Schweiz
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Andreas Meyer, CEO SBB, spricht waehrend einer Medienkonferenz, am Freitag, 23. August 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

SBB-Chef Andreas Meyer zeigte sich überrascht über die Anzahl Mängel, die bei einer Sonderkontrolle ans Licht kamen. Bild: KEYSTONE

Interview

SBB-Chef: «Ich trage die gesamte Verantwortung, auch in schwierigen Zeiten»

Nach dem tödlichen Unfall Anfang August reagiert der Bund: Die SBB müssen ihre Abläufe extern unter die Lupe nehmen lassen. SBB-Chef Andreas Meyer nimmt im Interview Stellung zu den Problemen.

Maja Briner / ch media



Die SBB haben seit der Einführung der Sonderkontrolle am 12. August insgesamt 512 Mängel bei 384 kontrollierten Zügen und 1536 Türen entdeckt.

Herr Meyer, das Bundesamt für Verkehr BAV hat eine externe Überprüfung angeordnet. Ist das ein Misstrauensvotum gegen die SBB?
Andreas Meyer:
Nein, das ist ein normaler Vorgang nach einem solchen tragischen Unfall. Ein externes Audit ergänzt die Massnahmen, die wir bereits getroffen haben. Wir sind erleichtert, dass das BAV diese als richtig erachtet. Sonst hätten wir die ganze Flotte der Einheitswagen IV aus dem Betrieb nehmen müssen.​

Seit Januar ist Simonetta Sommaruga Verkehrsministerin. Hat das BAV deswegen härter reagiert?
Nein. Das BAV nimmt seine Aufgabe genauso ernst wie wir unsere auch. Ich finde die Anordnungen des BAV – die ja auf unseren Fakten beruhen – angemessen. Wir wollen alle dazu beitragen, dass sich ein solch tragischer Unfall nicht wiederholt.

Die SBB haben bei einer Prüfung viele Mängel entdeckt. Wurden Fehler gemacht bei der Instandhaltung?
Bei der Sonderkontrolle sind tatsächlich mehr Mängel ans Licht gekommen, als wir erwartet haben. Jetzt müssen wir schauen, wieso das so ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es an den Mitarbeitenden liegt. Diese machen ihre Arbeit sehr sorgfältig. Wir waren nach dem Unfall in einem solchen Werk. Die Instandhaltung geschieht nach klaren Anweisungen. Wir müssen überprüfen, ob diese beim betroffenen Zugstyp Einheitswagen IV angepasst werden müssen.

Sie lassen die Wirkung von Sicherheitsmeldungen extern untersuchen. Weshalb?
Weil es uns stört, dass Mitarbeitende sagen, die SBB gingen diesen Meldungen nicht genügend nach. Das ist eine Vertrauensfrage. Wir haben festgestellt, dass Mitarbeitende auf gemeldete Mängel teils keine ausreichende Rückmeldung bekommen haben.

In letzter Zeit gab es mehrere Pannen, die «Weltwoche» fordert Ihren Rücktritt. Was sagen Sie dazu?
Ich trage als CEO die gesamte Verantwortung, auch in schwierigen Zeiten. In einem grossen Betrieb wie den SBB geschehen auf allen Ebenen immer wieder Fehler, das ist normal. Wir haben momentan aber tatsächlich eine angespannte Betriebslage. Wir hätten nie gedacht, dass wir den Einheitswagen IV so lange im Einsatz haben. Das hängt auch mit der Verzögerung der FV Dosto zusammen. Zudem haben wir sehr viele Events, etwa das Schwingfest, und gleichzeitig viele Baustellen. Das ist eine riesige Herausforderung, auch weil wir zum Teil nicht genug Lokführer haben. Ich bin aber überzeugt, dass sich die Situation Schritt für Schritt normalisieren wird.

(aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • RicoH 25.08.2019 18:02
    Highlight Highlight Das Einzige, was Herrn Meyer interessiert, ist seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

    Wie er selbst sagt: Wir haben festgestellt, dass Mitarbeitende auf gemeldete Mängel teils keine ausreichende Rückmeldung bekommen haben.

    Wenn im Betrieb die Meinung der Mitarbeitenden nichts zählt, stimmt grundsätzliches in der Unternehmenskultur nicht. Da er das offenbar nicht gebacken kriegt, müsste er zurücktreten.

    Das wäre die Konsequenz aus seiner Unfähigkeit. So ist seine Aussage "Ich trage die gesamte Verantwortung" nur eine Worthülse.
  • Victor Brunner 25.08.2019 09:25
    Highlight Highlight Das ganze Management sollte Verantwortung übernehmen und zurücktreten damit fähige Leute antreten können. Das gilt auch für den Verwaltungsrat der seine Aufsichtspflicht nicht wahrnimmt.
  • Astrogator 25.08.2019 07:39
    Highlight Highlight Wie sieht das denn genau aus, wenn Meyer "Verantwortung" trägt? Disziplinarische Massnahme, Lohnkürzung?

    Kann ich mir nicht vorstellen. Verantwortung übernehmen heisst Konsequenzen tragen, sehe ich nicht bei ihm.
    • Meyer Andrej 26.08.2019 08:59
      Highlight Highlight Meyer soll einfach gegen! Wir haben schon zu viel Geschichten gehört. Jedes einzelne Statement von diesem Blender macht den Eindruck, wie abgesprochen und einstudiert, ebenso muss alles über die Pressestelle laufen. Das ist ein unglaublich unautenthischer Zeitgenosse. Wie lange will die Politik noch zuschauen? Hat Berlin nicht gereicht?
  • Captainlvs 24.08.2019 23:03
    Highlight Highlight Herr Meyer wie rechtfertigen sie ihre jährlichen hohen Bonis und warum investieren sie dieses Geld nicht in neue Züge/Waggons oder günstigere Zugtickets?
  • TNBM 24.08.2019 21:51
    Highlight Highlight wie sieht es mit der zeitvorgabe aus, in welcher eine inspektion durchgeführt werden muss?
    ich habe da keine ahnung. kenne es aber aus anderen betrieben, dass kaum zeit bleibt um die arbeit ordentlich und gewissenhaft ausführen zu können. ein weiteres argument dabei ist das geld. alles muss und soll möglichst günstig sein, hauptsache der profit ist gross. quantität statt qualität 👍🏼
    • Grötzu 24.08.2019 22:35
      Highlight Highlight Stimmt. Inspektion erfolgt erst wenn etwas passiert.
    • Astrogator 25.08.2019 07:38
      Highlight Highlight Mal ein Müsterchen, im Bordjournal (so was wie ein Serviceheft) eines Zuges von heute ist ein Schaden der vor Wochen gemeldet wurde. Eintrag vom Unterhalt: "Schweizweit KEIN Ersatzteil vorrätig, bestellt, wird im Herbst geliefert."

      Und sowas ist nicht selten und kommt immer häufiger vor.
    • Meyer Andrej 26.08.2019 09:05
      Highlight Highlight Die Klimaanalagenim ICN Führerstand seit 5 Wochen defekt, ist egal, bei 38 Grad im Führerstand, man kann ja bei einer Unregelmässigkeit immer dem Lf die Schuld geben!

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