Schweiz
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Des partisants pour Sion 2026 reagissent pendant un aperitif lors d'une votation sur le soutien financier de lEtat du Valais pour l'organisation des Jeux olympiques d'hiver de Sion 2026 ce dimanche 10 juin 2018 a Sion. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Das war nix: Befürworter von Sion 2026 müssen ihre Niederlage verarbeiten. Bild: KEYSTONE

Nach dem Nein zu Sion 2026: Jetzt drücken wir Österreich die Daumen!

Das Walliser Nein zur Olympiakandidatur Sion 2026 ist so bedauerlich wie verständlich. Das IOK muss den Tatbeweis in Sachen Nachhaltigkeit erbringen, dann werden Spiele in der Schweiz mehrheitsfähig.

10.06.18, 17:07 12.06.18, 12:20


Fast genau 19 Jahre sind seit dem Tag vergangen, den viele Walliser bis heute nicht verdaut haben. Am frühen Morgen des 19. Juni 1999 hatten sich Tausende auf der Place de la Planta in Sitten versammelt, um den sicher scheinenden Erfolg der Olympiakandidatur Sion 2006 zu feiern. Dann trat Juan Antonio Samaranch, der greise Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), im fernen Seoul ans Mikrofon und verkündete: «The winner is Torino!»

Von einem Moment auf den anderen kippte die Festlaune in Konsternation und blanke Wut. Die Walliser Bewerbung, die von der zuständigen IOK-Kommission die besten Noten erhalten hatte, war gescheitert, und das nicht knapp, sondern deutlich. In den bald zwei Jahrzehnten, die seither vergangen sind, hat sich die Olympiabegeisterung in der Schweiz und im Wallis massiv abgekühlt.

Mehrere Anläufe scheiterten in der Frühphase oder spätestens in der Volksabstimmung. Die Bündner sagten in den letzten Jahren zweimal Nein. Nun hat es auch das Wallis erwischt: Mit der Ablehnung des kantonalen 100-Millionen-Kredits ist die Olympiakandidatur Sion 2026 gescheitert, bevor sie abheben konnte. 54 Prozent wollten nichts von ihr wissen.

Olympia ist ein tolles Erlebnis

Der geballte Einsatz des Politik- und Sportestablishments konnte das Olympische Feuer im Rhonetal und den vielen Seitentälern nicht entzünden. Selbst die Gegner waren über die negative Stimmung erstaunt. Während der Olympia-Euphorie der 90er Jahre mussten sie mit Handgreiflichkeiten rechnen. Jetzt wurden sie sogar von verbalen Anfeindungen verschont.

Das Ergebnis der Abstimmung erstaunt deshalb nicht. Bedauerlich ist es trotzdem. Olympische Spiele sind für Sportler und Fans ein tolles Erlebnis. Es wäre erfreulich, wenn die grosse Wintersportnation Schweiz sie wieder einmal durchführen würde. Die Voraussetzungen sind vorhanden. Und dennoch ist das erneute Scheitern einer Kandidatur verständlich.

Ausser Kontrolle geratener Gigantismus

Seit Sion 2006 hat sich das IOK nach Kräften bemüht, seine wertvolle Marke Olympia zu ruinieren. Die Skandalspiele in Sotschi 2014 waren ein Tiefpunkt, mit dem russischen Staatsdoping und den immensen Kosten, die oft in dunkle Kanäle versickerten. Die verlotterenden Sportstätten von Athen 2004 und Rio 2016 sind ebenfalls kein Ruhmesblatt, sondern ein trübes Zeugnis eines ausser Kontrolle geratenen Olympia-Gigantismus.

Warum das Wallis gegen Olympia stimmt

Video: srf/Maurice Thiriet

In den letzten Jahren sind Bewerbungen nicht nur in der Schweiz am Stimmvolk gescheitert, sondern auch in anderen Ländern, etwa Deutschland und Österreich. Das IOK hat unter seinem neuen Präsidenten Thomas Bach erkannt, dass es sich ein massives Glaubwürdigkeitsproblem einhandelt, wenn die Spiele nur noch in autoritär regierten Ländern ausgetragen werden.

Tatbeweis mit Graz/Schladming

Mit der Agenda 2020 sollen Olympische Spiele nachhaltiger werden. Man will in Zukunft primär existierende Sportstätten nutzen. Bisher ist sie nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Bei den Winterspielen steht der Tatbeweis noch aus. Mit der Vergabe der Spiele 2026 hat das IOK die Chance, ihn auch nach dem Aus der Walliser Kandidatur zu erbringen.

Konkret bedeutet dies, dass das IOK die «Erdogan-Spiele» im türkischen Erzurum schon bei der Vorauswahl im Oktober herausfiltern sollte. Es droht eine Wiederholung des Sotschi-Debakels. Dafür sollten wir der österreichischen Bewerbung von Graz/Schladming die Daumen drücken. Sie setzt wie Sion 2026 auf bestehende Anlagen. Bob/Rodeln/Skeleton und Eisschnellauf sollen in Bayern stattfinden.

Für viele Schweizer ist es eine Zumutung, im Wintersport den «Erzfeind» Österreich zu unterstützen. Nur so aber besteht die reale Aussicht, dass Winterspiele in absehbarer Zeit wieder einmal bei uns stattfinden werden. 54 Prozent Nein sind keine unüberwindliche Hürde.

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    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 11.06.2018 14:58
    Highlight in Graz ist bereits ein Volksbegehren gegen Olympia unterwegs - mit besten Aussichten auf Erfolg.
    3 1 Melden
  • Knety 10.06.2018 22:10
    Highlight Also ich mag Österreich. Oder zumindest was davon übriggeblieben ist. 😜
    25 0 Melden
  • sigma2 10.06.2018 21:02
    Highlight Ja klar drücken wir den Österreichern nun die Daumen und zwar dass sie die Spiele nicht erhalten. Nicht weil wir etwas gegen Österreich haben, sondern weil es das Beste für Österreich wäre.
    56 6 Melden
  • Katzenseekatze 10.06.2018 20:30
    Highlight Sehr guter Entscheid von der Walliser Bevölkerung.
    58 7 Melden
  • wasps 10.06.2018 20:05
    Highlight Das Hauptproblem sind doch die IOC-Funktionäre. Das IOC ist wie die FiFA eine Ansammlung zweifelhafter Gesellen. Da hat sich bis dato überhaupt nichts geändert, wie das Beispiel Ghana einmal mehr eindrücklich beweist. Von Russland und seinem Sportminister ganz zu schweigen. Dieselben Leute gehen beim IOC und der FiFA ein und aus. Da ist jeder Steuerfranken anderswo besser angelegt.
    46 1 Melden
  • p4trick 10.06.2018 20:04
    Highlight Gut so! Sorry aber 1Mia vom Bund für ein einzelnes Sportereignis. Schliefts?
    54 7 Melden
  • Redly 10.06.2018 20:04
    Highlight Warum sollten wir Österreich etwas schlechtes wünschen?
    Und nein, an der Ablehnung ist gar nichts bedauerlich.
    54 5 Melden
  • NWO Schwanzus Longus 10.06.2018 18:44
    Highlight Wenn man die Kandidatur von Erzurum rausfiltern sollte, dann nicht weil Erdo die Türkei führt, sondern aus infrastrukturellen Bedenken. Sonst macht sich Olympia zu sehr zum Politikum. Zudem war Sotschi sicher kein Skandal, den die Spiele wurden sehr gut organisiert. Nicht alles was in Russland ist, ist auch ein Skandal.
    12 29 Melden
  • NWO Schwanzus Longus 10.06.2018 18:41
    Highlight Ich bin froh das es ein Nein gab, Olympia ist nicht nachhaltig für die meisten Städte fragt mal nach Barcelona, Turin, Rio oder sonstwo nach. Der Push ist nur von kurzer Dauer.
    33 2 Melden
    • crik 10.06.2018 21:50
      Highlight Meines Wissens ist Barcelona das Beispiel schlechthin, dass sich Olympische Spiele langfristig positiv auswirken können. Von einer verslumten Stadt zu Europas Trend-Metropole Nummer 1.
      27 13 Melden
  • crik 10.06.2018 18:36
    Highlight Ich sähe gerne eine Bewerbung, welche von Beginn weg klar die folgenden Aussagen macht:

    - Es werden soweit möglich bestehende Anlagen benutzt (war bei Sion 2016 der Fall)

    - Die Schweiz braucht Olympia nicht als Werbung. Die Olympischen Spiele brauchen die Schweiz.

    - Die Schweiz leistet einen moderaten Beitrag (250 Mio?). Die weiteren Kosten und ein allfälliges Defizit werden vom IOK getragen.

    Natürlich ist der letzte Punkt in krassem Widerspruch zu den Regeln des IOK. Wenn es dem IOK ernst ist mit Nachhaltigkeit, kann es die Regeln ändern. Wenn nicht, ist der Fall auch klar.

    44 2 Melden
  • Pasch 10.06.2018 18:20
    Highlight Ob in der Schweiz oder in Österreich die grossen Absahner bleiben die gleichen. Was von so einem Event für die Bevölkerung übrig bleibt ist nur noch den Müll wegmachen.
    37 3 Melden
  • Jarl Ivan 10.06.2018 18:14
    Highlight 1Milliarde gespart, Vaterschaftsurlaub somit ohne Probleme 2Jahre Finanziert.
    48 8 Melden
  • DichterLenz 10.06.2018 18:07
    Highlight Überhaupt kein Problem mit Österreich... schnappt euch die Geisterstädte und die Verschandelung eurer Berggebiete.
    50 7 Melden
  • Posersalami 10.06.2018 17:57
    Highlight Die Spiele werden genau dann Mehrheitsfähig, wenn sie komplett vom IOC und Sponsoren vestemmt werden. Zumal das IOC genügend Gewinn macht.
    141 4 Melden
  • Rudi66 10.06.2018 17:54
    Highlight Gut so!
    Ein Ja wäre auch ein Ja zum korrupten Haufen des IOC.
    Vielleicht, aber wohl eher nicht, merken die Korruptis es endlich.........
    146 14 Melden
  • mogad 10.06.2018 17:52
    Highlight Bravo. Danke Sion. Aber die werden so lange zwängen und stürmen, bis das Volk weichgeocht ist und ja sagt. Es gibt einfach zu viele Leute, die sich mit Olympia eine goldene Nase verdienen wollen.
    82 28 Melden
  • Luca Brasi 10.06.2018 17:41
    Highlight Olympische Spiele, WMs und EMs sind doch nur noch für das Portemonnaie der Verbände und die Sponsoren da. Zu glauben, dass sich die Zeit zurückdrehen lässt, ist naiv. Selbst wenn Österreich die Spiele bekommt, nachhaltig werden sie wohl kaum. Und selbst wenn, dann holt das IOC halt den "Verlust" mit 2 Olympischen Spielen in autoritären Staaten nach.
    63 16 Melden
    • Posersalami 10.06.2018 17:57
      Highlight Die dürfen ja auch geld verdienen! NACHDEM sie für alle kosten bezahlt haben.
      60 4 Melden
    • Steven86 11.06.2018 06:29
      Highlight Und dann solten wir die gross Anlässe abschaffen?
      6 6 Melden
  • Turi 10.06.2018 17:32
    Highlight "Für viele Schweizer ist es eine Zumutung, im Wintersport den «Erzfeind» Österreich zu unterstützen."

    Nur weil der Blunschi ein Problem mit unserem Nachbarn hat, heisst das nicht, dass viele Schweizer auch so denken.
    278 23 Melden
    • salamandre 10.06.2018 19:43
      Highlight also ich hab nirgends gelesen das der Blunschi ein Problem hat und Austria ist mir weit lieber als die Türkei. Auf dem Treppchen hingegen mag ich sie auch lieber ein Stufe tiefer😉
      19 2 Melden
    • jjjj 10.06.2018 19:56
      Highlight Word
      3 0 Melden
    • Walser 10.06.2018 19:59
      Highlight Danke Turi. Österreich ist bloss im Skisport unser Erzfeind. Aber eher so zum Spass. Ansonsten sind sie uns sehr ähnlich. Für mich und den Grossteil der Schweizer sind die Österreicher ok.
      30 0 Melden
    • p4trick 10.06.2018 20:12
      Highlight Ich kenne Null Schweizer die irgend ein Problem haben mit Östereich.. in welcher Blase lebt dieser Bluntsi?
      30 4 Melden

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