Schweiz
Wirtschaft

Autosteuer bremst in der Schweiz Nachfrage nach Elektroautos aus

Ob das Elektroauto in der Garage geladen werden kann, hängt in der Schweiz vom Willen der Vermieter ab.
Mit der neuen Besteuerung auf Elektroautos nimmt in der Schweiz die Nachfrage nach Hybriden-Fahrzeugen zu, nach reinen Elektrowagen hingegen ab.Bild: Keystone

«Regierung hat ein Eigentor geschossen» – Autosteuer bremst Nachfrage nach E-Autos aus

Der Bundesrat hat im vergangenen Jahr entschieden: Per 1. Januar 2024 sind Elektroautos nicht mehr steuerbefreit. Der Schweizer Automarkt bekommt das nun zu spüren.
05.07.2024, 14:48
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Die Einführung der Autosteuer von 4 Prozent auf Elektroautos in diesem Jahr bremst die Nachfrage nach Stromern. «Damit hat die Regierung ein veritables Eigentor geschossen», erklärte der Branchenverband Auto-Schweiz.

Die Erhebung der Autosteuer habe teilweise zu höheren Preisen für E-Autos geführt, sagte der stellvertretende Direktor des Branchenverbandes Auto-Schweiz, Christoph Wolnik, am Donnerstag auf einer Medienkonferenz in Dübendorf: «Dementsprechend ist die Nachfrage gesunken.»

Hybridantrieb ist der neue Benziner

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr knapp acht Prozent weniger Steckerautos verkauft als im Vorjahressemester. Der Marktanteil der vollelektrischen Autos fiel auf 17,6 Prozent und damit wieder auf das Niveau von 2022. Im vergangenen Jahr hatte er erstmals die Marke von 20 Prozent geknackt.

Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten 121'000 Neuwagen ausgeliefert. Das sind 2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auffällig ist der Rückgang von 13 Prozent bei den Benzinern.

Der Hybridantrieb sei der neue Benziner, sagte Wolnik am Rande der Medienkonferenz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Während die Mild-Hybridfahrzeuge um knapp 14 Prozent zulegten, stagnierten die Stecker-Hybriden.

Dieselautos wurden ebenfalls wieder etwas mehr (+ 3%) gekauft. Eine Erklärung für die leichte Zunahme der Selbstzünder habe er nicht, sagte Wolnik.

Kein Nachholeffekt nach Pandemie

Der negative Trend bei den Steckerfahrzeugen mache Sorgen, sagte Auto-Schweiz-Vizepräsident Donato Bochicchio. «Im Rahmen der Road-map E-Mobilität visieren wir ein Ziel von 50 Prozent Steckerfahrzeuge bis 2025 an.» Ende Dezember hatte der Marktanteil von Steckerautos die Marke von 30 Prozent übertroffen. Per Ende Juni 2024 ist er wieder auf 26,4 Prozent geschrumpft.

«Die aktuellen Verkaufsvolumina führen in der Autobranche zu keinen Freudensprüngen», sagte Bochicchio. «Der langersehnte Nachholeffekt nach der Pandemie bleibt aus. Der Fahrzeugpark in der Schweiz altert und altert.»

Man stelle seit knapp einem Jahr eine Zurückhaltung der Privatkunden fest. «Auch bei den Unternehmen besteht keine Investitionsfreude, weil Währungsunsicherheit, Rezessions- und Inflationsängste die Firmen stark belasten», sagte Bochicchio.

Man sei gleichwohl optimistisch, die Prognose von Auto-Schweiz für das Gesamtjahr 2024 von 260'000 Personenwagen zu erreichen. Dafür brauche es allerdings ein starkes zweites Halbjahr. «Aber auch mit diesen Zahlen bleiben wir weiterhin um 15 Prozent unter dem Vor-Coronaniveau.»

Die Verlangsamung des Umstiegs auf neue Antriebstechnologien bereite Sorgen, sagte Bochicchio. Das Angebot der Hersteller ist daran nicht mehr schuld. Das Angebot an preiswerten E-Autos wird weiter ausgebaut.

Die Privat- und Firmenkunden hätten immer noch Unsicherheiten gegenüber der E-Mobilität, nicht mehr wegen der Zuverlässigkeit der neuen Technologie, sondern wegen der politischen Rahmenbedingungen, kommerziellen Themen und der eigenen Versorgungssicherheit. «E-Mobilität funktioniert nur, wenn es sich für den Konsumenten rechnet», sagte Bochicchio.

CO2-Ziele zu erreichen wird schwierig

Der Vizepräsident kritisierte weiter: «Die Automobilwirtschaft wird in diesem und nächsten Jahr grösste Mühen haben, den bisherigen Absenkpfad des Flottenausstoss weiterhin im Abwärtstrend zu halten, wenn der Anteil der Elektrofahrzeuge nicht mehr weiter ausgebaut werden kann. Das wird alle Konsumenten teuer zu stehen kommen, weil es zwangsläufig zu Preiserhöhungen der Fahrzeuge führen wird.»

2023 hatte die Branche den Zielwert von 118 Gramm C02 im Flottenschnitt mit 113 Gramm erstmals eingehalten. Ab 2025 gilt allerdings ein deutlich tieferer Grenzwert von 93,6 Gramm CO2. Werden die Vorgaben der Politik nicht eingehalten, müssen die Autoimporteure Strafzahlungen leisten. (sda/awp)

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172 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tuition 583
05.07.2024 15:32registriert Juni 2024
Ich liefere gern mal wieder reale Fakten aus eigener Erfahrung. Macht damit was ihr wollt. Unser Vermieter hat mit einmalkosten von 1500 CHF eine Ladestation eingerichtet über die wir mit einem Einheitstarif und RFID Tags abrechnen. Nachts gibts Wasserkraft zu total 23 Rp / kwh und tagsüber selbst produzierten Solarstrom auch zu 23Rp/kwh. Unsere Autos fressen 10kwh/100km im langjährigen Schnitt = 2.30 CHF pro 100km. Service kostet signifikant weniger als beim Benziner vorher, Pneus halten gleich lange wie beim Benziner, zusammen 25k km im Jahr! Bald Eigentum mit ZEV Solar gratis = minus 575 /y
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Munchkin
05.07.2024 15:08registriert Januar 2019
Warum sollte ich mir ein E-Auto holen, wenn ich zuhause nicht laden kann. Das denken leider viele und haben teils auch recht. Die Eigentümer:innen und wenige glücklichen Mieter:innen haben schon ihr E-Auto und die anderen 50% der Bevölkerung hat keine Chance. Die Steuer spielt da absolut keine Rolle.
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Tuition 583
05.07.2024 16:13registriert Juni 2024
Ich muss noch einmal ein Beispiel aus dem wahren Leben bringen. Bekannte kauften kürzlich für irgendwo 25k einen kleinen Mildhybrid (also nur Rekuperation) Sind Hausbesitzer mit perfekt ausgerichteten Dach und scheuen sich eine Solaranlage zu machen und eine Ladestation zu installieren und sich ein etwa gleich grosses, gleich leistungsfähiges und gleich teures E-Auto (E-Up) zu kaufen. Das ist einfach sinnlos in jedem Aspekt. Trotzdem glauben sie was tolles gemacht zu haben. Menschen gibts. Ich lasse ihnen die Freude weil logische Argumente eh nicht ziehen.
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