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Christoph Moergeli laesst sich schminken beim Fototermin der Zuercher SVP in Wetzikon am Samstag, 15. Juni 2019. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Christoph Mörgeli Mitte Juni 2019 in Wetzikon. Bild: KEYSTONE

Die Rückkehrer: SVP-Mörgeli und Co. wollen wieder ins Parlament – es gibt nur ein Problem

Christoph Mörgeli, Yvonne Gilli und Co.: Nach ihrer Abwahl vor vier Jahren drängen sie nun zurück in den Nationalrat. Doch Comebacks gelingen selten.

Sven Altermatt / ch media



Manche sahen den Sturz nicht kommen. Es würde schon reichen, dachten sie; nichts ahnend, dass dies einer ihrer schwärzesten Tage werden sollte. Andere hatten eine böse Vorahnung. Sie wussten, dass es knapp werden könnte. Der 18. Oktober 2015 war ein Wendepunkt in ihrem Leben, er lässt sich einfach datieren. 25 Nationalrätinnen und Nationalräte wurden abgewählt; nicht wiedergewählt, wie die Betroffenen das selbst lieber formulieren.

Die einen verloren ihr Mandat, weil ihre Partei den Sitz einer anderen abgeben musste. Die anderen wurden – und das ist besonders bitter – von einem Konkurrenten auf der eigenen Liste überrundet. Ihnen gemeinsam ist: Sie mussten sich von einem Tag auf den andern neu orientieren.

Da ist etwa der Schwyzer Sozialdemokrat Andy Tschümperlin, zuvor Fraktionschef seiner Partei. Er hat heute eine Kaderstelle beim Kanton Zug. Da ist die St. Galler Grünliberale Margrit Kessler, die als Patientenschützerin weiterarbeitete und nun ihr Grossmuttersein geniesst. Und da ist der CVP-Mann Urs Schläfli aus Solothurn, der inzwischen eine Fahrschule eröffnet hat.

Drei der Abgewählten konnten während der laufenden Legislatur für zurücktretende Kollegen nachrücken und sitzen heute wieder im Nationalrat: Die Berner Heinz Siegenthaler von der BDP und Aline Trede von den Grünen sowie die Freiburger SP-Frau Ursula Schneider Schüttel.

Die Rückkehr kann mitunter ein heikles Unterfangen sein. So verpasste das Zürcher SVP-Urgestein Ulrich Schlüer im Jahr 2007 die Wiederwahl, rutschte später nach und wurde 2011 erneut abgewählt.

Nationalraetin Yvonne Gilli (Gruene-SG) posiert an einer Medienkonferenz der Gruenen Partei Kanton St. Gallen zu Gillis Kandidatur fuer den Staenderat, am Donnerstag, 2. April 2015, in St. Gallen. Yvonne Gilli ist Aerztin und lebt in Wil. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Yvonne Gilli (Grüne/SG) Bild: KEYSTONE

Die meisten jedoch schliessen nach der Nichtwiederwahl mit der Politik ab. «Nun sollen die Jungen ran», sagte GLP-Frau Kessler kürzlich den CH-Media-Zeitungen. Viele halten es wie die Basler Liberale Christine Wirz-von Planta, die einst nach ihrer Abwahl erklärte: «Wenn man nicht mehr gewählt wird, sollte man es nicht durchstieren.»

Das sehen freilich nicht alle so eng. Dieses Jahr drängt es gleich mehrere abgewählte Nationalräte zurück ins Bundeshaus.

Der prominenteste unter ihnen ist Christoph Mörgeli, der für die Zürcher SVP von 1999 bis 2015 in der grossen Kammer sass. Bei den Grünen will es die St. Gallerin Yvonne Gilli, von 2007 bis 2015 im Rat, noch einmal wissen.

Und bei den Grünliberalen steigen gleich drei erneut ins Rennen: der Luzerner Roland Fischer, der Bündner Josias Gasser und der Thurgauer Thomas Böhni. Sie alle sassen bis 2015 während bloss vier Jahren im Parlament.

Thomas Boehni, GLP TG, waehrend der Wahlfeier an der Kantonsschule in Frauenfeld am Sonntag, 18. Oktober  2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Thomas Böhni (GLP/TG) Bild: KEYSTONE

Rückkehr mit Risiko

Können die Wiederkandidierenden einfach nicht loslassen? «Ich bin und bleibe ein politischer Mensch», sagt Yvonne Gilli, «erst recht nach einem Sitzverlust unserer Partei.» Dass sie dieses Jahr erneut antritt, begründet die Grüne mit dem Rechtsrutsch bei den Wahlen 2015 im Allgemeinen und in St. Gallen im Besonderen.

Aus der Ostschweiz schicke die Grüne Partei derzeit keinen einzigen Vertreter nach Bern, erinnert Gilli. «Eine ökologische Stimme fehlt.» Überdies will sich die Ärztin und profilierte Gesundheitspolitikerin wieder in ihrem angestammten Themenfeld im Parlament einbringen. Gilli betont: Sie habe keine Angst davor, nicht gewählt zu werden. «Dieses Risiko muss man auf sich nehmen.»

Josias Gasser (GLP-GR) verfolgt eine Debatte im Nationalrat, am Mittwoch, 16. September 2015, waehrend der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Josias Gasser (GLP/GR) Bild: KEYSTONE

Ähnlich äussert sich Christoph Mörgeli. Sein Comeback verkündete er mit viel Getöse im «SonntagsBlick». Nach dem zuletzt schlechten Abschneiden der Zürcher SVP ist er überzeugt, dass die Partei ihn wieder brauchen kann.

Die SVP dürfe nicht auf einen grünen Kurs umschwenken, das sei für ihn von «existenzieller Bedeutung». Mörgeli sagt, er wolle der Partei helfen, sich aus der Abwärtsspirale zu befreien. Die Delegierten der Kantonalpartei setzten ihn auf die erste Hälfte ihrer Nationalratsliste. Zwar fanden einzelne, Mörgelis Zeit sei abgelaufen. Doch ein Antrag, ihn von der Liste zu streichen, scheiterte haushoch.

Prominent und doch verloren: Die Abwahl von Prominenten wie Christoph Mörgeli 2015

Mehrere bekannte Gesichter verpassten gestern die Wiederwahl in den Nationalrat. Darunter Ernst Schibli oder Hans Fehr. Das prominenteste Opfer ist aber Christoph Mörgeli. Er wurde sang- und klanglos abgewählt. Video: © TeleZüri

Zweimal zurück, zweimal weg

Die vergangenen Jahre zeigen: Nur wenige Abgewählte kandidieren erneut. Und nur den wenigsten gelingt das Comeback. Die Bündner SP-Politikerin Silva Semadeni sass von 1995 bis 1999 im Nationalrat, dann verlor die Partei ihren zweiten Sitz im Bundeshaus. 2007 scheiterte ihre erneute Kandidatur, 2011 klappte es doch noch. Dieses Jahr tritt Semadeni zurück.

Der Regierungsratskandidat Roland Fischer von den Gruenliberalen anlŠsslich einer Podiums Diskussionsrunde aller Luzerner Regierungsratskandidaten vom Dienstag, 12. Maerz 2019 in Luzern. Die Luzerner Kantons- und Regierungsratswahlen finden am Sonntag 31. Maerz 2019 statt.(KEYSTONE/Urs Flueeler)

Roland Fischer (GLP/LU) Bild: KEYSTONE

Der CSP-Mann Roberto Schmidt, inzwischen Walliser Staatsrat, wurde 2011 abgewählt und schaffte 2015 die Rückkehr. Und Jacques Neirynck konnte 2007 für die Waadtländer CVP das Nationalratsmandat zurückerobern, das er vier Jahre zuvor verloren hatte. Er blieb bis 2015 im Rat.

Geradezu skurril mutet die Geschichte des Baselbieters Christian Miesch an. Er wurde insgesamt dreimal als Nationalrat vereidigt. Zuerst sass er während einer Legislatur für die FDP in der grossen Kammer, 1995 entzog ihm das Volk das Vertrauen. Miesch brach mit dem Freisinn.

2003 kehrte er, nun als Mitglied der SVP, nach Bundesbern zurück. Acht Jahre war er danach wieder im Rat, bis er 2011 erneut die Wiederwahl verpasste. Miesch aber hatte noch nicht genug. 2014 konnte er nochmals in den Nationalrat nachrutschen – um dann bei den Wahlen 2015 nicht mehr anzutreten.

Auch sie wollen es nochmals wissen

Nicht nur Ex-Nationalräte, die abgewählt worden sind, drängen am 20. Oktober zurück in die grosse Kammer. Unter den bereits bekannten Kandidaten finden sich auch solche, die sich einst aus freien Stücken verabschiedet haben – per Rücktritt.

Hohe Wahlchancen hat der Sozialdemokrat und neue Gewerkschaftspräsident Pierre-Yves Maillard. Er sass bereits von 1999 bis 2004 im Rat, dann wurde er in die Waadtländer Kantonsregierung gewählt.

Ebenfalls zurück ins Bundesparlament will der frühere SP-Nationalrat und Ex-Fraktionschef Franco Cavalli aus dem Tessin. Der unterdessen 76-Jährige kandidiert im Herbst mit der von ihm mitgegründeten linken Gruppierung «Forum Alternativo»; seine Chancen werden als gering eingeschätzt.

Bei der SVP soll Yvan Perrin ihren Neuenburger Sitz verteidigen. Perrin vertrat den Kanton schon von 2003 bis 2013 im Rat. Dann wurde er kurzzeitig Regierungsrat, bevor er 2014 wegen eines Burnouts und Alkoholproblemen zurücktrat. (sva) (bzbasel.ch)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Magnum 21.06.2019 11:11
    Highlight Highlight Zitat: «abgewählt; nicht wiedergewählt, wie die Betroffenen das selbst lieber formulieren.»

    Mit einer prominenten Ausnahme: Beim GröBaZ bestehen seine Sektenanhänger seit Jahren darauf, dass dieser auf heimtückische Art abgewählt worden sei. Nur so geht ihre selbstmitleidige Dolchstosslegende mit der resultierenden Wir-gegen-den-Rest-der-bösen-Welt-Logik auf.

    Dass die Politsekte die Bündner für ihre Rebellion mit dem Entzug eines Nationalratsmandats bestraft, ist dann wieder eine andere Sache.
  • sherpa 21.06.2019 09:41
    Highlight Highlight Wollen ist das eine, gewählt werden aber das andere.
  • CH-Bürger 21.06.2019 09:33
    Highlight Highlight Alter Wein in neuen Schläuchen, das geht nicht weil, wenn man schon abgewählt wurde so war das damals ein klarer Entscheid vom Stimmvolk gewesen. Die abgewählten Damen und Herren sollen das gefälligst akzeptieren. Aber klar, das jetztige Gezwängel, Verhalten und ihre mangelhafte Leistung war vielleicht auch damals der Grund für ihre Abwahl ;)
  • Nelson Muntz 21.06.2019 09:03
    Highlight Highlight Einzig Fabian Unteregger profitiert von Mörgelis Kanditatur
  • Luzifer Morgenstern 21.06.2019 08:53
    Highlight Highlight Das Bild über dem Artikel zeigt Mörgeli mit Schminkpinsel.

    Wenn die Redaktion noch mehr solche Bilder bringt, mache ich dafür keine spöttischen Bemerkungen.
  • Cpt. Blocher vom herrlichen Berg 21.06.2019 07:48
    Highlight Highlight Es gibt nur ein Problem - Er ist völlig ungeeignet für den politischen Diskurs.
  • Cosmopolitikus 21.06.2019 07:42
    Highlight Highlight Habe ich das richtig verstanden. Würde die SVP etwas grüner, wäre Herr Mörgeli existentiell gefährdet???
    Mir erschliesst sich diese Logik nicht wirklich. Aber ich glaube es wäre für alle besser, Herr Mörgeli würde nicht gewählt und die SVP etwas grüner. Dann wäre allen geholfen, vor allem dem Klima. Dem Echten und dem Politischen...😉
  • MarGo 21.06.2019 07:20
    Highlight Highlight "Mörgelis Zeit sei abgelaufen"
    Hatte der je "seine Zeit"? Populist vom feinsten ohne irgendwas sinnvolles erreicht zu haben...

    Es gibt kein Mörgeli für Mörgeli! ;)
  • Scaros_2 21.06.2019 06:53
    Highlight Highlight Ich verstehe die Haltung mancher Partei nicht. Warum versucht man nicht endlich das Parlament im Altersschnitt nach unten zu drücken und junge Politiker zu fördern. Stattdessen geht man mit alteingesessenen Politiker hin und meint damit bei den jungen Generationen punkten zu können.
    • Lucas29 21.06.2019 07:11
      Highlight Highlight Wir haben keine Berufspolitiker, also sollen die Jungen zuerst mal arbeiten und Erfahrungen sammeln bevor es ins Parlament geht!
    • who cares? 21.06.2019 07:29
      Highlight Highlight Weil die jungen Generationen nicht wählen gehen.
    • Katzenseekatze 21.06.2019 07:39
      Highlight Highlight Ja. Schräg.
    Weitere Antworten anzeigen
  • raketenpippo 21.06.2019 06:30
    Highlight Highlight Geht wählen!

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