Schweiz
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Immer mehr Mädchen interessieren sich für den Beruf als Landwirtin.  bild: shutterstock

Kosmetiker und Zimmerin: Die neuen Lehrlinge pfeifen auf Geschlechterrollen

Nicht nur in der Innerschweiz ist der Malerberuf in Frauenhand. Immer mehr Frauen erobern traditionell männliche Berufe. Doch auch bei den Buben tut sich etwas. 



Der Malerberuf war lange in Männerhand. Doch nun haben die Frauen den Beruf für sich entdeckt. Laut der SRF-Sendung Schweiz Aktuell waren in der Innerschweiz rund 62 Prozent der Lehrabsolventen weiblich. «Eine erfreuliche Nachricht», findet Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann vom Kanton Zürich. Mit Flyern, Klassenworkshops und einer App versucht die Zürcher Fachstelle für Gleichstellung den Frauen typisch männliche Berufe schmackhaft zu machen und umgekehrt – mit Erfolg, wie sich zeigt. 

«In den letzten Jahren hat sich tatsächlich einiges getan. Gab es im Kanton Zürich vor vier Jahren noch keine einzige Maurerin, findet man heute bereits einige Frauen im Beruf», so Trachsel. 

Landwirtin und Schreinerin

Auch an den Berufen Landwirtin und Schreinerin finden immer mehr Mädchen Gefallen. «Das weibliche Pendant zum Zimmermann ist zwar noch selten. Ein paar ‹Zimmerinnen› gibt es aber», weiss Trachsel. 

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Auch der Beruf als Schreinerin wird bei Mädchen immer beliebter. bild: shutterstock

Die Statistiken der Lehrstellenvermittlungsplattform yousty.ch bestätigen Trachsels Beobachtungen. Die Suchanfragen für den Beruf Landwirt/in sind in den letzten drei Jahren bei Mädchen und Buben gestiegen. Wobei es 2017 erstmals gleich viele weibliche wie männliche Anfragen gab. 

Landwirt/in
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Suchanfragen für den Beruf Landwirt/in  quelle: yousty.ch

Ähnliches ist auch beim Beruf Schreiner/in zu erkennen. Die weiblichen Suchanfragen sind in den letzten Jahren gestiegen und überstiegen diejenigen der Buben 2017 sogar. 

Schreiner
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Suchanfragen für den Beruf Schreiner/in.  quelle: yousty.ch

Auch die Zahlen zum Beruf Carrosserie Lackierer/in zeigen, dass sich etwas tut. So informierten sich 2016 mehr Mädchen über den Beruf, wurden aber 2017 wieder knapp von den Buben überholt. 

Carrosserie Lackierer/in
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Suchanfragen für den Beruf Carrosserie Lackierer/in. quelle: yousty.ch

Weshalb ist der Malerberuf bei Frauen so hoch im Kurs?

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Video: srf/Nouvo

Buben sind flexibler

Nicht nur Frauen stossen vermehrt in männliche Domäne vor. Umgekehrt ist sogar eine stärkere Entwicklung spürbar. «Es gibt mehr Knaben, die in typisch weibliche Berufe gehen als umgekehrt. Die Buben sind etwas flexibler als die Mädchen», sagt Helena Trachsel. So ist es laut der Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung für Buben schon längst nichts Ungewöhnliches mehr, Florist oder Kosmetiker zu lehren. 

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2016 begannen rund 13 Knaben die Lehre zum Hotelfachmann.  bild: shutterstock

Die Zahlen von der Fachstelle für Gleichstellung zeigen, dass sich Buben vermehrt auch in die Berufe als Hotelfachmann und Fachmann Gesundheit vorwagen. 2016 haben rund 13 Buben im Kanton Zürich mit der Lehre als Hotelfachmann begonnen. Als Fachmann Gesundheit liessen sich 61 Knaben ausbilden.

Hotelfachmann/frau
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quelle: fachstelle für gleichstellung von Frau und mann

Fachmann/frau Gesundheit
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quelle: fachstelle für gleichstellung von frau und mann

Trotz der erfreulichen Entwicklungen muss noch viel getan werden, ist sich Helena Trachsel sicher. «Im Hochschulbereich gibt es noch einige Lücken. Ingenieurinnen werden sehr intensiv gesucht – und dennoch sind meist nur Männer in diesen Lehrgängen zu finden.»

Trachsel rät vor allem Frauen sich zukunftsorientiert aus- und weiterzubilden. «Es gibt momentan genug Sprachwissenschaftlerinnen oder Psychologinnen. Für Frauen lohnt es sich enorm, den Fokus bei der Berufs- und Studienwahl etwas zu öffnen.»

*Korrektur: Aufgrund eines Programmfehlers wurde die Grafik «Schreiner/in» falsch wiedergegeben. Der Fehler wurde korrigiert. 

Schulanfang! Kennst du diese 10 Situationen noch?

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Video: watson/Knackeboul, Lya Saxer

«Mini Lehr und ich»

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • who cares? 11.07.2018 14:20
    Highlight Highlight Ich dachte die bösen Frauen wollen nur die Schoggikaderjobs der Männer übernehmen (laut gewissen Kommentatoren bei Gleichberechtigungsthemen)?
    Schön, dass sich bei der neuen Generation zeigt, dass diese Polemik so nicht stimmt und dass beide Geschlechter diese neue Wahlfreiheit auch nutzen.
  • locin 11.07.2018 13:48
    Highlight Highlight Ist doch schön zu hören. Einige Mädchen basteln doch während der Kindheit viel. Da wäre es doch nahelieged, dass die Eine oder Andere dies auch in gewisser Art und Weise beruflich tun möchte.

    Weiter wird dadurch auch das Klische der «"harten" Männer und "weichen" Frauen entkräftet.
  • Adualia 11.07.2018 12:26
    Highlight Highlight Zumindest sehe ich nur in der Schweiz immer noch Inserate wie "Junge SekretärIN gesucht."

    Da fragt man sich dann halt schon immer...

    (Und nein, ich rede hier nicht von Erotik-Inseraten)
  • lilie 11.07.2018 12:18
    Highlight Highlight "Die Suchanfragen für den Beruf Landwirt/in sind in den letzten drei Jahren bei Mädchen und Buben gestiegen. Wobei es 2017 erstmals gleich viele weibliche wie männliche Anfragen gab".

    Das deckt sich zwar mit der Grafik, aber nicht so, wie erwartet: Diese liest sich so, dass es entgegen der Annahmen, dass es sich um eine Männerberfu handelt, vorher mehr Anfragen von Mädchen als von Jungs gab.

    Ist das so gemeint oder ist die Grafik falsch?
  • Mr.Peanutbutter 11.07.2018 10:23
    Highlight Highlight "Immer mehr Frauen erobern traditionell männliche Berufe. Doch auch bei den Buben tut sich etwas. "

    Wie wäre es mit Männer?
    • Grüensplättli 11.07.2018 11:03
      Highlight Highlight Nicht die 16j. Knaben aus meiner Klasse...
    • Burdleferin 11.07.2018 18:49
      Highlight Highlight Sie will nicht in zwei aufeinander folgende Sätzen zweimal das Wort „Männer“ bzw. „Männlich“.
  • Helona 11.07.2018 10:22
    Highlight Highlight Das ist wirklich alles ganz toll! Nur, nach dem ersten Kind wird der Job geschmissen, weil es keine Trilzritstellrn gibt oder weil die Kinderkrippe zu teuer ist. Was nützt die beste Ausbildung, wenn die gesellschaftlichen Voraussetzungen für ein erfülltes Berufsleben nicht gegeben sind.
    • Dominik Treier (1) 11.07.2018 16:02
      Highlight Highlight Er kann sie ja nur nicht betreuen weil dank gewisser Annhänger von neoliberalem Gedankengut 100 Stellenprozente in vielen Berufen hinten und vorn nicht mehr zum Leben reichen, egal ob einer 100% Arbeitet, 2, 50% oder wie die Aufteilung auch immer ist! Und was ist dann die Antwort dieser Leute? Dann geht halt beide arbeiten... Und wer sorgt dann für die Kinder? Geht jetzt ein Licht auf?

      Und wenn du denkst dann soll man halt keine Kinder haben. In der Schweiz hat jede Frau jetzt durchschnittlich schon nur 1.2 Kinder, ohne Einwanderung würden wir als Gesellschaft so schon gandenlos überaltern!
    • dontknow 11.07.2018 20:49
      Highlight Highlight Es geht doch nicht darum ob man die Kinder betreuen kann/will, sondern darum ob man es sich finanziell leisten kann dass ein Elternteil oder beide ihr Arbeitspensum reduzieren um die Kinder zu betreuen. Und warum sollte die Allgemeinheit die Betreuung der Kinder nicht mitfinanzieren ? Als Gesellschaft haben wir mehr wenn wir einige Jahre die Betreuung bezahlen müssen, als wenn die Alternative gar keine Kinder sind(Stichwort AHV/Steuern allg, sinkende Geburtenrate etc).

      Abgesehen davon gibt es Berufe und Regionen in denen Teilzeitarbeit beinahe unmöglich ist...
  • Pergjo 11.07.2018 10:21
    Highlight Highlight Wenn wir schon mit Suffixen spielen: Wenn die weibliche Berufsbezeichnung Zimmerin ist, ist das männlicher Pendant dann Zimmer oder Zimmerer? 🙈
    Wieso nicht einfach Zimmerfrau?
  • Ihr Kommentar hat 20min Niveau 11.07.2018 10:02
    Highlight Highlight Stark, und nach der Lehre werden die frisch ausgebildeten schön brav mit einem halben Hungerslohn Lohn von der Wirtschaft ausgesaugt :) ich liebe die Schweiz 🇨🇭
    • andrew1 11.07.2018 12:43
      Highlight Highlight Nach einer berufslehre(wenn es das überhaupt gibt) lebt man wohl selten besser als in der schweiz.
  • 5737isch_läbe 11.07.2018 09:58
    Highlight Highlight Kann mir jemand erklären, wieso bei der Schreiner-Grafik rechts und links unterschiedliche Zahlen stehen? Demnach müssten 3000 weibliche und 2400 männliche Suchanfragen eingegangen sein?
  • Dominik Treier (1) 11.07.2018 09:56
    Highlight Highlight Es lohne sich den Fokus bei der Berufs und Studienwahl etwas zu öffnen, weil es momentan genug davon und davon gebe?! So ein Mist und zwar für Männer und Frauen! Es lohnt sich den Fokus zu öffnen, wenn man dadurch etwas findet, was einen mehr erfüllt und einem mehr Freude bereitet, aber einfach etwas zu lernen oder zu studieren, was einem zwar nicht gefällt, aber gensucht und gut bezahlt ist? Das gibt wunderbar unmotivierte und opportunistisch handelnde Arbeitkräfte, die jeder ja so liebt. Also tu nicht was dir gefällt, sondern was am lukrativsten ist. Neoliberalistischer Humbug vom feinsten!
  • olmabrotwurschtmitbürli #käluscht 11.07.2018 08:45
    Highlight Highlight Wäre das weibliche Pendant zu Zimmermann nicht Zimmerfrau🤔
    • lilie 11.07.2018 13:20
      Highlight Highlight Zimmermännin. 😀🤗
    • mnl 11.07.2018 14:39
      Highlight Highlight Und während der Lehre nennt man den Beruf Zimmermädchen?
    • lilie 11.07.2018 15:15
      Highlight Highlight @mnl: Und das männliche Pendent Zimmerbub? 😄
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