Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Reine Tötungslust»: Mörder von Ganterschwil SG muss 19 Jahre ins Gefängnis



Am Mittwoch (09.09.2015), kurz nach 13:20 Uhr, ist im Lochermoos ein Mann im freien Feld erschossen worden. Die Täterschaft ist auf der Flucht. Eine Grossfahndung verschiedener Polizeikorps brachte bis jetzt keine Ergebnisse. Gemäss jetzigen Erkenntnissen war die männliche Person zu Fuss in Begleitung einer Frau unterwegs. Auf einer Kiesstrasse traf er auf die Täterschaft und wurde von dieser erschossen. Die Polizei sucht im Moment zwei Männer. Diese sind mit einem Auto in unbekannte Richtung geflüchtet. Sowohl über das Opfer, wie auch über die Täterschaft und den Tathergang kann die Kantonspolizei St.Gallen aufgrund laufender Ermittlungen und Fahndungen keine weiteren Angaben machen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eröffnet.

Der Tatort in Ganterschwil Bild: Kapo sg

Das Kreisgericht Toggenburg hat einen 34-jährigen Mazedonier wegen Mordes und anderer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren verurteilt. Der Mann hatte im Herbst 2015 in Ganterschwil im Toggenburg einen Mann auf offenem Feld erschossen.

Das Gericht folgte in seinem am Montag bekanntgegebenen Urteil weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Ein mitangeklagter 55-jähriger Kollege des Haupttäters wurde wegen Gehilfenschaft zu vorsätzlicher Tötung und weiteren Delikten zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Zudem erhält er eine bedingte Geldstrafe.

Die beiden Verurteilten wurden verpflichtet, der Lebenspartnerin des Opfers eine Genugtuung von 40'000 Franken sowie rund 12'000 Franken Schadenersatz zu zahlen. Die Tatwaffe, eine Armeepistole, wird eingezogen und der Militärverwaltung übergeben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Verteidiger des Haupttäters hatte die Einstellung des Verfahrens oder einen Freispruch verlangt. Der Prozess vor Kreisgericht Toggenburg fand vorletzte Woche aus Sicherheitsgründen und unter Polizeischutz im St. Galler Kantonsgericht statt. Der Hauptangeklagte verweigerte jede Aussage.

An der zweitägigen Verhandlung verlangte sein Verteidiger eine Einstellung des Verfahrens oder einen Freispruch samt Genugtuung von einer halben Million Franken. Er argumentierte, sein Mandant sei von der ersten Pflichtverteidigerin mangelhaft verteidigt worden, entlastende Beweisaufnahmen seien nicht erfolgt und das Verfahren habe viel zu lange gedauert.

Staatsanwalt: «Reine Tötungslust»

Für den Staatsanwalt war die Schuld des Mannes erwiesen. Es habe sich um eine eigentliche Hinrichtung «aus reiner Tötungslust» gehandelt. Die Anklage berief sich auf die Schilderungen von Zeugen, auf die Ergebnisse der Spurensuche, aber auch auf Aussagen des Mazedoniers nach der Tat. Vor Gericht verlangte der Staatsanwalt wegen Mordes und anderer Delikte eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren.

Der Beschuldigte hatte die Tat in der Untersuchung bestritten. Ein Kollege, der ihn zum Tatort fuhr und ihm auch die Schusswaffe überlassen hatte, sollte wegen Gehilfenschaft zu einer vorsätzlichen Tötung eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren erhalten.

Auslöser für die Tat war laut Anklage die gescheiterte Beziehung des 34-jährigen Mazedoniers zu einer Frau, bei der er vorübergehend in Ganterschwil wohnte. Die Frau entschied sich aber für einen 36-jährigen Slowaken, der wegen Einbrüchen zeitweise in Haft sass. Wenige Tage, nachdem dieser Mann zurückgekehrt war, kam es zur Tat.

Neun Schüsse und Messerstich

Der Staatsanwalt schilderte an der Verhandlung, wie sich der Mazedonier von einem Kollegen nach Ganterschwil fahren liess. Auf einem Feldweg sei er auf die Frau und den Slowaken getroffen. Er habe neun Schüsse auf den Nebenbuhler abgefeuert.

Weil er geglaubt habe, das Opfer lebe noch, habe er sich im Auto ein Messer geholt und es dem Mann in die Brust gestossen. Danach seien er und sein Gehilfe davongefahren und am gleichen Abend in einem Bordell am Bodensee gelandet. Wenige Stunden später wurden die beiden verhaftet. (aeg/sda)

Das sind die Länder mit den höchsten Mordraten

Südafrika: Täglich werden drei Frauen vom Partner getötet

Play Icon

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • N. Y. P. 23.03.2020 19:38
    Highlight Highlight Ich denke, man sollte den Verteidiger mal unter die Lupe nehmen.

    Hat er eine Zulassung* ? Glaubt er, mit Witzanträgen seinem Mandanten helfen zu können ?

    Wie heisst der Verteidiger ?

    *Logisch hat er eine Zulassung. Ich frage mich aber, ob er überhaupt fähig ist, sich smart genug zu verhalten, damit es seinem Mandanten etwas bringt.
    • Antinatalist 23.03.2020 23:06
      Highlight Highlight In der Regel redet ein Strafverteidiger mit seinem Mandanten. Wenn der Mandant selbst ihm nichts eingesteht, wird es für den Strafverteidiger schwierig, ein niedrigeres Strafmass von X Jahren Gefängnis oder gar auf Bewährung herauszuholen. Dann muss er schon fast einen Freispruch fordern, auch wenn es ihm selbst völlig klar ist, dass es ein aussichtsloses Vorhaben ist. Er wird dies seinem Mandanten bestimmt auch erklärt haben, aber wenn dieser nicht will und völlig uneinsichtig ist, ist es zwecklos.
      Strafverteidiger brauchen die Kooperation des zu Verteidigenden, sonst nützt alles nichts.
    • N. Y. P. 24.03.2020 11:24
      Highlight Highlight Da könntest du recht haben. Wenn er selbst seinem Strafverteidiger nichts sagen will, dann wird es richtig schwierig.
      Zumal ja der Strafverteidiger zur Verschwiegenheit verpflichtet ist.

      Danke für deine Erklärungen.
  • Dragonlord 23.03.2020 10:32
    Highlight Highlight "An der zweitägigen Verhandlung verlangte sein Verteidiger eine Einstellung des Verfahrens oder einen Freispruch samt Genugtuung von einer halben Million Franken. Er argumentierte, sein Mandant sei von der ersten Pflichtverteidigerin mangelhaft verteidigt worden, entlastende Beweisaufnahmen seien nicht erfolgt und das Verfahren habe viel zu lange gedauert."

    Ich frage mich bei solchen Anträgen immer, ob die Verteidiger das wirklich ernst meinen. Es soll eine faire Verhandlung geben für jeden Straftäter, dem stimme ich zu. Aber sowas wie oben zu verlangen, ist doch ekelhaft in diesem Fall.
    • tr3 23.03.2020 13:11
      Highlight Highlight Kann ich nachvollziehen. Aber es ist nun mal der Auftrag des Anwalts, das Beste für seinen Mandanten herauszuholen. Seine persönlichen Gefühle sind dabei nicht relevant. Wer damit ein Problem hat, wird besser nicht Strafverteidiger.
    • Unicron 23.03.2020 13:52
      Highlight Highlight @tr3
      Klar, das Beste für den Mandanten herausholen ist sein Job. Aber das muss doch irgendwo im realistischen Rahmen liegen? Kompletter Freispruch und Entschädigung von 500'000 Franken?
      Warum nicht noch ganz Australien und die Goldreserven der USA dazu? Ausserdem muss die Queen von England alle Schwäne an ihn überschreiben.
      VERLANGEN kann man das schon, aber die Erfolgsausichten sind wohl eher überschaubar.
    • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 23.03.2020 13:56
      Highlight Highlight Es gibt da verschiedene Vorgehensweisen. Grundsätzlich sind Maximalforderungen richtig, um (1) auf die Schwere des Verfahrensmangels zu sensibilisieren und (2) sich nichts zu vergeben. Es gibt auch die Sorge, dass eine weniger weitgehende Forderung inkonsequent wirken würde.

      Eine andere Vorgehensweise sieht realistischere Anträge vor, denen das Gericht eher entsprechen kann.

      Hier geht es wohl in erster Linie darum, den Verfahrensmangel deutlich aufzuzeigen und vor der nächsten Instanz dann die Auseinandersetzung zu suchen, auf welche Beweismittel man sich überhaupt abstützen durfte.
    Weitere Antworten anzeigen

Frankreich und Deutschland blockieren weiter Schutzmasken für die Schweiz

Die EU-Kommission hat die EU-Staaten angewiesen, Lieferungen von Schutzmaterial in die Schweiz nicht mehr zu blockieren. Doch in der Krise zählt das Machtwort aus Brüssel wenig.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin konnte Ende letzter Woche einen Erfolg vermelden: Nach seiner mehrmaligen Intervention beim EU-Handelskommissar Phil Hogan hat die EU-Kommission eine Regelung abgeändert, die den Export von Schutzmaterial wie Masken oder Handschuhen in Drittländer beschränkt. Lieferungen in die Schweiz sollten von Deutschland oder Frankreich nicht mehr am Zoll blockiert werden können, wie das zum Beispiel bei einem Lastwagen mit 240'000 Schutzmasken der Fall war.

Nun zeigt sich: …

Artikel lesen
Link zum Artikel