Schweiz
SBB

Mit dem SBB-Nachtzug nach Amsterdam? Das soll bald möglich sein

ZUM THEMA NACHTZUEGE STELLEN WIR IHNEN HEUTE FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL DES NIGHTJETS DER OESTERREICHISCHEN BUNDESBAHNEN, OEBB, ZUR VERFUEGUNG --- [Staged Picture] Passengers in a couchette compartm ...
Die SBB wollen bald wieder Nachtzüge anbieten.Bild: KEYSTONE

SBB mieten Nachtzüge – ab 2021 sollen sie nach Amsterdam rollen

Der Ausbau des Nachtzug-Netzes geht voran. Dabei setzt die Bahn auf gemietetes Rollmaterial – und die finanzielle Unterstützung durch die Politik.
18.08.2020, 06:1218.08.2020, 08:19
Stefan Ehrbar / CH Media
Mehr «Schweiz»

Die SBB wollen die Schweiz wieder mit Nachtzügen mit Europa verbinden. Dafür mieten sie bei der deutschen RDC Asset GmbH, einer Tochterfirma der Railroad Development Corporation aus den USA, Schlaf- und Liegewagen. Der Zuschlag wurde am 15. August erteilt. Der Auftrag beinhaltet die Bereitstellung und den Unterhalt der Wagen für die Periode von Dezember 2021 bis Dezember 2024. Eine Verlängerung um ein Jahr ist möglich.

Wie die CH-Media-Zeitungen aus mit der Planung vertrauten Quellen erfahren habem, sollen die Züge ab Dezember 2021 zwischen Zürich und Amsterdam verkehren. Die SBB bestätigen dies nicht.

Ein Sprecher sagt nur, man habe Amsterdam schon früher als Destination im Kontext des vorgesehenen Ausbaus des Nachtzugnetzes genannt. Die SBB wollen voraussichtlich im Herbst genauer zu ihren Nachtzug-Plänen informieren.

Ältere Wagen mit WLAN und Klimaanlage

Die RDC ist mit dem «Alpen-Sylt-Express» bereits im Nachtzug-Geschäft tätig. Dabei setzt das Unternehmen auf ältere Wagen, die aber mit Steckdosen, WLAN und Klimaanlagen aufgerüstet wurden. Welche Wagen genau für die SBB in den Einsatz kommen, wurde nicht kommuniziert.

Eine Premiere ist die Verbindung nach Amsterdam nicht. Sie hatte es schon bis Ende 2016 gegeben. Damals wurde sie von der Citynightline betrieben, der Nachtzug-Tochter der Deutschen Bahn (DB). Diese zog sich 2016 aus dem Nachtzug-Geschäft zurück. Es sei defizitär und die Betriebskosten stiegen stetig. Zudem sei das Rollmaterial überaltert, argumentierte die DB damals. Die SBB hatten ihre letzten Nachtzüge schon 2009 aufgegeben.

Die ÖBB dominieren das Geschäft

Nach dem Aus von Citynightline sprangen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in die Bresche. Sie übernahmen einen Teil der Verbindungen und bauen seither ihr Nachtzugnetz unter dem Markennamen Nightjet stetig aus.

Die Linien ab Zürich spielen eine wichtige Rolle: Derzeit fahren ÖBB-Nachtzüge ab der grössten Schweizer Stadt nach Graz, Wien, Berlin, Hamburg, Prag, Budapest und Zagreb. Die Züge in Richtung Deutschland halten auch in Basel.

Reich werden auch die ÖBB mit dem Geschäft nicht. Gegenüber der NZZ sprach ÖBB-Chef Andreas Matthä letztes Jahr von einer «schwarzen Null». Doch die Kundenzahlen steigen stetig, weshalb auch die SBB in Kooperation mit den ÖBB wieder mehr Energie in die Nachtzüge investieren wollen.

SBB arbeitet mit ÖBB zusammen

Die SBB müssen nun selber Rollmaterial anmieten, weil die neuen Nachtzüge der ÖBB noch nicht rechtzeitig bereitstehen. Die ÖBB haben bei Siemens vorerst 13 moderne Nachtzug-Kompositionen bestellt. Diese dürften dereinst auch auf den Linien aus der Schweiz hinaus zum Einsatz kommen. Die ersten Kompositionen sollen 2022 rollen.

Bei den SBB heisst es, gemeinsam mit den ÖBB habe man in den vergangenen Monaten verschiedene Ausbauoptionen geprüft und bewertet. Das für den Nachtverkehr geeignete Rollmaterial sei nur sehr begrenzt verfügbar, sagt ein Sprecher. «Das setzt einem kurzfristigen Ausbau enge Grenzen.» Darum wollten die SBB die Möglichkeit nutzen, entsprechendes Rollmaterial zu mieten.

SBB brauchen Gelder für Betrieb

Zuletzt stieg die Zahl der Reisenden auf den Nachtzügen deutlich. 2019 resultierte auf den Verbindungen aus der Schweiz laut Zahlen der SBB ein Wachstum von mehr als 25 Prozent. Dass die SBB das Geschäft wieder forcieren, hat aber nicht nur damit zu tun. Gleichzeitig hat der politische Wind gedreht. Eine Subventionierung von Nachtzügen über die Erlöse von CO2-Abgaben scheint in Griffweite.

Schon mit den heute bestehenden Nachtzügen würden jährlich 50'000 Tonnen CO2 gespart, heisst es bei den SBB. Doch der Ausbau benötige Geld. «Ein wirtschaftlicher Betrieb von Nachtverkehren ist ohne zusätzliche Fördermittel nicht möglich», sagt ein Sprecher. Das revidierte CO2-Gesetz, das im Herbst im Ständerat beraten werden soll, sehe diese Förderung grenzüberschreitender Zugreisen inklusive Nachtzüge als Alternative zu Flugreisen mit Klimafonds-Geldern vor.

Da die Vorlaufzeiten aber sehr lang seien, hätten sich die SBB dafür entschieden, jetzt schon zu handeln und sich das entsprechende Rollmaterial zu sichern. Als mögliche Destinationen für künftige Nachtzüge aus der Schweiz haben die SBB früher auch Rom, Barcelona und Kopenhagen genannt.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Nachtzüge aus aller Welt
1 / 9
Nachtzüge aus aller Welt
Nachtzüge aus aller Welt: Ein Designer hat alle Nachtzüge auf einer Karte zusammengefasst. In der Bildstrecke geben wir einen Einblick in verschiedene Nachtzüge rund um den Globus. Fangen wir mit Indien an:
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So freuen sich die Klima-Aktivisten über die Rückkehr der Nachtzüge
Video: sda
Das könnte dich auch noch interessieren:
101 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bravo
18.08.2020 06:43registriert Juli 2018
Wenn die ÖBB das macht, kommts schon gut. Nachtzüge von Zürich nach Rom und Barcelona wären sehr wünschenswert.
2408
Melden
Zum Kommentar
avatar
Frechsteiner
18.08.2020 07:01registriert März 2019
Sehr gute Nachrichten, leider werden bis 2024 noch Wagen aus den 70ern angemietet, ob man mit den alten Kisten etwas schlaues auf die Gleise stellen kann weiss ich nicht. Sehe ich ja dann au der ersten Fahrt
858
Melden
Zum Kommentar
avatar
Matz
18.08.2020 08:10registriert Mai 2014
Statt der blöden flugis und panzer kaufen wir 100 schlafwagen und fahren dahin wo es uns gefällt. Produzieren tun wir die grad selber möglichst klimaneutral und unterstützen heimisches Gewerbe. ;-)
7420
Melden
Zum Kommentar
101
«Heute wird es nichts mehr» – Flug-Reisende genervt über IT-Ausfälle am Flughafen Zürich
Wegen eines weltweiten IT-Ausfalls wurden am Flughafen Zürich rund 100 Flüge annulliert, während der Euroairport in Basel kaum betroffen ist. Dass sie nun ihre Flüge umbuchen müssen, ärgert viele Reisende.

Der globale IT-Ausfall am Freitag hat den Flughafen Zürich eine Zeit lang praktisch lahmgelegt. Rund 100 Flüge seien in der Folge annulliert worden, sagt Mediensprecherin Manuela Staub vor Ort zu watson. Und das mitten in der Ferienzeit.

Zur Story