Schweiz
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Der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig spricht ueber den Zustand der Tiere auf dem Hof von Ulrich K., der wegen der Quaelerei von Pferden unter Verdacht steht, aufgenommen am Dienstag, 8. August 2017, in Hefenhofen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Gegen ihn sind bereits zwei Anzeigen eingereicht worden: Der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig tritt bei einer Inspektion in Hefenhofen TG vor die Medien. Bild: KEYSTONE

«Gehilfenschaft zur Tierquälerei» – Thurgauer Kantonstierarzt hat zweite Anzeige am Hals



Im Zusammenhang mit dem mutmasslichen Fall von Tierquälerei in Hefenhofen TG wird eine weitere Strafanzeige gegen den Kantonstierarzt eingereicht. Urheber ist der Thurgauische Tierschutzverband. Er wirft dem Tierarzt Gehilfenschaft zur Tierquälerei vor.

Die Strafanzeige habe er am Samstagmorgen eigenhändig auf die Post gebracht, sagte Reinhold Zepf, der Präsident des Verbands, auf Anfrage. Er bestätigte eine entsprechende Meldung des «St. Galler Tagblatts».

Die mutmasslichen Straftaten des beschuldigten Pferdehalters seien zu weiten Teilen nur möglich gewesen, weil das Veterinäramt des Kantons Thurgau zu lange nicht gehandelt habe, heisst es in der Strafanzeige, die der Nachrichtenagentur sda vorliegt.

Durch diese Unterlassungen habe das Amt Tierquälerei und somit strafbare Zustände ermöglicht. Der Fall von Hefenhofen hätte angesichts seiner Vorgeschichte bereits Jahre zuvor zu einem Tierhalteverbot und zur Beschlagnahmung der vorhandenen Tiere führen müssen, heisst es weiter.

Gemäss Aussagen von Tierschützern sei die erste Anzeige gegen den inzwischen in Gewahrsam genommenen Pferdehalter von Hefenhofen bereits vor 30 Jahren eingegangen. Seit 2003 lägen zudem «dokumentierte Verstösse gegen die Tiergesetzgebung» vor.

Nicht die erste Anzeige

Dies ist nicht die erste Strafanzeige, die gegen den Thurgauer Kantonstierarzt eingereicht wird. Auch Erwin Kessler, Präsident des Vereins gegen Tierfabriken (VgT), hat gegen den Kantonstierarzt Anzeige wegen Amtsmissbrauchs erhoben. Der Verein wirft der Behörde ebenfalls vor, sie habe den mehrfach vorbestraften Tierhalter jahrelang gewähren lassen.

Der verantwortliche Regierungsrat Walter Schönholzer hatte die Vorwürfe gegen das Veterinäramt zunächst zurückgewiesen. Der Fall beschäftige die Behörden seit Jahren, sagte er Anfang August an einer Medienorientierung. Weil die Mitarbeiter des Veterinäramts vom Tierhalter massiv bedroht worden seien, seien die Kontrollen in den vergangenen Monaten von externen Fachleuten durchgeführt worden.

Regierunsrat Walter Schoenholzer tritt vor die Medien am Mittwoch, 16. August 2017 in Frauenfeld.  Die Thurgauer Regierung raeumt Fehler im Umgang mit dem mutmasslichen Tierquaeler von Hefenhofen ein. Weitere Faelle mit Tierhalteverbot sollen geprueft werden. (KEYSTONE/Christian Merz)

Musste Fehler der Behörden einräumen: Der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer (FDP). Bild: KEYSTONE

Bei diesen Kontrollen, die kurzfristig angekündigt worden seien, habe es zwar Beanstandungen gegeben. Solch schreckliche Zustände wie auf jenen Fotos dokumentiert, die ein grosses öffentliches Interesse auslösten und schliesslich zur Räumung des Hofs führten, hätten die Kontrolleure nie festgestellt, sagte der Regierungsrat damals.

Am vergangenen Mittwoch räumte die Thurgauer Regierung schliesslich Fehler im Umgang mit dem mutmasslichen Tierquäler ein. Eine bereits angekündigte externe Untersuchungskommission werde die Vorkommnisse des «extremen Falls» schonungslos und systematisch analysieren, sagte Schönholzer.

Schwierige Umsetzung

Am Samstag äusserte sich auch der Direktor des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zum Fall in Hefenhofen. Das Gesetz zum Tierschutz sei gut, nur mit der Umsetzung hapere es manchmal, sagte Hans Wyss in der «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio SRF.

In der Schweiz sei die Situation für die Tiere insgesamt sehr gut, hielt er im Gespräch fest. «Wir haben aber schwarze Schafe, die das manchmal vergessen lassen.» Hefenhofen sei in der Dramatik und im Ausmass ein rarer Fall. Es sei «unbegreiflich, wie es so weit kommen konnte».

Es stelle sich deshalb die Frage, wie der Bund noch besser darauf hinwirken könne, um solche Fälle zu verhindern. Man müsse sich fragen, ob es eine bessere Überwachung brauche, etwa in Form von zusätzlichen unangemeldeten Kontrollen.

Zu wenig Personal für mehr Kontrollen

Doch für zusätzliche Tierschutzkontrollen fehle es gegenwärtig an Personal, hielt der BLV-Direktor fest. Wenige Betriebe würden einen grossen Teil der Kontrolltätigkeiten binden. Mit den bestehenden personellen Ressourcen könne der Bund nicht alle problematischen Fälle der Kantone überwachen.

Anfang August war publik geworden, dass auf dem Hof des Tierhalters in Hefenhofen in den letzten Monaten mehrere Pferde verendet waren. Weitere Tiere waren abgemagert und in schlechtem Zustand.

Der Tierhalter wurde daraufhin von der Polizei in Gewahrsam genommen, die Pferde auf seinem Hof beschlagnahmt. Der Mann befindet sich zurzeit in einer fürsorgerischen Unterbringung. Die beschlagnahmten Pferde wurden inzwischen verkauft. (sda)

Der Bundeszoo: Diese Tiere stehen im Dienst des Staates

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • G3N33 20.08.2017 05:48
    Highlight Highlight Als Kantonstierarzt ist er ausführende Gewalt. Das bedeutet er kann nur im Auftrag des Veterinärmats handeln. Dieses wiederum kann nur erweiterte Abklärungen einleiten, wenn eine Anzeige vorliegt. Inwiefern also der Kantonstierarzt für das Ganze verantwortlich sein soll erschliesst sich mir nicht ganz. Ohne Auftrag von höherer Stelle ist er nicht zu Kontrollen berechtigt. Die Medien könnten also auch einmal das genaue Vorgehen, die Kompetenzen der einzelnen Beteiligten usw. recherchieren und erläutern, damit man sich als nicht involvierter Leser ein differenzierteres Bild machen kann.
    • Taggart 20.08.2017 08:11
      Highlight Highlight Als Kantonstierarzt ist er der oberste Tierarzt des Kantons. Tierärzte sorgen für das Wohlergehen von Tieren, auch mit ausführender Gewalt und mit Telefonleitung zu den Spezialisten der Polizei. Herr Witzig hat seinen Job zu wenig ernst genommen.
    • Freddie 20.08.2017 08:46
      Highlight Highlight Aber er hatt doch einen Auftrag. Kündete die Kontrollen an und liess diese von externem.Personal durchführen, da er Angst hatte.
    • G3N33 21.08.2017 19:28
      Highlight Highlight Nochmals Herr Witzig kann kontrollieren bis er blau ist, wenn dem keine Anzeige zugrunde liegt bringt dies genau gar nichts, da ungültig vor dem Gesetz weil nicht rechtsgültig. Somit ist das ein Fehler im System und nicht von ihm als Person! Aber die Leute brauchen immer einen Sündenbock.
      Ist er bei den Kontrollen an Leib&Leben gefährdet darf er diese nicht selbst durchführen.
      Ausserdem werden reguläre Kontrollen zunächst einmal von anderen Bauern durchgeführt und nicht direkt vom Kantonstierarzt. Dieser kommt erst bei einer Meldung ins Spiel. Womit wir wieder bei meiner ersten Aussage wären.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Rückbauer 19.08.2017 21:41
    Highlight Highlight Es ist höchste Zeit, dass Schönzolzer Witzig entlässt und dann selbst zurücktritt. Behördenversagen von unten bis oben.
    • Darkside 20.08.2017 01:25
      Highlight Highlight Wenn diese beiden Typen auch nur einen Funken Anstand hätten, käme es ihnen selber in den Sinn zurückzutreten. Aber eben, so ein lukratives Jöbchen beim Staat ist halt nicht zu verachten und man kann ja versuchen den Skandal auszusitzen. Null Ehre.
  • Mnemonic 19.08.2017 20:51
    Highlight Highlight Richtig so.

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