Schweiz
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Von Reue keine Spur: Bankdaten-Dieb Falciani macht sich über Schweizer Justiz lustig



Der vom Bundesgericht 2015 in Abwesenheit verurteilte Bankdaten-Spion Hervé Falciani sieht sich weiter als Whistleblower und kritisiert die Schweiz. Das Auslieferungsgesuch an Spanien zeige den «verletzten Stolz der Schweizer Justiz».

«Dank mir wurden weltweit Hunderte Steuersünder verurteilt», sagte der in Spanien lebende französisch-italienische Falciani in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» und der «Tribune de Genève» vom Montag. «Auf mich loszugehen, ist schlicht ein Fehler der Schweizer Justiz».

epa06706686 French-Italian systems engineer and former employee of HSBC, Herve Falciani addresses a press conference before the start of his workshop on the use of open data at the Technical University of Valencia in Valencia, Spain, 02 May 2018. Switzerland sentenced Falciani to five years in prison for alleged unauthorized acquisition of data, financial espionage and violating Swiss bank and business secrecy rules.  EPA/MANUEL BRUQUE

Falciani im Mai 2018 in Valencia. Bild: EPA/EFE

Die Verurteilung in der Schweiz hält er für lächerlich. «Mal ehrlich, selbst wenn Spanien mich nun ausliefern und ich im Gefängnis landen sollte, glauben Sie wirklich, die Schweiz würde am Schluss als Retter der Gerechtigkeit dastehen?»

Falciani sieht sich weiter als Whistleblower. «Treibende Kraft war ein Gefühl der Ungerechtigkeit. Die meisten Bankkunden sind ehrlich, aber gewisse nutzen das System aus. Dies musste einfach an die Öffentlichkeit.» Falciani bestreitet den Vorwurf der Bundesanwaltschaft, dass er gestohlene Daten verkaufen wollte.

Viele Menschen würden sich ein Urteil über ihn erlauben, sagte Falciani weiter. «Aber wie viele von ihnen hätten den Mut, das zu tun, was ich gemacht habe?»

Daten von Tausenden Kunden

Falciani war bei HSBC Schweiz als Informatiker angestellt und hatte in den Jahren 2006 und 2007 Daten von rund 15'000 Kunden gestohlen und ausländischen Stellen angeboten, namentlich in Frankreich, Grossbritannien und Deutschland.

Dies löste in Frankreich, Österreich, Belgien und Argentinien im Anschluss Verfahren und Untersuchungen aus; weltweit konnten tausende Steuersünder überführt werden. Das Bundesstrafgericht verurteilte Falciani Ende 2015 wegen zu fünf Jahren Gefängnis. Freigesprochen hatte ihn das Gericht in Bellinzona vom Vorwurf der Verletzung des Bankgeheimnisses und der unbefugten Datenbeschaffung.

Mehr zum Thema Whistleblower:

Entscheid über Auslieferung

Falciani lebte seither im Exil und weigerte sich, in die Schweiz zu reisen. Spaniens Oberstes Gericht verweigerte bislang die Auslieferung, da die Taten, für die er in der Schweiz verurteilt worden war, in Spanien nicht strafbar seien. Zuletzt wurde er im Frühjahr in Spanien festgenommen, anschliessend aber wieder auf freien Fuss gesetzt. In den nächsten Tagen wird ein Entscheid eines Gerichts in Madrid über sein Schicksal erwartet.

Heute lebe er bescheiden, erklärte Falciani im Interview. Er sei als Finanzberater im Bereich Kundenprüfung und Betrugsermittlung für Beratungsfirmen und Grosskonzerne tätig. «Es gibt sogar Schweizer Firmen, die mich anfragen.» (sda)

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Charming 17.09.2018 18:31
    Highlight Highlight Whistleblower gehören geschützt, aber nicht wenn sie sich daran bereichern! Die CH profitiert davon und steckt diese Personen noch ins Gefängnis, bescheuerter gehts nimmer! Wieso implementieren unsere PolitikerInnen kein dementsprechendes Gesetz? Ich befürchte da stecken einige ganz schön drin im Schlamassel...anders ist das nicht zu erklären!
  • Madmessie 17.09.2018 09:19
    Highlight Highlight Ein Held für mich.
  • Gummibär 17.09.2018 08:56
    Highlight Highlight Auf eine Anstellung und Karriere bei einer Bank für seinen Lebensunterhalt wird er wohl nicht hoffen können. Whistleblowing lohnt sich, angesichts der Strafverfolgung und der jahrelangen Umtriebe höchst selten. Hier hat ein Dieb die Diebe bestohlen. Die Empörung hält sich in Grenzen.
  • Skeptischer Optimist 17.09.2018 07:50
    Highlight Highlight Watson schreibt:

    " Das Bundesstrafgericht verurteilte Falciani Ende 2015 wegen zu fünf Jahren Gefängnis."

    Wegen was?
  • Schneider Alex 17.09.2018 07:14
    Highlight Highlight Wie sollen denn die Steuerbehörden realistischerweise an die Informationen über die Steuerbetrüger oder –hinterzieher herankommen? Ohne Whistleblower geht das doch gar nicht! Wer meint, zuviel Steuern zahlen zu müssen, soll doch die Steuergesetze auf demokratischem Weg zu ändern versuchen. Wer Steuern hinterzieht oder dazu anstiftet ist ein „mieser Staatsbürger“ resp. eine „miese Bank“, in welchem Land auch immer und verdient keinen Schutz.
  • Unkel Wullewu 17.09.2018 07:10
    Highlight Highlight
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    Anstatt die Energie an Falciani zu verschwenden, sollte sich die Schweizer Justiz besser mal der Skandalbank HSBC (siehe arte Dok vom Link) annehmen.

    Falciani sollte Schweizer Ehrenbürger werden und die HSBC aus dem Lande gejagt werden!
  • MikoGee 17.09.2018 07:09
    Highlight Highlight Wenn er ein Held sein wollte, hätte er nicht versuchen sollen die Daten gewinnbringend zu verkaufen. Das macht Ihn zu keinem klassischen Whistleblower-Held wie Edward Snowden und Chelsea Manning, sondern zu einem klassischen Kriminellen mit "Robin Hood" - Komplex.
    • tinmar 17.09.2018 09:41
      Highlight Highlight ... er muss ja auch von was leben. Muss ja nicht immer gleich Selbstlosigkeit bis zum Exzess sein ... also schon Whistleblower ... sogar einer mit mehr Hirn. Sitzt nicht im Knast oder nervt eine ausländische Botschaft über Jahre in Grund und Boden

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