gefühlt habe sie sich dabei nie, sagt Ilana Lipschitz. «Der Druck von Mottis Mutter im Film ist schon enorm. Das war bei mir ganz anders.» Sie wurde von Anfang an in den Schidduch-Prozess miteinbezogen, konnte mitbestimmen und falls nötig auch den Stecker ziehen. Und dennoch – für Nicht-Gläubige ist ein Schidduch schwer zu verstehen. Wer geht schon an sein allererstes Date, mit der Absicht heiratswürdiges Material zu finden? Und wer wartet bis zur Heirat, um seinen Partner nur schon berühren zu können?

Ilana Lipschitz versucht zu erklären. «Wir werden schon im Kindesalter vom anderen Geschlecht getrennt. Die Mädchen gehen in eine andere Schule als die Buben. Das sorgt dafür, dass wir gar nicht erst in Versuchung kommen, Lust zu verspüren.» Natürlich habe auch sie ab und zu ihre Schwierigkeiten gehabt. Damals als sie als Jugendliche eine Banklehre absolvierte und in Kontakt mit der säkularen Welt kam. Doch sie blieb dem Judentum treu. «Klar, sind die vielen Regeln und Vorschriften sehr anspruchsvoll. Aber dann sieht man den Sinn dieses Lebens und der Religion wieder. Schliesslich möchte man sich und seine Familie nicht enttäuschen.»

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bild: zvg

Ihr zweites Treffen verlief ähnlich wie das erste. Für Ilana war es immer noch etwas steif und zu formell. «Ich wollte nicht mehr einfach nur dasitzen, etwas trinken und reden. Ich wollte etwas unternehmen.» Sie schlägt das Luzerner Verkehrsmuseum als dritten Treffpunkt vor. Chaim sagt über seine Eltern zu. «Das dritte Treffen war toll», erinnert sich Ilana mit einem Lächeln auf den Lippen.

Fünf Monate und zweieinhalb Wochen später sind die beiden verheiratet. Ilana hätte gerne noch etwas mehr Zeit vor der Hochzeit gehabt. Doch der Wunsch, einander endlich näherzukommen, sich zu berühren, war grösser. «Das hat uns gepusht, uns schneller zu verloben und zu heiraten.» Mit 21 war es dann so weit: Sie gaben sich das Ja-Wort. «Viele meiner Schulkolleginnen waren mit 19 schon verheiratet», sagt Ilana lachend. «Aber das war für mich zu früh.»

«Manchmal hätte ich aber gerne auch noch etwas anderes gelernt, etwas mehr von der Welt gesehen – und gearbeitet.»

Chaim Lipschitz

Chaim pflichtet seiner Frau bei. Er sei religiöser aufgewachsen als Ilana, erzählt er. Sechs Jahre lang verbrachte er mit dem Studium des Talmuds, des bedeutendsten Schriftwerks des Judentums. Von morgens neun Uhr bis abends spät, manchmal zehn Stunden am Tag sass er vor den religiösen Schriften. Für Chaim war das manchmal schwierig. Gewiss, die Religion zu studieren gehöre dazu und sei auch sehr interessant. «Manchmal hätte ich aber gerne auch noch etwas anderes gelernt, etwas mehr von der Welt gesehen – und gearbeitet.»

Das tut er heute – zusammen mit Ilana. Beide arbeiten, sie auf einer Bank, er als Verkäufer. Die Kindererziehung teilen sie sich auf. Die Liebe habe Zeit gebraucht, um zu wachsen, erklärt Ilana Lipschitz. «Bei der Hochzeit glaubten wir, es handle sich bereits um Liebe. Aber erst jetzt, nach fünf Jahren, wissen wir, was wahre Liebe wirklich bedeutet.»

Die Gebote und Verbote der Thora sind tief in ihrem Alltag verankert. Nach jedem Toilettengang wird gebetet, jeden Freitag, kurz vor Sonnenuntergang wird das Licht gelöscht. Während des Sabbats bleiben in der Familie Lipschitz die Handys in den Taschen, die Fernbedienung unberührt, ja sogar der Kühlschrank schaltet in den Sabbat-Modus. Denn streng gläubigen Juden ist es in dieser heiligen Zeit, vergleichbar mit dem christlichen Sonntag, verboten, elektrische Geräte an- und auszuschalten.

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Auf der Piste trägt Ilana Hosen – aus Sicherheitsgründen.  bild: zvg

Ilana und Chaim Lipschitz bezeichnen sich als modern-orthodoxe Juden. Bei vielen Geboten haben sie einen Mittelweg gefunden. Beim Skifahren trägt Ilana Hosen. «Ein Rock wäre gefährlich, der würde meine Bewegungsfreiheit einschränken». Beim Sport zieht sie kurzärmlige Shirts an – ebenfalls aus praktischen Gründen. Und die Milch aus dem Sabbat-Kühlschrank stammt von der Migros, nicht von einem koscheren Laden.    

In diesem Moment meldet sich der kleine Elischa in ihren Armen zum ersten Mal. Er hat Hunger. Ilana wuselt in die Küche, um die Milch aufzuwärmen. Es ist Zeit zu gehen. Ilana und Chaim Lipschitz sind in vielen Belangen wie all die anderen Mittzwanziger – und doch leben sie ein ganz anderes Leben. Ein Leben, mit strikten Regeln, dessen Ablauf mehr oder weniger vorgeschrieben ist. Ein Leben, aus dem sie nicht ausbrechen können – oder wollen. Doch sie wirken glücklich. «Wir möchten ein Leben führen, das Sinn ergibt. Und das tut es», sagt Ilana Lipschitz zum Abschied und schliesst die Tür. Im Türrahmen glänzt die Mesusa. Eine metallische Schriftkapsel, die jedem, der sie gebührend ehrt, ein längeres und reicheres Leben verspricht.

Wer mehr über die jüdischen Bräuche, den Schidduch, die arrangierte Heirat und die damit verbundenen Pflichten erfahren möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Raphael Stein 21.11.2018 22:02
    Highlight Highlight Wir schreiben das Jahr 2018. 😏
  • eBart! 21.11.2018 17:01
    Highlight Highlight Und das in der Schweiz?
    Wie war das mit Integration und so?

    Bei Leuten aus Südosteuropa (Balkan)oder so spricht von "Scheinehen" oder "Zwangsehen". Hier nicht, im Gegenteil - man gibt diesem Konstrukt sogar eine Plattform.

    Egal welcher Glaube oder welche Nationalität man hat, finde so etwas sollte (zumindest in der Schweiz) verboten werden.
    • Helene Obrist 21.11.2018 17:14
      Highlight Highlight @eBart!: Es besteht ein grosser Unterschied zwischen Zwangsehen und arrangierten Ehen. Im Falle der Lipschitz hatten sie IMMER die Wahl. Sie hätten auch auf weitere Treffen verzichten können. Das ist bei Zwangsehen nicht der Fall.
    • eBart! 21.11.2018 17:46
      Highlight Highlight Punkt für dich.
      Aber... sie könnten nicht einfach so dich oder mich heiraten. Also auch eine Art Zwang...
    • Markus97 21.11.2018 18:11
      Highlight Highlight @Helene Obrist So kann man auch bei Leuten aus dem Balkan und osteuropa Argumentieren. Natürlich "müssen" sie nicht. Die Staatsgewalt hat nur die Schweiz. Trotzdem würden sie wohl ihr gesamtes soziales Umfeld und ihre Familie verlieren, wenn sie sich entschliessen nicht mitzumachen. Das ist auch eine Art Zwang. Ich bin mir auch zimlich sicher, dass es auch orthodoxe Juden gibt, welche mit ihrer Situation wesentlich unglücklicher sind als die beiden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Was ist der Unterschied? 21.11.2018 16:31
    Highlight Highlight Parship versus arrangiertes Treffen von Menschenhand

    Kann mir jemand endlich mal erklären was der Unterschied ist zwischen einem arrangierten Treffen (negativ) und Parship und Konsorten (positiv) ?
    Ein Mensch mit Gefühl der ein Treffen arrangiert ist doch besser als ein Computer, sprich Parship, der zwei Namen rausspuckt!
    • eBart! 21.11.2018 17:04
      Highlight Highlight Parship ist freiwillig. Man wird nicht gezwungen. Auf Parship können Sie Juden, Christen, Moslems, Homosexuelle, Bisexuelle, Heterosexuelle etc. treffen.

      Diese Auswahl hatte das interviewte Pärchen nicht.
    • Esther R. 21.11.2018 20:33
      Highlight Highlight Orthodoxe Juden werden nicht gezwungen zu heiraten. Dies geschieht aus eigenem Willen. Es gibt keine Zwangsehen!
  • Wianve 21.11.2018 15:51
    Highlight Highlight Gab es vor 2000 Jahre schon Strom?
    Wenn der Mensch für die Gesetze leben muss und nicht die Gesetze für den Menschen sind, stellt mein Hirn auf Alarm
    • Liselote Meier 21.11.2018 16:50
      Highlight Highlight Hat schon seine Innere Logik.
      Nach der Thora erschuff dieser Gott die Welt in 6 Tagen, am 7 Tage ruhte er sich aus sprich er war nicht schöperisch er erschuf nichts.

      Stapelte man Holz und zündet es an erschuf man ein Feuer, man war schöpferisch.

      Machst du heute deinen Herd an, erschaffst du eine Wärmequelle, man ist schöpferisch

      Machst du deine Kühlschranktüre auf erzeugst du Licht, man ist schöpferisch usw.

      Ergo hat nichts damit zu tun ob die Israeliten vor 2000 Jahren Elektrizität kannten oder nicht, da in sich Geschlossen Logisch. Aber eben nur in sich Geschlossen Logisch


    • Luca Sieber 22.11.2018 06:54
      Highlight Highlight einfach die lampe im kühlschrank ausschalten am sabbat
  • Don Quijote 21.11.2018 15:10
    Highlight Highlight "Schliesslich möchte man sich und seine Familie nicht enttäuschen."

    Bei diesem Satz hat es mir abgelöscht. So süss die drei sind, so fest sie sich lieben... Jeder soll individuell machen, was er gerne möchte.

    Deswegen mag ich keine der Religionen, denn diese sind stark mit einem einengenden Korsett und teils altmodischen Ansichten verbunden.

    Wenn man sich also der Familie verpflichtet fühlt, sollte man das ganze Konzept überdenken.
  • Focke 21.11.2018 15:07
    Highlight Highlight der film ist ein genialer werbefilm für ortodoxe juden. denn es zeigt dass ein ausstieg möglich ist und diese durchaus sich integrieren. wieso bashen ihn die ortodoxen?
    • Esther R. 21.11.2018 20:36
      Highlight Highlight Weil verschiedene Szenen nicht der orthodoxen Realität entsprechen und ein falsches Bild der Orthodoxen vermitteln. Nicht alle wollen aussteigen, es gibt viele die so ein glückliches Leben führen.
  • Waedliman 21.11.2018 14:28
    Highlight Highlight Dieser Gesetzeswust bei den Orthodoxen wird doch immer wieder geschickt umgangen. Wenn ein Jude am Sabbath etwas nicht darf, dann macht das halt ein Nichtjude für ihn. So einfach ist das ;-)
  • Waedliman 21.11.2018 14:23
    Highlight Highlight Religiosität ist das Gegenteil von Toleranz. Ich lehne sie deshalb ab. Und mir muss niemand damit kommen, dass Religionen ja auch (ab und zu) Gutes tun. In der Regel sind sie verantwortlich für Kriege, Unterdrückung von Minderheiten und Geldgier. Menschen, die ihren Lebenssinn in Religionen finden, sind auffallend häufig schon frühzeitig indoktriniert worden oder haben ein schwaches Selbstbewusstsein. Somit habe ich keine Sympathie für Menschen, die andere missionieren bzw. in ihrem subjektiven Glauben erziehen und somit manipulieren.
    • Anded 21.11.2018 15:15
      Highlight Highlight Du bist ja wohl das Musterbeispiel von Toleranz!
      Juden sind verantwortlich für Kriege, Unterdrückung und Geldgier...?? Hab ich irgendwo schon mal gehört.
    • Statler 21.11.2018 15:16
      Highlight Highlight «Religiosität ist das Gegenteil von Toleranz. Ich lehne sie deshalb ab.»

      Ganz schön intolerant... ;)

      Religionen sind selten für Kriege verantwortlich. Wenn schon, dann sind es die Menschen, die im Namen der Religion einen Krieg anzetteln. Die Religion ist dabei nur der vorgeschobene Grund, um sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Meistens geht's einfach nur um Macht und die Sicherung derselben. Genauso bei der Unterdrückung von [wemauchimmer] und der Geldgier.
      Religion ist nur ein Vehikel von vielen, um die eigenen Ziele zu erreichen.
    • Liselote Meier 21.11.2018 15:36
      Highlight Highlight Ist durchaus so, Religiosität und Toleranz schliessen sich aus.

      Denn Toleranz relativiert den eigenen Standpunkt und bewirkt dadurch Zweifel.

      Wer den anderen duldet, ihn gar anerkennt, muss den eigenen Wahrheitsanspruch relativieren. Einer aber, der wirklich mit vollem Herzen glaubt, kann solche Relativierung nicht zulassen.

      Bleiben zwei Optionen. Sich oder die glaubende Gruppe isolieren und in einer Blase leben oder das "Andere" zu vernichten um nicht in Zweifel zu geraten.


    Weitere Antworten anzeigen
  • Scaros_2 21.11.2018 13:35
    Highlight Highlight Kann das nicht auch noch im Sektenblog thematisiert werden. Ist ja wie ne Sekte diesen ganzen Druck etc.
    • Else 21.11.2018 13:52
      Highlight Highlight Ein Kommentar von Hugo Stamm hierzu würde mich sehr interessieren!
  • Loeffel 21.11.2018 13:34
    Highlight Highlight Mag ja sein, der kleine aber feine Unterschied beim hier vorgestellten Paar liegt wahrscheinlich beim MODERN-orthodoxen Judentum....
  • Magnum44 21.11.2018 13:18
    Highlight Highlight Verstörend für Leute, die selber denken können und ihr Leben nicht nach einem Stück Papier richten.
  • Göschene-Eirolo 21.11.2018 13:15
    Highlight Highlight Thomas Meyer, der Autor des Films, sagte gestern Abend in der Sendung «Club» von SRF folgendes (1:03): «Ich habe eine Abneigung gegen alles Religiöse. Religion ist ein absolut menschlicher Irrweg». Und an die Orthodoxe Frau Treuhaft gerichtet: «Das Judentum, das sie heute Abend präsentieren, wirkt auf mich wahnsinnig rigide, hart und aggressiv. Nehmen sie es nicht persönlich – ich bin froh, dass ich von diesem System verschont blieb. Ich finde Religion wirklich abstossend».


    • Waedliman 21.11.2018 14:24
      Highlight Highlight Hart formuliert, aber absolut auch keine Gedanken.
  • droelfmalbumst 21.11.2018 12:52
    Highlight Highlight Jeder soll machen was er will und wie er will. Ich aber verstehe das überhaupt nicht wie man sowas "richtig" finden kann... jedem das seine...

    Unanbhäning ob Juden, Christen, Moslem oder sonst was. Vorzuschreiben wann ich ein Kühlschrank nutzen darf oder ob ich eine Frau/Mann berühren darf... wtf!
  • Joshuuaa 21.11.2018 12:43
    Highlight Highlight Ohne je so leben zu wollen wie die beiden. Sie lehren einen Punkt über die Liebe schön. Lieben ist ein Verb. Lieben ist (auch) etwas, dass man tut.
  • Oppositioneller 21.11.2018 12:40
    Highlight Highlight Nach der Jüdisch-Orthodoxen Community ist die Hindu-Community die zweit verschlossenste und in welcher arrangierte Ehen Alltag sind. Ich Frage mich hätten die beiden eine andere Wahl gehabt? Denke eher nicht, falls sie nicht so tun wie es die Familie möchte werden sie von der ganzen Gemeinschaft ausgeschlossen gibt einige solche Fälle. Achten sollte man auch auf die Vorfahren (Verwandschaftsgrad), es ergeben sich oft Nasen, Kinn/Gebiss und Ohren wie: Habsburger-Kinn und Hämophilie.... leider oft der Fall in solchen Communities...
  • Raembe 21.11.2018 12:39
    Highlight Highlight Gutes Interview.

    Aber nach jedem Toilettengang zu beten stell ich mir mühsam vor. Speziell im Falle von Magendarmproblemen.
    • Esther R. 21.11.2018 20:43
      Highlight Highlight Ne, nimmt um die 12 Sekunden. Man zeigt mit diesem Gebet, dass man den gesunden Körper schätzt.
  • Scrat 21.11.2018 12:24
    Highlight Highlight Jede Religion, geografische Region oder Nationalität hat ihre mehr oder weniger kuriosen Eigenheiten & Klischees. Soll man darüber lachen dürfen? Ich finde ganz klar ja, solange dies auf amüsante und nicht abwertende/ablehnende Art geschieht. Und solange man auch sich selbst nicht allzu ernst nimmt und auch herzhaft über sich selbst lachen kann.

    Dieser Artikel und die junge Familie Lipschitz sind beste „Werbung“ für die Juden in der Schweiz. Sie beweisen, dass sich konservativer Glauben und Weltoffenheit nicht per se ausschliessen. Ich wünsche der Familie alles Gute!
    • Waedliman 21.11.2018 14:26
      Highlight Highlight Schon im Begriff "konservativ" schliesst sich Weltoffenheit aus, denn es geht hier um die Bewahrung von etwas, das das Neue nicht zulassen kann oder darf. Die Verniedlichung von sympathisch wirkenden Menschen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie sich auf einem vielleicht für sie passenden, für eine Gesellschaft aber extrem behindernden Weg befinden, denn sie werden niemals erkennen, dass Vielfalt in der Biologie Erfolg hat und keine biologische oder geistige Inzucht.
    • Scrat 21.11.2018 14:47
      Highlight Highlight @Waedliman: Wer seinen Glauben konservativ auslegt und lebt, der soll das so machen dürfen, solange er dies nicht zum generellen Standard erheben und anderen aufzwingen will. Dies ist Weltoffenheit und vor allem gelebte Toleranz. Es ist völlig egal, an Wen oder Was jemand glaubt, solange er seinen Mitmenschen und der Gesellschaft mit Respekt und Toleranz begegnet. Mit Ihrem Kommentar beweisen Sie in erster Linie, was „geistige Inzucht“ in Ihrem Kopf bereits angerichtet hat.
    • Statler 21.11.2018 15:19
      Highlight Highlight Inwiefern behindern diese Leute denn «die Gesellschaft»?
      Wenn schon, dann stehen sie sich vielleicht selbst im Weg (aus unserer Sicht), aber mich behindern diese Leute nicht im geringsten in meiner Entwicklung. Jeder nach seiner Façon. Solange sie mich nicht dazu zwingen wollen, so zu leben wie sie, hab' ich damit nicht einmal ansatzweise ein Problem.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ms. Song 21.11.2018 12:18
    Highlight Highlight Kinder von orthodoxen werden von klein auf von der Gesellschaft getrennt. Sie kennen gar nichts anderes, als die streng gläubige jüdische Gemeinschaft. Auszubrechen getraut sich so natürlich kaum jemand, denn er würde ja sein ganzes Umfeld verlieren. Da fügt man sich lieber und redet sich ein, dass man glücklich ist. Wobei ich diesem Paar ihre Liebe nicht absprechen will. Wahrscheinlich hatten sie einfach Glück.

    Ich kann nur wenig Verständnis für so ein Leben aufbringen und verurteile es ein Stück weit. Egal, welcher Religion die Gläubigen angehören. Ich würde es auch bei Christen verurteilen
    • DERSCHLECHTESTESCHLECHTMENSCH 21.11.2018 12:45
      Highlight Highlight Wer gibt dir das Recht, andere wegen ihrem Lebensstil zu verurteilen?
    • yanoi 21.11.2018 13:04
      Highlight Highlight ja, auch für mich ist dieses orthodoxe leben schwer vorstellbar... dieses jedoch zu verurteilen liegt mir fern...
      ich kann anderer meinung sein-ohne das meinigenselbst als richtiger oder besser zu halten...
      das verurteilen steht mir nicht zu!... weshalb?... weil ich auch meinem gegenüber nicht zugestehe, über mein leben zu urteilen!...
    • Ms. Song 21.11.2018 13:15
      Highlight Highlight Weil ich es verurteile, wenn Kinder nicht frei aufwachsen dürfen. Wenn sie von ihren Eltern dermassen in ihrem Leben eingeschränkt und fremdbestimmt werden. Ich verurteile, dass man den Frauen einredet, dass sie schmutzig sind und dass Männer sie deshalb nicht berühren dürfen. In meinen Augen sind das sehr heftige Ansichten, die andere in ihrem Sein und ihrer Menschlichkeit diskriminieren und ihrer Würde berauben.

      Dies alles unter dem Deckmantel der Religion. Wenn dies Erwachsene freiwillig tun, ist das ihr Ding. Kinder sind jedoch total ausgeliefert.
    Weitere Antworten anzeigen
  • aglio e olio 21.11.2018 12:13
    Highlight Highlight Interessant wie andere Menschen, gleich nebenan notabene, so leben.
    Was mich brennend interessiert ist, warum die Dame, und nicht nur sie, eine Perücke trägt.
    • Nilda84 21.11.2018 12:24
      Highlight Highlight Was viele nicht wissen - nicht nur Muslime bedecken ihren Kopf. Auch im Judentum kennt man die obligatorische Haarbedeckung. Die Jüdischen Fauen tragen dafür kein Kopftuch sondern meistens Echthaar-Perücken.
    • aglio e olio 21.11.2018 12:39
      Highlight Highlight Ah, danke. Interessanter Punkt für die nächste Kopftuchdebatte. Wenn mal wieder argumentativ auf die "christlich-jüdische Tradition des Abendlandes" hingewiesen wird.
    • Antigone 21.11.2018 12:39
      Highlight Highlight Nach der Heirat müssen/sollten die Frauen eine Perücke tragen. Ist eine Art von Kopfbedeckung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Name beginnt mit D 21.11.2018 12:13
    Highlight Highlight Ich fand den Artikel nett. Die kamen sympathisch rueber. Aber Toilettengang? Und ich dachte, ich kenne mich aus... Ich denke, dass ganze wird halt immer kompliziert, wenn man wie ich nicht hetero ist oder sich in jemand ausserhalb der community verliebt (aber hey, letzteres ist ja auch schwierig fuer einige von uns... Fremdenfeindlichkeit etc.)
  • Janis Joplin 21.11.2018 12:10
    Highlight Highlight "Sogar der Kühlschrank schaltet sich in den Sabbath-Modus" - wie darf ich mir das vorstellen?

    Ganz interessantes Interview - Mazel tov den Beiden ♥
    • Shlomo 21.11.2018 12:20
      Highlight Highlight Das Licht schaltet nicht an wenn du die Tür aufmachst
    • TanookiStormtrooper 21.11.2018 12:23
      Highlight Highlight Vermutlich geht dann das Licht nicht an, wenn man die Kühlschranktür öffnet...
      Wenn man jetzt aber konsequent wäre, dann müsste man ja eigentlich sämtliche Geräte, die am Strom hängen, ausmachen. Also auch den Kühlschrank.
      Als "Papierlichrist" werde ich mir mal wieder "Das Leben des Brian" und "Der Sinn des Lebens" ansehen, das sind meine religiösen Rituale. 😉
    • Janis Joplin 21.11.2018 12:37
      Highlight Highlight 😉Eeeeeevery sperm is saaaacred .....
    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 21.11.2018 12:09
    Highlight Highlight Vielen Dank für dieses Interview!

    Mir ist es unbegreiflich, warum der Film so zerpflückt wird. Das Buch wurde von einem Juden geschrieben, der selber ausgestiegen ist. Dass vieles zugespitzt dargestellt wird, sollten auch Verbissene gemerkt haben - immerhin handelt es sich um eine Satire und nicht um eine todernste Sozialstudie. Nur schon dass die Wolkenbruchs Jiddisch reden, ist wohl eher ein dramaturgischer Griff, als eine in Zürichs jüdischen Gemeinden gelebte Tatsache.

    Meyer zelebriert in seinem Buch die Fähigkeit der Juden, über sich selbst zu lachen. Warum lachen wir nicht einfach mit?
    • Lina-Lou 21.11.2018 13:35
      Highlight Highlight Danke!
    • Waedliman 21.11.2018 14:30
      Highlight Highlight Das Jiddisch ist voll von sehr witzigen und boshaften Flüchen. Ich mag diese Kreativität, sie ist Überlebensimpuls und bringt ein bisschen Licht in die eher dunkle Geschichte eines Volkes, das noch immer nicht angekommen scheint.
    • Göschene-Eirolo 21.11.2018 15:39
      Highlight Highlight Weil mir die Kinder leid tun. Den Kindern eine dermassen rigide und sektenhafte Religion über zu stülpen (egal welche orthodoxe es ist) ist - aus meiner Sicht - ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
    Weitere Antworten anzeigen
  • kick 21.11.2018 12:06
    Highlight Highlight Wirklich eine wunderschöne Frau
  • AlteSchachtel 21.11.2018 11:24
    Highlight Highlight Dank des 2012 erschienen Buches konnten sich kulturell Interessierte mit Humor jahrelang köstlich über die charmante und liebevolle Mutter-Sohn-Beziehungs-Komödie amüsieren. Die Grossmutter, die den Tod frustriert etc. - unglaublich witzig!

    Wieso wird jetzt mit dem Film die ganze Geschichte politisch und pseudointuektuell zerpflückt??

    "Alles auf Zucker", ein herrliche Komödie von D.Levy, konnte man auch einfach als liebevoll erzählte Geschichte stehen lassen.

    Schade!
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Was macht den harten Mann so zart? Die Geheimnisse hinter «Wolkenbruch»

Der einstige Zürcher Bad Boy Michael Steiner hat aus dem Bestseller von Thomas Meyer eine hinreissende Komödie gemacht. Wie kommt's? Uns hat er alles erzählt. Und noch ein paar lustige Anekdoten mehr.

Als ich vor 22 Jahren nach Zürich kam, war «der Steini» ein Liebling des Stadtgesprächs. Er hatte gerade «Nacht der Gaukler» gedreht, schwarz-weiss, radikal, etwas zwischen frühem Godard und spätem Tarkowski. Der Film lief auch in irgendeiner Sektion in Cannes und alle, die darin mitspielten, begriffen sich als neue Gesichter der europäischen Arthouse-Avantgarde.

Ich habe den Film bis heute nicht gesehen, dafür viele andere. «Mein Name ist Eugen» (nationaler Lieblingsfilm), «Grounding – Die …

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