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Chili (links) und Julie (rechts) gehen regelmässig für ein Check-up zum Tierarzt.
Chili (links) und Julie (rechts) gehen regelmässig für ein Check-up zum Tierarzt.bild: kris

Bratkartoffeln und Broccoli im Fressnapf – diese zwei Zürcher Hunde fressen nur Veganes

Ausweitung der Vegan-Zone: der kulinarische Trend hat nun auch den Fressnapf erreicht. Das stösst bei Tierärzten auf Kritik. Kris aus Zürich erzählt, warum er seine Hunde trotzdem vegan ernährt. 
08.10.2017, 13:2209.10.2017, 07:54

Bratkartoffeln und Broccoli – das sind die Lieblingsmenüs von Terrier-Mischling Chili und der spanischen Streuner-Dame Julie. 

Chili (9) und Julie (13).
Chili (9) und Julie (13).bild: Kris

Ihr Herrchen Kris*, Mittvierziger aus Zürich, ist überzeugter Veganer. Er frönt der fleischlosen Ernährung bereits seit neun Jahren – und ist davon heute begeisterter denn je. 2014 entscheidet er sich, auch seine zwei «Mitbewohner» in seine Essensgewohnheiten miteinzubeziehen – seither gibt's für Chili und Julie keine Knochen und Co. mehr: In ihrem Fressnapf landet nur noch Pflanzliches. 

Kris: «Für mich war es ein konsequenter Schritt. Ich will mit einem nachhaltigen Lebensstil der Umwelt auf die Sprünge helfen und einen Beitrag zum Tierschutz leisten. Da passt es nicht zusammen, wenn ich bei der Ernährung meiner Hunde nicht darauf achte.» Am Anfang der Umstellung sei er auf Ergänzungsprodukte angewiesen gewesen, heute jedoch nicht mehr: «Ich habe mich in die Thematik eingelesen und weiss nun genau, wie ich dafür sorgen kann, dass meine Hunde an die notwendigen Nährstoffe kommen, auch ohne Fleisch und andere Tierprodukte.» Er sei nun auch vertrauter mit den Bedürfnissen seiner Hunde und könne ihnen eine abwechslungsreichere Ernährung bieten als zuvor.

«Wie bei uns Menschen ist es bei Hunden, die nur vegane Kost zu sich nehmen, wichtig, den Eisenwert und das Vitamin B12 im Auge zu behalten.»

Vorsichtshalber bringt er seine zwei Hündinnen trotzdem regelmässig zum Tierarzt für ein Check-up. Dort überprüft der Veterinär insbesondere die Blutwerte der Tiere. «Wie bei uns Menschen ist es bei Hunden, die nur vegane Kost zu sich nehmen, wichtig, den Eisenwert und das Vitamin B12 im Auge zu behalten.» Bisher habe weder Chili noch Julie an Mangelerscheinungen gelitten, betont Kris. 

Der Tierarzt sei kein Fan der veganen Ernährung der Hunde. Kris: «Es ist wie bei den Humanmedizinern: Es gibt wenige, die sich total mit dem veganen Lebensstil auskennen und die meisten, die sehr kritisch sind, weil sie zu wenig darüber wissen.»

Hinter die Meinung des Tierarztes stellt sich jedoch auch Marie Müller vom Schweizerischen Verein für Kleintiermedizin. Sie rät von einer rein veganen Ernährung bei Hund und Katze ab: «Das geht gegen die Natur der Tiere. Hunde und Katzen fressen seit Tausenden von Jahren Fleisch.» Veganismus beim Tier sei gar nicht naturnah, sondern eher das Gegenteil: «Man vermenschlicht die Tiere und will, dass sie genau wie wir essen beziehungsweise fressen.

«Es gibt Gerichte, die sie mögen, andere weniger. Da geht es ihnen wie uns Menschen.»

Chili und Julie sind nicht seit ihrer Geburt vegan. Kris hat ihre Ernährung erst mit 6 respektive 10 Jahren umgekrempelt. Kris: «Vorher gab es meistens typisches Hundefutter, gelegentlich eine Wurst aber auch regelmässig die Resten der Pasta oder der Rösti von meinem Mittagessen.» Seiner Meinung nach war diese abwechslungsreiche Kost ein Aspekt, der in der späteren Umstellung auf die vegane Kost eine wichtige Rolle spielte: «So waren beide von Anfang an bereit, das zu essen, was ich ihnen auftischte.» Das heisse aber nicht, dass die Hunde jede Nahrung zu sich nehmen. «Es gibt Gerichte, die sie mögen, andere weniger. Da geht es ihnen wie uns Menschen.»

Rund 3 Prozent der Bevölkerung vegan

Kris und seine Lebensparterin kochen oft für fünf – die zwei sind Eltern einer kleinen Tochter: «Meistens bekommen Julie und Chili einen Teil unseres Menüs als ungewürzte Portion ab. Seien es Teigwaren, Linsen, Reis, Polenta, Rüebli, Broccoli oder Kartoffeln.» Er sei sich bewusst, dass vegane Kost bei Tieren ein kontroverses Thema sei. Doch: «Strassenhunde essen auch was sie finden – und das ist bei langem nicht nur Fleisch.» Zudem gehörten zum natürlichen Speiseplan von Hunden sowieso auch pflanzliche Bestandteile wie zum Beispiel Haselnüsse. Er kenne sogar eine Katzenhalterin, die ihr Büsi vegan ernähre, erzählt Kris. «Aber: Das ist jedoch schwieriger und möglicherweise auch weniger artgerecht, weil Katzen von Natur aus Karnivore sind.»

In der Schweiz ernähren sich rund drei Prozent der Bevölkerung vegan – Tendenz steigend. Dass es deswegen auch immer mehr vegane Haustiere gibt, stimme aber nicht, so Kris. Denn er weiss: Es gibt auch Widersacher auf der eigenen Seite: Für viele Veganer ist es ein No-Go, überhaupt ein Haustier zu halten, ein Tier zu «besitzen». Kris: «Das verstehe ich, ich hatte hierzu eigentlich auch meine Bedenken.» Schliesslich habe er jedoch folgendes Fazit gezogen: «Wegen uns Menschen gibt es Millionen Strassenhunde, die ihrem Schicksal überlassen sind. Mir war es wichtig, wenigstens zwei davon zu helfen.»

*Nachname der Redaktion bekannt. 

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77 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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moccabocca
08.10.2017 13:52registriert Juli 2015
Wer sein Haustier vegan ernähren möchte, soll sich gefälligst einen Goldhamster zulegen!
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Kunibert der Fiese
08.10.2017 13:41registriert März 2016
Hipsterlevel: over 9000
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John M
08.10.2017 15:04registriert Januar 2016
Das geht bestimmt auch in die andere Richtung?

Von heute an setze ich den Meerschweinchen meiner Tochter nur noch Cervelat vor.

Natürlich konsequent nur Bio, um der Umwelt damit auf die Sprünge zu helfen.
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