Schweiz
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Verdacht bestätigt: Defekter Einklemmschutz führte zu tödlichem Unfall bei SBB



Ursache für den tödlichen Unfall eines SBB-Mitarbeiter beim Bahnhof Baden AG war defekter Einklemmschutz an der Tür des Wagentyps EW IV. (Archivbild)

Ein SBB-Mitarbeiter erklärt den Einklemmschutz (Archivbild). Bild: KEYSTONE

Die Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust hat an der Türe des SBB-Wagens, in die ein Zugchef eingeklemmt und tödlich verletzt wurde, Mängel festgestellt. Der Einklemmschutz funktionierte nicht. Das Kontrollsystem kann zudem dem Lokführer falsche Informationen anzeigen.

Wegen technischer Mängel blieb die Schliesskraft der Türe erhalten, wie die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) am Mittwoch in ihrem Zwischenbericht schreibt. Der 54-jährige Zugchef wurde bei der Abfahrt aus dem Bahnhof Baden AG am Samstag, 4. August, um 00.10 Uhr, mitgeschleift und tödlich verletzt.

Eine lose Verbindung beim Druckwellenschalter der Türe 4 des betroffenen Wagens hatte zur Folge, dass die Schliesskraft der Türe nicht abgebaut wurde, wenn sie auf ein Hindernis traf. Damit war der Einklemmschutz nicht wirksam.

Bild

Lose elektrische Verbindung beim Druckwellenschalter der Türe 4. bild: sust

Der Sensor «Türe zu 98 Prozent geschlossen» soll systembedingt die Einklemmschutzfunktion kurz vor den Endschliessung der Türe deaktivieren. Gemäss der Untersuchung spricht der Sensor nicht immer an der gleichen Position an.

Dies bedeutet, dass der Einklemmschutz bereits vor 98 Prozent des Schliessvorgangs abgeschaltet wird. In diesem Zustand kann ein Gegenstand von einer bestimmten Grösse eingeklemmt werden, ohne dass ein Druckabbau erfolgt.

Der Zustand der Türen wird gemäss Sust-Zwischenbericht dem Lokführer mittels einer roten Kontrolllampe im Führerstand angezeigt. Bei leuchtender Lampe sei mindestens eine Türen offen, bei erloschener Lampe seien alle Türen verschlossen und verriegelt.

«Falsche Information» für Lokführer

Das System führt gemäss Sust dazu, dass bei der Blockierung eines dieser beiden Schalter, die Tür unabhängig von der effektiven Position des Türflügels permanent als geschlossen gemeldet wird. Daher könne das System dem Lokführer eine falsche Information über den Schliesszustand der Türen anzeigen.

«Der Lokführer muss den via die rote Kontrolllampe übermittelten Informationen über die Türschliessung vertrauen können», heisst es im Zwischenbericht weiter. Das aktuell eingebaute Systems erfülle diese Anforderung nicht.

Das genaue Zusammenspiel zwischen den Mängeln und dem Unfall wird die Sust in ihrem Schlussbericht darlegen. Sie empfiehlt dem Bundesamt für Verkehr (BAV), den Fahrzeughalter, also die SBB, aufzufordern, das heutige System für die Inaktivschaltung des Einklemmschutzes auf dem Einheitswagen IV durch ein zuverlässiges System zu ersetzen.

«Unsicherheit beim Lokpersonal»

In die Türen eingeklemmte Personen oder Gegenstände müssten mit hoher Sicherheit festgestellt werden, hält die Sust fest. Das heutige System der Einheitswagen IV mit der Parallelschaltung von zwei Türendschaltern erfülle diese Anforderung nicht.

Die Tür könne dem Lokführer als geschlossen gemeldet werden, obwohl diese nicht ganz verschlossen sei. «Dies führt zu Unsicherheit beim Lokpersonal und kann zu Unfällen führen», steht im Zwischenbericht.

Die SBB lässt nach eigenen Angaben die Empfehlungen der Sust in ihre eigenen Untersuchungen einfliessen. Man arbeite bereits an konkreten Massnahmen zu den Empfehlungen, schreiben die SBB in einer Stellungnahme.

Die Einheitswagen IV könnten weiterhin sicher betrieben werden. Es sei daher nicht nötig, die Bahnwagen ausser Betrieb zu nehmen. Die Sofortmassnahmen gewährleisteten die Sicherheit von Reisenden und Mitarbeitenden.

SBB setzen auf zusätzliche Kontrollen

Die SBB unterziehen derzeit alle Türen des betroffenen Wagentyps einer zusätzlich Kontrolle. Rund zwei Drittel aller Wagen seien kontrolliert. Türen, bei denen ein Mangel festgestellt werde, würden entweder umgehend instandgesetzt, gesperrt oder als defekt gekennzeichnet.

Anschliessend werde der Wagen wieder in Betrieb gesetzt und zum nächstmöglichen Zeitpunkt repariert. Falls nötig, würden die Wagen in den SBB Servicestandorten zurückbehalten, bis sie instand gesetzt seien.

Die SBB haben als Reaktion auf den tödlichen Arbeitsunfall eines Zugchefs auch den Abfertigungsprozess überprüft und mit den Sozialpartnern diskutiert. Der heute gültige Abfertigungsprozess sei für die Kunden und das Personal sicher, heisst es in der Stellungnahme.

Eine interne Expertengruppe prüfe, ob es Prozessanpassungen gebe, welche die Sicherheit weiter erhöhten. Diese Analysen würden auch mit der Personalkommission besprochen. (sda)

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tom Scherrer (1) 22.08.2019 22:33
    Highlight Highlight es gab ja schon dutzende Vorfälle mit diesem Schliessmechanismus. Dutzende. Kunden wie Mitarbeiter sind betroffen.

    Was genau wollten die denn jetzt rausfinden? Sind die Kunden eventuell falsch ausgestiegen oder wie.

    Dieser Maier ist sowas von unglaubwürdig. unglaublich sowas. Nachfolger suchen, Lohn und Bonus halbieren. basta.
  • Pbel 21.08.2019 16:28
    Highlight Highlight Systeme mit nur einem Mechanismus können nie zu 100% sicher sein, da ein Defekt nicht von einem Backup System erkannt wird.
    Zudem muss man sicherstellen das es keine False-Positives gibt, sonst können die Züge nicht losfahren, obwohl kein Problem besteht.
    Aber das bedeutet das solche Systeme während der Wartung regelmässig aktiv geprüft hätten werden sollen. Das scheint wohl nicht geschehen zu sein.
  • Astrogator 21.08.2019 14:44
    Highlight Highlight Im SUST-Bericht steht noch ein interessantes Detail. Alle 4 Türen am Wagen wiesen denselben Defekt auf.

    Es kann jeder selber abschätzen was wahrscheinlicher ist:
    1. die Türen werden regelmässig gewartet und geprüft wie Meyer behauptet und innerhalb von gut 10 Tagen haben alle Türen denselben Schaden, oder
    2. Die Vorwürfe des Personals, dass auf Kosten der Sicherheit gespart wird sind doch nicht haltlos und unbegründet wie das SBB-Topmanagement behauptet
  • Dominik Treier 21.08.2019 14:11
    Highlight Highlight Wie wäre es jetzt einfach bei der Inspektion einen zusätzlichen Sensor einzubauen der Anzeigt, ob die Tür zu 100% geschlossen ist und erst dann dem Lokführer die Weiterfahrt erlaubt? Würde vielleicht Geld kosten, das Problem aber beheben.
  • Hakuna!Matata 21.08.2019 12:34
    Highlight Highlight Das erklärt leider immer noch nicht, warum sich der Zugbegleiter überhaupt ausserhalb des Zuges befand, als die Türen schlossen. Laut dem von der SBB als sicher bezeichneten Prozess dürfte dies nämlich nicht passieren. Die Türen werden vom Zugbegleiter geschlossen, nachdem er den Zug selbst bestiegen hat.
    • Astrogator 21.08.2019 13:32
      Highlight Highlight Die letzte, seine Türe wird geschlossen wenn er eingestiegen ist. Leider ist (schon lange) bekannt, dass es zu Fehlfunktionen kommen kann und alle Türen geschlossen werden.

      Und der Zugbegleiter steht in der Pflicht festzustellen, dass niemand eingeklemmt ist. Deshalb muss er den Zug überwachen. Denn wenn ein Kunde so zu Tode kommt ist es der Zugbegleiter der ins Gefängnis geht und nicht das für mangelhafte Prozesse und fehlende Wartung verantwortliche Kader.
    • Dominik Treier 21.08.2019 14:10
      Highlight Highlight Eventuell hat er den Schlüssel zum Schliessen der Tür eingeführt, während er noch in der Tür stand und wollte dann noch mal einen Blick hinaus werfen. Habe dies schon mehrmals gesehen. Hat vieleicht dann die Schliessung zu früh ausgelöst und ist gestolpert...
    • James Twenty 21.08.2019 23:44
      Highlight Highlight Das wäre dann der von Astrogator erwähnte technische Defekt. Die eigene Türe dürfte nämlich nicht durch denn UIC Schliessbefehl mittels 4-Kantschlüssel geschlossen werden. Diese Türe schliesst der Zugchef erst nach dem Einsteigen durch drücken eines separaten Knopfes.
    Weitere Antworten anzeigen
  • JJTheBigDog 21.08.2019 12:27
    Highlight Highlight Indirekt ist auch Bombardier schuld. Nur weil dort geschlampt; unpünktlich und unzuverlässig gearbeitet wird, sind diese Wagen überhaupt noch in Betrieb.
    • Dominik Treier 21.08.2019 14:07
      Highlight Highlight Das stimmt nun aber kein Bisschen. Die Doppelstockfernverkehrstriebwagen von Bombardier waren nie als endgültiger Ersatz für die EWIV vorhesehen, sondern nur für Kapazitätsausbau im Fernverkehr und das schrittweise Ersetzen von altem Rollmaterial. Ich bin nicht sicher ob die SBB schon einen Nachfolger auserkoren und bestellt hat, sollten die EWIV dereinst ausgemustert werden oder ob dies schrittweise erfolgen soll...
  • dmark 21.08.2019 12:20
    Highlight Highlight In der Regel schaltet man Sensoren "im Ruhezustand aktiv", weil ein Defekt oder ein loses Kabel der Steuerung dann einen Fehler aufzeigt. In diesen Fall eben eine permanent offene Tür.
    Allerdings lassen sich solche Fehler nie gänzlich ausschliessen.
    • Bits_and_More 21.08.2019 14:01
      Highlight Highlight Oder es liegen konstant keine 24V an, sondern es wird ein digitales Signal übermittelt, so können Kabelbrüche und Kurzschlüsse zuverlässig erkannt und ausgewertet werden.
  • Joe Smith 21.08.2019 11:50
    Highlight Highlight Ich bin immer wieder fasziniert, wie es Journalisten fertig bringen, einen einfachen und klaren Bericht so chaotisch zusammenzufassen, dass man nichts mehr versteht.
  • Leader 21.08.2019 11:22
    Highlight Highlight Die SBB lässt die Empfehlungen der SUST in ihre Untersuchungen einfliessen......
    Hätten die SBB Verantwortlichen auf interne Meldungen zu genau diesen Vorfällen richtig reagiert- würde der Mann noch leben.
    Es ist an der Zeit- ich fordere sie erneut auf Herr Meyer- zeigen sie Verantwortung.
    Gerne sage ich ihnen wie!
    • Meyer Andrej 22.08.2019 19:09
      Highlight Highlight Genau so ist es! Man wollte diese Dinge nicht hören und es war den Stellen egal!
  • Eluegitzda 21.08.2019 10:44
    Highlight Highlight . . . und der Meyer will von defekten Türen nichts gewusst haben! Eine einfältigere Ausrede gibt es nicht!
    • Astrogator 21.08.2019 13:35
      Highlight Highlight Das halte ich für möglich und per se nicht mal tragisch. Aber dass er 2 Wochen nach dem Unfall öffentlich aussagt, er wisse nicht ob sein Chef Sicherheit davon wusste zeigt klar seine Prioritäten:
      1.der eigene Bonus
      2.das persönliche Image.

      Sicherheit interessiert ihn nur insofern als das Sicherheit Geld kostet und das mag er gar nicht.
    • Meyer Andrej 21.08.2019 20:07
      Highlight Highlight ESQ erstellen, wenn nicht gehandelt wird, weiter zum nächsten Chef, dann zum Sicherheitschef, Vogt hiess dieser mal, egal wem Du schreibst, jeder delegiert gegen unten und Du bekommst schlussendlich von den selben Schwätzern die Antworten. Ein Trauerspiel und eine Schande für die zielgerichtete Problemlösung und rasches Handeln zum Schutze der Kunden. Es gibt ja auch Zugsicherungselemente an Signalen die einfach 1 Woche ausser Betrieb sind, wie z. B. Weichensignale auf den ETCS Strecken, man wird nicht mal informiert, es interessiert keinen, aber nachher schreien sie alle Sicherheit so fuck?
  • Madison Pierce 21.08.2019 10:25
    Highlight Highlight Man muss wohl damit leben, dass es ein loses Kabel geben kann. Deshalb gibt es ja das System der Freimeldung: man würde eingeklemmt, aber der Lokführer würde nicht abfahren, da er sieht, dass nicht alle Türen verschlossen sind.

    Aber dass in mehreren Wagen (wohl seit Jahren) Schalter falsch verkabelt sind, so dass eine teilweise geschlossene Türe als geschlossen angezeigt wird, darf nicht vorkommen. Das hätte bei Tests auffallen müssen.
    • Astrogator 21.08.2019 10:44
      Highlight Highlight Einem gelernten Mech oder Elektriker fällt das auf, aber ungelernte Temporäre sind billiger..
    • pachifig 21.08.2019 11:50
      Highlight Highlight Dies war schon lange bekannt und durch das Personal auch mehrmals gemeldet worden.
    • IsRa 21.08.2019 12:41
      Highlight Highlight Wenn es Angestellte (alles wisser Deutsche) wie bei Der RICO in Winterthur gibt, dann wundert es mich nicht wenn solche unfälle passieren.
      Die Deutschen sind (theoretisch) in jeder hinsicht Gut und machen Ihren Job mit bestem “wissen und (gewissen)”
      Hab ich selber erlebt! Die lassen Sicherheitsrelevante module die Türen und Notrufanlagen Werden nicht geprüft
      Hatt mir nicht gepas als Dankeschön das ich mich geweigert habe meine Arbeit so zu machen wie deutschen kollegen, wurde ich gekündigt.
      Habe das bei SBB Bern deswegen gemolden, es wurde nie etwas unternommen! Wollten nichts davon hören!!
    Weitere Antworten anzeigen
  • tromboner 21.08.2019 10:13
    Highlight Highlight Das sieht nicht gut aus für die SBB, die Instandhaltung und den Hersteller des Schliesssystemes... Traurig dass es soweit kommen musste!
  • Astrogator 21.08.2019 10:08
    Highlight Highlight Der Prozess sei absolut sicher meinte das Kader, der getötete Kollege sei selbst Schuld meinte Loser...

    Und nun das.

Nachbarschafts-Streit: Aargauer Hanfbauer gibt 30 Schuss mit Schreckschuss-Pistole ab

Da er Einbrecher auf seinem Grundstück fand, gab in Kölliken AG ein Hanfbauer mehrere Schreckschüsse aus einer Pistole ab – und löste damit einen Grosseinsatz der Polizei aus.

Auf einem Hanf-Bauernhof in Kölliken wurden am Samstagabend zwischen 20 und 30 Schuss abgefeuert. Mehrere Bewohner der umliegenden Häuser hätten daraufhin den Notruf gewählt und die Polizei gerufen.

«Da wir nicht genau wussten, was da passiert war, schickten wir mehrer Polizeiwagen zum besagten Hof», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau auf Anfrage. Da die eingegangenen Anrufe von einer regelrechten Schiesserei berichtet hätten, seien die Patrouillen mit schwerer …

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