Schweiz
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Uni-Austauschprogramme vor dem Scherbenhaufen

Hunderte Erasmus-Verträge müssen neu verhandelt werden

Auf der Suche nach einer Lösung für das Austauschprogramm Erasmus zeichnet sich keine Zauberlösung ab. Hunderte von Verträgen mit europäischen Partner-Unis müssen neu verhandelt werden. Der Rektor der Universität Zürich warnt vor dem Imageschaden, welcher dem Hochschulstandort Schweiz droht.



Am Montag trafen sich die Mobilitätsbeauftragten der Schweizer Hochschulen mit Vertretern des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in Bern, um über die Zukunft des Erasmus-Programms unter den Vorzeichen der Zuwanderungsinitiative zu beraten.

Bei dem Treffen habe sich kein Patentrezept abgezeichnet, sagte Antoinette Charon Wauters, die Mobilitätsverantwortliche der Universität Lausanne, am Dienstag der Nachrichtenagentur sda. Die gute Nachricht sei, dass die Hochschulen alle am gleichen Strang zögen. Die schlechte Nachricht sei, dass niemand genau wisse, wie es weitergehe.

Die Vertreter des Staatssekretariats für Bildung hätten den Mobilitätsverantwortlichen aufmerksam zugehört und würden den Hochschulen «in ein paar Wochen» Vorschläge unterbreiten, sagte Charon Wauters weiter.

Seit dem Ja zur Zuwanderungsinitiative erhalte die Universität Lausanne täglich Absagen an ihre Studenten für Studienplätze an Partner-Universitäten, sagte Charon Wauters. Die Universität Lausanne habe mit Partnerhochschulen insgesamt 400 Erasmusverträge abgeschlossen. Nun müsse sie mit jeder Partner-Institution die Verträge einzeln neu aushandeln.

In beide Richtungen blockiert

Über den drohenden Schaden für die Schweizer Hochschulen durch die Zuwanderungsinitiative sprach am Dienstag auch Michael Hengartner, der neue Rektor der Universität Zürich.

Ohne EU-Förderung sei es für europäische Studenten derzeit «weniger attraktiv, in die Schweiz zu kommen», erklärte Hengartner anlässlich einer Medienkonferenz einen Monat nach seinem Amtsantritt. Da die Austauschprogramme reziprok seien, könnten dann auch keine Schweizer Studenten an diese Universitäten gehen.

Damit der Studentenaustausch im Herbst 2014 stattfinden kann, müssten jetzt rasch neue Verträge mit zahlreichen Universitäten ausgehandelt werden. Da die Schweiz künftig nicht nur Schweizer Studenten im Ausland, sondern auch europäische, die in die Schweiz kommen, fördern muss, würden die Kosten steigen.

Da gleichzeitig administrativer Aufwand eingespart würde, bliebe dies jedoch in einem verkraftbaren Rahmen, sagte der 47-jährige Uni-Rektor.

ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS DIE SCHWEIZ DEFINITIV NICHT MEHR AM AUSTAUSCHPROGRAMM

BiIvan Ordas Criado von der Universität Neuenburg spricht zu den anwesenden Studenten während der symbolischen Beerdigung des Forschungsabkommens Horizon 2020 und des Studentenaustausch-Programmes Erasmus vor dem Bundeshaus, am 20. Februar 2014 in Bern. Bild: KEYSTONE

Imageschaden

Wichtiger als der finanzielle Schaden ist aus Sicht von Hengartner der Imageschaden, den die Schweiz durch den Ausschluss aus den europäischen Austausch- und Forschungsprogrammen erfährt.

Am härtesten treffe die Schweizer Universitäten der Wegfall der Stipendien des europäischen Forschungsrates (ERC). Sie fördern einzelne Forscher mit bis zu zwei Millionen Euro und werden in einem kompetitiven Verfahren vergeben. Als Drittstaat darf sich die Schweiz nicht mehr bewerben. «Es gibt keine Alternative für diese Exzellenz-Währung», sagte Hengartner. «Das ist ein Loch bei den Besten.»

Auch die wahrgenommene Ausländerfeindlichkeit der Schweiz könnte ins Gewicht fallen, wenn sich Spitzenforscher zwischen einer Schweizer oder einer ausländischen Universität entscheiden müssen. So etwas sei allerdings nur einer von vielen persönlichen Entscheidungsfaktoren.

Mehr Politik

Die hohe Zahl von ausländischen Studierenden und Professoren an Schweizer Universitäten sei kein Problem, sondern eine Stärke, von der das Land profitiert, betonte Hengartner. «Internationalität bringt enorm viel Qualität.» Ihr verdanke die Schweiz ihren Spitzenplatz in der Wissenschaft. Hengartner gehört denn auch zu den 400 Erstunterzeichnern eines am Dienstag veröffentlichten «Appells für einen offenen europäischen Hochschulraum», den der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) initiiert hatte.

Hengartner schliesst nicht aus, dass sich die Universitäten in ähnlichen Situationen in Zukunft stärker in den Wahlkampf einmischen werden.« Man kann sich vorstellen, dass die Hochschulen künftig aus dem Elfenbeinturm heraustreten.» Alle betroffenen Kreise sollten ihre Meinung in den politischen Prozess einbringen dürfen.

Michael Hengartner hat sein Amt bereits am 1. Februar angetreten, da sein Vorgänger Andreas Fischer im Zuge der «Affäre Mörgeli» im November vorzeitig zurückgetreten war. In der Zwischenzeit hatte Prorektor Otfried Jarren die Rektoratsgeschäfte ad interim geführt. (sda)

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