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ETH Zürich.

Die ETH, eine der renommiertesten Schulen der Welt, steht wegen einer beantragten Entlassung in der Kritik. bild: keystone

Mobbende Professorin erhebt neue Vorwürfe – jetzt soll der Bund einschreiten

Korruptions-Vorwürfe: Weil die ETH befangen sei, müsse das Parlament eingreifen, fordert die umstrittene Astronomie-Dozentin Marcella Carollo. Elf Professorinnen verteidigen in einem internen Brief aber die Schule.

Yannick Nock / ch media



Zurzeit sucht der ETH-Rat nach geeigneten Personen, um eine externe Untersuchung zu leiten. Sie sollen den jüngsten Anschuldigungen auf den Grund gehen, welche die renommierteste Schule des Landes betreffen. Die Physik-Professorin Ursula Keller wirft der ETH Zürich Korruption und Sexismus vor. Die Hochschule werde von inoffiziellen Koalitionen gelenkt, die sämtliche Macht auf sich vereinen würden – und diese missbrauchten. Ausserdem sei das Physikdepartement für Frauen ein Haifischbecken, sagte Keller in einem Interview mit dem Online-Magazin «Republik».

Mit den Aussagen sprang Keller ihrer Kollegin Marcella Carollo zur Seite. Die als «mobbende Professorin» bekannt gewordene Astronomie-Dozentin dürfte bald freigestellt werden, weil sie über Jahre Doktoranden schikaniert haben soll. Es wäre die erste Entlassung in der 164-jährigen Geschichte der ETH. Dagegen wehrt sich Carollo, die sich selbst als Opfer einer Intrige sieht. Der Fall sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. Nun äussert sich Carollo zu den Vorwürfen ihre Kollegin Keller an die Hochschule. «Ich habe dieselben Bedenken wie sie», sagt Carollo. Wie die ETH Führungspositionen besetze, sei nicht transparent. Ausserdem würden Männer besser behandelt. «Für Frauen ist es deutlich schwieriger, eine Professorenstelle zu erhalten.»

Carollo bezweifelt, dass die angekündigte Untersuchung Klarheit schafft. Sie kritisiert, dass der ETH-Rat selbst die externen Personen aussucht, die den Korruptions-Vorwürfen auf den Grund gehen sollen. Echte Unabhängigkeit und eine faire Aufarbeitung seien so nur schwer möglich. Sie fordert deshalb: «Der Bund muss einschreiten.» Das Parlament solle die Untersuchung überwachen. «Wir haben an meinem Beispiel gesehen, wie voreingenommen die ETH sein kann.»

Marcella Carollo

Marcella Carollo Bild: eth

Ein offener Brief der FrauenÜber den Mobbing-Fall haben auch internationale Medien berichtet. Carollo sagt, sie habe viel Zuspruch von Professorinnen weltweit erhalten. Einige hätten mit ähnlichen Anschuldigungen zu kämpfen. Eine Kollegin aus Deutschland schrieb ihr: «Ich werde wie eine Kakerlake behandelt.» Carollo sieht ein generelles Problem: «Frauen werden bestraft, nicht für etwas, das sie getan haben, sondern weil eine Gruppe sie einfach nicht mag.»

Die Berichterstattung hat nun aber auch eine Gegenreaktion unter den ETH-Professorinnen ausgelöst. In einem Brief an den ETH-Rat und die Schulleitung, der dieser Zeitung vorliegt, stellen sich elf Professorinnen hinter die Hochschule. Angeführt von den Departementsvorsteherinnen Nina Buchmann (Umweltwissenschaften) und Viola Vogel (Gesundheitswissenschaften und Technologie) schreiben sie, dass sie eine andere Kultur erlebten als jene, die in der Presse dargestellt werde. Sie sprechen von einer Ermöglichungskultur. «Das wollen wir klar zum Ausdruck bringen», heisst es darin. Trotzdem müssten die Reformen weitergehen. «Für uns ist die Erhöhung des Frauenanteils in der Professorenschaft das dringendste Anliegen.»

Tränen im Büro

Auslöser der nun monatelang schwelenden Krise an der Elite-Universität war eine Gruppe Doktoranden. Sie berichteten 2017, jahrelang von Professorin Carollo gemobbt worden zu sein. Sie habe Frauen aufgefordert, weniger Zeit für Make-up und mehr für die Forschung zu verwenden. Einem Doktoranden soll sie auf die Stirn getippt haben mit den Worten: «Das ist zu klein für die Inhaltsaufnahme.»

Die Fragen von CH Media beantwortet Carollo schriftlich, gemeinsam mit ihrem Anwalt. Sie weist die Anschuldigungen von sich. «Ich habe nie über die Gehirngrösse von jemandem gesprochen. Das stimmt einfach nicht.» Andere Vorkommnisse bestätigt sie hingegen. In ihren 15 Jahren an der ETH seien tatsächlich zwei Studenten in ihrem Büro in Tränen ausgebrochen. «Ich habe immer mit Sympathie und Ermutigung reagiert.» Die Tränen hätten nichts mit ihr zu tun gehabt. Es ginge jetzt darum, sie als Monster darzustellen.

Joel Mesot, Praesident ETH Zuerich aeussert sich an einer Medienkonferenz zum Kompetenzzentrum zur Cyber-Sicherheit, am Dienstag, 19. Maerz 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

ETH-Präsident Joël Mesot Bild: KEYSTONE

Auch der neue ETH-Präsident, Joël Mesot, habe sie nie zu den Anschuldigungen befragt. «Wir haben uns nur einmal für 20 Minuten getroffen. Er teilte mir mit, dass ich entlassen werden soll.» Fragen habe er ihr keine gestellt. Die ETH schreibt, dass die Untersuchung damals bereits abgeschlossen war. Es sei Mesot ein Anliegen gewesen, ihr die Entscheidung persönlich mitzuteilen.

Droht der ETH ein Abstieg?

Wie es mit Carollo weitergeht, ist offen. Eine Entlassung durch den ETH-Rat ist wahrscheinlich. Und auch das Interview ihrer Kollegin Keller dürfte ein Nachspiel haben. Man müsse die Untersuchung abwarten, sagt Mesot. Allerdings fühlt sich die ETH-Spitze übergangen: «Das Interview beinhaltet massive, jedoch völlig unbelegte Vorwürfe», sagt Mesot. Für ihn sei das absolut inakzeptabel. «Das Ergebnis der Untersuchung wird Konsequenzen haben.»

Keller fürchtet nicht um ihre Stelle, wie sie auf Anfrage sagt. «Ich möchte der ETH helfen, obwohl ich zuerst schlechte Nachrichten mitteilen muss.» Bislang habe die Führung die Strategie verfolgt, Missstände unter den Teppich zu kehren. Wenn sich die ETH nicht reformiere, drohe ein rascher Abstieg aus den Top 10 der Hochschulen. Die dilettantische Behandlung des Falls Carollo, der gravierende strukturelle Probleme offenbare, wirke weltweit abschreckend, sagt sie. «Wir brauchen externe Hilfe, um all die Probleme zu beheben.» Die ETH könne damit wegweisend sein für viele Universitäten. (bzbasel.ch)

«Professoren und Professorinnen besitzen sehr viel Macht.»

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Video: srf/SDA SRF

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • BrainFood 07.04.2019 10:51
    Highlight Highlight Während die Aussage von Carollo zur Gehirngrösse nicht belegt ist, kann man die Erkenntnis von ETH Rektorin Prof. Sarah Springman zur Entwicklung von Gehirnen der Studierenden nachlesen:

    "...Das hänge damit zusammen, dass die Studienanfänger zwar physisch erwachsen aussähen, doch sei ihr Gehirn erst mit 25 fertig entwickelt..."


    https://www.watson.ch/schweiz/schule%20-%20bildung/533597244-eth-rektorin-sarah-springman-unsere-studenten-brauchen-mehr-zeit-zum-denken
  • Pafeld 07.04.2019 00:27
    Highlight Highlight Die Erfahrung, die ich mit erfolgreichen Professorinnen gemacht habe ist, dass sie tatsächlich oft psychopathische Sklaventreiberinnen sind. Eben weil sie sich in einer Männerdomäne behaupten müssen. Den zusätzlich erforderlichen Ehrgeiz dürfen dann die Doktoranden mit Wochenendarbeiten und 12-14h-Tage ausgleichen.
  • Nestroy Lodoño de Salazar y Matroño 06.04.2019 18:13
    Highlight Highlight Wenn der ETH-Rat selbst die externen Personen aussucht, die den Korruptions-Vorwürfen auf den Grund gehen sollen, dann ist das Ergebnis jetzt schon klar. Externe Mediatoren, die von einer der streitenden Parteien bezahlt werden, sind nicht objektiv. Das ist verschwendetes Steuergeld. Selber erlebt bei einem kantonalen Dienstleister. Die Gelder für die Untersuchung müssen von einer unabhängigen Stelle kommen, dann wird die fragliche Professorin eher einsehen, dass man das Makeup und die wissenschaftliche Leistung einer Doktorandin auseinanderhalten sollte.
  • space_tourist 06.04.2019 17:00
    Highlight Highlight Ausserdem noch ein kleiner Input vom Fach. Die ETH hat sich im Feld Astrophysik ihr über Jahre aufgebautes Renomé innert Monaten zerschossen. Nicht nur ist Sie unfähig seit Jahren eine vakante Astrophysik-Professur neu zu besetzen. Auch wird man häufig in Pannels und Telecons zuerst mal auf den Fall Carollo angesprochen, o-Ton das hätte man von so einer spitzen-Uni (Hochschule) nie gedacht. Ich versteh die neue Leitung also recht gut, wenn die jetzt nur noch den Schaden begrenzen wollen.
  • Früchtchen 06.04.2019 16:55
    Highlight Highlight 1. Die Kommentare hier zeigen sehr schön wie Vorverurteilung durch die Medien funktioniert. Richtig gemacht hat sie sicher nicht alles. Aber sie hätte doch das Recht haben müssen, sich zu den Anschuldigungen zu äussern.
    2. Korruption und Vetterliwirtschaft sind zwei verschiedene Dinge. Was die Dame anprangert ist wohl eher Vetterliwirtschaft als Korruption.
    • Aurorafalter 07.04.2019 11:38
      Highlight Highlight Sie konnte sich natürlich zu den Anschuldigungen äussern und war mit der Schulleitung im Gespräch, bevor der entscheid zur Freistellung gefallen ist.
  • space_tourist 06.04.2019 16:40
    Highlight Highlight 1. Alle die sich jetzt fragen, wie kommt es dass Frau C. einfach so entlassen werden kann, müssen wissen, dass sie jahrelang von der ETH -Leitung gedeckt wurde da ihr Mann der Institutsleiter war (dies war auch der Grund für ihre Anstellung). Erst die Summe der zusammengetragenen Fälle und der Renomeeverlust in der Astrophysik haben die ETH zum handeln bewegt. Sieht natürlich jetzt alles überstürzt aus.
    2. Dieser Offene Brief ist gut und Recht, wäre aber toll wenn die Medien auch vom offenen Brief sprechen würden der mit 690 Unterschriften die betroffenen DoktorandInnen unterstüzt.
  • SeineEminenz 06.04.2019 15:28
    Highlight Highlight Man möge anmerken, dass Frau Prof. C. nur aufgrund Ihres Ehemannes an die ETH berufen wurde..
  • Triple A 06.04.2019 13:51
    Highlight Highlight Wie an der Spitze von Wirtschaftsunternehmen, wird sicher auch in der Spitzenwissenschaft nicht mit Samthandschuhen gekämpft. Helle Köpfe müssen charakterlich nicht zwingend integer sein. Eine gründliche Untersuchung unter der Führung einer auch in heiklen Situationen erprobten Person (z.B. Carla del Ponte), müsste Klarheit schaffen und danach neue Strukturen aufsetzen, die fair und auch sonst rechtsstaatlichen Standards zu genügen vermögen.
  • Citation Needed 06.04.2019 13:51
    Highlight Highlight Selbst wenn sie tatsächlich mobbte und zuviel Druck ausübte (ich weiss es schlicht nicht): ohne Rechtsweg Ruck-Zuck Institut auflösen und Entlassung anordnen geht nicht. JedeR hat mind. das Anrecht auf eine Anhörung. Und nicht erst dann, wenn schon alles in Scherben liegt.
    • space_tourist 06.04.2019 16:46
      Highlight Highlight Die ETH kann sehr wohl einfach so ein Institut auflösen
      Dazu braucht es kein Vergehen gemäss StgB. Und dass das Frau Carollo nicht angehört wurde stimmt so nicht. Mehrere Fälle waren bei der Ombudsperson bestens bekannt. Sie wurde einfach von ihrem Mann und Institutsleiter und der ETH-Leitung über Jahre gedeckt. Jetzt ist es mit der medialen Öffentlichkeit (auch international), ein bisschen schwierig geworden und die ETH lässt sie fallen.
    • Citation Needed 07.04.2019 20:07
      Highlight Highlight space tourist: gemäss Republik wurde sie erst viel zu spät angehört, als der Medienskandal schon gemacht war. Und auch dabei sei sie nicht mit den gemachten Vorwürfen konfrontiert worden.
      Falls tatsächlich jahrelang Fehlverhalten gedeckt wurde, dann ist die ETH doch erst recht in die Kritik zu nehmen, da reicht es nicht, einfach Carollo zu entlassen (oder: fallen zu lassen), die ETH muss ausmisten.
      Zudem: was war das Fehlverhalten? Ich höre nur von übergrosser Härte und respektlosem Umgang. Sind das Entlassungsgründe?

      Übrigens: die Republik kritisiert die Ombudsstelle scharf.

    • Citation Needed 07.04.2019 20:16
      Highlight Highlight PS: space_tourist: dein Nick könnte auf Astronomie hindeuten.. ;-)
      wenn Du aus näheren Umfeld mehr über den Fall weisst, dann ist das eine Sache. Aus den Medien geht aber vor allem hervor, dass der Fall sehr, sehr schlecht gehandelt wurde von der ETH und dass scheinbar eine üble Betriebskultur das übrige tat. Selbst die Professorinnen, die der ETH nun den Rücken stärken, verlangen eine ausgeglichenere Geschlechterpolitik. Ich habe keinen Zugriff auf Interna, strikt von aussen besehen scheint es aber sehr, als würde Carollos Schuld als zu gross und die der ETH als zu klein dargestellt.
  • Töfflifahrer 06.04.2019 13:45
    Highlight Highlight Die Aussage ,die Clausewitz zugeschrieben wird, "Angriff ist die beste Verteidigung" kam mir beim Lesen unweigerlich in den Sinn.
    Es wird schwierig werden das alles aufzuklären.
  • Citation Needed 06.04.2019 13:14
    Highlight Highlight Ich finde es nach wie vor überraschend, dass man aufgrund bisher nicht untersuchter Vorwürfe ein ganzes Institut auflöst und Carollos Entlassung einleitet. Habe in früherem Post den Fall eines Professors beschrieben, der (erwiesen&aktenkundig) Studentinnen massiv sexuell belästigt hatte und nur mühevoll hatte entfernt werden können. Das war falsch, er wurde gar nie entlassen, später sogar befördert. Die (langjährigen) Bemühungen der Studentenschaft waren alle umsonst gewesen. Dass heute, bei nicht annähernd so schweren Vergehen, jemand so schnell raus ist, erstaunt mich da schon sehr.
    • wintergrün 07.04.2019 00:53
      Highlight Highlight Nach meinen Beobachtungen an Unis habe ich auch eher den Eindruck das Frau Carollo da eher zu den besseren gehört ...
    • Citation Needed 07.04.2019 19:49
      Highlight Highlight Wintergrün: Besser? Keine Ahnung. Im Vergleich zu Fällen von Professoren, die trotz erwiesenem Fehlverhalten fest im Sattel blieben, wurde Carollo aber schon sehr schnell fallen gelassen.
      Bei ihr reichte die Aussage einer Doktorandin und zusätzliche (zumeist aktiv eingeholte Testimonials), und schon wurden Unschuldsvermutung sowie normale Verfahrenswege ausgesetzt.
      Klar gab es eine Medienhatz und die Sache ist nun extrem verworren. Dennoch: wie kann man bei so dünner Faktenlage so felsenfest von Carollos Schuld überzeugt sein, wie es hier so viele sind? Wissen die alle mehr als ich?
  • Heini Hemmi 06.04.2019 12:58
    Highlight Highlight Keller beschuldigt ihren Arbeitgeber in aller Öffentlichkeit der Korruption, ohne Beweise zu liefern - und fürchtet nach eigenen Angaben nicht um ihre Stelle. Sie hat Recht: Hochschulen müssen dringend reformiert werden, vor allem bezüglich rechtsstaatlicher Normen.
    • Citation Needed 06.04.2019 14:04
      Highlight Highlight Ich lese nirgends, dass sie keine Beweise hat, lese aber auch nirgends von Beweisen. Dass sie nicht um ihre Stelle fürchtet hat wohl damit zu tun, dass die Öffentlichkeit einen gewissen Schutz bedeutet. Traurig aber wahr.

      Soweit ich das weiss, gab es ausser den Testimonials der Doktoranden auch keine Beweise gegen Carrollo, als sie in aller Öffentlichkeit des Mobbings angeschwärzt wurde. Auch an diesem Punkt zeigt sich, dass mehr Rechtstaatlichkeit nötig ist.

      Die Professorinnen, die die ETH nun entlasten, fordern ja auch mehr Ausgeglichenheit der Geschlechter. Da scheint was dran.
  • Zeit_Genosse 06.04.2019 12:21
    Highlight Highlight Meines Wissens gab es anfänglich mehrere Mobbingvorwürfe. Wie wäre das verlaufen wenn man einen Proffessor deswegen entlassen würde. Könnte er sich auch auf ihm nicht wohlgesonnenen Seilschaften berufen und klagen? Der Gegenangriff mit Sexismusvorwürfen mag von anwältlicher Seite klug geplant sein, verfehlt aber ob des Ablenkungsversuchs die Wirkung. Eine weitere Untersuchung mag angezeigt sein, doch das Resultat wird die Mobbingvorwürfe kaum entkräften. Ob es bei der ETH ein frauenfreundlicheres Klima braucht ist eine Fragestellung, die man nicht mit dem einen Mobbingfall vermengen sollte.
    • Citation Needed 06.04.2019 13:43
      Highlight Highlight Es gab doch immer wieder Fälle, da wurden Professoren mehrfach beschuldigt, ohne dass ihnen das was anhaben konnte. Ich weiss von einem, da gab es aktenkundig erwiesene Vorwürfe des Missverhaltens, zwar UNI und nicht ETH. Er wurde insofern unterstützt, dass man die Sache einfach totschwieg und ihn gewähren liess. Sexismus schrie er wohl kaum, weil er selbst als Grapscher unterwegs war und es vielleicht unglaubwürdig gewirkt hätte. ;-)

      Würde man die Rolle der Frau an der ETH denn unabhängig vom aktuellen Fall überhaupt thematisieren? Keller sagt ja, sie rede seit Jahren gegen eine Wand.
    • Dewar 06.04.2019 13:58
      Highlight Highlight Ein Chemieprofessor wurde jedenfalls trotz dieses öffnetlich gemachten Briefes berufen: http://www.chemistry-blog.com/tag/carreira-letter/
      Klar, ist wohl längst verjährt, aber es zeigt, dass gegenüber Doktoranden unrealistische Erwartungshaltungen bestehen und dass Professoren ihren Umgangston sehr frei wählen können ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Die ganze (naturwissenschaftlich-)akademische Kultur ist toxisch. Dass sich Studierende gegenüber einer Frau eher zu äussern wagen und man ihren Vorwürfen auch eher Glauben schenkt, scheint mir zumindest nicht ganz abwegig.
  • SirRichardCarsharing 06.04.2019 11:50
    Highlight Highlight Ich muss zugeben, es war eine sehr schlaue Strategie von Carollo und Keller den Spiess umzudrehen und das ganze als „frauenfeindliche sexistische Verschwörung“ darzustellen. Das inakzeptable Verhalten und Mobbing gegen die Doktoranden wird kaum mehr erwähnt, Frauenorganisationen stellen sich auf die Seite von Carollo und die ETH kommt stark unter Druck. Auf einmal ist sie das Opfer. Dabei ist Machtmissbrauch von Profs gegenüber Doktoranden ein grosses Problem. Schade, dass man das vergisst und sie jetzt sogar noch verteidigt.
    • soulcrates 06.04.2019 12:05
      Highlight Highlight Jep. Schon beim Lesen der ersten paar Zeilen kamen mir dieselben Gedanken.
    • chabacha 06.04.2019 12:06
      Highlight Highlight Auch eine (gemobbte) mobbende Professorin, die vielleicht tatsächlich abgesetzt gehört, hat einen fairen Prozess verdient.
      Machtmissbrauch an Universitäten ist leider in der Tat weitgehend normal. Eine Hexenverbrennung vermag daran nichts zu ändern. Faire und transparente Prozesse allerdings schon.
    • oliversum 06.04.2019 12:43
      Highlight Highlight Und sie kommuniziert extem clever: "Ich habe nie über die Gehirngrösse von jemandem gesprochen."
      Wenn man genau liest, wirft ihr das auch keiner vor.
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