Schweiz
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Blick in den beleuchteten Tunnel waehrend dem Anlass zur letzten Fahrt in den Gotthard-Basistunnel am Montag, 24. August 2015, in Erstfeld. Ab dem kommenden 1. Oktober 2015 bis zur Eroeffnung des Gotthard-Basistunnels am 1. Juni 2016 werden Testfahrten durchgefuehrt. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Der längste und tiefste Eisenbahntunnel der Welt: Tief unter dem Gotthardmassiv verläuft eine Flachbahn.  Bild: KEYSTONE

Serie – der Gotthard

Ab 1. Juni hat die Schweiz den Längsten, Tiefsten und Teuersten



Wenn am 1. Juni der Gotthard-Basistunnel mit einem Staatsakt eröffnet wird, wird die Sicherheit grossgeschrieben. Nur eine handverlesene, ausgeloste Gruppe von 1000 Steuerzahlern und Stimmbürgern darf an der Ur-Durchfahrt teilnehmen. Und damit auch sicher nichts schief läuft, sind alle Teilnehmer von der Bundespolizei sicherheitsüberprüft worden. Zusätzlich gelten an Bord ähnliche Sicherheitsvorschriften wie in Flugzeugen. Keine Sackmesser, keine spitzen Gegenstände, kein Gepäck.

Serie zum Gotthard

Der Gotthard – Sinnbild der Schweiz, Teil des kulturellen Gedächtnis, Festung und Nadelöhr des europäischen Verkehrs. Anfang Juni wird der Gotthard-Basistunnel mit pompösem Staatsakt und Volksfest eingeweiht. In der watson-Serie zum Gotthard liest du alles über den berühmtesten Berg und längsten Tunnel der Schweiz.

Der Aufwand wird nicht nur wegen der Gefahr von Anschlägen auf die neue Bahninfrastruktur betrieben. Es kommt allerhand politische Prominenz in die Schweiz: Unter anderen geben sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident François Hollande und Italiens Premier Matteo Renzi die Ehre. 

Das ist kaum erstaunlich, denn es handelt sich um ein «europahistorisches Ereignis», wie der Direktor des Bundesamts für Verkehr, Peter Füglistaler, bemerkt. Eröffnet wird ein verkehrstechnisches Jahrhundertwerk – der längste Eisenbahntunnel der Welt, der potente europäische Wirtschaftsregionen noch effizienter verbindet. 

KORRIGIERTE VERSION! Vergleich längste Eisenbahntunnel der Welt / Infografik Gotthard Basistunnel

Herzstück des «Korridors Rhein-Alpen»

Der neue Bahntunnel mit seinen Rekord-Röhren ist – zusammen mit dem noch im Bau befindlichen Ceneri-Basistunnel – das Kernstück der NEAT, der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen. Und dieses Schweizer Grossprojekt wiederum ist das Herzstück des «Korridors Rhein-Alpen», dem wichtigsten europäischen Güterverkehrskorridor von der Nordsee ans Mittelmeer. 

Korridor Rhein-Alpen von Rotterdam nach Genua mit NEAT, Gotthard-Basistunnel, Ceneri-Basistunnel und Lötschberg-Basistunnel

Korridor Rhein-Alpen von Rotterdam nach Genua: Wichtigste Verbindung für den Nord-Süd-Güterverkehr. Karte: BAV

Mit dem bahntechnischen Kraftakt wahre die Schweiz «ihre verkehrspolitische Position in Europa», hält Füglistaler fest. Zudem verbinde «der Gotthard-Basistunnel, wie das Gesamtprojekt der NEAT-Netzvariante, die verschiedenen Landesteile» und entlaste die Strassen. 

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«Die Gotthard-Handelsroute: Von der Twärrenbrücke bis zum Basistunnel.» YouTube/SBB Cargo

Das alles kostet. Allein das Filetstück – der Gotthard-Basistunnel – verschlingt 12,2 Milliarden Franken. Die NEAT kommt inklusive der beiden Basistunnel unter dem Lötschberg und dem Ceneri auf Gesamtkosten von gut 23 Milliarden Franken. 

Nicht höher als Bern

Der Basistunnel macht die Gotthardstrecke zur Flachbahn: Während die Scheitelhöhe der alten Gotthardbahn bei etwa 1100 Meter über Meer liegt, beträgt sie beim neuen Tunnel lediglich 550 Meter über Meer – auf dieser Höhe liegt die Stadt Bern.

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SBB-Cargo wirbt für den Gotthard-Basistunnel.
YouTube/SBB Cargo

Das eröffnet neue Möglichkeiten: Waren die Güterzüge auf der alten Bergstrecke auf zehn bis zwölf Waggons limitiert, die von drei Loks gezogen wurden und mit durchschnittlich 60 km/h über die Schienen tuckerten, kann eine Lok künftig 40 Waggons  mit 100 km/h (maximal 160 km/h) durch den Basistunnel ziehen. 

Auch für Zugreisende bringt der Tunnel Vorteile: Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke ohne enge Kurven und mit geringem Gefälle werden die Personenzüge mit Spitzengeschwindigkeiten von 200 km/h (maximal 250 km/h) unter dem Gotthard durchbrettern. 

25 Minuten Zeitersparnis 

Dadurch dauert die Fahrt durch den Gotthard für Personenzüge nur noch knapp 20 Minuten. Reisende von Zürich nach Lugano sparen so 25 Minuten Reisezeit ein. Wenn 2020 der Ceneri-Tunnel eröffnet wird, verkürzt sich die Fahrt sogar um 45 Minuten. Die Reise von Zürich nach Mailand soll nur noch etwa 2 Stunden 40 Minuten dauern, rund eine Stunde weniger. 

ZUM COUNTDOWN VON 30 TAGEN BIS ZUR OFFIZIELLEN EROEFFNUNG DES GOTTHARD-BASISTUNNELS AM SONNTAG, 1. MAI 2016, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG. AM MITTWOCH, 1. JUNI 2016, 17 JAHRE NACH DER ERSTEN SPRENGUNG IM HAUPTSTOLLEN, BEGINNEN MIT DER EROEFFNUNGSZEREMONIE DIE FEIERLICHKEITEN. -    Workers place concrete on the interior vault of the Gotthard Base Tunnel's eastern tunnel in the

Bauarbeiten im Osttunnel. 
Bild: KEYSTONE

Eine Idee aus dem 19. Jahrhundert

Die Idee eines Basistunnels unter dem Gotthard wurde schon im 19. Jahrhundert vorgebracht – noch bevor der Scheiteltunnel von Göschenen nach Airolo gebaut war. Der Geologe Arnold Escher schlug bereits 1864 vor, einen Tunnel zwischen Wassen und Madrano zu bauen.

Erst 1947 nahm Carl Eduard Gruner, Verkehrsplaner in Basel, die Idee wieder auf. Sein Vorschlag: Ein Basistunnel zwischen Amsteg und Biasca.  
Den Weg von Gruners Projekt zum jetzt verwirklichten Tunnel zwischen Erstfeld und Bodio zeigt die folgende Bildstrecke: 

Wie der Teufel dank der NEAT aus dem Gotthard verscheucht wurde: Die Geschichte des längsten Tunnels der Welt

Modernste Technik

Gebaut wurde der Gotthard-Basistunnel von der Alptransit Gotthard AG, einer hundertprozentigen SBB-Tochterfirma. Zum Einsatz kam modernste Technik, beispielsweise die gigantischen Tunnelbohrmaschinen, mit denen rund vier Fünftel der gesamten Tunnelstrecke ausgebrochen wurden. 

Tunnelbohrmaschine

Tunnelbohrmaschine: Der Bohrkopf ist mit Schneidrollen bestückt.   Bild: gottardo2016.ch

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Animation Tunnelbohrmaschine Gotthard-Basistunnel.  YouTube/Alptransit Gotthard

Im harten Gestein kamen die Bohrtrupps gut voran – obwohl bis zu 2000 Meter Fels über der Röhre lasteten und die Felstemperatur bis zu 50 Grad erreichte. Die Rekordstrecke wurde 2009 erreicht, als sich eine der Tunnelbohrmaschinen innerhalb von 24 Stunden durch nicht weniger als 56 Meter Hartgestein frass. Problematischer für die gigantischen Bohrer waren die geologischen Störzonen mit weicherem Gestein wie die Piora-Mulde. 

Grafik Gotthard-Basistunnel

Schema des Basistunnels. «TBM» bezeichnet Abschnitte, die mit einer Tunnelbohrmaschine ausgebrochen wurden.  Grafik: Wikipedia/Cooper

Querstollen für den Notfall

Die beiden einspurigen Tunnelröhren liegen rund 40 Meter auseinander und sind alle 325 Meter durch Querstollen verbunden. Durch diese könnten Reisende im Notfall in die andere Röhre flüchten, wo ein Evakuationszug sie aufsammeln würde. In den Stollen herrscht Überdruck, damit kein Rauch eindringen kann. 

Neben den Geleisen verlaufen über die gesamte Tunnelstrecke rund ein Meter breite Bankette, das sind erhöhte Gehwege. An den beiden Multifunktionsstellen Sedrun und Faido, die von aussen zugänglich und klimatisiert sind, gibt es in jeder Fahrtrichtung Nothaltestellen. 

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Bahntechnik für den Gotthardtunnel. YouTube/VBvisualch

Versuchsbetrieb bis Dezember

17 Jahre nach den ersten Sprengungen an den Zugangsstollen Amsteg und Faido wird der Gotthard-Basistunnel nun – ein Jahr früher als geplant – in Betrieb genommen.  Am 1. Juni beginnt allerdings erst der Versuchsbetrieb. Der fahrplanmässige Alltagsbetrieb startet erst am 11. Dezember. 

Wer sich nicht bis dann gedulden möchte, sollte am 4. und 5. Juni das Volksfest zur Tunnel-Eröffnung besuchen und eine der Tunneldurchfahrten mit den Gottardo-Shuttles buchen (Billette gibt es online oder an den SBB-Schaltern). Der Eintritt in die Festgelände – gefeiert wird im Norden bei Erstfeld und Rynächt und im Süden bei Pollegio und Biasca – ist dagegen frei. 

Kein Billett oder keine Lust? Hier kann man den Tunnel virtuell durchfahren: 

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Gotthard Basistunnel – Von Nord nach Süd.
YouTube/Ale Sandro

Gotthard Basistunnel Infografik NEUE VERSION

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    Alle Leser-Kommentare
  • nrzh 02.06.2016 21:15
    Highlight Highlight Kurze Übersicht der Facts sehr einleuchtend Danke :)
    57.1km
    Also nur 250 km/h?
    Die Züge in China und Japan haben doch 350 km/h

    Wieso fahren unsere Züge nur 250 km/h?
  • Hüendli 26.05.2016 17:40
    Highlight Highlight Da ist sie ja, in der Fact-Box... Die gute, alte Watson-Schrift 😍
    (sorry für OT, aber die Umstellung habe ich Euch noch nicht verziehen)
  • demokrit 24.05.2016 17:34
    Highlight Highlight Leider ist das bereits veraltete Technologie.
    • demokrit 24.05.2016 18:46
      Highlight Highlight Die klassische Eisenbahn ist veraltete Technologie. Siehe Hyperloop und die beerdigte Swissmetro.
    • Fabio74 24.05.2016 21:28
      Highlight Highlight Die Technologie ist sicher nicht veraltet. Sie ist ja nicht 1825 stehen geblieben.
    • demokrit 24.05.2016 23:08
      Highlight Highlight zettie94: Da bist du schlecht informiert: Bis der erste Hyperloop steht, vergehen keine Jahrzehnte. Man hätte halt von Anfang an in die Swissmetro investieren müssen, aber im Bundesrat war und ist halt Verwalter- statt Unternehmergeist vorherrschend. Selbstverständlich könnte man damit auch Güter transportieren (siehe HL). - Der Personenverkehr. Die Verlagerung auf die Schiene ist schon jetzt gescheitert, weil die Italiener bekanntlich nicht mitspielen. Ausserdem war es reichlich dumm nur eine Röhre zu bauen, da die lahmen Güterzüge so mit 100km/h den Personenverkehr 250km/h schön ausbremsen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • giguu 24.05.2016 15:12
    Highlight Highlight Mimimi clickbait titel...

    Nein, im Ernst. Steiler Artikel. Wegen dir habe ich mir gerade ne 45min Doku über den Gotthardtunnel auf Youtube angeschaut anstatt zu arbeiten... wird wohl heute wieder später 😂
  • Maya Eldorado 24.05.2016 13:28
    Highlight Highlight Der neue Tunnel ist ja sicher sehr eindrücklich mit den Superlativen.
    Aber der alte Tunnel mit den 3 Kehrtunnels sind einfach sehr eindrücklich.
    Mit dem neuen Tunnel geht es wohl viel schneller. Das ist das, was heute zählt. Aber die wunderschönen Landschaften die man bis jetzt geniessen konnte, das ist vorbei.
  • Luca Brasi 24.05.2016 12:33
    Highlight Highlight Tststs. Seit wann ist der Seikan-Tunnel in China? ;)
    • Daniel Huber 24.05.2016 16:44
      Highlight Highlight Hoppla, stimmt natürlich. Haben wir korrigiert, vielen Dank!
  • gitalra 24.05.2016 12:18
    Highlight Highlight Könnte die SBB auch mal etwas Geld in ihre Informationstechnik investieren!?!
    Soeben 1.15 Stunden am Bahnhof Olten und in 3 verschiedenen Zügen verbracht, ohne relevante Infos
    • osaliven 24.05.2016 14:30
      Highlight Highlight Grund dafür war ein Personenunfall im Bahnhof Aarau. Diese werden seit dem Fahrplanwechsel nicht mehr kommunizieret um nachahm Taten zu veringern.
  • mrgoku 24.05.2016 11:43
    Highlight Highlight vor 2-3 Tagen kam auf n-TV eine Doku über den Tunnel. War echt eindrücklich. Nicht unbedingt der Tunnel selber sondern das ganze Drumherum... abartig was das für Aufwände sind :o
  • Knut Knallmann 24.05.2016 10:49
    Highlight Highlight Als kleinkarierter Nörgler und Besserwisser muss ich zur sehr schönen Watson-Grafik noch anfügen, dass der Seikan-Tunnel in Japan und nicht in China steht :)
    • Daniel Huber 24.05.2016 16:45
      Highlight Highlight Danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.
  • Nicosinho 24.05.2016 10:48
    Highlight Highlight da können wir als Schweizer echt stolz drauf sein :-)
  • Kaspar Floigen 24.05.2016 10:38
    Highlight Highlight Darf man darauf mal stolz sein? Ich finde darauf darf man mal Stolz sein.
  • 7immi 24.05.2016 09:54
    Highlight Highlight ein durch und durch spannendes und fasziniernedes bauwerk. danke für die interessante serie!
  • Daenerys Targaryen 24.05.2016 09:52
    Highlight Highlight Irgendwie hemmer all zwei Jahr es neus Tunnel bim Gotthard... Aber wemmer de längst hend isch ja alles in Ordnig 😏
    • zeromg 24.05.2016 13:21
      Highlight Highlight Bin gespannt auf deine Tunnelliste. Aber schön sortiert im 2-Jahres-Rhythmus ;-)) PS: Aber nur die beim Gotthard, wie du so schön sagtest.
  • Peeta 24.05.2016 09:30
    Highlight Highlight Schöner Titel 😜
    • osaliven 24.05.2016 09:32
      Highlight Highlight Die push Nachricht war auch nicht schlecht;)

Gesprengt, geschröpft, verschüttet – die Tode der Mineure und Ingenieure der Gotthard-Eisenbahn

Erst der Bau des Eisenbahntunnels machte aus dem Gotthard die bedeutende Alpentransversale, die er heute noch ist. Nachdem der Tunnel 1882 eröffnet wurde, gerieten auch die Bündner Pässe, die noch weit ins 19. Jahrhundert hinein mithalten konnten, deutlich ins Hintertreffen. 

Mit 15 Kilometern war der Gotthard-Scheiteltunnel damals der längste Tunnel der Welt und blieb das bis 1905. Er gilt bis heute als Meisterleistung der Ingenieurs- und Vermessungskunst. 

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