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Fall Ignaz Walker: Staatsanwalt Imholz weist Vorwürfe in aller Form zurück: «Haben zu keinem Zeitpunkt gelogen»

«Die Staatsanwaltschaft hat zu keinem Zeitpunkt gelogen oder etwas verschwiegen», hielt der Urner Oberstaatsanwalt Thomas Imholz in seinem Plädoyer mehrfach fest. Und schiebt den schwarzen Peter dem Verteidiger und den Medien zu.

carmen epp



Thomas Imholz, Oberstaatsanwalt, ist auf dem Weg zum Rathaus in Altdorf anlaesslich des Berufungsprozesses im Fall Ignaz Walker am Montag, 19. Oktober 2015. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Im Kreuzfeuer der Kritik: Oberstaatsanwalt Thomas Imholz.
Bild: KEYSTONE

Darum geht es im Fall Walker:

Seit vergangenen Mittwoch steht im Raum, dass sich der ehemalige Oberstaatsanwalt Bruno Ulmi und sein Nachfolger Thomas Imholz womöglich strafbar gemacht haben könnten. Sie sollen verhindert haben, dass der Kronzeuge – der Holländer Johannes Peeters – im Fall Ignaz Walker vor Gericht befragt wird. Indem sie behaupteten, nicht zu wissen, wo sich Peeters finden liesse, obwohl die Staatsanwaltschaft 2013 Rechtshilfe an Frankreich leistete. Mit Spannung wurde nun am Montag, 26. Oktober, das Plädoyer von Imholz erwartet.

Seit längerer Zeit ebbe die Nachrichtenflut rund um den Fall Walker nicht ab, hielt Imholz fest. «Vieles wurde in den vergangenen Monaten geschrieben, gesagt und gesendet.» Fast täglich seien neue Ideen der Verteidigung in den Medien breitgeschlagen worden. Befangene Polizisten, betrunkene Opfer, mysteriöse Todesfälle, Mordkomplott. Mit der neusten Idee der Verteidigung, die Staatsanwaltschaft habe gelogen, unlauter gehandelt, ja sogar Amtsmissbrauch und Urkundenfälschung betrieben, habe man «ganz klar eine Grenze überschritten», so Imholz

Ignaz Walker, rechts, und Linus Jaeggi, links, Walkers Verteidiger, sind auf dem Weg zum Rathaus in Altdorf am Montag, 19. Oktober 2015, in dem heute der Prozess gegen Ignaz Walker beginnt. Das Obergericht Uri verurteilte Walker im September 2013 wegen versuchter vorsaetzlicher Toetung und versuchten Mordes in Mittaeterschaft zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren und erhoehte damit die vom Landgericht verhaengte Strafe um 5 Jahre. Im Dezember 2014 hiess das Bundesgericht eine Beschwerde Walkers teilweise gut, hob das Urteil auf und schickte den Fall zur Neubeurteilung ans Obergericht Uri zurueck. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Ignaz Walker (rechts) und sein Verteidiger. 
Bild: KEYSTONE

Er möchte «mit aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass die Staatsanwaltschaft zu keinem Zeitpunkt gelogen oder etwas verheimlicht hat». Dass die Verteidigung und mit ihr die «Rundschau» die Staatsanwaltschaft willentlich und wissentlich der Lüge und des Amtsmissbrauchs bezichtige, habe mit seriösem Journalismus und seriöser Anwaltstätigkeit nichts mehr zu tun. Es sei gemäss Imholz zu prüfen, ob sich die Verteidigung und die «Rundschau» damit allenfalls strafbar gemacht haben.

«Vieles wurde in den vergangenen Monaten geschrieben, gesagt und gesendet»

Das Dorf Erstfeld mit dem Nachtclub Taverne, Mitte, in der Abenddaemmerung, aufgenommen am Montag, 28. September 2015. Experten des Forensischen Instituts Zuerich untersuchen im Auftrag des Obergerichts Uri mit einem gerichtlichen Augenschein den Tatort mit Schussrekonstruktion im Fall des Erstfelder Barbetreibers Ignaz Walker, am Montag 28. September 2015 in Erstfeld. Walker ist des versuchten Mordes und der versuchten vorsaetzlichen Toetung angeklagt. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Der Tatort: Nachtclub «Taverne» in Erstfeld.
Bild: KEYSTONE

Nicht Aufgabe der Staatsanwaltschaft

Die Aussagen seines Vorgängers Ulmi vor Obergericht, die Vermutungen, dass Peeters mit Drogen zu tun habe, seien konstruiert, seien nicht gelogen gewesen. Ulmi habe sich damit auf jenes Strafverfahren gegen Peeters berufen, das wieder eingestellt wurde – ein anderer Fall also als derjenige, der im Rechtshilfeverfahren von Frankreich Thema war. Die Rechtshilfe, so bestätigt Imholz, habe es gegeben. Im vorliegenden Rechtshilfeersuchen sei hervorgegangen, dass Peeters in den Drogenhandel verhandelt war. Der Auftrag der Urner Staatsanwalt lag darin, Bankdaten herauszugeben und zwei Zeugen zu befragen.

Es sei, so Imholz weiter, aber nicht Aufgabe der Staatsanwaltschaft gewesen, Peeters zu suchen. Eine Mitteilungspflicht hätte nur dann bestanden, wenn die Staatsanwaltschaft selber den Beweisantrag gestellt hätte, Peeters vor Gericht zu befragen. Oder wenn die Verfahrensleitung die Staatsanwaltschaft explizit zur Mitarbeit verpflichtet hätte. Beides treffe nicht zu. Vielmehr hätte die Verteidigung als Antragsteller etwas unternehmen sollen. «Offensichtlich» habe die Verteidigung den Aufenthaltsort von Peeters gekannt und es dem Gericht nicht gemeldet. «Wie um alles in der Welt hätte die Staatsanwaltschaft wissen können, wo sich Peeters aufhält?»

Experten des Forensischen Instituts Zuerich untersuchen im Auftrag des Obergerichts Uri mit einem gerichtlichen Augenschein den Tatort mit Schussrekonstruktion im Fall des Erstfelder Barbetreibers Ignaz Walker, am Montag 28. September 2015 in Erstfeld. Walker ist des versuchten Mordes und der versuchten vorsaetzlichen Toetung angeklagt. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Schussrekonstruktion im Auftrag des Urner Obergerichts: Zürcher Forensiker bei ihrer Arbeit.
Bild: KEYSTONE

Die Aussagen von Peeters, die Walker belasten, dürften also vollumfänglich verwertet werden, hielt Imholz weiter fest. Alles, was bisher in den Medien an angeblichen «Enthüllungen» bekannt wurde, dürfe für die Urner Richter nicht relevant sein.

«Wenn Sie Strafanzeigen deponieren wollen, dann machen Sie das bei der zuständigen Behörden»

Obergerichtsvizepräsident Thomas Dillier

Nach dem Plädoyer von Imholz ergriff das Gericht das Wort. An Imholz und die Verteidigung gerichtet, sagte Obergerichtsvizepräsident Thomas Dillier: «Ich weise Sie darauf hin, dass das Gericht eine Strafbehörde, keine Strafverfolgungsbehörde ist. Wir eröffnen keine Strafuntersuchungen oder -verfahren. Zuständig dafür ist die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Dies ist sowohl der Verteidigung und der Stawa – beide Spezialisten – klar. Wenn Sie Strafanzeigen deponieren wollen, dann machen Sie das bei der zuständigen Behörden. Im Gegensatz zu Laien brauchen Sie als Juristen keine Hilfe des Gerichts.»

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lowend 26.10.2015 15:46
    Highlight Highlight Dieser Peeters war eventuell ein Drogen-Informant und wurde darum von den Urner Strafermittlungsbehörden gedeckt. Er wusste vielleicht Sachen über die Urner Polizei oder Staatsanwaltschaft, die nicht an die Öffentlichkeit kommen sollten. Ist nur so eine Vermutung...
    • goschi 26.10.2015 21:22
      Highlight Highlight Vielleicht, Vielleicht, vielleicht

      Wilde Vermutungen ohne Grundlagen dienen niemandem!
  • Bucky 26.10.2015 15:21
    Highlight Highlight Einerseits: Die Rechtshilfe, so bestätigt Imholz, habe es gegeben. Andererseits: «Wie um alles in der Welt hätte die Staatsanwaltschaft wissen können, wo sich Peeters aufhält?» Entweder Imholz verkauft alle für vollkommen blöd. Oder die Staatsanwaltschaft konnte trotz des Rechtshilfegesuchs nicht ahnen, wo ihr Kronzeuge steckt, was ein bisschen seltsam aussieht.
  • Hierundjetzt 26.10.2015 12:50
    Highlight Highlight Was für eine erbärmliche Verteidigungsstrategie. Wir gehen also inhaltlich nicht auf die Anschuldigungen ein sondern, machen alle andere verantwortlich. Böse Medien, böse Welt böses alles. Zum Einordnen: Das BJ (Bundesamt für Justiz) und das BGer (Bundesgericht) kommt zu einer diametral anderen Auffassung als der Provinzanwalt aus Uri. Das BGer steht in der Hierarchie über Uri, das BJ ebenso. Das BGer hat klare Anweisungen gegeben die Herr Imholz immer noch nicht (!) erfüllt hat. Bitte Stellung dazu nehmen. Aha geht nicht. Eben.
  • hello world 26.10.2015 12:31
    Highlight Highlight Lächerlich. Einfach nur lächerlich.
    • Friendo-86 26.10.2015 19:11
      Highlight Highlight Wer heute an der Verhandlung war, kommt zu einem ganz anderen Schluss. Die Ausführungen des Oberstaatsanwaltes waren schlüssig und in sich stimmig; lächerlich ist und bleibt einzig und allein die Medienberichterstattung, wobei hier watson in der Person von Carmen Epp ein Lob gebührt. Im Gegensatz zum staatlichen TV und dessen Sendegefäss "Rundschau", welches sich als "Politmagazin" selber einen einigermassen seriösen Anspruch gibt, aber total einseitig berichtet, versucht sie objektiv zu bleiben.

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