Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Abtreibungstourismus im Tessin bricht um 75 Prozent ein – das ist der Grund

Im Tessin gibt es immer weniger Schwangerschaftsabbrüche. Was dahinter steckt, zeigt eine neue Studie.

20.07.18, 18:58 21.07.18, 09:34


2011

Im Kanton Tessin gibt es pro 1000 Frauen im gebärfähigen Alter 10,5 Schwangerschaftsabbrüche. Damit gehört der Kanton Tessin zu den absoluten Spitzenreitern. Nur noch im Kanton Genf werden mehr Schwangerschaftsabbrüche registriert (14,1 pro 1000 Frauen). Der schweizweite Durchschnitt liegt bei 7,1 Abbrüchen.

2017

Und plötzlich befindet sich der Kanton Tessin unter dem Schnitt. Mit einer Abbruchrate von 4,9 pro 1000 Frauen befindet sich der südliche Kanton im Mittelfeld und unter der schweizweiten Abbruchrate von 6,1.

Schwangerschaftsabbrüche in der Schweiz

Schwangerschaftsabbrüche

Bild: Bundesamt für Statistik

Was ist im Tessin passiert?

Vom Kanton mit den zweitmeisten Schwangerschaftsabbrüchen wurde das Tessin innerhalb weniger Jahren zu einem Vorzeigekanton. Eine kürzlich publizierte Studie bringt nun Licht ins Dunkel.

Die Wissenschaftler haben die Schwangerschaftsabbrüche im Tessin zwischen 2008 und 2015 untersucht. Ihre Erklärung für den massiven Rückgang der Abbrüche: Die Italienerinnen reisen nicht mehr in die Schweiz, um ihre Schwangerschaft abzubrechen. Sie tun das jetzt wieder in Italien.

Eindrücklich zeigen dies die Zahlen: 2009 reisten 208 Italienerinnen in die Schweiz und brachen ihre Schwangerschaft in einer Tessiner Praxis ab. Sechs Jahre später sind es 75 Prozent weniger. Nur noch 50 Italienerinnen reisen 2015 für den Abbruch in den Kanton Tessin.

Warum diese Entwicklung?

«Der Kanton Tessin ist aufgrund seiner Lage ein Beispiel dafür, wie die Verfügbarkeit bestimmter Medikamente, Methoden und Gesetze, die Grenzüberschreitung von Patienten beeinflussen können», schreiben die Wissenschaftler rund um Erstautorin Danuta Reinholz in der Forschungsarbeit «Termination of pregnancy in a border region between Switzerland and Italy». Publiziert wurde die Studie im «Swiss Medical Weekly». 

Für den Rückgang machen die Wissenschaftler eine Gesetzesänderung in Italien verantwortlich. Seit 2009 ist bei unserem südlichen Nachbarn das Abtreibungsmedikament Mifepriston zugelassen. Dass die Wirkung der Marktzulassung sich erst nach einiger Zeit auf die Schwangerschaftsabbrüche im Tessin auswirkte, ist laut den Wissenschaftlern darauf zurückzuführen, dass «es für die italienischen Frauen am Anfang schwierig war, einen Arzt zu finden, der ihnen das neu zugelassene Medikament verschrieb».

ZUR KOMMENDEN ABSTIMMUNG UEBER DIE INITIATIVE ZUR ABTREIBUNGSFINANZIERUNG STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Die Aerztin informiert die Patientin ueber die Abtreibungspille Mifegyne, aufgenommen bei einem Beratungsgespraech zum Schwangerschaftsabbruch in der Frauenpraxis Runa in Solothurn am 18. Oktober 2013. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bild: KEYSTONE

Warum ist die Situation in Italien speziell?

70 Prozent der italienischen Ärzte haben ein ethisches oder religiöses Problem mit Abtreibungen. Sprich: Sie weigern sich schlicht den Abbruch durchzuführen. Dazu haben sie auch das Recht. Im italienischen Gesetz über Schwangerschaftsabbrüche ist dieses Recht der Ärzte explizit festgehalten. Doch das gleiche Gesetz sagt: Patientinnen haben das Recht in öffentlichen Spitälern einen Abbruch durchzuführen, sobald sie beraten wurden. Nur: Es fehlt in den Spitälern teilweise an Ärzten, die diesen Eingriff vornehmen.

So sorgte vor anderthalb Jahren das Spital San-Camillo in Rom mit einer ungewöhnlichen Job-Ausschreibung für Aufsehen. Für zwei offene Frauenarztstellen machte die Spitalleitung es zur Bedingung, dass die Bewerber keine «Verweigerer aus Gewissensgründen» seien.

In die Bar statt zum Arzt. Sprechstunde mal anders

Video: srf

Augenblicke – Bilder aus aller Welt

Das könnte dich auch interessieren:

Scheidungen sind out – und das hat seine Gründe

So will eine deutsche Architektin das Meer von Plastik-Müll befreien

«Die Frage ist nur noch: Wann haben wir die Schmerzgrenze erreicht?»

Nach Rausschmiss von «Guardians of the Galaxy»-Regisseur: Darsteller droht Disney

Die 8 grössten Kraftwerke zeigen das riesige Potential von erneuerbaren Energien

Wie die Migros das Label-Chaos beseitigen will – und dafür kritisiert wird

Bruthitze und Megadürre –  Die Katastrophe von 1540 war schlimmer als der Hitzesommer 2003

7 Mehrtageswanderungen, die sich richtig lohnen 

präsentiert von

Endlich «Weltklasse»: Wie Schalkes Max Meyer bei Crystal Palace statt Barça landete

In Liverpool muss Schnäppchen-Shaqiri beweisen, dass er der Königstransfer ist

Das sagt Osama Bin Ladens Mutter über ihren Sohn, den Terrorfürsten

Migros und Coop sind im Fitnessfieber – und die kleinen Studios leiden

1 Hanfsamen provoziert ein Gerichtsverfahren – eine Amtsschimmel-Komödie in 3 Akten

«Ich habe keine devote Ausstrahlung»: Tonia Maria Zindel über MeToo, Tod und Rätoromanisch

Wie das Geschwür am Hintern des Sonnenkönigs zum Trend wurde

Aufgepasst, Männer! So vermeidet ihr «mansplaining»

Hipster-Bärte bedrohen die Rasierklingen-Industrie

Sie waren vor 10 Jahren unsere grössten Hoffnungen – das wurde aus ihnen

18 lustige Fails, die dich alles um dich herum vergessen lassen

Die Erde ist bei Google Maps keine flache Scheibe mehr – das ist wichtiger, als du denkst

So viel Geld macht Ferrari pro Auto – und so viel legt Tesla drauf

Blutgräfin Báthory, die ungarische Serienmörderin

Blochers Zeitungsimperium druckt seinen eigenen Artikel gegen «fremde Richter»

Ronaldo verzückt die neuen Teamkollegen: «Es ist gar nicht möglich, mit ihm mitzuhalten»

So (böse) freuen sich Eltern, dass die Kinder wieder in die Schule müssen

Bauern wie zu Gotthelfs Zeiten? Per Initiative ins landwirtschaftliche Idyll

Wenn ich noch einen alten Kerl mit einer jungen Frau vögeln sehe ...

Die Frau, die weltbekannt wurde, ohne es zu wissen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

12
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gähn on the rocks 21.07.2018 06:53
    Highlight möglichst wenig schwangerschaftsabbrüche und dann ist es ein vorzeigekanton?
    herr vonarburg, mit diesem einen satz werden frauen in notsituationen von ihnen gewertet und diskriminiert.
    54 18 Melden
  • TheWall_31 20.07.2018 22:49
    Highlight Was ist an einer Abtreibung an sich überhaupt negativ?
    Die Formulierung im Artikel ist doch sehr sehr wertend.
    41 15 Melden
  • Wilhelm Dingo 20.07.2018 20:24
    Highlight Braucht es für eine so offensichtliche Erkenntnis eine wissenschaftliche Studie? Blödsinn.
    63 28 Melden
  • Burdleferin 20.07.2018 20:22
    Highlight Vorzeigekanton? Etwas wertend!
    121 31 Melden
    • Alnothur 20.07.2018 21:40
      Highlight Wieso? Eine Abtreibung ist nun wirklich nichts Positives, sondern bestenfalls eine Notlösung.
      56 87 Melden
    • Walser 20.07.2018 21:52
      Highlight Finden Sie denn nicht dass weniger Abtreibungen eine gute Entwicklung ist?
      49 33 Melden
    • Stumpenheini 20.07.2018 22:07
      Highlight Es sind nicht weniger Abtreibungen, sie finden jetzt einfach in Italien statt.
      114 2 Melden
    • Walser 20.07.2018 22:33
      Highlight Traurig genug dass es das überhaupt gibt.
      29 108 Melden
    • Alnothur 20.07.2018 23:21
      Highlight Bedenklich, wie viele Leute Abtreibungen scheinbar grossartig finden...
      27 28 Melden
    • Redly 20.07.2018 23:24
      Highlight Ja, oder findest du viele Abbrüche toll?
      (Was nichts gegen die Möglichkeit sagt. Weil diese soll meiner Meinung nach unbedingt bestehen.)
      11 5 Melden
    • Darling 21.07.2018 02:06
      Highlight @Walser
      Könntest du mir das genäuer erklären was du meinst?
      6 5 Melden
    • Anded 21.07.2018 09:49
      Highlight Selbst als Abtreibungsbefürworter muss man eingestehen, dass Abtreibungen die Folge von Unfällen (oder in einzelfällen sogar Verbrechen) sind. Je weniger davon, desto besser.
      24 3 Melden

Marvin Schulze – oder warum Autisten die besseren Mitarbeiter sind

Menschen mit Autismus sind oft äusserst intelligent und analytisch – aber arbeitslos. Der deutsche IT-Dienstleister Auticon lässt Software von Asperger-Autisten testen und entwickeln. Seit dem Frühjahr hat das Unternehmen auch eine Filiale in Zürich. Ein Besuch bei einer Firma mit Pioniergeist. 

Marvin Schulze spricht druckreif. Präzise, grammatikalisch korrekt, fliessend. Sprache liegt ihm. In seiner Freizeit entwickelt er eine neue Sprache, die er «Axoru» getauft hat. Es handelt sich um einen Mix mehrerer Sprachen, nur eben, laut Schulze, besser durchdacht, effizienter. Effizienz treibt den 28-jährigen Deutschen auch in seinem Job an. «Denn ich bin faul und automatisiere Abläufe lieber, anstatt die Arbeit von Hand zu machen», sagt er. 

In einem Sitzungszimmer des Impact Hubs …

Artikel lesen