Schweiz
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Antionio Angostinelli, gehbehindert, bei seiner Arbeit in der Firma Victorinox in Ibach, am Freitag, 10. Maerz 2006. Victorinox beschaeftigt im Gegensatz zu anderen Firmen mehr als ein Prozent teilbehinderte Arbeitnehmer. Im Moment hinkt die Schweiz den Nachbarlaendern im Bezug auf den Beschaeftigungsgrad von Teilbehinderten noch hinterher. (KEYSTONE/Gaetan Bally)  === , ===

Der Messerhersteller Victorinox gehört zu den wenigen Firmen, die Behinderte anstellen.
Bild: KEYSTONE

Keine Jobs für «Scheininvalide»: IV saniert sich auf Kosten der Sozialhilfe

Die Integration von IV-Bezügern in den Arbeitsmarkt ist ein Fehlschlag. Weil es weniger Neurentner gibt, kann die IV ihre Schulden trotzdem abbauen. Die Zeche zahlt die Sozialhilfe.



Das Ziel ist an sich ehrenwert: Menschen mit Behinderung sollen eine Erwerbsarbeit ausüben, statt eine Rente von der Invalidenversicherung (IV) zu beziehen. Die IV-Revision 6a, die 2012 in Kraft trat, sieht die Integration von rund 17'000 bisherigen Rentenbezügern in den Arbeitsmarkt bis 2018 vor. Die bisherige Bilanz aber ist ernüchternd.

Die «sehr aufwendige Umsetzung» des Revisionsziels stehe «in keinem Verhältnis zur Anzahl der erfolgreich im ersten Arbeitsmarkt platzierten Personen», zitiert der «Tages-Anzeiger» aus einem Bericht der kantonalen IV-Stellen im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV). Das schonungslose Fazit: «Politik und Verwaltung haben das Potenzial für Rentenreduktionen durch Wiedereingliederung enorm überschätzt.»

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«Erfolgsgeschichten» bei der Wiedereingliederung.
YouTube/tbd.

Konkrete Zahlen werden nicht genannt, «doch schon jetzt ist klar, dass das Ziel verfehlt wird», schreibt der «Tages-Anzeiger». Dabei betreibt die IV einen grossen Aufwand: Mit Umschulungen, Coaching oder finanziellen Zuschüssen an die Arbeitgeber versucht sie, Rentenbezügern einen Job zu vermitteln. Sie hat ein Video mit «Erfolgsgeschichten» produziert, und die IV-Stellen verleihen Auszeichnungen an «vorbildliche» Arbeitgeber.

Firmen wollen keine Behinderten

Es ist ein Debakel mit Ansage. Das BSV musste vor zwei Jahren in einer Zwischenbilanz selber einräumen, dass die zusätzlichen Anstrengungen zur Eingliederung den Rentenbestand «bisher nicht im angenommenen Ausmass reduziert» hätten. Kenner der Materie sind nicht überrascht: «Wir haben immer gesagt, dass es schwierig sein wird, Menschen in Rente einen Job zu vermitteln», sagt Urs Dettling, Leiter Sozialpolitik bei der Pro Infirmis.

Das Ziel der IV-Revision basiere auf «illusorischen Hoffnungen» und mache wenig Sinn, meint Dettling: «Man hat sich zu wenig mit dem Arbeitsmarkt befasst.» Eine Umfrage von Pro Infirmis bei 35 grossen Schweizer Unternehmen ergab bereits 2010 ein «desolates Bild»: Die Mehrheit der Firmen reagierte überhaupt nicht, andere lieferten Antworten wie «Bei uns geht das nicht, Behinderte anzustellen» oder «Wir betrachten das nicht als unsere Aufgabe».

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Das Drama begann in den 1990er Jahren, als die Zahl der IV-Rentner unter SP-Bundesrätin Ruth Dreifuss stark zunahm. Grund dafür war nicht nur die hartnäckige Wirtschaftskrise, sondern auch eine lasche Vergabepraxis. Überspitzt gesagt: Wer laut genug jammerte, erhielt eine Rente. Das Sozialwerk schrieb hohe Defizite und verschuldete sich bei der «grossen Schwester» AHV.

Blochers «Scheininvalidität»

Der Druck von rechts stieg an. SVP-Vordenker Christoph Blocher gab 2003 in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» den Tarif durch, indem er einen neuen Kampfbegriff kreierte: Scheininvalidität. «Es gibt sicher viele Simulanten in der IV», sagte Blocher, ohne dies konkret belegen zu können. Doch die «Scheininvaliden» erfüllten ihren Zweck: Bei der IV kam es zu einem radikalen Kurswechsel.

Zwei Massnahmen waren die Folge: Neben der angestrebten Rückkehr bisheriger IV-Bezüger in den Arbeitsmarkt wurde auch die Zahl der Neurentner halbiert, von jährlich rund 28'000 auf 14'000. Teilweise unterstützt die IV mit begleitenden Massnahmen ihren Verbleib in der Arbeitswelt. Häufig aber bleibe diesen Leuten nur der Gang aufs Sozialamt, sagt Felix Wolffers, Co-Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS).

Verstärkt wird dieser Effekt durch einen nicht ganz neuen Befund: Es gibt immer weniger Arbeit für Menschen mit tiefer Qualifikation. «Die Erwerbslosenquote in diesem Segment beträgt rund zehn Prozent», sagt Wolffers. Dies ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Eingliederung von IV-Bezügern bislang ein Fehlschlag war. «Wenn es viele Arbeitssuchende gibt, fragen sich die Firmen, wieso sie jemanden anstellen sollen, der jahrelang weg war und vielleicht gesundheitliche Probleme hat.»

Obwohl die bisherigen Erfahrungen ernüchternd sind, hält die IV an den Wiedereingliederungen fest. «Diese Ziele wurden politisch festgelegt, und wir erwarten von den IV-Stellen, dass sie sich daran orientieren», sagte der zuständige BSV-Vizedirektor Stefan Ritler dem «Tages-Anzeiger». Das angestrebte Sanierungsziel bis 2018 werde die IV erreichen. Sie schreibt seit 2012 wieder schwarze Zahlen, dank einer höheren Mehrwertsteuer und dem Rückgang der Neurenten.

Den Preis dafür zahlt die Allgemeinheit, in Form von Sozialhilfe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Asmodeus 12.02.2016 08:16
    Highlight Highlight Wir haben ein riesiges zusätzliches Problem was IV anbelangt.

    Bis heute schämen sich die Menschen wenn sie IV beziehen müssen. Es ist ein riesiges Tabu.
    Man spricht noch eher über seinen Lohn als das Thema IV anzusprechen.

    Selbst in der eigenen Familie erfährt man erst Jahre später, wenn sich jemand mit der IV herumschlagen musste.

    Das sorgt dafür, dass sich niemand von der aktuellen Situation betroffen fühlt und nicht sieht was alles schief läuft.

    Würden die betroffenen offen über ihre Probleme kommunizieren, wäre in der Öffentlichkeit das Thema IV auch weniger stigmatisiert.
  • Oberon 11.02.2016 19:04
    Highlight Highlight Schade ist nur das wir es nicht schaffen die eigene Bevölkerung mit dem genügenden Respekt zu behandeln. Egal in welcher Situation diese Leute aktuell stecken.

    Wie wollen wir den humanitär agieren, wenn wir es nicht mal im eigenen Land schaffen die Ungerechtigkeiten abzubauen.

    • Oberon 12.02.2016 19:45
      Highlight Highlight Naja, ganz so einfach ist es nicht, manche haben auch nur das Gefühl ungerecht behandelt zu werden. Daraus gibt es leider auch Effekte die meistens nicht zielführend sind.

  • Linus Luchs 11.02.2016 16:23
    Highlight Highlight Nehmen wir eine Textstelle aus der Präambel unserer Verfassung (solange sie nicht von einer SVP-Initiative gestrichen wurde): „Dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen.“ Und nehmen wir noch ein Zitat von Winston Churchill: „Der Preis der Grösse heisst Verantwortung.“
    Wenn es in der Wirtschaft mehr CEOs gäbe, die den Geist dieser Zitate verinnerlicht hätten, gäbe es Tausende Arbeitsstellen für Menschen mit einem Leistungs-Handicap. Nicht für den monetären Profit, sondern für den menschlichen Gewinn. Leider können HSG-Karrieristen mit solchen Werten nichts anfangen.
    • Hierundjetzt 11.02.2016 21:13
      Highlight Highlight Gegenfrage: wieviele IV Bezüger arbeiten bei Ihnen, in Ihrem Geschäft? Und warum keiner? Haben Sie überhaupt ein Rollstuhlgängiges WC? Eben

      Ihrer Firma ist der Aufwand also auch zu gross. Soso. Könnte ja der Bonus darunter leiden... pfff Sie sehen, sooo einfach ist das eben nicht.

      Firmen wie Swisscom, Post, SBB, Genossenschaften (Migros, Coop) aber auch Kantons- und Bundesverwaltungen sowie eine tolle Handvoll KMU beschäftigen diese Menschen. 100% tolle Schweizer Firmen mit sozialer Verantwortung und Herz.
  • Asmodeus 11.02.2016 13:13
    Highlight Highlight Mein Schwager leidet an CP und Problemen mit dem Tag/Nacht-Rhythmus. Anders gesagt. Es kann sein, dass er am Nachmittag plötzlich einschläft und für Stunden nicht mehr zu wecken ist.

    Die IV unterstützte ihn dabei eine Lehre zu finden. Aufgrund seiner Krankheit wurde er aus der Lehre geschmissen.

    Danach hetzte ihn die IV 2 Jahre lang von Untersuchung zu Untersuchung nur um jetzt mitzuteilen, dass er weder ein Anrecht auf Rente noch Eingliederung hätte.

    Nun folgen mehrere Monate/Jahre Rechtsstreit.

    Und das ist leider keine Ausnahme sondern Methode bei der IV. Danke "Revision"
    • TanookiStormtrooper 11.02.2016 16:02
      Highlight Highlight War bei meinem Onkel auch so. Äusserlich sah man ihm nichts an und er war auch nicht einer der gross jammert wenn er Schmerzen hat. Also musste er gegen die IV vor Gericht und hat natürlich gewonnen. Ich frage mich was solche Prozesse für Kosten verursachen und ob die IV hofft der Betroffene würde eventuell vorher wegsterben.
    • Miss_Ann_Thropist 11.02.2016 18:12
      Highlight Highlight @Tanooki: Ja, die hoffen das. Als ich während meiner Ausbildung in einem Behindertenheim war, hat man einem älteren Herrn einen neuen Rollstuhl verweigert, obwohl der, den er hatte kurz davor war auseinanderzubrechen. Als ich mal bei der zuständigen Stelle angerufen habe sagte man mir, als obs das normalste der Welt wäre: "Ihrem Klient wird keinen neuen Rollstuhl genehmigt. In seinem Alter ist das schwierig. Ausserdem ist er nicht mehr richtig mobil, und könnte ihn daher nicht so dringend nötig haben".
      DAS meine Damen und Herren, ist der Umgang des Staates mit Hilfsbedürftigen.
  • Wilhelm Dingo 11.02.2016 13:06
    Highlight Highlight Es geht nur mit Zwang bei den Arbeitgebern. Viele Firmen würden staunen was das für einen positiven Effekt auf das Betriebsklima hat.
    • atomschlaf 11.02.2016 13:52
      Highlight Highlight Noch mehr Regulierung und Bevormundung ist so ziemlich das letzte, was wir bei der heutigen Wirtschaftslage brauchen.
  • Micha Moser 11.02.2016 12:55
    Highlight Highlight Es ist ein schreckliches Gefühl, wenn eine Behinderung nicht ernstgenommen, oder gar heruntergespielt wird. Ich finde die Idee ansich sehr toll, nur können nunmal nicht alle wieder eingegliedert werden. Und das diese, sowieso schon vom Schicksal getroffenen Menschen ein Schlechtes Gewissen haben müssen finde ich geht einfach nicht. Natürlich gibt es Schwarze Schafe aber das macht die wirklich Kranken nicht Arbeitsfähiger.
  • auoji 11.02.2016 12:54
    Highlight Highlight Fortsetzung Sozialhilfe:
    Nicht vergessen, Toni Brunner hat schon vor einem halben Jahr angekündigt, dass die Sozialhilfe um die Hälfte gekürzt werden soll. Also quasi Nothilfe für alle. Auch dieser Angriff der SVP auf die Schwächsten unserer Gesellschaft wird kommen.
    • atomschlaf 11.02.2016 13:47
      Highlight Highlight @auoji: Nun, wenn wir bzw. der Bund die Einwanderung in die Sozialhilfe via Asylschiene (z.B. Eritreer mit Sozialhilfequoten um 90%!) nicht bald in den Griff kriegt, wird das keine Frage des Wollens sondern des Müssens sein!
      Ich wäre allerdings dafür eine Zweiteilung vorzunehmen: CH-Bürger/innen und Ausländer/innen mit C-Bewilligung erhalten die Sozialhilfeleistungen im bisherigen Umfang. Bei allen anderen, inkl. Asylanten wird gekürzt.
    • Asmodeus 11.02.2016 13:50
      Highlight Highlight Und die Leute werden es feiern.

      Die SVP macht das ja geschickt. Auf der einen Seite kürzt sie Bildung, Sozialhilfe etc.

      Auf der anderen Seite mosert sie rum, dass Betrüger und Ausländer schuld daran wären, dass wir in Sachen Bildung und Sozialhilfe immer schlechter dastehen.

      Wieviele Leute meckern gegen die Asylsuchenden mit den Worten "Uns gibt ja auch niemand etwas. Warum denkt niemand an arme Schweizer?"
    • Asmodeus 11.02.2016 15:20
      Highlight Highlight Genau. Die SVP will nur unser Bestes. Unsere Wählerstimmen und unser Geld.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Beukelark 11.02.2016 12:25
    Highlight Highlight Sprechen sie doch mal mit IV-Bezügern. Die Mehrheit würde gerne wieder normal arbeiten und schämt sich IV-Rentner zu sein. Daher finde ich alle Versuche der IV, die Menschen zu schulen und in ihrer Entwicklung zu fördern, lobenswert. Auch wenn es nur eine Minderheit schafft ist der Sinn erfüllt. Der Artikel klingt schon fast so als ob alle Wiedereingliederungsmassnahmen sinnlos wären. Besuchen sie doch mal solche geschützten Arbeitsplätze. Da wird gefördert und es finden Entwicklungen statt, Menschen blühen wiedee auf, aber halt nicht innerhalb von 1-2 Jahren.
    • Peter 11.02.2016 12:28
      Highlight Highlight Sinnlos sind Massnahmen sicher nicht, aber die Erwartungen waren von Anfang an unrealistisch. Man hätte es wissen können und hat die Übung trotzdem durchgezogen.
    • auoji 11.02.2016 12:51
      Highlight Highlight Niemand hat etwas gegen Wiedereingliederung. Am wenigsten die Betroffenen. Nur: realistisch müssen sie sein. Unter Zwang unrealistische Übungen zu machen verschlimmert die Gesamtsituation und wird für die IV letztlich teurer sein.
    • atomschlaf 11.02.2016 12:53
      Highlight Highlight Weshalb um Himmels Willen sollte man sich als IV-Rentner schämen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • kurt3 11.02.2016 12:23
    Highlight Highlight Wenn ich mich recht erinnere , wurde bei der letzten IV- Revision der IV 300 Mio Fränkli zur Erhöhung des Personalbestandes , zu gesprochen . Dieses Personal sollte die Aufgabe erfüllen , die Rentner wieder in den Arbeitsprozess zurückführen . Das kann nicht funktionieren ohne Verpflichtung der Arbeitgeber .
  • wipix 11.02.2016 11:08
    Highlight Highlight die wichtigsten Bemühungen sind die, Menschen die IV beziehen müssen möglichst schnell wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Anstatt hier minderqualifizierte in den Arbeitsmarkt zurück zu schicken. Die IV Bezüger schulen so gut es Sinn macht, z.B. In Ihrem alten Arbeitsgebiet, neue ihrer Einschränkung angepasste Aufgaben zu schulen. Je schneller ein IV Bezüger wieder integriert werden kann desto besser für alle!
    • Yelina 11.02.2016 11:19
      Highlight Highlight Das versucht die IV seit Jahren (Umschulungen, Berufsberatung usw.), aber das Problem ist tatsächlich: je länger jemand aus dem Arbeitsprozess raus war, desto schwieriger ist der Wiedereinstieg.
    • Eskimo 11.02.2016 11:29
      Highlight Highlight das funktioniert aber nur wenn der IV Bezüger auch arbeiten will! Leider fehlt dazu häufig der Anreiz da man als IV Bezüger meist finanziell besser dran ist als mit ehrlicher harter Arbeit.
    • wipix 11.02.2016 12:06
      Highlight Highlight Da bin ich wohl einigen auf die Füsse getreten!?
      Mein Kommentar zielte allerdings nicht auf die Bezüger sondern eher auf das System. Ich arbeite selber bei einer Schule, die IV Bezüger aus Handwerklicher Branchen zurück in Ihr ursprüngliches Arbeitsgebiet schult. So wird aus einem ehemaligen Handwerker, z.B. Zimmermann, ein Projektplaner im Holzbau, oder Berater in Sachen Holzbau etc. So geht das wertvolle Wissen des Handwerkers nicht verloren. Übrigens:
      Wir integrieren über 80% der umzuschulenden IV Bezüger wieder in den Arbeitsmarkt!
    Weitere Antworten anzeigen
  • atomschlaf 11.02.2016 10:52
    Highlight Highlight Ich finde es absolut daneben, wie die IV als sogenannte "Versicherung" sich um ihre Pflichten drückt. Bei der Neuberentung bin ich durchaus für eine harte Linie, die Simulanten so weit wie möglich ausschliesst, aber bei bestehenden Rentnern müsste ein Bestandesschutz gelten, ausser wenn sich der Gesundheitszustand so stark verbessert, dass eine Arbeitstätigkeit problemlos möglich ist.
    Allerdings muss man der IV zugute halten, dass das Stimmvolk diesem Vorgehen zugestimmt hat, wohl in der irrigen Annahme, dass es nur die anderen treffe. Bei der AHV wäre sowas nie durchgegangen.
    • Angelo C. 11.02.2016 12:07
      Highlight Highlight Ich stimme dem ersten Abschnitt deines Votums umfänglich zu und auch Blunschi hat mehrheitlich recht damit, dass die Situation unbefriedigend ist, so wie sie sich heute präsentiert.

      Nichts desto Trotz darf man aber festhalten, dass es vor der Revision tatsächlich zahlreiche sog. Scheininvalide gegeben hat, was heute nach all den ebenso bekannten, wie eindrücklichen Presseberichten, aber auch unumstösslichen staatlichen Statistiken als belegte Tatsache gilt. Es war also an der Zeit, zumindest hier aufzuräumen.

      Allerdings hat sich das Vorgehen der IV nun praktisch ins Gegenteil verkehrt....

    • kurt3 11.02.2016 12:30
      Highlight Highlight Jetzt habe ich doch gemeint , das Volk hätte immer recht !
  • Fumo 11.02.2016 10:40
    Highlight Highlight "Die Mehrheit der Firmen reagierte überhaupt nicht, andere lieferten Antworten wie «Bei uns geht das nicht, Behinderte anzustellen» oder «Wir betrachten das nicht als unsere Aufgabe»."

    Freiemarktwirtschaft halt. Da kann man am Kommunismus kritisieren was man will, aber in solch Fällen würde der Staat entscheiden ob eine Firma es als ihre Aufgabe betrachtet Menschen in Not zu helfen. Aber auch in Kapitalistischen Staaten kann die Politik mehr tun, wie wäre es mit Steuererleichterungen für Firmen die mitmachen?
    • atomschlaf 11.02.2016 10:58
      Highlight Highlight @Fumo: Weshalb sollte eine Firma einen Behinderten einstellen, wenn sie sich jemanden aus 500 Mio. PFZ-Europäern aussuchen kann, der dieselbe Arbeit bei voller Leistung und erst noch für weniger Geld macht?
    • Yelina 11.02.2016 11:11
      Highlight Highlight Es gibt z.B. den sogenannten Einarbeitungszuschuss gemäss Art. 18b IVG, der an den Arbeitgeber eines noch nicht so leistungsfähigen Mitarbeiters ausbezahlt wird. Die IV übernimmt sozusagen bis zu einem halben Jahr einen Anteil des Lohns oder sogar den ganzen Lohn, um Arbeitgeber zu "motivieren".
    • Fumo 11.02.2016 11:49
      Highlight Highlight @atomschlaf Ganz einfach weil es eine gute Tat wäre, aber schon klar, mit gute Taten kann man seinen Porsche nicht volltanken ;)
  • keplan 11.02.2016 10:36
    Highlight Highlight Und wieder einmal übernimmt die Wirtschaft ihre Sozialverantwortung nicht und schiebt sie auf den Staat (und damit auf uns, nicht auf sich selbst sie können ja Steuern "optimieren")
    • Eskimo 11.02.2016 10:59
      Highlight Highlight so funktioniert nun mal der Sozialismus. Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber schon Milliarden in dieses System buttern kann man nicht auch noch erwarten dass die Wirtschaft sich um die eigentlichen Klienten der Sozialindustrie kümmert.
    • atomschlaf 11.02.2016 11:02
      Highlight Highlight @swi: Irrtum, es ist genau umgekehrt. Die (staatliche) IV kommt ihrer Verpflichtung als Versicherung nicht nach und versucht IV-Rentner an die Wirtschaft abzuschieben.
      Dass das Vorgehen durch eine Volksabstimmung legitimiert wurde, macht die Sache leider nicht besser.
      Man stelle sich den Aufschrei vor, die AHV würde plötzlich anfangen, bestehende Renten einzustellen, weil die Leute ja noch ein paar Jahre arbeiten könnten...
    • keplan 11.02.2016 12:45
      Highlight Highlight @atomschlaf
      und wieso wird das gemacht? Am Schluss fehlt es bei allen staatlichen Stellen an Geld (dann werden halt andere Lösungen gesucht) und dies in erster Linie weil (Gross-)Firmen kaum mehr steuern.
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