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Diese acht Parlamentarier haben einen ruhigen Sommer: Andrea Caroni, Isidor Baumann, Werner Hösli, Peter Keller, Ivo Bischofberger, Thomas Hefti, Josef Dittli, Martin Landolt (v. l.). bildmontage: az

Im Schlafwagen nach Bern: Diese 8 Kandidaten müssen keinen Wahlkampf führen

Sie sind gewählt, bevor gewählt wurde: Warum National- und Ständeratskandidaten aus mehreren Kantonen konkurrenzlos ins Bundeshaus kommen.

Lorenz Honegger / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Peter Keller lacht ins Telefon. «Ich habe wohl den entspannteren Sommer als meine Parlamentskollegen», sagt der 44-jährige SVP-Nationalrat. Während die meisten der 246 Bundesparlamentarier langsam, aber sicher um ihre Wiederwahl im Oktober zittern, kann sich der «Weltwoche»-Journalist zurücklehnen. Keine Partei in Nidwalden will seinen Sitz angreifen. Nur die Sozialdemokraten oder die Jungsozialisten könnten ihm vor Ablauf der Meldefrist Ende August die stille Wahl vermasseln. Gefährlich werden können sie ihm indes nicht. «Ich bin privilegiert, ja, aber das ist weder mein Verdienst noch mein Problem», sagt Keller. Er ist nicht der Einzige. 

ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN IM KANTON NIDWALDEN STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG, 26. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Peter Keller (SVP/NW) aeussert sich zum

Peter Keller (SVP/NW): Keine Gegenkandidaten, oder dann nur aussichtslose. Bild: KEYSTONE

Vertrauensbeweis ohne Wahl? 

Mindestens acht National- und Ständeratskandidaten (die meisten bisherige) dürften diesen Herbst ohne ernsthaften Gegenkandidaten einer anderen Partei ins Parlament gewählt werden – «im Schlafwagen», wie man im Bundeshaus gerne sagt. Die Glücklichen kommen aus den Kleinkantonen Glarus, Uri, Nidwalden sowie den beiden Appenzeller Halbkantonen. 

Bereits im Amt bestätigt ist Ständerat Ivo Bischofberger (CVP/AI). Die Landsgemeinde schickte ihn im April für eine weitere Legislatur in die kleine Kammer. 

ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN IM KANTON APPENZELL INNERRHODEN STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 25. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Ivo Bischofberger (CVP-AI) spricht waehrend einer Debatte im Staenderat, am Mittwoch, 3. Dezember 2014, waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ivo Bischofberger (AI/CVP): Der Ständerat ist schon gewählt. Bild: KEYSTONE

In Ausserrhoden gab gestern der letzte potenzielle Herausforderer von Ständeratskandidat und Nationalrat Andrea Caroni (FDP/AR) seinen Verzicht auf eine Kampfkandidatur bekannt. 

ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN IM KANTON APPENZELL AUSSERRHODEN STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 25. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Nationalrat Andrea Caroni, FDP AR, spricht an einer Sondersession im Nationalrat zur Familieninitative am Montag, 15. April 2013, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Andrea Caroni (FDP/AR): Der Nationalrat wird Ständerat – ohne Herausforderer.  Bild: KEYSTONE

In Glarus dürfte sowohl BDP-Präsident und Nationalrat Martin Landolt als auch seinen beiden Ständeratskollegen eine Kampfwahl erspart bleiben. 

Martin Landolt (BDP/GL) aeussert sich zur Sanierung des Gotthard-Strassentunnels am Mittwoch, 24. September 2014 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Im Kanton Glarus geht es in diesem Jahr gemächlich zu: Nationalrat Martin Landolt (BDP) ... Bild: KEYSTONE

Werner Hoesli (SVP-GL) spricht waehrend einer Debatte im Staenderat, am Montag, 8. Juni 2015 waehrend der Sommersession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

... Werner Hösli (SVP) und ...  Bild: KEYSTONE

Thomas Hefti (FDP) spricht den Eid auf die Verfassung als Staenderat fuer den Kanton Glarus waehrend der Vereidigungszeremonie am Montag, 3. Maerz 2014, im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

... Thomas Hefti (FDP) müssen nicht mit einer Kampfwahl rechnen. Bild: KEYSTONE

Auch im Kanton Uri sind der bisherige Ständerat Isidor Baumann (CVP) und der neu kandidierende Regierungsrat Josef Dittli (FDP) so gut wie gewählt. 

Isidor Baumann, Staenderat CVP-UR, Mitte, spricht hinter seinen Ratskollegen Konrad Graber (CVP-LU), links, und Filippo Lombardi (CVP-TI), rechts, waehrend der Debatte um die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels im Staenderat, am Donnerstag, 13. Maerz 2014 waehrend der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Isidor Baumann (CVP/UR): Sein Sitz wird nicht angegriffen. Bild: KEYSTONE

ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN IM KANTON URI STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG, 26. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Der Urner Landammann Josef Dittli bei einem Medientermin anlaesslich des Sommer Landschaftstheaters

Josef Dittli (FDP): Der Regierungsrat tritt neu für den Ständerat an, und hat die Wahl so gut wie geschafft. Bild: KEYSTONE

Fragt sich: Kann man in solchen Fällen überhaupt noch von einer demokratischen Wahl sprechen? Ständerat Baumann findet Ja. «Wenn die Konkurrenz auf eigene Kandidaten verzichtet, ist das ein Vertrauensbeweis.» 

Gegenkandidat reicht nicht 

Politikprofessor Daniel Bochsler vom Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) sagt, alleine das Vorhandensein mehrerer Kandidaten sei noch kein Garant für eine «echte Auswahl»: Wenn eine Partei dominiert und die Konkurrenz «pro forma» einen Gegenkandidaten aufstelle, sei dies am Ende reine Kosmetik. «Die Demokratie lebt von echtem Wettbewerb. Davon kann aber nur die Rede sein, wenn die Kandidaten Wahlchancen haben.» 

Konkurrenzlose Kandidaturen seien oft auch das Resultat eines Tauschhandels innerhalb der politischen Mehrheit, die die vorhandenen Sitze untereinander aufteilt. «Die Opposition links und rechts lässt man dabei aussen vor.» Geht es nach Bochsler, dürften konkurrenzlose National- und Ständeratskandidaturen in Zukunft eher seltener werden. Der Parteienwettbewerb werde gerade auch in kleineren Kantonen intensiver. In diesem Wahljahr aber könnte die Zahl der privilegierten Kandidaten noch einmal steigen. Grund dafür ist der Kanton Graubünden: Dort droht die SVP zwar damit, die Sitze der beiden bisherigen Ständeräte Stefan Engler (CVP) und Martin Schmid (FDP) anzugreifen, sollten deren Parteien nicht zu einer grossen bürgerlichen Listenverbindung für den Nationalrat Hand bieten. So richtig entschlossen scheint die SVP aber nicht zu sein. Kantonalpräsident und Nationalrat Heinz Brand sagt auf Anfrage, die Ständeratskandidatur sei lediglich «eine Option». Die Bündner Sozialdemokraten haben bereits beschlossen, keinen Kandidaten gegen die zwei Bisherigen ins Rennen zu schicken. «Das wäre ein Himmelfahrtskommando», sagt deren Wahlkampfleiter. 

Staenderat Stefan Engler spricht im Staenderat an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete am Montag, 15. September 2014 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Die Bündner Ständeräte Stefan Engler (CVP) und ... Bild: KEYSTONE

Der Buendner Freisinnige Martin Schmid rechts, aeussert sich zur Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative am Donnerstag, 25. September 2014, im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

... Martin Schmid (FDP) könnten noch zur Liste der konkurrenzlosen Kandidaten stossen.   Bild: KEYSTONE

Bleibt es dabei, gäbe es landesweit nicht bloss acht, sondern zehn Glückliche, die «im Schlafwagen» nach Bern fahren.

(trs)

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