Schweiz
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Sind vorsichtiger im Bett: Junge Schweizerinnen werden seltener ungewollt schwanger.
bild: shutterstock

Junge Schweizerinnen treiben immer weniger ab – sind die heutigen Teenager vernünftiger?

Ein Schwangerschaftsabbruch ist nichts Schönes. Umso erfreulicher: Seit Jahren sind die Abtreibungen bei Frauen zwischen 15 und 18 Jahren stark rückläufig. Sie werden weniger häufig schwanger und sind besser aufgeklärt. Werden sie vernünftiger?

Alexandra Fitz / Nordwestschweiz



Obwohl sich die Zahl seit 2002 eingependelt hat, ist sie erschreckend. Über 10'000 Schwangerschaften werden jährlich in der Schweiz abgebrochen. Vergleicht man die Abbrüche mit der Zahl der Geburten, lässt sich ermitteln, welcher Anteil der Kinder abgetrieben wird.

So enden in der Schweiz rund zehn Prozent der Schwangerschaften in einem Abbruch. Anders: Jedes zehnte Kind wird abgetrieben. Auch dies eine erschreckende Zahl.

Seit fünf Jahren geht die Zahl der Eingriffe leicht zurück. Letztes Jahr haben 10'255 Frauen abgetrieben. Stärker ist der Rückgang bei jungen Frauen. Die Rate bei den 15- bis 19-Jährigen sinkt seit 2005 deutlich. Haben im Jahr 2007 1147 Teenager eine Schwangerschaft abgebrochen, was einer Rate von 5,5 pro 1000 Jugendliche entspricht, waren es 2015 nur noch 727 Abtreibungen. Die Rate liegt neu bei 3,4 Abbrüchen pro 1000 Jugendlichen. Das ist eine positive Entwicklung.

Auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist die Rate hierzulande sehr tief. Insbesondere eben bei den Jugendlichen. Die Zahlen zeigen also eindeutig, dass die vielen Fälle wie in den Fernseh-Formaten «Teen Mom» oder «Tennie-Mütter» dargestellt, nicht in dieser Form auf die Schweiz zutreffen.

Woran liegt das? Haben die Jungen heute weniger Sex? Nein, daran liegt es nicht. «Mädchen und Jungen in der Schweiz haben im Schnitt mit 17 Jahren das erste Mal Sex, das hat sich über die Jahre nicht verändert», sagt Christine Sieber von Sexuelle Gesundheit Schweiz.

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Unangenehme Überraschung: In der Schweiz wird immer noch jede zehnte Schwangerschaft abgebrochen.
bild: shutterstock

Bessere Aufklärung

Der abnehmende Trend bei den Abbrüchen hängt auch mit der Geburtenrate bei den Teenies zusammen. Die ist seit Jahren ebenfalls rückläufig. 2004 brachten noch 781 Teenager-Mütter Babys auf die Welt, letztes Jahr waren es 440. Wenn es trotzdem nicht mehr Abtreibungen gibt, sondern sogar immer weniger, bedeutet das: Junge Schweizerinnern werden auch seltener schwanger.

Und da dies nicht an der Enthaltsamkeit der Schweizer liegen kann, sind sich Experten einig, dass die immer bessere Prävention fruchtet. «Es hängt unter anderem mit den Bestrebungen von Vereinen wie Sexuelle Gesundheit Schweiz zusammen, dass es zu weniger unerwünschten Schwangerschaften kommt», sagt Sibil Tschudin, Gynäkologin und leitende Ärztin in der Frauenklinik des Universitätsspitals Basel. Christine Sieber ist sich sicher, dass es mit der besseren Aufklärung zusammen hängt: «Junge Leute haben durch die Schule, den Sexualkundeunterricht und die Eltern immer mehr verlässliche Informationen».

Zudem ist das Internet in den letzten Jahren zu einer immer wichtigeren Informationsquelle für Jugendliche geworden. Auch für Rat und Tipps zum Thema Sex und Verhütung.

Unlängst teilte Pro Juventute mit, dass immer weniger Jugendliche Anfragen hätten rund um das Thema Sexualität (2011: 22,4%, 2015: 15,2%). «Denn bei einer Frage suchen wir heute alle im ersten Schritt im Netz nach Antworten. Und da alles rund um Liebe und Sexualität die meisten Teenager beschäftigt, findet sich dazu viel Information im Netz», erklärt Thomas Brunner, Leiter Beratung bei Pro Juventute.

HRA Pharma, der Hersteller, der in der Schweiz zwei «Pillen danach» anbietet, kann auf Nachfrage keine Absatzzahlen liefern, die weiter als 2011 zurückgehen. Dennoch könnte auch das «In letzter Minute»-Verhütungsmittel dazu geführt haben, dass weniger Teenager schwanger wurden und in vielen Fällen (gemäss BFS treiben rund zwei Drittel der 15- bis 19-Jährigen ab!) dann auch abtreiben.

ZUR KOMMENDEN ABSTIMMUNG UEBER DIE INITIATIVE ZUR ABTREIBUNGSFINANZIERUNG STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Die Aerztin informiert die Patientin ueber die Abtreibungspille Mifegyne, aufgenommen bei einem Beratungsgespraech zum Schwangerschaftsabbruch in der Frauenpraxis Runa in Solothurn am 18. Oktober 2013. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Abtreibungspille Mifegyme: Die «Pille danach» könnte ebenfalls einen Einfluss auf den Rückgang der Abtreibungen haben.  Bild: KEYSTONE

Schliesslich wurden die Zugangsbarrieren – keine Rezeptpflicht mehr – immer mehr gelockert. Sieber von Sexuelle Gesundheit Schweiz kann der «Pille danach» einen positiven Effekt abgewinnen. Auf diese Weise kämen junge Frauen mit dem Thema Verhütung in Berührung und würden von den Fachleuten aufgeklärt, so dass es hoffentlich nicht noch einmal passiere.

Hohe Quote in der Westschweiz

Anzahl und Rate variieren in den Kantonen stark. Während in der Zentralschweiz die tiefsten Raten registriert werden, treiben in Genf und im Kanton Waadt am meisten Frauen ab. Die Statistik zeigt: In der Westschweiz wird viel häufiger abgetrieben als in der Deutschschweiz.

Das liegt an der Bevölkerungszusammensetzung, denn in der Westschweiz leben mehr Migrantinnen. «Die Abbruchrate ist bei den ausländischen Frauen aller Alterskategorien zwei- bis dreimal so hoch wie bei den Schweizerinnen», schreibt das BFS in einem Bericht.

Gemäss der Fachfrau Sieber haben Migrantinnen weniger Zugang zu Beratung. Hinzu kämen die fehlenden finanziellen und sozialen Ressourcen. Schlechte Lebensbedingungen, wie etwa eine höhere Arbeitslosigkeit und mangelnde Perspektive führen dazu, dass die Abbruchrate bei ausländischen Frauen höher sei. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • fabianhutter 13.07.2016 10:41
    Highlight Highlight Ich verstehe die Kommentare zu diesem Artikel nicht. Im Artikel heisst es lediglich, dass es eine erschreckend hohe Anzahl an Abtreibungen gibt. Dazu steht zu Beginn, dass Schwangerschaftsabrüche nichts schönes sind.

    Wer widerspricht da? Ist ein Schwangerschaftsabbruch für irgendeinen Beteiligten etwas schönes?

    Würden sich gewisse Leute tatsächlich über mehr Abtreibungen freuen?
  • Angelika 12.07.2016 22:16
    Highlight Highlight Für alle, dies überlesen haben: Der Artikel ist von der "Nordwestschweiz", nicht von watson. Darum die ungewohnt konservative Wertung von Abtreibungen.
    Und was die Wertung betrifft: 15-20% aller Schwangerschaften enden vor der 20. Woche in einer Fehlgeburt. SCHOCKIEREND!
  • Der Zahnarzt 12.07.2016 20:14
    Highlight Highlight Watson sagt, dass jede 10. Schwangerschaft durch eine Abtreibung beendet wir und dass dies eine erschreckende Zahl sei. Das ist natürlich eine moralische Wertung. Aber, meine Frage an die Community: Was ist falsch daran, moralische Wertvorstellungen zu haben und diese zu vertreten? Was ist falsch daran, diese Zahl erschreckend hoch zu finden?
    • elk 12.07.2016 22:45
      Highlight Highlight Ziemlich sicher wird nicht jede 10. Schwangerschaft willentlich abgebrochen. In der Medizin geht man davon aus, dass rund 50-60% aller SS enden, bevor eine Frau überhaupt weiss, dass sie schwanger ist.
      Zur Frage: Ich finde auch, dass Abtreibungen schrecklich sind. Und es wäre schön, wenn wir eines Tages keine mehr hätten. Aber das hilft leider im Alltag niemandem. Als Gesellschaft müssen wir diesen moralisch fragwürdigen Kompromis aushalten. Für mich gibt es keine gute Alternative. Was denken Sie?
    • Der Zahnarzt 13.07.2016 08:20
      Highlight Highlight @elk: Ich hatte nicht den Eindruck, dass es in diesem Artikel um den sog. Spontanabort geht, der tatsächlich sehr häufig vorkommt und sehr oft auch unbemerkt bleibt. Ich glaube es geht nur um den gewollten Schwangerschaftsabbruch. - Ich teile Ihre Ansicht. Man kann aus moralischen Gründen dagegen sein, jedoch akzeptieren, dass Abtreibungen unter bestimmten Umständen möglich sind (moralisch fragwürdiger Kompromiss, wie Sie es nennen). - Was ich nicht gut finde ist, Menschen die Abtreibungen ablehnen als "Hinterwälder", "Katholiken" etc. zu diffamieren. Man kann aus guten Gründen dagegen sein.
    • elk 13.07.2016 10:06
      Highlight Highlight Wenn die Autorin behauptet, 10% aller SS enden mit Abbrüchen, stimmt das einfach nicht. Die Zahl der Geburten stimmt nicht mit der Zahl der Schwangerschaften überein. Eine unnötige Dramatisierung.
      Es gibt gute Gründe gegen Abtreibungen. Diese werden jedoch oft als Mäntelchen über die tatsächlichen Absichten/Ideologien gestülpt. Und diese fadenscheinigen Versuche werden oft als solche erkannt und werden mit entsprechender Härte abgelehnt.
  • TheBean 12.07.2016 10:28
    Highlight Highlight Vielleicht ist die Fruchtbarkeit aufgrund der hohen Konzentration an Chemikalien in Nahrungsmitteln gesunken. Gibt es dazu Studien o.Ä?
    • Sir Jonathan Ive 12.07.2016 11:37
      Highlight Highlight Gibt es. Und ja die Fruchtbarkeit (zumindest bei den Männern) nimmt sehr stark ab. Aber nicht so stark, dass es diese Tendenz auslösen würde. Ich denke, dass es tatsächlich mit der guten sexuellen Aufklärung zu tun hat.
  • Str ant (Darkling) 12.07.2016 09:48
    Highlight Highlight Das zeigt doch wie wichtig eine "sachliche" Sexualkunde ist und das religiöse Kreise keinen Einfluss darauf erhalten dürfen.
  • Aki Mari 12.07.2016 08:33
    Highlight Highlight Die Abtreibungspille und die Pille danach sind nicht dasselbe! Letztere verhindert den Eisprung und allenfals eine Einnistung des befruchtetem Eis, erstere beendet eine bestehende Schwangerschaft im Frühstadium, d.h. sie treibt das eingenistete Ei ab. Bitte nicht verwechseln! Die beiden sind weder von den Nebenwirkungen her als auch von den ethischen Implikationen nicht zu vergleichen!
    • Cardea 12.07.2016 09:31
      Highlight Highlight Ein ethisches Urteil fällt Watson in diesem Artikel ohnehin mit dem Bezeichnen der Abtreibungsanzahl als "schrecklich". Die hier aufgeführten Abtreibungen sind alle legal und sollten weder ver- noch in irgend einer Weise beurteilt werden.
    • Sir Jonathan Ive 12.07.2016 11:44
      Highlight Highlight @Cardea
      Erstens: Alles soll beurteilt werden. Dass ist die Aufgabe der Medien in der Gesellschaft.
      Zweitens: Im Artikel steht nicht, dass Abtreibung schrecklich sei, sondern, dass es eine erschreckende Anzahl an Abtreibungen gibt. Das ist ein riesiger Unterschied.
    • john waynee 12.07.2016 14:35
      Highlight Highlight "Dabei tritt eben Deine rabenschwarze Gesinnung zu Tage."

      Die grössten Diskriminierungsturbos sind die, welche mit dem Finger moralisch in Richtung der Anderen zeigen.- Danke für den Tatbeweis.
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  • KAMPFPANZER 12.07.2016 07:30
    Highlight Highlight Doppelt hält besser.
  • dracului 12.07.2016 06:18
    Highlight Highlight Die These, dass Jugendliche gleich viel Sex haben wie früher teile ich nicht. Viele junge Leute sind heute "prüder" oder warten eher länger mit ersten sexuellen Kontakten. Dafür suchen andere bereits früh den Kontakt zu Sexarbeitern. Das Verhältnis zur eigenen Sexualität und zur Paarsexualität im Pornozeitalter wäre eine eigene Untersuchung wert.
    • Menel 12.07.2016 08:15
      Highlight Highlight Auf was basiert ihre Aussage?
    • Hoppla! 12.07.2016 08:49
      Highlight Highlight Die Quelle würde mich auch interessieren.

      Dass der Schweizer allgemein (sehr) prüde ist; da gibt es nicht viel abzustreiten.
    • Fumo 12.07.2016 08:56
      Highlight Highlight "Viele junge Leute sind heute "prüder" oder warten eher länger mit ersten sexuellen Kontakten."

      Prüder? Heute?
      Ich denke deine Tochter erzählt dir nur die halbe Wahrheit ;)
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