Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eine Ausgabe der Zeitung

Der Protest gegen die Übernahme des «Tagblatts» durch Christoph Blocher war laut. Bild: KEYSTONE

Und jetzt rate mal, wie viele Zürcher nach dem Blocher-Kauf das «Tagblatt» kündigten

Erboste Zürcher reagierten mit einem Boykott-Aufruf, als bekannt wurde, dass Christoph Blocher das «Tagblatt der Stadt Zürich» übernimmt. Die Wirkung ist allerdings bescheiden.

14.06.18, 10:30 15.06.18, 06:09


Die Aufregung war gewaltig, als Mitte April der Schweizer Mediendeal des Jahres publik wurde: Der Zürcher Verlag Tamedia kauft Christoph Blocher die «Basler Zeitung» ab, im Gegenzug erhält der SVP-Stratege das Zürcher «Tagblatt».

Das «Tagblatt», das einmal wöchentlich kostenlos an die Zürcher Haushalte verteilt wird, ist nicht nur die älteste Zeitung der Schweiz. Es dient auch als Amtsblatt von Zürich – die Stadt hat also einen Vertrag mit dem Herausgeber. Entsprechend schlugen linke Politiker Alarm, als sie von der Übernahme erfuhren: So fordern ein AL- und ein SP-Gemeinderat den Stadtrat dazu auf, den Vertrag sofort zu kündigen, falls die Redaktion künftig verstärkt mit anderen Blocher-Medien zusammenarbeitet oder es zu «politisch motivierten Entlassungen» kommen sollte.

Privatpersonen riefen in den sozialen Medien und in den Kommentarspalten zum Boykott der Zeitung auf. Die Grünen der Stadt Zürich liessen zu diesem Zweck gar Stoppkleber für Briefkästen produzieren: «Keine SVP-Propaganda – kein Tagblatt». 

Nur ein Boyköttchen

Nun, knapp zwei Monate danach, zeigt sich: Aus dem Appell resultierte höchstens ein Boyköttchen. Wie «Tagblatt»-Chefredaktorin Lucia M. Eppmann auf Anfrage von watson sagt, haben sich seit Mitte April «genau 13 Leserinnen und Leser» gemeldet, «die mit Hinweis auf die Übernahme durch Christoph Blocher das ‹Tagblatt der Stadt Zürich› nicht mehr wünschen».

Allerdings hätten sich zahlreiche Leser telefonisch oder per Mail an die Redaktion gewandt und Fragen zur Zukunft der Traditionszeitung gestellt.

Nach Angaben der Grünen haben inzwischen über 2000 Haushalte einen Anti-SVP-Kleber für ihren Briefkasten bestellt. Die Aktion hatte laut Eppmann aber keinerlei Einfluss auf die Zustellung, weil das «Tagblatt» in der Regel gar nicht in privaten Briefkästen landet, sondern nach Absprache mit den Liegenschaftsverwaltungen in Hauseingängen, Sammelboxen oder an anderen festgelegten Stellen deponiert wird.

Für Luca Maggi, Vize-Präsident der Stadtzürcher Grünen, ist die Aktion dennoch ein Erfolg: «Wenn tausende Zürcherinnen und Zürcher an ihren Briefkästen signalisieren, dass sie es nicht goutieren, wenn sich die rechtsbürgerliche Presse in Zürich breitmacht, dann ist das ein eindrückliches Zeichen.» Man werde genau hinschauen, in welche Richtung sich der redaktionelle Kurs der Zeitung entwickelt.

Mehr zum Thema

Das könnte dich auch interessieren:

GoT-Star Natalie Dormer meint: «MeToo war absolut notwendig!»

Wir haben die Kantonsgrenzen neu gezogen – so sieht die Schweiz jetzt aus

Swisscom erhöht Abopreise um 191%: So reagieren die Kunden auf den erzwungenen Abowechsel

Der Staat soll Stillpausen für berufstätige Mütter bezahlen

Alpentourismus kämpft mit Gigantismus um Gäste: Kann das gut gehen?

Mit diesen 10 Tricks und Tipps holst du das Beste aus Spotify raus

«Einmal Betrüger, immer Betrüger» – 7 Leute erzählen von ihrem Beziehungsende

Warum Tabubrecher triumphieren und was die Schweiz damit zu tun hat

Du denkst, du kennst die Kommaregeln? Ha!

«In einer idealen Welt wären Solarien verboten»

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

Die Grünen sind die unverbrauchten Linken

Wie AfD-Weidel mit falschen Schweizer Asylzahlen Hetze gegen Ausländer macht

30 Millionen Facebook-Profile gehackt. User-Daten weg. So merkst du, ob du betroffen bist

Ist Trump nun ein Faschist oder nicht?

Die 7 schlimmsten Momente, die du an einer Prüfung erleben kannst

Diese 7 Frauen hätten einen Nobelpreis verdient – nur eine könnte ihn noch bekommen

11 Schritte für mehr Nachhaltigkeit in deinem Alltag

präsentiert von

Sorry, Bundesrat Berset, aber es ist Freitag und wir hatten nichts Besseres zu tun ...

Diese Tweets zeigen dir, was mit Menschen passiert, wenn sie zu lange keinen Sex haben 😂

Diese Nachricht lässt jede Playstation 4 sofort abstürzen – so schützt du dich

Diese Inder löschen Pornos und Gräuel-Bilder aus dem Netz – und leiden dabei Höllenqualen

Alle Artikel anzeigen

Rechtsvorbeifahren auf der Autobahn wird künftig erlaubt

Video: srf/SDA SRF

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

32
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tenno 14.06.2018 20:47
    Highlight Mich interessiert nicht ob Blocher sein Geld im Tagblatt verlocken will. Das liest so oder so niemand.
    Lustig finde ich aber die Grünen bei 2000 Kleber von tausenden Zürchern zu sprechen, welche ein starkes Zeichen setzen. Ihr habt gerade mal das Minimum erreicht um von Tausend in der Mehrzahl zu sprechen und führt euch auf als ob die halbe Stadt nun ein Kleber hat.
    Als Lug und Betrug von Links bis Rechts. Wer nichts wird , wird Politiker so müsste das heute wohl heissen.
    4 0 Melden
  • Lichtblau550 14.06.2018 20:21
    Highlight Für Nichtzürcher: Das Tagblatt ist tatsächlich ein Traditionserzeugnis unserer Stadt, bei dem - man glaubt es kaum - richtige JournalistInnen arbeiten, die keinen schlechten Job machen. Auf den ersten Blick sind es sogar dieselben, wie vor der Blocher-Übernahme. Alles Rechte? Wohl kaum. Sollen die jetzt via Empörungskleberli aufs RAV? Müsste sich watson da nicht solidarischer zeigen?
    27 11 Melden
  • Lichtblau550 14.06.2018 20:08
    Highlight Gegen 20min und Co. bietet das Tagblatt geradezu hochstehende Unterhaltung mit ein paar ganz netten Rubriken. Ich nehme es jeweils auf meinen ca. 20minütigen Arbeitsweg per ÖV mit. Und merklich geändert hat sich am Inhalt eigentlich nichts.
    26 4 Melden
  • Madmessie 14.06.2018 18:51
    Highlight Man kann eine Gratiszeitung kündigen?
    32 1 Melden
  • maricana 14.06.2018 18:43
    Highlight Gedruckte Zeitung = Altpapier. Unbedruckte Zeitungspapier-Rolle = Altpapier. Das Zeitungs-Druckzentrum Adligenswil wird per Ende Jahr stillgelegt mangels Druckaufträgen. Nach 46 Jahren Erwerbstätigkeit im graphischen Gewerbe weiss ich wovon ich schreibe.
    19 2 Melden
  • Dagobert Duck 14.06.2018 14:26
    Highlight ich finde es super, dass die zürcher so ein gutes blatt haben. mag es ihnen gönnen. ich hätte auch gerne so ein qualitätsblatt bei mir in bern. aber hier gibts ja den bärnerbär, auch ein qualitativ gutes blatt mit viel cervela zeugs.
    29 37 Melden
  • Posersalami 14.06.2018 14:01
    Highlight "Nach Angaben der Grünen haben inzwischen über 2000 Haushalte einen Anti-SVP-Kleber für ihren Briefkasten bestellt."

    Wo kann ich den Kleber bestellen?

    In meinem Briefkasten habe ich regelmässig diese SVP "Extrablättchen" voller dummer Propaganda.
    55 61 Melden
    • AlteSchachtel 14.06.2018 14:52
      Highlight ich hatte schon vor 5 Jahren einen besondern und deutlichen Anti-SVP-Extrablattkleber auf dem Briefkasten. Bei Zeitungen nützt der nix! Der Pöstler ist verpflichtet die Zeitung in den Kasten zu werfen, irgendwie geht das nicht unter Werbung. Frechheit.
      35 37 Melden
    • NuraNett 14.06.2018 14:57
      Highlight Habe auch Intresse! Bis jetzt schicke ich der SVP jeweils ihr Altpapier zurück, damit sie es selbst entsorgen kann. Ein Kleber wäre nützlich :)
      41 34 Melden
    • CASSIO 14.06.2018 20:25
      Highlight nuranett, man könnte ja mal eine aktion machen, all diesen abfall sammeln und dann jeweils mit einem 40tönner in herrliberg entsorgen!
      13 9 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Max Cherry 14.06.2018 13:39
    Highlight Naja, das mag sich für nicht-Zürcher und svp-Plauderis lustig anhören, alle anderen wissen jedoch, dass das Tagblatt keine bewusst abonnierte Zeitung ist und normalerweise nur vor der Haustür deponiert wird. Mein Hausmeister hat sich dagegen gewehrt, bei allen von ihm betreuten Liegenschaften liegt sie seither auch nicht mehr auf. Falls das auch als "Kündigung des Tagblatts" gilt, kann die Zahl um mindestens 60 Kündigungen erhöht werden.
    Die meisten schauen eh höchstens wegen den ausgeschriebenen Stadtwohnungen rein.
    32 15 Melden
  • AlteSchachtel 14.06.2018 13:32
    Highlight "Das «Tagblatt», das einmal wöchentlich kostenlos an die Zürcher Haushalte verteilt wird"

    na also: Gratisblatt. Wenn man schon keine Chance hat, das Einwerfen des unsäglichen SVP-Extrablattes zu verhindern, wie will man denn anderen Schund, der so verteilt wird, verhindern?
    Der Pöstler sagte mir damals beim Extrablatt, er sei verpflichtet, das Hetzblättli in jeden Briefkasten zu werfen und mir blieb nichts anderes übrig als das Papier zu vernichten. Genau wie damals bei der Schweizerzeit, schriftliches Flehen um Verschonung hat rein gar nichts gebracht.
    36 19 Melden
  • Shin Kami 14.06.2018 13:26
    Highlight Das Tagblatt produziert ohnehin viel zu viel Altpapier, ich fände eine Online Ausgabe (Webseite oder pdf) deutlich besser, die könnte man dann auch wie einen Newsletter abbestellen...
    34 7 Melden
  • lumo 14.06.2018 12:56
    Highlight Lächerlich das Linke geweine wegen einer Zweitung. Dabei sollten alle andern etwas sagen gegen die ganze Links sitzende Medienlandschaft....
    71 93 Melden
    • Shin Kami 14.06.2018 13:27
      Highlight Da du dich ja anscheinend auch an der politischen Ausrichtung der "Medienlandschaft" störst, solltest du mit dem "linken geweine" ja eigentlich einverstanden sein. Beides wäre politische Einflussnahme...
      41 22 Melden
  • Herr J. 14.06.2018 12:45
    Highlight Wenn ich "Stop"-Kleber für jedes Presseerzeugnis anbringen wollte, das links-grünen Touch hat, wäre mein Briefkasten zu klein.
    82 69 Melden
    • Juliet Bravo 14.06.2018 13:33
      Highlight Coopzeitung?
      37 12 Melden
  • Wilhelm Dingo 14.06.2018 12:33
    Highlight Solange die Papiersorte gleichbleibt ist die Übernahme ok...
    37 9 Melden
    • Ursus ZH 14.06.2018 14:53
      Highlight Warum, ist es besonders saugfähig?
      31 7 Melden
    • Wilhelm Dingo 14.06.2018 16:16
      Highlight @Ursus ZH: es eignet sich sehr gut zum anfeuern, viel besser als 20min.
      33 3 Melden
    • Ursus ZH 14.06.2018 16:40
      Highlight Ach, sorry Wilhelm Dingo, ich dachte du meinst für den täglichen Thronaufenthalt.
      20 0 Melden
  • insider 14.06.2018 11:34
    Highlight "Tag-what?"
    Ich glaube, dabei handelt es sich um den Stapel Papier, welcher dann und wann einfach so vor dem Hauseingang liegt und dann irgendwann vom Hauswart entsorgt wird... Warum also soll ich mich um eine "Kündigung" bemühen? Soll doch der Blocher sein Geld in Altpapier investieren.
    223 19 Melden
    • Ursus ZH 14.06.2018 14:55
      Highlight Ja, es handelt sich genau um dieses Bündel, das schliesslich mit ungeöffnetem Schnürchen drum im Altpapier landet.
      29 6 Melden
  • Skeletor82 14.06.2018 11:29
    Highlight Super Aktion der Grünen, da das Tagblatt gar nicht im Briefkasten landet.

    Wohl durchdacht und kostenneutral *nicht*.
    82 31 Melden
  • flying kid 14.06.2018 11:08
    Highlight Lächerlich
    128 21 Melden
  • INVKR 14.06.2018 10:51
    Highlight Mich würde eher interessieren, bei wie vielen Zürchern das Blatt sowieso ungelesen im Altpapier landet...
    457 10 Melden
    • Ursus ZH 14.06.2018 14:50
      Highlight Nach SVP und Trumpscher Zählweise nur etwa 0.1%.
      Ich schätze aber, realistisch gesehen, etwa 99.9%.
      28 13 Melden
    • matcha 14.06.2018 15:48
      Highlight Bei vielen, zu mir kommt sie eigentlich nie in den haushalt
      11 2 Melden
    • Zappenduster 14.06.2018 17:43
      Highlight Bei uns werden jeweils 100 Exemplare einfach vor die Türe geworfen (10Parteien im Haus) aber schon vor Blocher`s Zeiten..
      5 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • antivik 14.06.2018 10:37
    Highlight Es ist, wie es immer ist: der Mensch ist ein Gewohnheitstier
    (und vor allem ein "Gemütlichkeitstier") und damit wir tatsächlich aktiv werden und handeln braucht es halt mehr... Die meisten reagieren ja nicht mal, wenn es sie direkt betrifft und dies in einem viel stärkerem Ausmass als es hier der Fall ist.
    43 7 Melden

Roger Schawinski im grossen No-Billag-Interview: «Das ist völlig durchgeknallt»

Der Schweizer Medienpionier und Radio-Unternehmer Roger Schawinski meldet sich in der No-Billag-Debatte mit dem in Rekordzeit geschriebenen Buch «No Billag? Die Gründe und die Folgen» zu Wort. Ein Gespräch über die Vernebelungstaktiken der Initianten, die Chancen der Initiative und «Morning Joe».  

Ihr Buch ist flott geschrieben und es bietet eine verständliche Einordnung der Problematik. Aber kann ein Schnellschuss auch seriös sein?Roger Schawinski: Dies ist mein Fachgebiet, in dem ich mich seit Jahrzehnten auskenne. Und ich habe wohl mehr praktische Erfahrungen im In- und Ausland als andere.

Sie tragen aber ziemlich dick auf. Man hat den Eindruck, die Schweiz werde bei einem Ja zur No-Billag-Initiative untergehen. So ein Quatsch. Haben Sie das Buch überhaupt gelesen? Das schreibe …

Artikel lesen