Schweiz
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Die göttliche Ordnung, Petra Volpe

Nora (Marie Leuenberger) macht Wahlkampf. Für ein simples Menschenrecht. Bild: Filmcoopi

Der Kampf ums Schweizer Frauenstimmrecht: Als Film göttlich absurd und höllisch traurig

Die 52. Solothurner Filmtage eröffnen mit «Die göttliche Ordnung». Dem Film, den sich alle Schweizerinnen anschauen sollten. Alle Schweizer übrigens auch. Und: Saga Norén macht mit!



Okay, es werden in den nächsten Tagen in Solothurn auch ein paar Filme laufen, über die zusammenfassend sagen kann: Diese Schweizer Filme haben weder Chancen noch Zuschauer verdient. Wobei man ja bei Schweizer Filmen eh nie den ganz grossen Zuschaueransturm befürchten muss. Ausser es handelt sich um Kinderbuchverfilmungen wie «Heidi», «Schellenursli» oder «Mein Name ist Eugen». Kinder können wir. 

Aber was für ein grossartiger Eröffnungsfilm! Er heisst «Die göttliche Ordnung» und gipfelt in jenem historischen Wahlsonntag 1971, als die Schweizer (die Schweizerinnen durften logischerweise noch nicht) Ja zum eidgenössischen Frauenstimmrecht sagten. 

Das Frauenstimmrecht und die Schweiz

Die Frau hinter dem Film ist Petra Volpe (Regie und Drehbuch) und sie hat schon mit dem Drehbuch für «Heidi» gezeigt, wie man einen Riesenerfolg – sogar einen internationalen – macht. In «Die göttliche Ordnung» nimmt sie nun einen schwierigen, störrischen, auch schmerzhaften Stoff und macht daraus gekonnt enorm beschwingtes Mainstream-Kino.

So kurz nach der Nichtwahl von Hillary Clinton wirkt «Die göttliche Ordnung» wie das innig herbeigesehnte Trostpflaster.

Obwohl 1971 noch gar nicht so lange zurückliegt, scheint fast unvorstellbar, was damals alles möglich ist. Ungezogene Töchter können in die Erziehungsanstalt oder gleich ins Gefängnis gesteckt werden. Die Ehefrau ist ihrem Mann in allem Untertan, arbeiten darf sie nur mit seiner Einwilligung. Ihre finanzielle Abhängigkeit ist absolut.

Eine dieser Frauen, eine Brave, Unglückliche vom Dorf, ist Nora (Marie Leuenberger). Nora. So heisst auch das berühmteste Theaterstück des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen. Seine Nora ist eine unglückliche Gattin, die in ein neues Leben aufbricht und Mann und Kinder verlässt. Doch die Nora von 1971 will ihr altes Leben gar nicht verlassen, sie will bloss ein paar ganz realistische Dinge dazu: das Stimmrecht, einen kleinen Job als Sekretärin bei Kuoni und den ersten Orgasmus in ihrem Leben.

Die göttliche Ordnung, Petra Volpe

Die Dorfbeiz wird von streikenden Frauen besetzt, Nora und ihr Mann (Max Simonischek) nähern sich der Ehekrise. Bild: Filmcoopi

Dass die Sache mit dem Orgasmus gar nicht so schwierig ist, lernt sie in Zürich beim Sexworkshop nach einer Frauendemo. Die schwedische Sexpertin, die den Schweizerinnen zeigt, wie untenrum alles funktioniert, ist übrigens Sofia Helin. Und wer ist Sofia Helin? Genau, keine andere als Saga Norén aus der dänischen Krimiserie «The Bridge». 

Saga Fucking Norén. In einem Schweizer Film. Soviel Glück muss man erst einmal verdauen.

Petra Volpe hat ihre Nora in einem Dorf mit komplexen Beziehungsstrukturen zwischen den Generationen und den Geschlechtern angesiedelt. Hat unzählige Figuren erfunden, die dem Mysterium der Emanzipation ganz unterschiedlich gegenüber stehen, hat ihnen Geschichten geschenkt, die hässig machen, lustig sind oder rühren (der Losweinen-Wollen-Faktor in diesem Film ist enorm hoch). Die «Verpolitisierung der Frau» beschäftigt vom Stammtisch bis ins Ehebett alle, das «vernachlässigte Kind» ist die Horrorvorstellung schlechthin.

saga noren the bridge

Das ist Sofia Helin als Saga Norén. Im Trailer seht ihr sie als schwedische Sexpertin Indra. Bild: zdf

Rund um das Dorf brodelt und lodert die Welt: Woodstock, die Hippies, Strassenkrawalle, die Frauenbefreiung. All dies schwingt mit in «Die göttliche Ordnung», nicht zuletzt im Soundtrack einer Bewegung. Und die Schweizer Hausfrau Nora Ruckstuhl liest das gleiche feministische Standardwerk von Betty Friedan wie die amerikanische Hausfrau Betty Draper in der Serie «Mad Men».

Die Welt hat das Dorf längst durchdrungen in Petra Volpes Film, und mit der 224. Volksabstimmung am 7. Februar 1971 passt sich auch das Grossdorf Schweiz der Welt an. Respekt, liebe Petra Volpe. Kinder können Sie, das haben Sie mit «Heidi» bewiesen. Frauen auch.

An den Solothurner Filmtagen (19. bis 26. Januar) gibt es «Die göttliche Ordnung» noch am Mo, 23. Januar, um 20.45 Uhr in der Reithalle zu sehen. Hier geht es zum ganzen Programm.

Offizieller Kinostart ist der 9. März.

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49
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49Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • fischbrot 20.01.2017 09:17
    Highlight Highlight Wenn Saga mitspielt, steht er definitiv auf der To-Watch-Liste :)
    • azoui 20.01.2017 11:11
      Highlight Highlight das unterschreib ich, Mann war ich von der Frau in "The Bridge" begeister!
  • Kaiserin 19.01.2017 20:32
    Highlight Highlight Ich bin all den Frauen, die für unsere Rechte kämpfen und gekämpft haben, unglaublich dankbar! Dankbar, dass ich abstimmen und wählen darf, dankbar, dass ein Studium für mich selbstverständlich war. Und ich bin unglaublich stolz! Weiter so!
  • Leon1 19.01.2017 20:22
    Highlight Highlight Ist für mich persönlich aus heutiger Sicht (habe damals noch nicht gelebt) unfassbar wie so etwas überhaupt jemals zur Diskussion stehen konnte.

    Was ich den Frauen (und Männern, klar) allerdings ein wenig übel nehme, ist wie sie mit diesem Stimmrecht umgingen, als die Männerwehrpflicht zur Debatte stand.

    Für das wird man in einigen Jahrzehnten (so hoffe ich) auch nur noch Kopfschütteln übrig haben...
    • Charlie Brown 20.01.2017 09:54
      Highlight Highlight Ach Aron777... Ich habe Mitleid mit dir und uns Männern. Wenn ich dann mal Zeit habe.
    • Anna Rothenfluh 20.01.2017 14:28
      Highlight Highlight @Aron777. Du hast das Unglück, dass grad eine Frau die Kommentare freischaltet. Deine Äusserungen lösche ich gerade, einer nach dem anderen. Nur fürs Protokoll: Er will den Frauen das "politische Mitspracherecht und die Entscheidungsgewalt" absprechen. Deine sexistischen Parolen kriegen hier keinen Platz. Reiss dich zusammen.
    • Charlie Brown 20.01.2017 14:30
      Highlight Highlight @Anna: <3
    Weitere Antworten anzeigen
  • MykillWF 19.01.2017 20:11
    Highlight Highlight Beschämend dass es bei uns so lange ging.
    • ostpol76 19.01.2017 21:07
      Highlight Highlight Wir dürfen nicht vergessen, in der EU haben weder Männer noch Frauen ein richtiges Stimmrecht.
    • who cares? 20.01.2017 06:23
      Highlight Highlight @ostpol76 Die Unionsbürger dürfen in Direktwahlen ihre Abgeordneten für das Europäische Parlament bestimmen (schon seit 1979). Die einzelnen Mitgliedstaaten sind ausserdem repräsentiert im Ministerrat und im Europäischen Rat (EU-Gipfel). Die Kommission ist das einzige unabhängige Organ. Wobei es sehr mit unserem Bundesrat zu vergleichen ist, der auch unabhängig von Weisungen seiner Partei und Herkunft agieren soll und ebenfalls im Kollegium entscheidet und geschlossen dahinter steht. Das europ. Parlament kann mit einem Misstrauensvotum die Kommission ihres Amtes entheben.
    • Fabio74 20.01.2017 07:01
      Highlight Highlight @ostpol:Falsch und am Thema vorbei. Selbstverdtändlich wählen EU-Bürger das EU-Parlament neben den nationalen Wahlen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • dracului 19.01.2017 19:48
    Highlight Highlight Ein Argument von damals war: "Die Politik sei ein zu unsicheres und schmutziges Geschäft für eine Frau." Das gilt eigentlich heute noch, im Rahmen der Gleichberechtigung jedoch inzwischen auch für die männlichen Mitbürger! Ich hätte, wie Nora 1971, realistische Wünsche: Dass meine Stimme endlich einen Wert hat, dass mein Lohn nicht immer mehr von Steuern und Abgaben aufgefressen würde und dass es sich die Politiker nicht für sich selber machen und dem Bürger ab und und an auch ein Orgasmüschen gönnen würden. Die Steuererklärung als einzigen Kontakt mit dem Bürger ist ein Lusttöter!
    • alex DL 19.01.2017 22:28
      Highlight Highlight Flash/Herz Ratio nicht erklärbar: ein Kommentar zum Ausschneiden und Einrahmen...
    • ujay 21.01.2017 03:45
      Highlight Highlight Ach,soviel Selbstmitleid.....ist dir das nicht peinlich? Zum Fremdschaemen!
  • Monti_Gh 19.01.2017 19:46
    Highlight Highlight interessant wäre es zu erfahren wie viele sog. rückständige, islamische Länder das Frauenstimmrecht vor der fortschrittlichen Schweiz eingeführt haben...
    • Sauäschnörrli 19.01.2017 20:53
      Highlight Highlight Habe nur das gefunden

      1934 Türkei
      1963 Iran

      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Frauenwahlrecht#Seit_1920
    • ostpol76 19.01.2017 21:08
      Highlight Highlight Und was würde Ihnen diese Information bringen?
    • Kaiserin 19.01.2017 21:09
      Highlight Highlight Viele... Die Schweiz war nicht nur in Europa eines der letzten Länder!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Calvin Whatison 19.01.2017 19:38
    Highlight Highlight Der Trailer macht schon mal Lust auf mehr, diese Frauenpower gönn und schenk ich mir. 💪🏻😊
  • Karl Müller 19.01.2017 19:31
    Highlight Highlight "... als die Schweizer Ja zum eidgenössischen Frauenstimmrecht sagten. "

    Na toll! Wo bleibt die Spoilerwarnung? Ich hab den Film noch nicht gesehen!
    • nilson80 19.01.2017 20:50
      Highlight Highlight Dafür drei Einhörner 🦄🦄🦄
    • Luca Brasi 19.01.2017 21:50
      Highlight Highlight Spoileralarm:

      Nicht alle Kantone haben das Frauenstimmrecht angenommen.
      *hust*Appenzell Innerrhoden*hust*
    • Simone M. 20.01.2017 08:56
      Highlight Highlight Es gab auch schon einzelne Kantone, die das Frauenstimmrecht lange VOR der eidgenössischen Abstimmung angenommen hatten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • FancyFish - Stoppt Zensur! 19.01.2017 18:40
    Highlight Highlight Bin ich blöd, wenn ich Saga Norén nicht kenne?
    • Simone M. 20.01.2017 08:56
      Highlight Highlight Nee, aber kannst du immer gerne googeln.
    • saugoof 20.01.2017 13:35
      Highlight Highlight Ja
    • tipsi 20.01.2017 16:03
      Highlight Highlight Nein natürlich nicht. Ich kann dir die Serie Die Brücke aber wärmstens empfehlen, sie spielt dort die Hauptrolle wahnsinnig gut.
  • Alnothur 19.01.2017 18:40
    Highlight Highlight "So kurz nach der Nichtwahl von Hillary Clinton wirkt «Die göttliche Ordnung» wie das innig herbeigesehnte Trostpflaster."

    ...okeeee...
  • Evan 19.01.2017 18:26
    Highlight Highlight Gut haben wir heute das Frauenstimmrecht. 💪
    • blobb 19.01.2017 18:54
      Highlight Highlight Man beachte die Blitze ;D
    • Evan 19.01.2017 22:26
      Highlight Highlight 80% Herzchen, das toppt jede Schweizer Abstimmung. 😊
    • blobb 19.01.2017 23:20
      Highlight Highlight Auch wieder wahr :)
      Wäre intressant zu wissen. wie heute so eine Abstimmung ausgehen würde. Und wie die SVP dazu stehen würde ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ruffy 19.01.2017 18:15
    Highlight Highlight "das weib hat in der gemeinde zu schweigen" hach die guten alten zeiten 😁
    • zwan33 19.01.2017 19:01
      Highlight Highlight Ach, die guten alten Zeiten, als es unter den Online-News noch keine Kommentarspalten gab. :-P
    • Ruffy 19.01.2017 21:05
      Highlight Highlight Wir können ja einen Deal machen und beides wieder abschaffen 😜
    • Ruffy 20.01.2017 06:51
      Highlight Highlight Hui bei diesem Thema versteht aber einer gar keinen Spass 😂
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