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Wenn du trotz Grippe zur Arbeit gehst, verletzt du das Gesetz



Der Kopf tut weh, die Nase läuft und der Husten lässt einen nicht schlafen – Winterzeit ist Grippezeit. Doch aus Angst vor ihren Vorgesetzten oder aus Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren, schleppen sich viele Angestellte trotz Krankheitssymptomen zur Arbeit.

Mehrere Schweizer Studien zeigten in der Vergangenheit auf: Fast die Hälfte der Angestellten hierzulande erscheint mindestens einmal pro Jahr krank zur Arbeit. Dies, obwohl sie dort ihre Kolleginnen und Kollegen anstecken und ausserdem ihrer Gesundheit Schaden zufügen könnten.

«Arbeitnehmer, die trotz Krankheit arbeiten, verletzen ihre Treuepflicht.»

Rechtsanwalt Martin Steiger

Bei Arbeitnehmervertretern ist die Problematik bekannt. Es gebe die Tendenz, dass sich Angestellte vom Arbeitgeber unter Druck gesetzt fühlten, unter allen Umständen zur Arbeit zu erscheinen, erklärt Leena Schmitter, Sprecherin der Gewerkschaft Unia der Nachrichtenagentur AWP.

Rechtslage klar

Dabei ist die Situation aus juristischer Sicht eigentlich klar. «Arbeitnehmer, die trotz Krankheit arbeiten, verletzen ihre Treuepflicht», sagt der Zürcher Rechtsanwalt Martin Steiger. Ein Angestellter müsse seinen Arbeitgeber auch informieren, dass er krank sei.

«Gemäss Studien entstehen rund zwei Drittel der durch Krankheit verursachten Kosten nicht durch Absenzen, sondern durch das Weiterarbeiten trotz Krankheit.»

Fredy Greuter, Arbeitgeberverband

Rechtlich gesehen dürften Arbeitnehmer, die sich krank fühlen, dann nicht arbeiten, wenn ihre Krankheit ansteckend ist oder wenn die Arbeit den Heilungsprozess verlangsamt, beziehungsweise die Krankheit gar verschlimmert.

«Ebenfalls nicht arbeiten darf, wer aus gesundheitlichen Gründen vollständig arbeitsunfähig ist», führt Steiger weiter aus. Dies würde normalerweise durch ein Arztzeugnis bestätigt. Doch nicht bei jeder Krankheit sei man komplett arbeitsunfähig. «Im Zweifelsfall entscheidet der Arzt.»

Arbeitgeber müssen Kranke heimschicken

Doch auch die Arbeitgeber stehen in der Pflicht. Wenn sie wüssten, dass ein Arbeitnehmer krank sei, müssten sie ihn heimschicken, sagt der Anwalt weiter.

«Die Absenzen für die Pflege kranker Kinder müssen als Arbeitszeit angerechnet werden und die Angestellten haben Anspruch auf Lohnfortzahlung, wie bei eigener Krankheit»

Leena Schmitter, Gewerkschaft Unia

Das sei zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Arbeitnehmer selbst sage, dass er trotz Krankheit arbeite oder wenn er offensichtlich krank sei. «Es handelt sich hierbei um einen Teil der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, eine solche Person nicht arbeiten zu lassen.»

Dabei spiele das richtige Verhalten im Krankheitsfall auch versicherungstechnisch eine Rolle. Die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber sei bei unverschuldeter Arbeitsverhinderung grundsätzlich geschuldet, erklärt Steiger. Doch wer krank zur Arbeit gehe, riskiere, dass die Lohnfortzahlung verweigert werde, falls er im Anschluss schliesslich doch noch ausfallen sollte.

Mehrkosten für Unternehmen

Dass trotzdem manchmal Druck auf Angestellte ausgeübt wird, krank zur Arbeit zu erscheinen, dafür hat Unia-Sprecherin Schmitter kein Verständnis. «Der Betrieb sollte für Krankheitsfälle und Ferienabwesenheiten Stellvertretungsregelungen im Voraus regeln», sagt sie.

Denn wenn Angestellte trotz Krankheit arbeiteten, könnte dies mittelfristig gar zu Mehrkosten für das Unternehmen führen, vor allem wenn die Betroffenen dadurch am Schluss noch länger ausfielen, sagt Schmitter weiter.

Das sieht man allerdings auch von Seiten der Arbeitgeber so. «Gemäss Studien entstehen rund zwei Drittel der durch Krankheit verursachten Kosten nicht durch Absenzen, sondern durch das Weiterarbeiten trotz Krankheit», erklärt Fredy Greuter vom Arbeitgeberverband.

«Weil kränkelnde Mitarbeiter nicht die volle Leistung bringen, kommt es zu einem Produktivitätsverlust», betont er. Wenn ein Arbeitnehmer trotz offensichtlicher Arbeitsunfähigkeit am Arbeitsplatz erscheine, müsse der Vorgesetzte den Kranken daher unbedingt nach Hause schicken.

Home Office nicht sinnvoll

Auch eine Erledigung der Aufgaben im Home Office komme grundsätzlich nicht in Frage. «Eine Verzögerung der Genesung als Folge von Home Office gilt es zu vermeiden», sagt Greuter.

Nur in begründeten Einzelfällen könne es sinnvoll sein, dass der Arbeitgeber von zu Hause aus tätig ist, wenn er beispielsweise zwar noch ansteckend, aber trotzdem schon wieder voll leistungsfähig ist.

Unia gegen Heimarbeit

Dezidiert gegen Heimarbeit bei Krankheit äussert sich die Gewerkschaft. «Auch Home Office ist Arbeit. Deshalb ist Home Office, wenn man selber krank ist oder kranke Kinder betreuen muss, die falsche Lösung», erklärt Unia-Sprecherin Schmitter.

In diesem Kontext betont die Gewerkschafterin, dass auch für die Betreuung kranker Familienmitglieder ein Anspruch auf eine Arbeitsbefreiung von bis zu drei Tagen pro Krankheitsfall bestehe.

«Die Absenzen für die Pflege kranker Kinder müsse als Arbeitszeit angerechnet werden und die Angestellten haben Anspruch auf Lohnfortzahlung, wie bei eigener Krankheit», sagt Schmitter. (awp/sda)

MAZ: Grippe – das hilft

Bestimmt hast auch DU einen dieser kranken Typen im Büro

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Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rissle 05.01.2019 14:43
    Highlight Highlight Bei uns gibt es so ein paar ganz „Harte“,die krank arbeiten kommen, andere anstecken und dann über diejenigen lästern, welche dann bei Krankheit zu Hause bleiben. Wie ich die hasse!
  • Kong 05.01.2019 01:26
    Highlight Highlight die kommentare erschrecken mich. was sind das für firmen oder chefs? bei uns ist das problem eher umgekehrt, einige mitarbeiter reizen mit dubiosen kurzausfällen die nerven aller (montags- & freitagskurzgrippe). dieses krank zur arbeit zwingen kenne ich so nicht
  • patnuk 04.01.2019 16:34
    Highlight Highlight Kann ich dann eine Anzeige erstatten gegen den Arbeitgeber wenn ich angesteckt wurde bei der Arbeit und dies zur Arbeitsunfähigkeit führt?
    Ist ja gesetzlich verankert, müsste dann auch juristische Möglichkeiten geben.
    • Laky 05.01.2019 08:44
      Highlight Highlight Du hast nicht verstanden, der arbeitnehmer hat die pflicht dem arbeitgeber die krankheit zu melden. Tut er dies nicht, müsstest du wohl deinen kollegen verklagen.
  • Silas89 04.01.2019 16:33
    Highlight Highlight Ab wann ist man denn Krank? Mit leichtem Husten gehe ich meist arbeiten. Ich mache das nicht, weil mich irgendwer unter Druck setzt, wäre das so, würde ich zu Hause bleiben. Ich mache das, weil ich keinen Bock habe zu Hause rumzugammeln, weil ich gerne arbeite und weil es mir persönlich wichtig ist, dass es dem Geschäft gut geht.
    • ReziprokparasitischerSymbiont 06.01.2019 00:17
      Highlight Highlight Das geht mir genau so. Klar, wenn man etwas ansteckendes hat, sollte man den Kollegen zuliebe zuhause bleiben. Aber wegen leichtem Kopfweh und ähnlichem starre ich sicher nicht zuhause Löcher in die Luft.
  • Mietzekatze 04.01.2019 16:05
    Highlight Highlight Wow... In was für Firmen arbeitet ihr denn? Dass man sich für den Betrieb einsetzt wenn man gesund ist, ist ja völlig okay und auch geschuldet.. dafür wird man ja bezahlt! Aber würde mein Arbeitgeber von mir erwarten, oder mit Boni fördern, dass Kranke erscheinen und allen anderen und sich selbst schaden, würde ich kündigen! Wir sind ein mittlerer Betrieb, und ja es fällt auf wenn jemand fehlt, aber jeder von uns setzt sich für den anderen ein.. und wenn jemand krank erscheint, wird er von Teamkollegen oder vom Chef heimgeschickt!
    • Schnueffelix 05.01.2019 06:37
      Highlight Highlight Sucht ihr noch Mitarbeiter? Einen solchen Chef wünsch ich mir seit einiger Zeit. Ich bring euch auch Kaffee, trag den Müll raus, putz eure Schuhe...hauptsache man wird Anständig und Fair behandelt.
  • chorax 04.01.2019 14:57
    Highlight Highlight Unter 40 °C Körpertemperatur ist man einsatzfähig.
    Unter 42 °C Körpertemperatur ist man präsenzfähig.
    Ueber 42 °C Körpertemperatur darf man todeshalber der Arbeit fernbleiben und die liegengebliebene Arbeit später aufholen.
    So ist das hier.
  • Jungleböy 04.01.2019 14:40
    Highlight Highlight Ich mag menschen ohne rückgrat überhaupt nicht. Bleibt gefälligst zuhause!
  • LeChef 04.01.2019 14:36
    Highlight Highlight Eine Erkältung ist auch ansteckend. Also wegen jedem Schnupfen zuhause bleiben? Würde ich das machen müsste ich von Oktober bis März praktisch durchgehend blau machen.
  • malu 64 04.01.2019 14:18
    Highlight Highlight Dann gibt es noch Arbeitnehmer, welche ab dem 1. Krankheitstag noch 80% des Lohns bezahlen.
    • Lexii90 05.01.2019 13:02
      Highlight Highlight Bei uns zum Beispiel. Da überlegst du dir zwei Mal ob du dir das leisten kannst...
  • #Technium# 04.01.2019 12:00
    Highlight Highlight Als ob das Arbeitgeber in der so sozialen, familienfreundlichen Schweiz machen würden.
  • Kii 04.01.2019 11:49
    Highlight Highlight Bei uns bekommt man ein "boni", wenn man das ganze jahr nicht krank war (sehr fair, mol). Und falls man doch mal krank sein sollte, soll man doch ferientage beziehen. Dann gibts noch so ein "boni", für den mitarbeiter mit den meissten arbeitsstunden pro jahr 🤦‍♂️

    Nur zwei gründe von vielen, warum viele leute bei uns krank arbeiten gehen.





    • lilie 04.01.2019 12:49
      Highlight Highlight @Kii: Korrekterweise dürften die Mitarbeiter, die krank zur Arbeit kommen, den Bonus nicht bekommen.

      Sie erfüllen ja die Bedingung "nicht krank" nicht. ;)
    • Kii 04.01.2019 14:05
      Highlight Highlight Touché ;)
    • Bütschgi 04.01.2019 21:23
      Highlight Highlight Uj!
  • Bazoo 04.01.2019 11:13
    Highlight Highlight Ja die Gewerkschaft kann noch viel erzählen. Dass es die Arbeitgeber einen feuchten Dreck interessiert wissen wir alle. Entweder man gibt 47 oder 48 Wochen lang 110% oder man sieht sich Nachteilen ausgesetzt.
    Ob das nun wegbleibende Lohnerhöhungen sind oder sonstige Schickanen, bis hin zu degradierungen oder Entlaasungen.
    Klar übertreiben es auch die Angestellten hin und wieder. Aber die meisten von uns können es sich schlicht und einfach nicht leisten krank zu sein oder sich völlig auszukurieren.
    • Zitronensaft aufbewahren 04.01.2019 11:29
      Highlight Highlight Vorstellung oder Realität? Die selbe Geschichte erzählen auch Mitarbeiter von mir. Ich hatte jedoch noch nie Probleme, wenn ich ausgesetzt habe. Rein faktisch sind diese Umstände also oft auch eigebildet.
    • Klirrfactor 04.01.2019 11:55
      Highlight Highlight Ich hatte das Glück auch das Gegenteil zu erleben. Nicht ich direkt, aber bei meinem früherem Arbeitgeber.

      Eine Arbeitskollegin war mal während den Ferien drei oder vier Tage Tage krank, mit hohem Fieber (nicht erhöhte Temperatur) . Ihr Vorgesetzter hat dies per Zufall nach den Ferien mitbekommen. Er gab Ihr einen "ZS" weil Sie dies nicht meldete und kein Arztzeugnis mitgebracht hat. Sie habe das Anrecht ihre Krankheitstage wieder einzufordern.

      Aber bei diesem Arbeitgeber stimmte halt verdammt vieles.
    • Jungleböy 04.01.2019 14:41
      Highlight Highlight Machst du immer den bückling?!
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