Nach Spendenkonzert: 150'000 Franken für Crans-Montana-Opfer werden vermisst
Am 22. April fand in Lausanne das Solidaritätskonzert «Aux cœurs de Crans» statt. Die Einnahmen für die Opfer von Crans-Montana sind laut dem Tages-Anzeiger bisher nicht abgerechnet worden.
Durch den Ticketverkauf – mit Preisen ab 90 Franken – sollten mehr als 150'000 Franken dem Verein Swisshearts und damit Hinterbliebenen und Schwerverletzten der Brandkatastrophe zugutekommen, schreibt der «Tages-Anzeiger» weiter. Bisher hätten die Betroffenen aber nichts davon erhalten.
Das Konzert fand in der fast ausverkauften Salle Métropole statt. Rund 20 bekannte Schweizer und französische Künstler traten ohne Gage auf, darunter auch der Schweizer ESC-Star Gjon's Tears.
Mitorganisator des Konzerts ist vorbestraft
Auf Nachfragen des «Tages-Anzeiger» zur Höhe der Einnahmen und deren Verteilung reagierten die Organisatoren ausweichend und verwiesen auf ein geplantes Communiqué. Dieses blieb bislang jedoch aus.
Der Anlass wurde vom Verein Swisshearts sowie von der Eventagentur Only On Live organisiert. Im Zentrum der Kritik steht laut dem «Tages-Anzeiger» Olivier Uzan, Mitorganisator des Konzerts. Der aus Frankreich bekannte Immobilienhändler sei 2018 wegen Vertrauensmissbrauchs verurteilt worden. Laut Gericht hatte er mit einem ungedeckten Check eine langjährige Freundin um mehr als 20'000 Euro geschädigt, schreibt die Zeitung. Bereits im Jahr 2005 sei er wegen Behinderung von Betrugsermittlungen auffällig geworden.
Behörden distanzieren sich
Only On Live erklärte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», Uzan sei für «Künstlerorganisation» und «Promotion» zuständig gewesen. Es bleibt unklar, wer die Kontrolle über die Konzerteinnahmen und deren Verwendung hatte. Swisshearts äusserte sich nicht. Die Organisation verfügt offenbar weder über eine funktionierende Telefonnummer noch über eine erreichbare Kontaktstelle auf der Website.
Die Behörden distanzieren sich ebenfalls: Weder die Stadt Lausanne noch der Kanton Wallis sehen sich für die Kontrolle der Spendengelder verantwortlich, schreibt die Zeitung. Der Opferanwalt Sébastien Fanti, der sich im Namen betroffener Familien erkundigt habe, habe keine konkrete Antwort erhalten. (hkl)
